Nach wie vor gibt es nur wenige Echtzeitstrategiespiele, in denen man möglichst lautlos und unbemerkt die Gegner ausschalten muss. Entwickler Mimimi Productions wagt sich an dieses Thema heran und liefert mehr als nur einen Aufguss des Klassikers Commandos.
Im Jahre 1615 hat der neue Shogun das Land endlich wieder im Frieden vereint. Mit seiner Herrschaft sind allerdings nicht alle Einwohner einverstanden. Das gilt besonders für einen seiner ärgsten Widersacher, der mit zahlreichen Aufständischen und gezielten Angriffen den Shogun vom Thron stoßen möchte. Um das zu verhindern, schickt der Shogun fünf Söldner los, die in mehreren Missionen die Verschwörer ausspionieren und ihre Aktionen gezielt sabotieren sollen. Im Echtzeitstrategiespiel „Shadow Tactics: Blades of the Shogun“ steuert der Spieler die fünf Söldner mit der Maus durch die Lager der Aufständischen. Da diese in der Regel in der Überzahl sind, gilt es dabei möglichst leise und unauffällig vorzugehen.

Hayato hinter der Holzhütte könnte den nach oben schauenden Wächter einfach von hinten ermorden. Das würden aber die Strohhüte am Tor sehen. Der grüne Kegel zeigt das Blickfeld des rot umrandeten Wächters an.
Alles im Blick
Der Spieler sieht das Geschehen aus einer leicht schrägen Vogelperspektive. Ein Mausklick genügt und schon läuft der Held zum entsprechenden Punkt, erledigt den anklickten Gegner oder nutzt ein Objekt. Sollte ihn dabei einer der Aufständischen entdecken, eröffnet dieser nicht nur umgehend das Feuer, sondern alarmiert auch seine Kollegen. Gegen diese Übermacht hat man in der Regel nur selten eine Chance, weshalb man sich möglichst im Schatten, in Gebüschen, auf den Dächern oder im Rücken der Feinde halten sollte. Glücklicherweise kann jeder Gegner nur einen dreieckigen Teilbereich der Landschaft in seiner aktuellen Blickrichtung einsehen. Die Sicht versperren zudem Zäune, Kisten und andere sperrige Objekte, mit zunehmender Entfernung erkennen die Gegner zudem die Helden immer schlechter.

Eine Lösungsmöglichkeit besteht darin, den Wächter mit einer Sake-Flasche aus dem Sichtfeld der Strohhüte zu locken und ihn dann zu überwältigen.
Mit etwas Glück kann man sich so von hinten an einen Gegner heranschleichen und ihn dann lautlos ins Jenseits befördern. Der Spieler hat dabei stets die Wahl, den Gegner zu ermorden oder aber nur ins Reich der Träume zu schicken. Im letzten Fall wacht der Gegner nach einiger Zeit wieder auf. Folglich liegt es nahe, die Gegner zu töten. Dabei bleibt jedoch eine Leiche zurück. Sollte diese einer patrouillierenden Wache auffallen, löst sie unmittelbar Alarm aus und geht aktiv auf die Suche nach dem Täter. Die Helden sollten daher die Leichen möglichst schnell verstecken. Geeignete Ablagen sind leere Fässer, Brunnen und Büsche. Mitunter lässt sich alternativ auch eine Kiste oder ein Balken von einem Dach auf den Gegner werfen. In solchen Fällen sieht der Mord wie ein Unfall aus, bei dem die Wachen keinen Verdacht schöpfen.

Takuma ist ein Scharfschütze, mit dem sich auch über größere Distanzen Gegner ausschalten lassen. Dummerweise ist seine Munition extrem begrenzt.
Eigenbrötler
Jeder Held besitzt ganz unterschiedliche Fähigkeiten. So kann etwa der agile Hayato unter anderem mit einer Art Enterhaken auf Häuserdächer klettern und Wurfsterne verschießen. Mugen wiederum gelangt nur über Leitern auf Dächer, kann dafür aber schwere Gegenstände tragen und eine Flasche mit Sake als Köder auslegen.

