Zwei aktuelle E-Book-Reader mit Linux im Test

Aus LinuxUser 04/2013

Zwei aktuelle E-Book-Reader mit Linux im Test

© Luciano De Polo, 123RF

Zwischen den Zeilen

Um Ihre private Bibliothek auch im handlichen E-Book-Format angenehm zu konsumieren, brauchen Sie nicht zwingend ein Highend-Lesegerät.

E-Book-Reader sieht man inzwischen in jeder S- und U-Bahn. Während Geräte der ersten Generationen noch einige technische Startschwierigkeiten aufwiesen oder allzu stark auf einzelne Anbieter zugeschnitten waren, haben aktuelle E-Book-Reader die Kinderkrankheiten überwunden und lassen sich deutlich flexibler einsetzen.

Genau genommen handelt es sich bei den E-Book-Readern um spezialisierte Tablet-PCs. So suchen Sie bei den Geräten in aller Regel vergeblich eine herkömmliche Tastatur, und außer einem Kartenslot für SD-Karten weisen die Reader so gut wie keine Erweiterungsmöglichkeit auf. Ihre Displays fallen kleiner und weniger hoch auflösend aus als bei den meisten Tablets.

Bei den für E-Book-Reader typischen Pearl- oder E-Paper-Displays handelt es sich um passive Bildschirme, die bis zu 16 Graustufen darstellen und extrem wenig Energie verbrauchen. Da sie nur zum Bildaufbau Strom benötigen, kommen die Geräte mehrere Wochen mit einer einzigen Akkuladung aus. Zudem ähnelt das Schriftbild moderner E-Paper-Displays sehr dem auf herkömmlichem Papier: Das schont die Augen.

Die weiteren Vorteile der Displays liegen in der hohen Blickwinkelstabilität und der matten Beschichtung, die selbst bei starkem Sonnenschein eine hervorragende Ablesbarkeit gewährleistet. Höherwertige E-Book-Reader bringen zudem druck- und bewegungssensitive Bildschirme mit, sodass die Navigation innerhalb der elektronischen Bücher entsprechend komfortabel ausfällt.

Für unseren Test gehen ein Oberklasse-Gerät des französischen Herstellers Bookeen sowie ein Einsteigermodell des IT-Hersteller Trekstor an den Start (siehe Tabelle “Technische Daten”).

Technische Daten

  Bookeen Cybook Odyssey HD FrontLight Trekstor 4Ink
CPU Cortex A8 TI OMAP3611 Rockchip 2808A
Taktfrequenz 800 MHz 600 MHz
Speicher 128 MByte 64 MByte
Flashspeicher 2 GByte 2 GByte
SD-Slot ja ja
Display
Größe 6 Zoll 6 Zoll
Auflösung 758×1024 600×800
Graustufen 16 16
Touchscreen ja nein
Sonstiges
WLAN ja nein
PC-Anschluss USB 2.0 USB 2.0
Akku Li-Polymer Li-Polymer
Beleuchtung ja (LED) nein
Preis 129 Euro 60 Euro

Bookeen Cybook

Der Bookeen mit dem sperrigen Namen Cybook Odyssey HD FrontLight (Abbildung 1) führt als Spitzenmodell die Cybook-Familie aus Frankreich an [1]. Hierzulande vertreibt die Buchhandelskette Thalia die Hardware zum Preis von 129 Euro. Nicht nur durch die opulente technische Ausstattung macht den Bookeen interessant, sondern vor allem die Vielzahl der unterstützten E-Book-Formate sowie die Tatsache, dass als Betriebssystemkern Linux 2.6 zum Einsatz kommt.

Abbildung 1: Das Bookeen Cybook Odyssey HD FrontLight wartet mit einer Cortex-A8-CPU, 128 MByte RAM und einem 6-Zoll-Touchscreen mit matter Oberfläche auf.

Abbildung 1: Das Bookeen Cybook Odyssey HD FrontLight wartet mit einer Cortex-A8-CPU, 128 MByte RAM und einem 6-Zoll-Touchscreen mit matter Oberfläche auf.

