Kompakt und lüfterlos: Mini-PC Giada F210U

Aus LinuxUser 11/2016

Kompakt und lüfterlos: Mini-PC Giada F210U

© Brian Jackson, 123RF

Unhörbar

Für 3D-Spiele-Spaß braucht man nach wie vor einen Desktop-PC mit dicker Grafikkarte und lauten Lüftern. Für Bürotätigkeiten genügt dagegen inzwischen ein Rechner wie der Giada F210U, kaum größer als eine Schachtel Zigaretten.

Den klotzigen grauen Kasten, der noch vor einigen Jahren unter vielen Schreibtischen stand, hat inzwischen vielerorts ein Laptop abgelöst. Doch nicht jeder Anwender möchte auf einen externen Monitor, eine Maus und eine solide Tastatur verzichten, und so bieten diverse Hersteller als Alternative stromsparende und lautlose Mini-PCs mit Notebook-Technik an.

Der F210U [1] stammt vom im chinesischen Shenzhen beheimateten Unternehmen Giada. Der Mini-PC steckt in einem unauffälligen Gehäuse mit knapp 12 x 11 x 3 Zentimetern Kantenlänge – das Booklet einer CD verbraucht auf dem Schreibtisch mehr Platz. Im Inneren des Geräts arbeitet ein Intel Atom x5-Z8300 [2] auf Basis von Intels Cherry-Trail-SoC, der seine vier Kerne mit bis zu 1,84 GHz taktet (siehe Tabelle “Giada F210U: Technische Daten”). Dieselbe Recheneinheit findet sich oft in günstigen Tablet-PCs.

Giada F210U: Technische Daten

Chipsatz
CPU Intel Atom x5-Z8300 (Quad-Core, 1,44 GHz, 1,84 GHz im Burst-Modus)
GPU Intel HD Graphics
RAM 2 GByte
Massenspeicher
Intern 32 GByte eMMC
Optional mSATA II, MicroSD
Verbindungen
Netzwerk GBit-Ethernet, WLAN1
Display HDMI, VGA
Anschlüsse 4 USB (davon 1 USB 3.0), Mikrofon, Audio-out, Mini-PCI Express, Seriell
Sonstiges
Abmessungen 117 x 107 x 30 mm
Gewicht 484 g
Preis ca. 200 Euro
1 Vom Hersteller nicht spezifiziert, unter Linux nicht funktionsfähig.

Nettop mit Ubuntu

Anschluss an die Peripherie findet der Rechner über vier USB-Ports an der Front, von denen nur einer nach dem USB-3.0-Standard arbeitet, sowie HDMI und VGA auf der Rückseite (Abbildung 1). Zudem gibt es seitlich eine serielle Schnittstelle. Der Grafikchip unterstützt Auflösungen von maximal 2560 x 1600 Pixeln am HDMI-Ausgang, über den VGA-Port ist nur Full-HD möglich (Abbildung 2).

Abbildung 1: Das Gehäuse des Giada F210U passt mit etwa 11 x 11 cm auf eine CD-Hülle.

Abbildung 1: Das Gehäuse des Giada F210U passt mit etwa 11 x 11 cm auf eine CD-Hülle.

Abbildung 2: Per HDMI und VGA lassen sich zwei Monitore an dem Mini-Rechner anschließen.

Abbildung 2: Per HDMI und VGA lassen sich zwei Monitore an dem Mini-Rechner anschließen.

Als Speichermöglichkeit bringt der Rechner von Haus aus 32 GByte internen eMMC-Speicher mit, der sich optional über eine SSD mit mSATA-II-Anschluss ausbauen lässt. Daneben besteht die Möglichkeit, Module wie etwa eine Mobilfunkkarte via Mini-PCI-Express nachzurüsten (Abbildung 3). Der mit 2 GByte recht knapp bemessene Arbeitsspeicher lässt sich allerdings nicht erweitern.

Abbildung 3: Per mSATA und Mini-PCI-Express lässt sich der Giada F210U in Grenzen aufrüsten.

Abbildung 3: Per mSATA und Mini-PCI-Express lässt sich der Giada F210U in Grenzen aufrüsten.

Drei Betriebssysteme

Als Betriebssystem für den F210U unterstützt Giada Windows, Android sowie Ubuntu. Bei der Installation des Linux-Systems dürfen Sie jedoch nicht einfach auf das von Canonical veröffentlichte ISO zurückgreifen (siehe Kasten “Vanilla-Ubuntu”), sondern Sie müssen das von Giada angepasste Abbild installieren. Sie erhalten es unter dem Namen Giada_ubuntu_ww22.iso im Support-Bereich des Herstellers [3]. Dort finden sich auch Treiber für Windows 8 und 10, das Android-Image fehlt an dieser Stelle.

