Das Tuxedo InfinityBook Pro 14 v3 im Test

Aus LinuxUser 09/2018

Das Tuxedo InfinityBook Pro 14 v3 im Test

© Computec Media GmbH

Unendlichkeit<+>3<+>

Viele Hersteller specken ihre Kompakt-Notebooks um Schnittstellen ab – nicht so Tuxedo: Das neueste InfinityBook Pro 14 bietet trotz DIN-A4-Formats USB-Ports und GbE.

Linux-Nutzer scherzen seit langer Zeit, das nächste Jahr werde ganz bestimmt das “Jahr des Linux-Desktops”. Auch wenn der Marktanteil von Linux auf dem PC langsam steigt, die Verkaufszahlen von Desktop-PCs sinken seit Jahren. Gefragt wäre also eher ein “Jahr des Linux-Notebooks” – und da sieht es gar nicht so schlecht aus.

Wer ein mit Linux vorinstalliertes Notebook kaufen möchte, der hat inzwischen eine recht breit gefächerte Wahl: vom Computer-Riesen Dell über die US-Linux-Spezialisten von System76 bis hin zum deutschen Unternehmen Tuxedo. Nach dem Auspacken sofort einsatzbereite Notebooks muss man also längst nicht mehr mit der Lupe suchen. Wir nehmen hier das 2018 überarbeitete InfinityBook Pro 14 [1] von Tuxedo näher unter die Lupe.

InfinityBook Pro 14

Das Tuxedo InfinityBook Pro 14 positioniert sich mit seinem schlanken Gehäuse in der Kategorie der “Ultrabooks” als Alternative zu Top-Modellen wie dem Dell XPS 13 oder einem Macbook.

Im Gegensatz zu den Geräten der großen Hersteller spart Tuxedo allerdings nicht an den Schnittstellen: Es gibt drei USB-Ports (davon ein USB-C mit Thunderbolt 3), eine konventionelle HDMI-Buchse, einen Mini-DisplayPort 1.3 sowie einen SD-Kartenleser und eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle (Abbildung 1). Statt eines Windows-Symbols ziert ein dicker Tux die Super-Taste. Dabei handelt es sich nicht um einen einfachen Aufkleber, sondern eine “richtige” Taste (Abbildung 2).

Abbildung 1: Ethernet und klassische USB-Ports: Das InfinityBook Pro&nbsp;14 hat trotz flacher Bauform alles Wichtige an Bord.

Abbildung 1: Ethernet und klassische USB-Ports: Das InfinityBook Pro 14 hat trotz flacher Bauform alles Wichtige an Bord.


Abbildung 2: Tux anstatt Windows: Tuxedo passt die Super-Taste an das Betriebssystem an.

Abbildung 2: Tux anstatt Windows: Tuxedo passt die Super-Taste an das Betriebssystem an.

Komponente

Testgerät

Optionale Variationen

CPU

Intel Core i7-8550U (4 x 1,8 bis 4.0 GHz Quad-Core, 8 Threads, 8 MByte Cache, 15 W TDP)

Intel Core i5-8250U (4 x 1,6 bis 3,4 GHz Quad-Core, 8 Threads, 6 MByte Cache, 15 W TDP)

GPU

Intel UHD Graphics 620

keine Änderungen möglich

Display

Full-HD (1920 x 1080 Pixel) IPS, matt

keine Änderungen möglich

RAM

16 GByte, 2400 MHz

8 bis 32 GByte, 2400 oder 2666 MHz

SSD

500 GByte, Samsung 970 EVO

250 GByte Samsung 860 EVO bis 2048 GByte Samsung 960 PRO

WLAN/BT

Intel Dual AC 8265, Bluetooth M.2 2230

keine Änderungen möglich

Netzwerk

Gigabit-Ethernet

keine Änderungen möglich

Mobilfunk

LTE/HSDPA+ 4G Huawei ME936

Abmessungen

329,8 x 18, x 225,0 mm (B x H x T) bei 1,4 kg (je nach Ausstattung)

 

Preis

1207 Euro

897 Euro bis 2638 Euro

In einem Unibody-Gehäuse, bis auf den Display-Rahmen komplett aus Aluminium gefertigt, integriert Tuxedo Mainboards mit aktuellen Intel-CPUs der “Kaby-Lake”-Generation. Zur Wahl stehen ein Core i5-8250U mit bis zu 3,4 GHz sowie ein Intel Core i7-8550U, der bis auf 4 GHz hochtaktet. Beim Arbeitsspeicher setzen Sie entweder auf günstigere Module von Crucial oder auf schnellere von Samsung. Bis zu 32 GByte RAM lassen sich auf das Motherboard packen. Auch beim SSD-Massenspeicher stehen Ihnen eine Reihe von Optionen zur Verfügung; im Top-Modell steckt eine Samsung 960 Pro mit 2048 GByte Kapazität.