Aber auch die sonstigen technischen Spezifikationen machen neugierig: Als CPU dient ein Cortex-A8-Mobilprozessor von Texas Instruments mit 800 MHz Taktfrequenz. Die Speicherausstattung umfasst 128 MByte RAM und zwei GByte Flash. Über einen MicroSD-Slot erweitern Sie bei Bedarf den Speicher um bis zu 32 GByte. Ein WLAN-Modul, das nach IEEE 802.11b/g/n arbeitet, erlaubt es, mit dem Bookeen Inhalte über das Internet zu laden.

Der fest eingebaute Akku liefert 1600 mAh und hält damit laut Hersteller mehrere Wochen Nutzung durch. Beim Display handelt es sich um einen 6-Zoll-Touchscreen mit matter Oberfläche. Das Pearl-Display bietet eine Auflösung von maximal 758×1024 Punkten und verfügt über eine zuschaltbare LED-Beleuchtung für den Einsatz im Dunklen.

Spartanisch gibt sich der Bookeen bei den Bedienelementen: Neben der Einschalttaste gibt es lediglich zwei seitlich am Gerät angebrachte Tasten zum Blättern sowie eine Menütaste, die zum Zuschalten der Beleuchtung dient. Mit gerade einmal rund 180 Gramm Gewicht entpuppt sich der Reader dabei als echtes Leichtgewicht, wirkt in seinem etwas billig anmutenden Kunststoffgehäuse aber absolut unspektakulär.

Im Thalia-Karton befindet sich neben einer mehrsprachigen Kurzanleitung noch ein USB-Kabel, das sowohl dem Aufladen des Akkus als auch zum Übertragen der Daten vom PC auf den E-Book-Reader dient.

Software

Laut Hersteller versteht sich der Thalia-Reader mit einer stattlichen Anzahl unterschiedlicher Dokumentenformate: Neben Inhalten im EPUB- und PDF-Format unterstützt die Software HTML, ASCII-Text und das FB2-Format. Der Bookeen zeigt Bilder der Formate JPEG, PNG, GIF, TIF, BMP, ICO und PSD an – allerdings nur in 16 Graustufen. Zwar beherrscht der Reader den Umgang mit DRM-belasteten Inhalten, versteht sich jedoch auch auf frei erhältliche E-Books in vielen Formaten. Die Vielzahl der Dateiformate ermöglicht einen flexiblen Einsatz.

Das Menüsystem des Readers unterstützt 23 unterschiedlichen Sprachen. Zur Software-Ausstattung zählt neben einem auf Webkit basierenden, sehr schnellen Webbrowser auch der Adobe Reader Mobile  9.2 mit. Der Quellcode des Geräts ist unter der GPLv3 publiziert, und der Hersteller bietet über seine Website nach einer entsprechenden Registrierung Firmware-Updates an [2].

Aktuelle Inhalte stehen über den Thalia-Buchshop bereit, der sich ebenfalls ins System integriert. Die Einstiegsaustattung umfasst zudem über 100 E-Books in unterschiedlichen Sprachen, wobei es sich hier durchgängig um Werke der klassischen Literatur handelt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, Inhalte freier Projekte auf dem Bookeen zu installieren.

So haben sich im Internet inzwischen mehrere virtuelle Bibliotheken etabliert, die unterschiedlichste Inhalte mit meist ausgelaufenem Urheberrecht in mehreren Formaten anbieten. Als Pionier im Bereich der freien E-Books besonders bekannt ist das Projekt Gutenberg, das eigenen Angaben zufolge inzwischen mehr als 36?000 E-Books in den wichtigsten Formaten anbietet [3].

Bestückung

Schließen Sie den Reader mit dem beigelegten USB-Kabel an einen PC an, meldet sich der Reader dort als Massenspeicher und erscheint im Dateimanager als Ordner Odyssey. Sie haben nun die Möglichkeit, Dateien auf das Gerät zu kopieren.

Bei DRM-beschränkten Inhalten setzt das jedoch voraus, dass Sie den E-Book-Reader zunächst mithilfe der (kostenlosen) Adobe-Software Digital Editions aktivieren. Dazu müssen Sie eine Adobe-ID erstellen, sich also bei Adobe registrieren. Allerdings gibt es Digital Editions nicht für Linux. Die Windows-Variante arbeitet unter Linux jedoch mithilfe der Laufzeitumgebung Wine. Nach dem Aktivieren des Bookeen kopieren Sie die mittels DRM eingeschränkten Werke ebenfalls über die USB-Verbindung auf den Reader, der sie dann in der Regel problemlos anzeigt.