Vanilla-Ubuntu

Neben dem von Giada angebotenen ISO-Image auf Basis von Ubuntu 14.04 lässt sich auf dem Mini-Rechner auch Canonicals Original installieren. Es funktioniert auf den ersten Blick ebenso gut (beziehungsweise schlecht, wenn man das nicht funktionierende WLAN-Modul in Betracht zieht) wie das Hersteller-Image. In der Praxis traten mit dem “Vanilla”-Ubuntu jedoch immer wieder Aussetzer und Abstürze auf. Sie sollten daher besser auf Ihr Wunsch-Linux verzichten und das System mit dem Giada-ISO einrichten.

Das der Redaktion zur Verfügung gestellte Testgerät startet direkt nach dem Aufstellen ein Ubuntu 14.04 mit einem bereits vordefinierten User und Passwort – eine OEM-Installation wäre hier der bessere Weg gewesen. Zur Kontrolle setzten wir das System mit dem von Giada angebotenen Image neu auf. Die rund 1 GByte große Abbilddatei (ebenfalls auf Basis von Ubuntu 14.04, ein aktuelleres Image hat Giada nicht zu bieten) tröpfelt mit 200 bis 300 KByte/s vom Server des Herstellers herunter, man muss sich also rund 2 Stunden gedulden.

Die Ubuntu-Installation erfolgt wie bei einem klassischen PC. Drücken Sie während des Boot-Vorgangs [Entf], gelangen Sie ins BIOS. Dort wählen Sie den mit Ubuntu vorbereiteten USB-Stick als Bootmedium, sodass der Rechner beim nächsten Start die Installationsroutine lädt. Das Einspielen des Systems gelingt ohne weitere Komplikationen; allerdings lässt sich das Ubuntu-System nicht dazu bewegen, den WLAN-Adapter in Betrieb zu nehmen. Daran ändert sich auch durch das Einspielen aller Updates sowie ein Upgrade auf Ubuntu 16.04 nichts.

Vergleich zum RasPi

In der Praxis zeigt sich der Giada F210U trotz seiner geringen Größe als ausgewachsener Rechner. Die Rechenleistung der Kombination aus Atom-Chipsatz und Intel HD Graphics genügt, um einen Arbeitsplatz mit zwei Monitoren zu bedienen. Selbst die verspielten Effekte des Unity-Desktops wirken im Dual-Monitor-Betrieb flüssig.

Auf dem Desktop sollten Sie sich dann allerdings eher klassischen Büroanwendungen wie etwa LibreOffice widmen. Der 3D-Benchmark von Unigine [4] beispielsweise bringt das System komplett zum Erliegen. Mit einem Energiebedarf von rund 6,5 W im Leerlauf und 9,5 W unter Volllast liegt zwar höher als etwa bei einem Raspberry Pi 3 (1,8 / 4,8 W), doch profitiert man im Gegenzug von einer wesentlich besseren Rechen- und Schreib/Lese-Leistung (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Giada-Rechner eignet sich im Vergleich mit einem Raspberry Pi als schneller Mini-Server.

Abbildung 4: Der Giada-Rechner eignet sich im Vergleich mit einem Raspberry Pi als schneller Mini-Server.

Unangenehm fällt allerdings der Energieverbrauch im abgeschalteten Zustand auf: Komplett heruntergefahren zieht der Giada-Rechner immer noch stolze 2,5 W. Bei einem Raspberry Pi bleiben nach einem sudo shutdown -h now lediglich rund 0,6 W auf dem Zähler stehen. Dafür bietet der F210U mit USB 3.0 und GbE die Ausstattung, die sich viele Fans für den RasPi wünschen würden. Das macht den Giada F210U als kleinen Server interessant; in diesem Einsatzszenario lässt sich auch das unter Linux nicht lauffähige WLAN-Modul verschmerzen.

An einem Gigabit-Switch überträgt der F210U als Samba-Server rund 76 MByte/s. Ein RasPi kommt hier lediglich auf etwa 11,3 MByte/s (siehe Tabelle “Server-Vergleich”) – das ist USB 2.0, Fast Ethernet und dem bekannten Flaschenhals geschuldet, der die Daten der USB-Ports und des Netzwerkadapters über einen internen USB-Kanal schleust. Bei verschlüsselten Transfers mit SFTP sieht man gut, dass der RasPi eigentlich mehr könnte: Während die Transferrate beim Giada aufgrund der CPU-lastigen Verschlüsselung um knapp die Hälfte einbricht, bleibt sie beim Raspberry Pi konstant.

