Würden Sie einen Zirkusclown umarmen? Aus dieser Frage haben die Entwickler Tendershoot und A Jolly Corpse ein Point-and-Click-Adventure gestrickt. Das bietet viele witzige Momente und abgedrehte Charaktere, stimmt aber auch an vielen Stellen nachdenklich.
Den Clown Dropsy verfolgen noch immer Albträume. Ein tödliches Feuer hat seinen Zirkus komplett in Schutt und Asche gelegt. Zwar steht das Zelt wieder, sein Umfeld macht jedoch den unschuldigen Dropsy für die Katastrophe verantwortlich. Als wäre das noch nicht genug, ist auch noch Dropsys Vater schwer erkrankt. Sein einziger verbliebener Freund ist ein kleiner brauner Hund. Mit ihm an seiner Seite versucht Dropsy wieder Freundschaften zu knüpfen und natürlich den wahren Übeltäter der Katastrophe zu finden.
Ich sag nichts
Wie auch in jedem anderen klassischen Point-and-Click-Adventure muss der Spieler dazu zahlreiche Rätsel lösen. Mit der Maus scheucht er den ziemlich tollpatschigen und etwas diabolisch aussehenden Clown durch dessen Welt. Ein Mausklick auf einen Gegenstand genügt, damit Dropsy ihn sich ansieht, einsteckt oder benutzt. Damit enden allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten zu herkömmlichen Adventures.

Über Sprechblasen verkünden die Figuren ihre Wünsche und Bedürfnisse. Der Mann links vorne ist offensichtlich von der predigenden Dame genervt.
So verzichtet das Spiel komplett auf Text oder Sprache. Stattdessen reden sämtliche Charaktere in Symbolen. Es gilt folglich erst einmal herauszufinden, was diese kleinen Bilderrätsel bedeuten und die jeweilige Person bewegt. So erscheint etwa in der Sprechblase eines verrückten Huhns ein Keks – das Federvieh hat somit offenbar Hunger auf Cracker.

Der Spieler darf jederzeit auf Dropsys Hund umschalten. Dieser kann Dinge, die Dropsy nicht kann – beispielsweise durch kleine Durchgänge gehen oder im Dreck buddeln.
Wie es euch gefällt
Des Weiteren darf Dropsy von Anfang an die komplette Welt frei erkunden. Die Entwickler sprechen deshalb stolz von einem „Open-World-Adventure“. Die Geschichte strickt sich der Spieler sukzessive selbst aus den Ereignissen und den dort lebenden Menschen. Die wiederum begegnen dem Clown zunächst mit Gleichgültigkeit, Angst oder sogar Ablehnung. Um sie zu Freunden zu machen, muss der etwas dickliche Anti-Held der jeweiligen Personen in der Regel einen Wunsch erfüllen. Als Belohnung erhält er dann ein glückliches Gesicht und eine Umarmung.
Alle Bewohner der Welt gehen ihrem eigenen Tages- und Nachtrhythmus nach. Bricht etwa nach ein paar Spielminuten die Dunkelheit herein, schließt zwar der Laden für Zaubererbedarf, dafür öffnet aber wiederum der Plattenladen. Sofern Dropsy irgendwo eine Schlafgelegenheit findet, kann der Spieler schnell verschiedene Tageszeiten überspringen.
Her damit
Devolver Digital bietet das Spiel der Entwickler Tendershoot und A Jolly Corpse derzeit für 10 Euro an. Kaufinteressenten finden es zu diesem Preis auf Steam [2], im Humble Store [3] und bei Gog.com [4]. Auf Itch.io [5] kostet Dropsy 10 Dollar. Bis auf Steam bekommt man eine kopierschutzfreie Version für 32- und 64-Bit-Systeme. Derzeit ist Dropsy zudem noch Teil des Humble Devolver Digital Bundles [6]. Bei dieser Sonderaktion erhält man für einen frei wählbaren Betrag mehrere Spiele von Devolver Digital, die allerdings nur teilweise für Linux vorliegen. Dropsy bekommt man zudem nur, wenn man den aktuellen Durschnittspreis berappt. Zum Redaktionsschluss lag dieser bei knapp 5 Dollar und somit immer noch weit unter dem normalen Kaufpreis von 10 Euro.
Fazit
Dropsy ist ein streckenweise recht durchgeknalltes Adventure mit extrem kuriosen Charakteren. Das beginnt schon beim Helden, der zwar mit seinem fahlen weißen Gesicht dämonisch aussieht, aber einen extrem liebenswerten Charakter besitzt. Dropsy lässt den Spieler zudem immer wieder lachen – etwa wenn sich der Clown mit wedelnden Armen über eine Umarmung freut. Das Spiel stimmt aber auch immer wieder nachdenklich. So führt es beispielsweise vor Augen, wie schwierig es für Außenseiter ist, eine Umarmung und ein Lächeln zu bekommen.
Die offene Welt ist Segen und Fluch zugleich: Steckt man an einer Stelle fest, kann man an einer anderen weiterknobeln. Durch die große Stadt sind die Laufwege allerdings extrem weit. Die Übersichtskarte hilft da nur bedingt. Darüber hinaus fehlt nach den ersten Spielminuten ein roter Faden, Dropsy lässt den Spieler in seiner Welt komplett alleine.
Die Pixel-Grafik bietet eine knuffige Optik, ist aber aufgrund einiger Darstellungen dennoch nicht für kleine Kinder geeignet. Da das Spiel immer im Vollbildmodus erscheint, sieht man auf sehr großen Monitoren teilweise nur Pixelbrei.
Dropsy richtet sich vor allem an erfahrene Adventure-Spieler, die gerne eine neue skurrile Umgebung erkunden und keine fest vorgegebene Geschichte benötigen. Die 10 Euro sind zwar angemessen, wer sich für Dropsy interessiert, sollte jedoch noch schnell beim Humble Bundle zugreifen [6].
Dropsy
| Bezugsquelle: | http://dropsytheclown.com/ |
| Entwickler: | Tendershoot und A Jolly Corpse (Vertrieb Devolver Digital) |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | 10 Euro |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, mindestens 1 GByte Hauptspeicher |
Infos
[1] Projekt-Homepage:
http://dropsytheclown.com/
[2] Steam:
http://store.steampowered.com/app/274350/
[3] Humble Store:
https://www.humblebundle.com/store/dropsy
[4] Gog.com:
https://www.gog.com/game/dropsy
[5] Itch.io:
https://devolverdigital.itch.io/dropsy
[6] Humble Devolver Digital Bundle:
https://www.humblebundle.com/devolver-bundle