Zusätzlich besteht die Option, mithilfe eines WLANs Inhalte auf das Gerät zu übertragen. Den Dialog zum Einrichten und Nutzen des drahtlosen Netzwerks finden Sie im Menü Einstellungen | WLAN Netzwerke | WLAN anstellen. Nach dem erstmaligen Konfigurieren der Zugangsdaten nutzen Sie das Netzwerk wie am PC.

In der Praxis

Obwohl der Bookeen Odyssey HD FrontLight nicht zu den billigen E-Book-Readern gehört, enttäuschte das Gerät im Test in einigen Bereichen. Die vorinstallierte Firmware-Version 5.1 erwies sich als fehlerbehaftet, wies Defizite bei den Funktionen auf und provozierte wiederholt beim Aufruf bestimmter Menüpunkte Abstürze. Daher fiel zunächst ein Update der Firmware auf Version 5.2 an, was sich allerdings nach den Einrichten des WLANs innerhalb weniger Minuten fast vollautomatisch erledigen ließ.

Dabei fiel auf, dass Hersteller Bookeen es offensichtlich mit dem Datenschutz nicht allzu genau nimmt: Gleich nach dem Einrichten des WLAN und ohne die Website von Bookeen aufgerufen zu haben, wies das Gerät auf eine neue Version der Firmware hin. Hier findet also ohne Zustimmung ein Abgleich der Software zwischen dem Server des Herstellers und dem Gerät statt, wobei sich nicht ermitteln ließ, welche Daten der Reader genau übermittelt.

Doch die neue Firmware zeigte bereits nach wenigen Minuten Betrieb ebenfalls ihre Tücken. So reagierte der Touchscreen wie schon bei der älteren Firmware-Version beim Lesen längerer E-Books zunehmend träger: Ein schnelles Blättern gelang eigentlich nur noch mithilfe der beiden seitlich am Gerät angebrachten Tasten.

Vollkommen aus dem Ruder lief das Gerät jedoch beim Lesen von PDF-Dateien mit Abbildungen: Die Community-Edition des LinuxUser schaffte es unabhängig von der gewählten Ausgabe zuverlässig, die Software des Bookeen völlig aus dem Tritt zu bringen – und das, obwohl es sich um ein DRM-freies Dokument geringer Größe handelt, das als Export aus einer Adobe-Software stammt. So war ein Blättern selbst unter Einsatz der dafür vorgesehenen Tasten am Gerät entweder mangels entsprechender Reaktion gar nicht oder nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen möglich. Dabei veränderte der Reader die Zoomstufe zusätzlich permanent und eigenmächtig, sodass der Inhalt auf dem Display ständig verrutschte.

Ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Dokumenten in verschiedenen Formaten brachte ebenfalls keine Abhilfe: Sobald wieder eine größere reine Textdatei im EPUB-Format geladen und dort einige Seiten gelesen waren, reagierte der Touchscreen des Odyssey-Gerätes erneut mit stetig zunehmenden Latenzen.

Ein weiterer Kritikpunkt am Reader ergibt sich bei Einsatz der eigentlich nützlichen Hintergrundbeleuchtung. Bookeen spendierte dem Gerät LEDs, die es erlauben, die Helligkeit in mehreren Stufen zu regulieren, sodass keine Blendeffekte entstehen. Aber bereits in der niedrigsten Helligkeitsstufe erscheinen am Rand des Displays oben und unten Schatten und Aufhellungen, die zunehmen, je heller Sie die Beleuchtung einstellen. Diese deutlich sichtbaren Unterschiede in der Anzeige erschweren ein flüssiges Lesen.

Beim Testgerät fiel zudem auf, dass bei eingeschalteter Beleuchtung der Text im unteren Bereich des Bildschirms deutlich kontrastreicher erschien, als in der oberen Hälfte, so dass die Anzeige wenig augenfreundlich wirkte.

PDF-Reflow

Der Bookeen bietet mit dem sogenannten PDF-Reflow eine Technik an, Grafiken und Abbildungen aus Dokumenten automatisch zu entfernen. Dabei passt die Software in der Regel zusätzlich die Schriftgröße an, um den durch den Wegfall der Abbildungen gewonnenen Platz auf dem Bildschirm besser zu nutzen.