Server-Vergleich

  Raspberry Pi 3 Giada F210U
Iperf
Datenrate 94,9 MBit/s 933 MBit/s
Samba
Lesen 11,32 MByte/s 75,54 MByte/s
Schreiben 8,52 MByte/s 68,55 MByte/s
SFTP
Lesen 11,10 MByte/s 44,16 MByte/s
Schreiben 8,16 MByte/s 43,15 MByte/s

Android ohne Google

In Sachen Android sieht es etwas komplizierter aus: Giada verspricht auf der Homepage, das Google-Betriebssystem zu unterstützen – doch während der ersten Tests mit dem Rechner scheiterte das schon daran, dass Giada auf der Produktseite gar kein Android-Image zum Herunterladen anbot. Auf Rückfrage erschien ein paar Tage später ein entsprechendes Abbild, allerdings als ZIP-Archiv, das sich nicht ganz so einfach wie das Ubuntu-System installieren lässt.

Zum Einspielen von Android auf dem F210U formatieren Sie einen USB-Stick mit FAT32 als Dateisystem und entpacken den Inhalt des Android-Archivs in Form der Datei CherryTrail-MR1-5633EB-20160913-P006.zip in dessen Wurzelverzeichnis. Anschließend stecken Sie den USB-Stick an den Giada und booten diesen. Dabei wechseln Sie durch einen Druck auf [Entf] ins BIOS (Abbildung 5). Wählen Sie dort analog zur Installation von Ubuntu unter Save & Exit die Option UEFI: USB 2.0 USB Flash Drive 0.00 aus, passiert allerdings nicht das Geringste.

Abbildung 5: Die Installation von Ubuntu oder Android müssen Sie über das BIOS anstoßen.

Abbildung 5: Die Installation von Ubuntu oder Android müssen Sie über das BIOS anstoßen.

Sie müssen stattdessen die Option Lauch EFI Shell from filesystem device aufrufen und die Meldung Press ESC in X seconds to skip startup.nsh, any other key to continue. abwarten (oder mit einer beliebigen Taste fortsetzen). Daraufhin flasht das System das Android-Image auf den Rechner und startet dann automatisch neu. Ein Intel-Logo auf dem Bildschirm signalisiert den Erfolg der Aktion. Nach einer Reihe von Neustarts – lassen Sie sich von der “Bootschleife” nicht irritieren – lädt dann letztendlich das Android-System.

Beim von Giada angebotenen Android handelt es sich nicht wie auf der Homepage angegeben um Android 4.2.2, sondern um das aktuellere Android 5.1 “Lollipop”. Das anfänglich englisch lokalisierte System lässt sich mit wenigen Klicks wie gewohnt auf Deutsch umstellen, zudem funktioniert unter Android der WLAN-Adapter des Rechners (Abbildung 6). Giada bestückt seine Android-Version zusätzlich zum Android-Webbrowser und Standards wie Galerie und Uhr mit einer Reihe von Apps. Dazu zählen unter anderem ein Dateimanager, ein Videoplayer sowie eine Webcam-App.

Abbildung 6: Giada bietet für den F210U Android 5.1 an. Unter dem Google-OS funktioniert auch das WLAN.

Abbildung 6: Giada bietet für den F210U Android 5.1 an. Unter dem Google-OS funktioniert auch das WLAN.

Als Root-App gibt es von Haus aus die kostenlose Variante von SuperSU. Allerdings hat es Giada verpasst, das Root-Binary im System zu hinterlegen. So bleibt SuperSU ohne Funktion, und Root-Apps scheitern am Anfordern der entsprechenden Rechte. Zudem fehlen (wohl aus lizenztechnischen Gründen) sämtliche Google-Anwendungen wie Gmail, Google Plus sowie vor allem der Play Store. Sie müssen also auf alternative Markets zurückgreifen, wie den Open-Source-Marktplatz F-Droid [5], oder APKs von Hand installieren.

Fazit

Mit seiner Atom-CPU und 2 GByte Arbeitsspeicher eignet sich der F210U nicht als Multimediarechner für Videoschnitt oder als Entwicklermaschine. Als ideales Aufgabengebiet sieht der Hersteller eher die Desktop-Virtualisierung oder Digital Signage (“Digitale Beschilderung”). Hier muss sich der Rechner allerdings an Konkurrenten wie dem Raspberry Pi messen lassen: Der kostet wesentlich weniger und verbraucht weniger Strom.

Als schlanker Arbeitsplatzrechner macht der Giada-Mini allerdings eine gute Figur: Selbst ein Schreibtisch mit zwei Full-HD-Displays stellt den kleinen Rechner vor keine große Herausforderung – sofern man denn auf leistungshungrige Anwendungen verzichten kann. Unangenehm fällt auf, dass ein “Vanilla”-Ubuntu auf dem F210U nicht zuverlässig funktioniert: So bleiben Sie auf das Ubuntu-Image des Herstellers angewiesen. Ob das System die kommende Ubuntu-Version oder auch eine andere Distribution der eigenen Wahl unterstützt, lässt sich nicht garantieren. 

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