Hayato kann die Aufmerksamkeit der Gegner mit einem Steinwurf auf eine bestimmte Stelle lenken, die Wächter aber nicht anlocken.
Um voranzukommen, müssen die Helden in der Regel zusammenarbeiten. So muss beispielsweise Hayato seinem Kollegen Mugen ein Tor öffnen. Einige Wachen lassen sich zudem nur bezwingen, indem man sie von zwei Seiten gleichzeitig angreift. Um diese Angriffe besser koordinieren zu können, darf der Spieler in einen speziellen Planungsmodus schalten. In ihm legt er für jeden Helden die nächste auszuführende Aktion fest. Per Mausklick arbeiten die Helden dann ihre Aktionen gleichzeitig ab.

Hier wird ein gemeinsamer Angriff geplant: Hayato stürmt aus dem unteren Gebüsch und erledigt den unteren Wächter, während Mugen aus dem oberen Gebüsch heraus den Wächter am Haus erledigt.
Mimimi Productions und Daedalic verkaufen ihr Spiel für 40 Euro auf Steam [2], bei Gog.com [3] und im Humble Store [4]. In Letztgenanntem erhält man allerdings nur einen Key, mit dem man das Spiel auf Steam freischalten kann. Eine kopierschutzfreie Version gibt es im Humble Store lediglich für Windows- und macOS-Nutzer. Wer als Linux-Anwender eine Fassung ohne Kopierschutz erwerben möchte, muss das Spiel bei Gog.com kaufen. In jedem Fall liegt Shadow Tactics nur als 32-Bit-Programm vor. Mit einer sowohl über Steam als auch Gog.com angebotenen Demo-Version können Interessenten vor dem Kauf nicht nur in das Spiel hineinschnuppern, sondern auch prüfen, ob ihr System alle technischen Voraussetzungen erfüllt.

Die Landschaft lässt sich nicht nur frei rotieren, per Tastendruck hebt das Spiel auch alle nutzbaren Gegenstände und Verstecke hervor (hier gelb und grün umrandet).
Fazit
Shadow Tactics: Blades of the Shogun bietet zwar nur eine recht platte Hintergrundgeschichte, im Gegenzug hat Entwickler Mimimi Productions dafür um so mehr Arbeit in die ausgefeilten Missionen gesteckt. Letztgenannte erlauben nicht nur mehrere verschiedene Lösungswege, sondern verlangen auch immer wieder unterschiedliche Taktiken, die den Einsatz aller Fähigkeiten der Helden fordern. Die Missionen sind zudem abwechslungsreich gestaltet, ihre Lösung dauert meist mehrere Stunden. Allerdings sind nur rund eine Handvoll Missionen enthalten – hier hätte man sich noch ein paar mehr gewünscht.

Meist gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten: Hier könnte Hayato die beiden Wachen mit einem Stein ablenken oder an den oberen und linken Mauern entlang an ihnen vorbeischleichen.
Trotz des schnell steigenden und recht hohen Schwierigkeitsgrades kann man nur schwer von Shadow Tactics lassen. So ertappt man sich schnell dabei, mehrere Stunden lang den besten Weg auszutüfteln. Das Spiel eignet sich daher vor allem für Taktik-Liebhaber, die die anstehenden regnerischen Herbsttage überbrücken möchten. Alle anderen sollten mit der Demo-Version in Shadow Tactics hineinschnuppern und so gleich auch noch prüfen, ob ihr System den relativ hohen Hardwareanforderung genügt.
Shadow Tactics – Blades of the Shogun
| Bezugsquelle: | http://www.shadow-tactics.com/ |
| Entwickler: | Mimimi Productions / Daedalic |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | 39,99 Euro (Steam, Gog.com und Humble Store) |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik (offiziell Ubuntu 14.04 oder Ubuntu 16.04), Prozessor ab der Klasse Intel Core i3 der zweiten Generation mit 2,5 GHz, mindestens 4 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte der Klasse Nvidia GT640 beziehungsweise AMD Radeon HD7750 oder besser, mindestens 13 GByte freier Speicherplatz auf der Festplatte |
Infos
[1] Projekt-Homepage:
http://www.shadow-tactics.com/
[2] Steam:
http://store.steampowered.com/app/418240/Shadow_Tactics_Blades_of_the_Shogun/
[3] Gog.com:
https://www.gog.com/game/shadow_tactics_blades_of_the_shogun
[4] Humble Store:
https://www.humblebundle.com/store/shadow-tactics-blades-of-the-shogun
[5] Demo-Version:
https://www.gog.com/game/shadow_tactics_demo