Eigentlich wäre zu erwarten, dass das Dokument dadurch einfacher zu lesen wäre, häufig war jedoch das Gegenteil der Fall: Die Bookeen-Software schaffte es im Test zuverlässig, bei solchen mit Reflow automatisch bearbeiteten Dokumenten den Text durcheinander zu würfeln, wobei die Abbildungen teilweise erhalten blieben. Völlig unmotiviert teilte das Programm sogar Absätze und machte den ursprünglichen Text auf diese Weise unleserlich (Abbildung 2). Selbst ein manuelles Vergrößern des Dokuments änderte nichts an den zerrissenen Textteilen. Zusätzlich reagierte das Gerät bei hohen Vergrößerungen per Touchscreen nur noch extrem verzögert auf jeden Tastendruck.

Abbildung 2: Links sehen Sie ein PDF-Dokument auf dem Bookeen Odyssey HD FrontLight im Original, rechts das von der PDF-Reflow-Funktion gelieferte Resultat.

Abbildung 2: Links sehen Sie ein PDF-Dokument auf dem Bookeen Odyssey HD FrontLight im Original, rechts das von der PDF-Reflow-Funktion gelieferte Resultat.

Doch selbst bei deaktiviertem PDF-Reflow scrollten größere Dateien im Test nur flüssig, wenn wir die Vergrößerungsstufe minimierten. Offenbar überfordert das Laden der Abbildungen und Anzeigen des Textes den Bookeen ansonsten. Als nutzlos entpuppte sich die Option, das Dokument um 90 Grad gedreht anzuzeigen: Auch dann traten beim Blättern teils lange Latenzen auf, die Navigation innerhalb des Dokumentes geriet zum Glücksspiel.

Menü als Irrgarten

Zusätzlichen Anlass zur Kritik gibt die Struktur des Menüs: Bei geladenen Dokumenten stehen zwar kontextsensitive Einträge über die entsprechende Taste am Gerät bereit, so dass Sie nicht versehentlich falsche Einstellungen tätigen. Die Navigation insgesamt erweist sich aber als teils recht umständlich angelegt.

Abzug gab es auch für die mangelhaften Optionen zur Markieren von Text und zum Bearbeiten. Insbesondere bei längeren Dokumenten fehlt ein Index für individuelle Anmerkungen, sodass die Suche nach einer bestimmten Anmerkung unter Umständen viel Zeit in Anspruch nimmt. Die einzufügenden Anmerkungen unterteilt die Software in Lesezeichen, Highlights und Notizen, wobei es in allen drei Fällen lediglich den Sprung zur ersten, letzten oder der nächsten und vorherigen Anmerkung gestattet. Auch der Wechsel zwischen Dokumenten erweist sich als umständlich.

Die elektronische Bibliothek bietet die Möglichkeit, die Einträge nach Titel, Autor, Verlag sowie Größe, Datum, Name und Pfad der Datei zu sortieren. In der Praxis erweisen sich die zahlreichen dateispezifischen Kriterien als wenig nützlich, es fehlt jedoch das wichtige Kriterium des Sachgebietes. Eine entsprechende Sortierung müssen Sie beim Speichern der E-Books auf dem Umweg über eine entsprechenden Ordnerstruktur realisieren.

Auch die anderen Kriterien helfen nur bedingt weiter: So ist die Suche nach Autoren beim Einsatz verschiedener Dateiformate eingeschränkt, da die Software bei PDF-Dokumenten in der Regel nur den Dateinamen in den Metadaten berücksichtigt, jedoch keine weiteren Angaben zum Dokument. Zudem fehlt eine Auswahl nach linguistischen Merkmalen: Das Gerät bietet trotz der in vielen unterschiedlichen Sprachen bereits vorinstallierten Dokumente keine Möglichkeit, nach der verwendeten Sprache zu sortieren.

Trekstor 4Ink

Der von Weltbild und Hugendubel seit dem vierten Quartal 2012 vertriebene E-Book-Reader 4Ink des deutschen Herstellers Trekstor (Abbildung 3) gehört mit einem Kostenpunkt von knapp 60 Euro zu den echten Preisbrechern [4].

Abbildung 3: Der mit 60 Euro äußerst günstige Trekstor 4Ink wartet mit einer ARM9-CPU mit zusätzlichem DSP, 64 MByte RAM und einem 6-Zoll-E-Ink-Display auf.