Dank eines schlankeren Bildschirmrands passt das 14 Zoll (35,56 cm) große Display in dasselbe Gerätevolumen wie beim kleineren Bruder InfinityBook 13. Es löst mit 1920 x 1080 Pixel im Full-HD-Format auf; auf die Option eines höherwertigen 4K-Displays verzichtet Tuxedo. Die Beleuchtung des IPS-Panel strahlt hell genug, um auch an einem hellen Sommertag auf der Terrasse arbeiten zu können, wobei dank der matten Beschichtung keine störenden Reflexionen auftreten. Externe Bildschirme lassen sich über HDMI (max. 2560 x 1600 bei 60 Hz oder 3840 x 2160 bei 30 Hz) sowie über den Thunderbolt-Port anschließen.

Die Preise für das InfinityBook Pro 14 liegen je nach Ausstattung zwischen 897 Euro für das Basis-Gerät mit Intel Core i5 und 2638 Euro für das voll ausgestattete Top-Modell mit Core i7, 32 GByte Arbeitsspeicher, 2 TByte SSD sowie dem optional erhältlichen Mobilfunkmodem. Innerhalb von Deutschland fallen bei Tuxedo ab einem Warenwert von 35 Euro keine Versandkosten an.

Ubuntu mit Schuss

Tuxedo liefert seine Geräte mit vorinstalliertem Linux aus. Zur Wahl stehen Ubuntu 18.04 LTS, OpenSuse 15 oder Tuxedo Budgie 18.04 LTS, eine leicht angepasste Version von Ubuntu mit Budgie-Desktop [2] – das Testgerät war mit diesem System ausgestattet. Budgie entstammt der Distribution Solus [3] und setzt bis zur aktuellen Version 10 auf Gnome-Komponenten wie GTK+ 3, ab der Version 11 möchte das Projekt auf Qt umsatteln.

Gegen Aufpreis installiert Tuxedo neben Linux auch Windows 10, je nach Bedarf als virtuelle Maschine oder parallel zum Linux im Dual-Boot-Betrieb. Pflichtgemäß tut Linux auf dem InfinityBook Pro ohne Komplikationen seinen Job, das Gerät bootet binnen Sekunden. Früher kritische Funktionen wie Standby und Suspend sowie die Hardware von der Webcam über den Kartenleser bis zu Bluetooth steht direkt nach dem Auspacken zur Verfügung.

Dem Einsteiger hilft Budgie mit einem Assistenten, der durch die Konfiguration des Systems hilft und das Einrichten weiterer Webbrowser erlaubt (Abbildung 3). Der Budgie-Desktop steht dem Tuxedo-Gerät gut zu Gesicht (Abbildung 4). Der Hersteller konfiguriert die Oberfläche mit einem Panel mit Anwendungsmenü und Benachrichtigungsfeld (System-Tray) am oberen Bildschirmrand sowie einer Schnellstartleiste auf Basis von Plan links, die bei Maximieren von Fenstern in den Hintergrund verschwindet.

Abbildung 3: Ein Einrichtungsassistent hilft bei den ersten Schritten im neuen System.

Abbildung 3: Ein Einrichtungsassistent hilft bei den ersten Schritten im neuen System.


Abbildung 4: Budgie setzt auf aktuelle Gnome-Technik, vom Aufbau erinnert er allerdings eher an klassische Desktops.

Abbildung 4: Budgie setzt auf aktuelle Gnome-Technik, vom Aufbau erinnert er allerdings eher an klassische Desktops.

Tuxedo ergänzt das System mit LibreOffice, Gthumb als Bildbetrachter, Xterm, Uxterm und Tilix als Terminals, Chromium und Firefox zum Surfen, Geary und Thunderbird als Mail-Programme, Gnome MPV und Videos (ex: Totem) zum Betrachten von Filmen und Gedit sowie Gvim zum Bearbeiten von Texten. In der Spiele-Rubrik finden sich Freeciv und OpenTTD, ein Open-Source-Nachbau von “Transport Tycoon Deluxe”. Viele Anwendungstypen gibt es also doppelt oder dreifach, eventuell wäre hier eine Beschränkung auf eine Anwendung pro Aufgabe sinnvoller.

