Hühner mit Futter und Steroiden vollstopfen und sie unversehrt zum Schlachter begleiten – das ist das Ziel in einem etwas makaberen Strategiespiel von Relevant Games. Trotz witziger Comic-Grafik und reichlich überdrehtem Humor regt es ein wenig zum Nachdenken an.
In Fat Chicken laufen Hühner, Schweine oder Kühe jeweils in kleinen Herden von einer Farm brav zum Schlachter. Auf ihrem Weg muss sie der Spieler mit Nahrung bombardieren und so möglichst schnell fett füttern. Dazu errichtet er Silos entlang des Wegesrandes, die Maiskörner in die vorbeilaufenden Tiere schießen. Zusätzlich kann der Spieler aus entsprechenden Gebäuden Kräftigungshormone verspritzen. Je fetter die Tiere den Schlachter erreichen, desto mehr Geld erhält der Spieler. Von diesen Einnahmen lassen sich dann wieder neue Futtersilos errichten oder die vorhandenen ausbauen.
Trimm dich
Erhalten die possierlichen Kastentiere allerdings eine Weile keine Nahrung, nehmen sie wieder ab und können sogar im Extremfall auf dem Weg zum Schlachter verhungern. Neben Futter benötigen sie zudem Wasser, ohne das sie langsam verdursten. Mit etwas Glück führt der Weg durch Kornfelder und Pfützen, an denen sich die Hühner, Schweine und Kühe automatisch bedienen. Ohne diese Hilfen muss der Spieler mit Wasserwerfern und klug platzierten Silos aushelfen – jedes tote Tier bringt schließlich kein Geld beim Schlachter.

Die Gebäude lassen sich nur auf den vorgegebenen, hölzernen Platten platzieren. Ihr Bau kostet zudem Geld.
Nahrung und Wasser sind aber nicht die einzigen Hindernisse: So muss sich der Spieler nervenden Tierschützern erwehren, welche die kleinen wandernden Fleischberge retten wollen. Gegen die Aktivisten hilft nur entsprechendes Wachpersonal, das man natürlich wieder gegen Geld engagieren muss. Hin und wieder tauchen sogar Außerirdische auf, die ein paar Tiere entführen.
Als wäre das noch nicht genug, muss der Spieler auch noch eine Fleischquote erfüllen: Nur wenn im Schlachthaus genügend Koteletts abfallen, gilt ein Level als gewonnen. In diesem Fall darf der Spieler dann sein Glück auf einer neuen Landkarte mit einem anders geführten Weg erneut versuchen. Insgesamt warten auf den Spieler 13 verschiedene Szenarien mit 26 Leveln.

Aus der Vogelperspektive gut zu erkennen: Die meisten Level besitzen mehrere Farmen und mehrere Wege.
Nur mit Dampf
Relevant Games verkaufen ihr Spiel über Steam [2] für knapp 10 Euro. Für das gleiche Geld ist Fat Chicken auch im Humble Store [3] zu haben. Dort erhält man zwar ebenfalls nur einen Steam-Key, 10 Prozent des Kaufpreises gehen aber an eine wohltätige Organisation.

Laufen die Hühner über ein Feld, fressen sie automatisch den Mais. Allerdings wachsen sie dabei nicht so schnell, als würde man sie mit einer Maiskanone vollpumpen.
Nur knapp 8 Euro verlangt Desura [4]. Die dort angebotene Version kommt sogar ohne Kopierschutz. Dennoch sollte man sie aus gleich zwei Gründen nicht kaufen: Zum einen befindet sich der Betreiber von Desura in der Insolvenz. Derzeit ist folglich nicht sicher, ob man auch in Zukunft das Spiel herunterladen kann und ob die Entwickler überhaupt Geld sehen. Des Weiteren ist das von Desura angebotene Archiv fehlerhaft gepackt: Um das Spiel starten zu können, muss man zahlreiche Dateien per Hand in die richtigen Verzeichnisse umkopieren. Ubuntu wollte zudem das Archiv gar nicht erst entpacken. Wer sich für das Spiel interessiert, sollte daher auf Steam oder im Humble Store zuschlagen.
Fazit
Fat Chicken besitzt einen recht makaberen Humor. Spätestens, wenn man die Hühner mit Elektroschocks Richtung Schlachthaus treibt, dürften Spieler zumindest ein Unwohlsein in der Magengegend verspüren. Andererseits führt Fat Chicken so auch das Problem der Massentierhaltung vor Augen.

Die Gebäude haben nur einen ganz bestimmten Aktionsradius. Nur die Hühner in den schwarzen Kreisen werden getroffen beziehungsweise erfasst.
Unabhängig vom Szenario ist Fat Chicken ein recht einfach gestricktes Strategiespiel nach dem Tower-Defense-Prinzip. Die zur Verfügung stehenden Türme hat man schnell erkundet, die Abwechslung hält sich folglich in Grenzen. Während die Comic-Grafik knuffig wirkt, erinnert der Soundtrack eher an eine Fahrstuhlmusik, passt aber durchaus zum Szenario. Da der Schwierigkeitsgrad moderat ansteigt, wäre Fat Chicken ideal für Gelegenheitsspieler – wäre da nicht der doch etwas hohe Kaufpreis von 10 Euro. Interessenten sollten sich daher vor einem Kauf zunächst das Video auf Steam oder der Homepage ansehen.
Fat Chicken
| Bezugsquelle: | http://relevantgames.com/fatchicken |
| Entwickler: | Relevant Games |
| Lizenz: | Kommerziell |
| Preis: | 9,99 Euro |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, mindestens einen Prozessor der Klasse Intel Core 2 Duo mit 1,8 GHz, ab 1 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte mit mindestens 512 MByte Speicher und der Leistungklasse einer Nvidia GeForce 9600 |
Infos
[1] Projekt-Homepage:
http://relevantgames.com/fatchicken
[2] Steam
http://store.steampowered.com/app/325860/
[3] Humble Store:
https://www.humblebundle.com/store/p/fatchicken_storefront
[4] Desura:
http://www.desura.com/games/fat-chicken