Abbildung 3: Der mit 60 Euro äußerst günstige Trekstor 4Ink wartet mit einer ARM9-CPU mit zusätzlichem DSP, 64 MByte RAM und einem 6-Zoll-E-Ink-Display auf.

Der Reader basiert ebenfalls auf einem Embedded-Linux, und der Hersteller verspricht wie Bookeen die Unterstützung einer stattlichen Anzahl von Dateiformaten (EPUB, PDF, HTML, RTF, TXT, FB2 und PDB sowie als Bildformate BMP, JPG, PNG und GIF). Trotz des niedrigen Einstiegspreises verfügt das Gerätes über ein Digital-Ink-Display, das ähnlich dem Pearl-Display bei minimalem Energieverbrauch Inhalte sehr augenfreundlich und hochauflösend anzeigt.

Der mit rund 220 Gramm Gewicht recht schwere 4Ink weist auf den ersten Blick ähnliche technische Daten auf wie der Bookeen: Neben einem sechs Zoll großen Display mit einer Auflösung von 600×800 Punkten in 16 Graustufen finden sich hier eine Rockchip-2808A-CPU, die auf dem ARM9 basiert und über einen zusätzlichen DSP-Prozessor verfügt [5]. Neben 64 MByte Arbeitsspeicher bringt der Reader 2 GByte Massenspeicher mit, den Sie bei Bedarf mithilfe von MicroSD-Karten mit bis zu 32 GByte Umfang aufrüsten.

Kontakt zum PC nimmt der 4Ink-Reader wie der Bookeen über einen Micro-USB-Anschluss auf. Dagegen bietet er weder WLAN, noch eine Hintergrundbeleuchtung oder einen Touchscreen. Die Bedienung erfolgt ausschließlich über mehrere Tasten.

Im Test kam ein Gerät von Weltbild zum Einsatz, das in einem kompakten Karton mit einer recht umfänglichen deutschsprachigen Bedienungsanleitung, einer zusätzlichen Kurzeinweisung sowie einer Download-Anleitung und einem passenden USB-Anschlusskabel kam. Das Gerät macht mit seiner gummierten Kunststoffoberfläche einen hochwertigen Eindruck und weist keine Verarbeitungsmängel oder großen Spaltmaße auf.

Wie beim Bookeen finden sich alle Anschlüsse an der Unterseite. Die vier Tasten zum Zurück- und Vorblättern in den Inhalten sitzen an den Gehäuseseiten. Das eigentliche Steuern des Gerätes erledigen Sie über vier am unteren Rand der Frontseite angebrachte Tasten sowie eine Kreuzwippe, ergänzt durch eine mittig angebrachte OK--Taste.

Software

Beim Einschalten fällt zunächst die kurze Startzeit auf: Während der Bookeen-Reader etwa 15 Sekunden benötigt, bis er einsatzfähig ist, begnügt sich der 4Ink trotz nominal schwächerer CPU (600 statt von 800 MHz Taktfrequenz) mit wenigen Sekunden.

Im grafisch sehr einfach gehaltenen Menü des Geräts fehlt zwar ein integrierter Shop, was sich mangels WLAN-Modul aber nicht als Manko darstellt. Der 4Ink vermag DRM-eingeschränkte Werke über Digital Editions zu beziehen. E-Books, die Sie in einem beliebigen Shop gekauft haben, installieren Sie mithilfe der Adobe-Software auf dem Reader. Freie Inhalte laden Sie – da der 4Ink sich als Massenspeicher am System anmeldet – über einen Dateimanager auf das Gerät.

Herbe Kritik muss der Trekstor-Reader wegen der umständlichen Prozedur bei Firmware-Updates einstecken: Da der Hersteller diese lediglich in Gestalt von EXE-Dateien anbietet, setzt ein Upgrade zwingend ein Windows-System voraus. Ein Test mit Wine unter Linux führte nicht zum gewünschten Erfolg, selbst mit Crossover ließ sich die neue Software nicht installieren.

Ein weiterer Nachteil zeigt sich bei den mitgelieferten Inhalten: Während der Bookeen viele klassische E-Books von Haus aus mitbringt, liefert Trekstor nahezu ausschließlich Leseproben, die aus Teilen von Büchern bestehen. Möchten Sie das gesamte Buch lesen, gilt es, sich nach einer Bezugsquelle umzusehen.