Praxis

In der Praxis weiß das InfinityBook Pro zu überzeugen. Der Li-Ion-Akku mit 36 Wh hält das System bei mittlerer Display-Helligkeit an einem klassischen Arbeitstag mit Texteditor, Browser, Mail-Programm für knapp 7 Stunden am Leben. Das Nachladen erfolgt zügig; das Netzteil misst nur 88 x 35 x 26 mm (etwa so lang und dick wie eine Zigarettenschachtel, jedoch nur halb so breit) und wiegt selbst mit allen Kabeln lediglich 200 Gramm.

Die Rechenleistung des Intel Core i7 im Testgerät ist über alle Zweifel erhaben. Intel-typisch darf man das von der in den Chipsatz integrierten GPU allerdings nicht erwarten: Sie genügt zwar den Ansprüchen eines modernen Desktops, bei grafisch anspruchsvollen 3D-Spielen geht ihr jedoch die Kraft aus. Der Lüfter des Geräts bleibt in jedem Fall angenehm unauffällig im Hintergrund, während üblicher Bürotätigkeiten bleibt er in der Regel ganz stehen. Das Notebook arbeitet somit meist komplett lautlos.

Die Tasten des “Chiclet”-Keyboards besitzen einen auch für Vielschreiber angenehmen Druckpunkt. Tuxedo installiert im System einen eigenen Kernel-Treiber, sodass auch Sondertasten wie [Fn]+[F11] für den Flugmodus funktionieren. Das Touchpad unterhalb der Tastatur wirkt im Vergleich zu ähnlichen Geräten ein wenig mickrig, zudem schränkt die Tastenwippe den nutzbaren Bereich zusätzlich ein. Sie besitzt nur zwei Tasten; für einen mittleren Mausklick muss man mit drei Fingern auf das Touchpad tippen, ein Zwei-Finger-Tipper produziert einen Rechtsklick.

Tuxedo ergänzt das System um zwei eigene Paketquellen, aus denen der Hersteller Grafiktreiber und Themes für den Desktop installiert (Abbildung 5). Auf diesem Weg kann Tuxedo bei Problemen mit der Hardware auch direkt Lösungen anbieten, ohne auf den Distributor warten zu müssen. Tuxedo unterstützt den Anwender im Fall der Fälle mit seinem WebFAI-System [4] und einem eigenen Installationsskript für Treiber [5] bei der Neuinstallation des Systems. Dazu liegt ein bootfähiger USB-Stick dem Paket bei.

Abbildung 5: Tuxedo legt dem Paket einen USB-Stick bei, &uuml;ber den sich das System leicht wiederherstellen l&auml;sst.

Abbildung 5: Tuxedo legt dem Paket einen USB-Stick bei, über den sich das System leicht wiederherstellen lässt.

Fazit

Tuxedo präsentiert mit dem InfinityBook Pro 14 ein nachhaltig nutzbares Notebook: Die verbaute Hardware dürfte über Jahre hinweg ausreichend Leistung für kommende Linux-Generationen liefern; Verschleißteile wie Lüfter und Akku lassen sich reinigen und auswechseln; die nicht eingelöteten RAM-Module kann man austauschen. Sollte einmal der Platz auf dem Massenspeicher ausgehen, gibt es einen Steckplatz für eine weitere SSD im 2,5-Zoll-Format.

Tuxedo hat sowohl bei der Auswahl der Komponenten als auch der Vorbereitung des Systems seine Hausaufgaben erledigt, im Alltag gibt sich das Gerät keine Blöße. Dankenswerterweise denkt der Hersteller auch an User, die das System neu aufsetzen müssen. Das Konfigurationsskript und der bootfähige USB-Stick setzen das Gerät schnell wieder in den Auslieferungszustand zurück, selbst wenn man einmal den Massenspeicher austauschen muss. 

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2 Kommentare
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Paul Menzel
7 Jahre her

Das ³ im Titel wird auf http://www.linux-community.de nicht korrekt dargestellt: Unendlichkeit3.

Paul Menzel
7 Jahre her

Vielen Dank für den Test. Leider fehlen diverse Angaben, die für einen Nutzer wichtig sind.

1. Wie wird die Firmware aktualisiert? Wird fwupd (https://fwupd.org/) unterstützt?
2. Wie lange braucht die Firmware bis der Bootloader oder das Betriebssystem gestartet wird? (systemd-analyze sollte das anzeigen.)
3. Welcher Linux-Kernel wird verwendet?
4. Welche (Treiber-) Anpassungen im Vergleich zu Ubuntu werden wirklich gemacht?
5. Zeigt systemctl das alle Dienste gestartet werden konnten (beim TUXEDO Book BU1406 war das nicht so).
6. Werden ACPI S3 und die S0ix-Zustände unterstützt?

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