Das Spiel zum Wochenende: Stacking

Das Spiel zum Wochenende: Stacking

Puppenspiel

Warum nicht mal ein paar Matroschkas stapeln? Das dachte sich der Spielehersteller Double Fine Productions und entwickelte kurzerhand ein passendes Rollenspiel-Adventure. Das Ergebnis ist genau so genial, durchgeknallt und spaßig wie die Idee.

Die bettelarmen Blackmores leben Anfang des 20. Jahrhunderts in einem kargen Einzimmerappartment. Um Geld zu verdienen, nimmt der Vater eine Stelle beim „Baron“ an, einem hinterhältigen Unternehmer. Doch das Familienoberhaupt lässt wochenlang nichts mehr von sich hören. Den mittlerweile angehäuften Schuldenberg müssen die Kinder zwangsweise beim Baron abarbeiten. Nur Charlie bleibt aufgrund seiner extrem geringen Größe von der Rekrutierung verschont. Nach ein paar Tagen erhalten Mutter und Charlie den Hilferuf: Offenbar scheinen die Kinder vom Baron betrogen worden zu sein. Charlie kann das natürlich nicht auf sich bewenden lassen, und macht sich auf, seine Familie zu retten. Das verläuft jedoch auf eine etwas ungewöhnliche Weise – denn die Welt von Stacking bevölkern hölzerne Matroschkas.

Um eine Figur wie diesen schwarz gekleideten Herren zu übernehmen, schleicht man sich zunächst von hinten an …

Um eine Figur wie diesen schwarz gekleideten Herren zu übernehmen, schleicht man sich zunächst von hinten an …

Feindliche Übernahme

Matroschkas sind kleine russische Holzpuppen, die sich ineinander stecken lassen [4]. Genau mit diesem Element spielt auch Stacking: Steht der Held hinter einer anderen Puppe, kann er in diese hineinschlüpfen und sie so übernehmen. Jede Figur besitzt zudem eine ganz spezielle Fähigkeit. So kann beispielsweise eine Operndiva mit ihrem Glas besondere Personen aufspüren, ein Schlüsselmeister eine Tür öffnen und sich ein grantiger Herr mit seinen Schimpftiraden einen Weg durch eine Menschenmenge bahnen. Mit diesen Fähigkeiten gilt es zahlreiche Rätsel zu lösen und schließlich die Familienmitglieder aus den Fängen des fiesen Barons zu befreien.

… und springt dann in ihn hinein.

… und springt dann in ihn hinein.

Gemeinerweise kann Chalie immer nur in eine Puppe schlüpfen, die genau eine Nummer größer ist. Da alle Figuren unterschiedliche Größen besitzen, lässt sich eine Zielperson meist erst dann übernehmen, wenn man zuvor mehrere andere über Charlie gestülpt hat. Des Weiteren führen die Figuren ein Eigenleben oder stehen im schlimmsten Fall an der Wand. Sich von hinten anzuschleichen ist folglich nicht immer ganz einfach. Als wäre das noch nicht genug, muss man zur Lösung einer Aufgabe teilweise auch ganz bestimmte Matroschkas in einer ganz bestimmten Reihenfolge übereinanderstapeln.

Dieser Herr kann sich in einer Menschenmenge lautstark Platz verschaffen.

Dieser Herr kann sich in einer Menschenmenge lautstark Platz verschaffen.

Günstiger Mehrweg

Immerhin gibt es meist mehrere Lösungswege für ein Problem: Um beispielsweise in eine Bar zu gelangen, könnte der Spieler in einen Mechaniker schlüpfen und mit ihm das Lüftungsgitter abschrauben. Alternativ lässt sich aber auch der Türsteher mit einer hübschen Dame bezirzen. Abseits der Hauptgeschichte bitten immer wieder andere Spielfiguren den kleinen Charlie um Hilfe. So kann er etwa eine getrennte deutsche Familie zusammenführen. Diese gelösten optionalen Aufgaben schalten Belohnungen und Auszeichnungen frei.