Einstellungen

Die Einstellungen des 4Ink bringen selbst unerfahrenste Anwender nicht in Verlegenheit: Sie umfassen lediglich sechs Optionen, die Sie verändern dürfen (Abbildung 4). Zwei weitere Kategorien, die Geräte-Information und die DRM-Autorisierungsinfo, dienen lediglich zum Prüfen des jeweiligen Firmware- oder DRM-Status.

Abbildung 4: Einfacher geht's nimmer: Die Einstellungen des 4Ink bestehen nur aus sechs Optionen.

Abbildung 4: Einfacher geht’s nimmer: Die Einstellungen des 4Ink bestehen nur aus sechs Optionen.

In der Praxis

Im praktischen Einsatz überzeugt der 4Ink-Reader dank der einfachen Menüstruktur und der Navigation mithilfe weniger Tasten weitgehend. Das Display wirkt bei normaler Umgebungshelligkeit sogar etwas kontrastreicher als das des Bookeen, wobei die Schriftdarstellung trotz der geringeren Auflösung keinen Anlass zur Kritik bietet. Stufeneffekte treten nur bei großen Schriften auf und fallen erst bei genauem Hinsehen auf.

Zudem erlaubt es der Reader, die Schriftgröße in insgesamt sechs Stufen einzustellen. Da der 4Ink bei jedem Seitenwechsel das Bild neu aufbaut, bemerkt man jeweils ein kurzes Flackern. Der Neuaufbau des Bildes bei jedem Seitenwechsel dient dazu, Schatteneffekte (“Ghosting”) zu eliminieren, die konstruktionsbedingt bei passiven Digital-Ink-Bildschirmen auftreten.

Bei der Wiedergabe von Bildern fallen zwischen den beiden Probanden schon deutlichere Unterschiede auf. Hier macht sich die höhere Auflösung des Bookeen-Readers bezahlt, die bei Fotos weiche Übergänge ohne Stufen erlaubt. Der Trekstor-Reader dagegen zeigt speziell bei Fotos mit starken Kontrasten deutliche Artefakte. Auch die Geschwindigkeit beim Laden großer Dokumente fällt beim 4Ink etwas ab.

Wenig spektakulär präsentieren sich beim 4Ink-Modell das Lesezeichenmenü sowie die Suchfunktion. Komplexere Anmerkungen oder Suchparameter erlaubt der Reader nicht, was jedoch vor allem bei einem primär belletristischen Buchbestand kaum ins Gewicht fällt.

Der 4Ink beherbergt im Menü Explorer einen kleinen Dateimanager, der aufgrund seiner Fähigkeit, Ordner vom PC zu übernehmen, die rasche Suche nach einem Werk ermöglicht. Zudem besteht über den Menüpunkt eBooks suchen die Option, mithilfe eines virtuellen Tastenfeldes nach gespeicherten Inhalten zu suchen.

Das Tastenfeld bedienen Sie über die Kreuzwippe, die generell auch die Navigation innerhalb der Menüs gestattet. Dieses Bedienkonzept funktioniert deutlich präziser als beim Bookeen mit Touchfunktion, bei dem gelegentlich bei nicht genauem Positionieren auf dem Touchscreen unerwünschte Reaktionen auftraten.

Sorgenkind PDF

Der Trekstor-4Ink hat ebenso wie der Odyssey spürbare Probleme beim Handling größerer PDF-Dateien mit Abbildungen. Um die Leistung beider Geräte direkt miteinander zu vergleichen, musste sich auch der zweite Kandidat der Wiedergabe der LU-Community-Edition und einiger einzelner Beiträge aus dem LinuxUser stellen. Insbesondere bei der bildlastigen Community-Ausgabe machte sich die schwächere CPU des 4Ink-Readers bemerkbar: Beim Seitenwechsel benötigte das Gerät oft mehrere Sekunden, um die neue Seite anzuzeigen.

Beim zusätzlichen Vergrößern des Dokumentes gelang ein Blättern gar nicht mehr: Die Latenz betrug in diesem Fall teils mehr als eine Minute, während der der Reader auf Tasteneingaben nicht mehr reagierte. Eine weitere Schwäche zeigte sich in der fehlerbehafteten Rendering-Engine des PDF-Readers: Während auf dem Odyssey-Reader die Inhalte komplett anzeigte, erschienen auf dem 4Ink Abbildungen teilweise nur als grau hinterlegte Boxen.

