Das Spiel zum Wochenende: TinyKeep

Das Spiel zum Wochenende: TinyKeep

Überlisten im Kerker

In handelsüblichen Action-Rollenspielen vertrimmt normalerweise der Held die heranströmenden Monsterhorden. Entwickler Phigames stopft hingegen seine Verliese mit Fallen voll, in die dann der Spieler ganz gezielt die angreifenden Gegner locken muss.

Im Rollenspiel TinyKeep erwacht der Held als Gefangener in den Tiefen eines weitverzweigten Kerkers. Seine Mitgefangene konnte in der Nacht die Schlüssel erbeuten und flüchten. Dabei hat sie netterweise ein paar Notizen liegen und die Zellentüren offen gelassen. Diese Gelegenheit lässt sich der Held natürlich nicht entgehen: Nur mit einer kleinen Lampe ausgerüstet, macht er sich auf die Suche nach einem Ausgang. Dabei trifft er auf einige böswillige Wärter und teils kuriose Monster, die ihm natürlich allesamt ans Leder wollen.

Zu Beginn des Spiels darf man sich seinen Helden zusammenbasteln – wenn auch nur optisch.

Zu Beginn des Spiels darf man sich seinen Helden zusammenbasteln – wenn auch nur optisch.

Fallensteller

Zwar findet der Held recht schnell eine Waffe, die jedoch nicht besonders schlagkräftig ist. Zudem treten die Gegner häufig in größeren Gruppen auf. Folglich bleibt nur, sie gezielt in eine der vielen Fallen zu locken. Mit denen sind die Verliese und Gänge glücklicherweise vollgestopft. So gibt es etwa Bodenplatten, aus denen beim Betreten tödliche Pfeile herausschnellen. Walzen wiederum zermalmen alles, was unter sie gerät. Hilfreich sind auch die überall aufgestellten Feuerschalen. Wer sie umwirft, entfacht ein kleines Feuerchen, das im Idealfall nicht nur auf die hölzerne Einrichtung überspringt, sondern auch den Gegnern zumindest eine Weile einheizt.

Den angreifenden Wächter kann man hier auf gleich drei Arten schlagen: Man öffnet die Zelle und lässt den Mitgefangenen die Arbeit erledigen, man greift den Wächter mit dem Messer an oder aber man stößt die brennende Schale auf ihn.

Den angreifenden Wächter kann man hier auf gleich drei Arten schlagen: Man öffnet die Zelle und lässt den Mitgefangenen die Arbeit erledigen, man greift den Wächter mit dem Messer an oder aber man stößt die brennende Schale auf ihn.

Die Fallen schädigen jedoch nicht nur die Monster, sondern auch den Helden. Wer nicht aufpasst und in eine Falle tappt oder selbst vom Feuer erwischt wird, verliert wertvolle Lebensenergie. Die kann man nur mit einem der raren Zaubertränke oder einer immer mal wieder zu findenden Obstschale auffrischen. Stirbt der Held, ist auch das Spiel unweigerlich zu Ende.

Befreite Gefangene schließen sich dem Helden an, rennen in Panik durch das Gewölbe oder dreschen durchgedreht auf den Helden ein.

Befreite Gefangene schließen sich dem Helden an, rennen in Panik durch das Gewölbe oder dreschen durchgedreht auf den Helden ein.

Helfershelfer

Einige Monsterklans können sich gegenseitig nicht leiden. Diese Abneigung lässt sich ebenfalls gezielt für den eigenen Zweck ausnutzen: Lockt man zwei verfeindete Grüppchen in einen großen Raum, kann man sich bequem zurückziehen und in Ruhe der dann beginnenden Keilerei zusehen. Hin und wieder trifft der Held auf weitere Zellen. Befreit er die darin eingesperrten Gefangenen, schließen sich diese ihm an und stürzen sich heroisch auf heranströmende Monster. So loyal sind allerdings nicht alle Gefangenen: Befreit man einen garstigen Kollegen mit Lagerkoller, drischt dieser auch schon einmal auf den Helden ein.

Diese Walzen können gleich mehrere Gegner überrollen – allerdings auch den Helden.

Diese Walzen können gleich mehrere Gegner überrollen – allerdings auch den Helden.

Überwältigte Gegner lassen meist ein paar Münzen fallen. Die verstecken sich auch ab und an in Schatzkisten. Mit den eingesammelten Münzen lassen sich an speziellen Brunnen verbesserte Fähigkeiten erwerben. So kann der Held unter anderem rückwärts schneller laufen und so flinker flüchten. Jedes Verlies erzeugt TinyKeep per Zufall, jede Partie spielt sich folglich etwas anders. Je nach Spielverlauf erreicht der Spieler zudem eines von drei möglichen Enden.

Gegen derartige Gegnerhorden hat man mit seinem kleinen Schwert in der Regel keine Chance.

Gegen derartige Gegnerhorden hat man mit seinem kleinen Schwert in der Regel keine Chance.

Entwickler Phigames vertreibt sein Spiel für rund 10 Euro über Steam [2] und im Humble Store [3]. Im Letztgenannten erhält man zwar ebenfalls nur einen Steam-Key, ein Teil der Einnahmen geht aber an eine gemeinnützige Organisation. TinyKeep ist zudem derzeit Teil der Sonderaktion „Humble PC & Android Bundle 13“ [4]. Dort bekommt man mehrere Spiele für einen frei wählbaren Betrag. Für TinyKeep muss man allerdings den bislang von Käufern bezahlten Durchschnittspreis berappen. Zum Redaktionsschluss lag der bei knapp 3 Dollar und somit immer noch deutlich unter den regulär verlangten 10 Euro. Darüber hinaus bekommt man bei dieser Aktion auch eine kopierschutzfreie Version von TinyKeep, die allerdings nur in einer 32-Bit-Version vorliegt.

Truhen enthalten häufig nützliche Dinge, wie etwa Goldstücke. Dieser hier ist allerdings von Speerfallen umringt.

Truhen enthalten häufig nützliche Dinge, wie etwa Goldstücke. Dieser hier ist allerdings von Speerfallen umringt.

Fazit

TinyKeep ist mehr ein Action-, denn ein Rollenspiel. So lassen sich etwa die Fähigkeiten des Helden nicht gezielt verbessern: Was man an den magischen Brunnen für sein Geld bekommt, bestimmt der Zufall. Erfahrene Spieler haben TinyKeep zudem nach einer guten Stunde zum ersten Mal gelöst. Die Grafik ist knuffig, die Kameraperspektive manchmal jedoch suboptimal.

Die Kameraperspektive ist nicht immer vorteilhaft: In diesem Bild versteckt sich beispielsweise ein Wächter.

Die Kameraperspektive ist nicht immer vorteilhaft: In diesem Bild versteckt sich beispielsweise ein Wächter.

Wen komplexe Rollenspiele abschrecken, für den ist TinyKeep jedoch genau das Richtige. Das Spielprinzip hebt sich zudem wohltuend von der Konkurrenz ab – wo kann man schon Monster in Fallen locken oder gegeneinander aufhetzen? Die verlangten 10 Euro auf Steam erscheinen in Anbetracht der kurzen Spieldauer allerdings recht hoch. Wer sich für das Spiel interessiert, sollte daher im Rahmen einer Sonderaktion zugreifen.

TinyKeep

Bezugsquelle:  http://tinykeep.com/
Entwickler: Phigames
Lizenz: Kommerziell
Preis: 9,99 Euro
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Prozessor der Klasse Core 2 Duo oder besser, mindestens 2 GByte Hauptspeicher, Graffikarte ab 512 MByte Hauptspeicher
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