Wer dem kleinen Mädchen hilft und seine Mutter wiederfindet, erhält eine Auszeichnung.

Wer dem kleinen Mädchen hilft und seine Mutter wiederfindet, erhält eine Auszeichnung.

Double Fine Productions verkauft Stacking für knapp 9 Euro ausschließlich über Steam [2]. Derzeit ist das Spiel auch noch für kurze Zeit im Humble Weekly Sale erhältlich [3]. Dort darf man einen beliebigen Preis für mehrere ältere Spiele aus dem Hause Double Fine Produktions zahlen. Ein Teil der Einnahmen dieser Aktion geht zudem an einen guten Zweck. Anders als auf Steam besitzt das im Humble Weekly Sale erworbene Stacking keinen Kopierschutz, liegt aber nur als 32-Bit-Version vor.

Kommt man mal nicht weiter, zeigt ein Druck auf die Leertaste eine glühende Spur an, die zum nächsten Einsatzort verweist.

Kommt man mal nicht weiter, zeigt ein Druck auf die Leertaste eine glühende Spur an, die zum nächsten Einsatzort verweist.

In jedem Fall erhalten Käufer als Bonus ein komplettes zweites Abenteuer obendrauf. In ihm reist Charly in das Land des Kamelfußes, in dem er den verschollenen Wanderkönig und seine Krone sucht.

Der Spieler sieht Charlie ähnlich wie in Rollenspielen über die Schulter. Hier sucht Charlie seine Schwester auf einem Kreuzfahrtschiff.

Der Spieler sieht Charlie ähnlich wie in Rollenspielen über die Schulter. Hier sucht Charlie seine Schwester auf einem Kreuzfahrtschiff.

Fazit

Stacking verwendet einen eigenen, extrem charmanten Grafikstil. Dank Weichzeichner und Unschärfeeffekten fühlt man sich wie in einem liebevoll eingerichteten Puppenhaus aus den 1920er Jahren. Die spannende Geschichte treiben immer wieder kleine Stummfilme voran.

Die Zwischensequenzen inszeniert Stacking wie in einem alten Stummfilm, die Szenen spielen auf einer alten Theaterbühne.

Die Zwischensequenzen inszeniert Stacking wie in einem alten Stummfilm, die Szenen spielen auf einer alten Theaterbühne.

Die Fähigkeiten der über 100 verschiedenen Figuren sind bisweilen aberwitzig. So kann eine Dame besonders gut Tee nippen, während ein älterer Herr offensichtlich an, äh, Flatulenz leidet. Immer wieder ertappt man sich dabei, einfach mal so in andere Personen zu schlüpfen, nur um ihre Fähigkeiten in verschiedenen Situationen auszuprobieren.

Durch den Weichzeichner wirkt die Szene wie in einem Spielzeugland.

Durch den Weichzeichner wirkt die Szene wie in einem Spielzeugland.

Diese Fülle ist allerdings auch gleichzeitig ein Nachteil: Teilweise steht man etwas verloren in einem Gewusel aus zahlreichen anderen Matroschkas und weiß nicht so recht, welche man als nächste übernehmen muss. Spieler sollten folglich eine große Portion Experimentiergeist mitbringen. Zudem ist der Spaß nach drei bis sechs Spielstunden schon wieder vorbei. In dieser Zeit unterhält Stacking jedoch prächtig. Wer abgedrehte Adventures mit einem kleinen Rollenspielanteil mag, kann hier folglich bedenkenlos zugreifen.

Stacking

Bezugsquelle: http://www.stackingvideogame.com
Entwickler: Double Fine Productions
Lizenz: Kommerziell
Preis: 9 Euro
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.stackingvideogame.com

[2] Stacking auf Steam:
http://store.steampowered.com/app/115110

[3] Humble Weekly Sale:
http://www.humblebundle.com/weekly/

[4] Wikipedia-Eintrag zu Matroschka:
http://de.wikipedia.org/wiki/Matrjoschka

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