Die auch beim Trekstor-Gerät vorhandene Funktion des PDF-Reflow überzeugte nicht. Umfangreichere und bildlastige Texte erschienen wie beim Bookeen teils zerstückelt, was ein flüssiges Lesen unmöglich machte. Zudem wurden im Test die Abbildungen nur teilweise aus den Dokumenten entfernt, was dazu nötigte, hin und her zu scrollen.

Bei ausgeschaltetem PDF-Reflow jedoch ließen sich einfachere PDF-Dokumente ohne Unterbrechung lesen, wobei die beim Umblättern auftretenden Latenzen sich bedingt als Störfaktor erwiesen. Die Vergrößerungsfunktion erlaubt es, auf dem Display zu klein erscheinende Dokumente in sechs Stufen an die persönlichen Lesegewohnheiten anzupassen.

Generell waren jedoch bei PDF-Dokumenten mit Abbildungen auch beim Laden oder der Modifikation von Darstellungsoptionen relativ lange Latenzen zu beobachten, die wohl der für diese Aufgaben relativ schwachbrüstigen CPU geschuldet sind.

Verwaltungssache

Damit der E-Book-Reader mit dem Linux-PC kooperiert, brauchen Sie nicht unbedingt auf einen Dateimanager wie Nautilus oder Dolphin zurückzugreifen. Zum Verwalten der digitalen Bibliothek bietet sich unter Linux eher das Programm Calibre an, das sich in den Repositories aller gängigen Distributionen findet [6].

Es lagert nicht nur Ihre E-Books auf dem PC in einer eigenen Verzeichnisstruktur, sondern verwaltet auch die auf dem E-Book-Reader gespeicherten Inhalte [7]. Im Test mit unseren beiden Probanden erkannte Calibre das Bookeen-Modell sofort, während der sich der Trekstor-4Ink über den Eintrag Generic in die Software einbinden ließ.

Calibre bewältigte anschließend das komplette Management der E-Bibliotheken, wobei jedoch beim Konvertieren von PDF nach EPUB Schwächen auftraten. Komplex angeordnete Abbildungen in der LU-Community-Edition brachten die Software in Verlegenheit, sodass das erhaltene Dokument aufgrund eines teilweise zerschossenen Layouts unleserlich erschien. Somit eignet sich Calibre nur zum Konvertieren weniger komplexer PDF-Dateien.

Fazit

Die beiden E-Book-Reader von Bookeen und Trekstor können in der Praxis durchaus überzeugen. Das Lesen macht mit den Geräten dank der einfachen Bedienung mit wenigen Tasten und der kontrastreichen Displays Spaß. Der Bookeen-Reader zieht sich wegen der teilweise wenig intuitiven Struktur der Menüs Kritik zu, während das 4Ink-Gerät vor allem durch die umständliche Update-Routine der Firmware Punkte einbüßt. Beide Systeme fallen zudem durch einen wenig nützlichen PDF-Reflow negativ auf, der bei komplexeren PDF-Dokumenten versagt.

Lange Akkulaufzeiten, die Kenntnis vieler Dateiformate und das einfache Handling der Datenbestände dank ausgereifter Software am heimischen PC erlauben jedoch einen sehr flexiblen Einsatz beider Reader, sodass diese dem heimischen Bücherregal inzwischen durchaus Konkurrenz machen. 

Infos

[1] Bookeen: http://www.bookeen.com/en/cybook

[2] Download: http://www.bookeen.com/en/supportdownload

[3] Projektseite Gutenberg: http://www.gutenberg.org/

[4] Angebot: http://www.weltbild.de/3/17562738-1/elektronik/ebook-reader-4-ink.html

[5] Technische Daten: http://www.rock-chips.com/index.php?do=prod&pid=4

[6] Calibre: http://calibre-ebook.com/

[7] Kurztest Calibre: Frank Wieduwilt, “Künftig digital”, LU 03/2010, S. 60, https://www.linux-community.de/20049

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Janet Kieper
13 Jahre her

Schade, dass man ein Print-Abo haben muss, um den Artikel über ein zusätzliches Community-Abo online lesen zu können. Ich würde gerne einen Euro bezahlen, um diesen Artikel online zu lesen, aber Einzelkauf ist ja leider nicht vorgesehen :(.

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