Das Spiel zum Wochenende: The Blackwell Legacy

Das Spiel zum Wochenende: The Blackwell Legacy

Geistliche Hilfe

Wadjet Eye Games sind für ihre klassischen Adventures mit spannenden Geschichten und guten Rätseln bekannt. Jetzt gibt es endlich die ersten drei Teile ihrer Blackwell-Reihe auch für Linux.

Rosa Blackwell lebt einsam und zurückgezogen in einem großen Wohnhaus in News York. Als freischaffende Journalistin hangelt sie sich bei einer Lokalzeitung von Auftrag zu Auftrag. Kurz nach der Beerdigung ihrer Tante erhält sie von ihrem Redaktionsleiter den Auftrag, einen Bericht über den Selbstmord einer Studentin zu schreiben. Während der Recherchen plagen Rosa immer stärkere Kopfschmerzen, die am Ende des Tages zu einer Erscheinung führen.

The Blackwell Legacy ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit teilweise liebevoll gezeichneter Pixelgrafik.

The Blackwell Legacy ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit teilweise liebevoll gezeichneter Pixelgrafik.

Geisterjäger

Joe Malone steht mitten in ihrer Wohnung und stellt sich als Geist aus dem Jenseits vor. Rosa Blackwell sei wie ihre verstorbene Tante ein Medium. Als solche müsse sie Geistern helfen, die noch im Diesseits feststecken und nicht von ihrem alten Leben loslassen können. Verwirrt und widerwillig nimmt sie mit dem hämischen Joe Malone an ihrer Seite die Recherche am Selbstmord wieder auf. Dabei wird mehr und mehr klar, dass der Tod ganz offensichtlich durch etwas Unnatürliches verursacht wurde.

Anonymes New York: Dieser Hausbewohner lässt Rosa erst dann in ihr Appartment, wenn Sie ihm bewiesen hat, dass sie dort wohnt.

Anonymes New York: Dieser Hausbewohner lässt Rosa erst dann in ihr Appartment, wenn Sie ihm bewiesen hat, dass sie dort wohnt.

The Blackwell Legacy orientiert sich an den klassischen Point-and-Click-Adventures aus den 1990er Jahren. Die Grafik ist bewusst grobpixelig gehalten und soll an die Spiele von LucasArts und Sierra erinnern. Mit der Maus dirigiert man die Protagonistin durch die Landschaft. Nach einem Linksklick auf einen Gegenstand benutzt ihn Rosa, mit einem Rechtsklick sieht sie sich ihn näher an. Gespräche laufen im Multiple-Choice-Verfahren ab. Im späteren Verlauf notiert sich Rosa wichtige Aussagen ihrer Gesprächspartner in einem Notizbuch. Dort lassen sich auch die einzelnen Hinweise miteinander kombinieren und so zu wichtigen Erkenntnissen zusammenführen.

In Gesprächen wählt man häufig nicht direkt eine Antwort, sondern die Stimmung, in der Rosa auf eine Behauptung reagieren soll.

In Gesprächen wählt man häufig nicht direkt eine Antwort, sondern die Stimmung, in der Rosa auf eine Behauptung reagieren soll.

Die Unvollendete

Verantwortlich für The Blackwell Legacy zeichnet mit Dave Gilbert der Gründer von Wadjet Eye Games. Aus seiner Feder stammte bereits das ebenfalls für Linux erhältliche Adventure The Shiva [3]. The Blackwell Legacy bildet gleichzeitig den Auftakt für eine Adventure-Serie, die insgesamt aus fünf Teilen besteht. In jedem müssen Rosa Blackwell und Joe Malone einen anderen mystischen Kriminalfall lösen, jeder Teil erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte.

Im Notizblock lassen sich mehrere Hinweise kombinieren und so sich Schlussfolgerungen bilden.

Im Notizblock lassen sich mehrere Hinweise kombinieren und so sich Schlussfolgerungen bilden.

Derzeit sind allerdings nur die ersten drei Folgen für Linux erhältlich. Sie kosten jeweils knapp 5 Dollar (die nur unter Windows laufenden, letzten beiden Teile sind deutlich teurer). Erwerben können Linux-Spieler die Adventures momentan nur direkt über die Homepage des Entwicklers [1]. Dabei erhält man ausschließlich eine 32-Bit-Version. Auf Steam stehen derzeit nur die Windows-Versionen zum Kauf bereit [2]. Dies dürfte sich jedoch in Kürze ändern.

Der Geist Joey hilft Rosa bei den Ermittlungen. Um nicht als Verrückt eingestuft zu werden, kann Rosa mit ihm allerdings nur an einsamen Plätzen reden.

Der Geist Joey hilft Rosa bei den Ermittlungen. Um nicht als Verrückt eingestuft zu werden, kann Rosa mit ihm allerdings nur an einsamen Plätzen reden.

Die ersten drei Teile sind zudem Teil des aktuellen Humble Bundle PC and Android 11 [4]. Bei dieser Aktion darf man für mehrere Spiele zahlen, was man möchte. Um die Blackwell-Spiele zu erhalten, muss man allerdings mindestens den aktuellen Durchschnittpreis überweisen. Der lag zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Artikels bei rund 6,25 Dollar – und damit noch immer deutlich unter dem Preis, den die drei Teile zusammen kosten würden.

Nur Joe redet mit anderen Geistern.

Nur Joe redet mit anderen Geistern.

Fazit

The Blackwell Legacy begeistert vor allem durch seine spannend erzählte Geschichte und die charakterstarken Personen. Rosa ist zunächst eine leicht genervte, einsame Frau, Joe hingegen feuert immer wieder sarakstische und hämische Bemerkungen ab. Auch die übrigen Charaktere sind glaubwürdig ausgestaltet.

Während die Figuren noch liebevoll gezeichnet sind, wirkt die Umgebung häufig karg und mitunter sogar dilettantisch – selbst im Vergleich zu ähnlichen Spielen aus den 1990er Jahren. Immerhin sind sämtliche Gespräche komplett vertont. Die Sprecher leisten ordentliche Arbeit und sind auch mit einfachen Englischkenntnissen zu verstehen.

Immer wieder gilt es, lange englische Texte zu lesen, die aufgrund der Pixelgrafik ziemlich verschwommen wirken.

Immer wieder gilt es, lange englische Texte zu lesen, die aufgrund der Pixelgrafik ziemlich verschwommen wirken.

Kombinationsrätsel sind nur wenige vorhanden. Wie in den meisten anderen Kriminalspielen, befragt man auch hier die meiste Zeit Personen und kombiniert ihre Aussagen. Die wenigen vorhandenen Rätsel wirken allerdings gut in die Handlung integriert. Adventure-Liebhaber lösen The Blackwell Legacy dennoch an einem Nachmittag.

Wer über diese Mängel hinwegsehen kann und klassische, mystische Adaventures mag, sollte unbedingt zugreifen. Alleine die gut erzählte Geschichte ist die 5 Dollar wert.

The Blackwell Legacy

Bezugsquelle:  http://www.wadjeteyegames.com/
Entwickler: Wadjet Eye Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 5 Dollar
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution, Prozessor der Pentium-Klasse oder besser, mindestens 64 MByte Hauptspeicher

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.wadjeteyegames.com/games/blackwell-legacy/

[2] Steam:
http://store.steampowered.com/app/80330/

[3] The Siva:
http://www.wadjeteyegames.com/games/the-shivah/

[4] Humble Bundle: PC and Android 11, Tim Schürmann: „Freie Preiswahl“, LinuxCommunity

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