Aktuelles Linux mit Gnome 3.2.1 und Kernel 3.1

Aus EasyLinux 01/2012

Aktuelles Linux mit Gnome 3.2.1 und Kernel 3.1

Fedora 16

Fedora wird mit der neuen Version 16 wieder dem selbst gestellten Anspruch gerecht, technisch auf dem aktuellen Stand zu sein. So gibt es Kernel 3.1 und das frische Gnome 3.2.1 als Standard-Desktop.

Aus Sicht der Fedora-Entwickler ist der Einsatz neuester Technologien genau der Sinn des Fedora-Projekts: Es dient als Experimentierfeld für Red Hats Enterprise-Distributionen. Das bedeutet nicht, dass man dort Fedora-Anwender als Betatester betrachtet – immerhin verzichten die Fedora-Entwickler auch in Version 16 auf die schon länger geplante Umstellung auf das neue Dateisystem btrfs, weil es dafür noch an Reparaturwerkzeugen fehlt – Fedora hat aber definitiv den Anspruch, stets die jeweils aktuellste Linux-Distribution zu sein.

So lockte z. B. der Vorgänger Fedora 15 als erste Distribution mit Gnome 3 als Standard-Desktop. Leider ließ Gnome 3 in Sachen Funktionalität noch Fragen offen. Fedora 16 verspricht hier mit Gnome 3.2.1 (Abbildung 1) Nachbesserung, und so widmeten sich die Entwickler vor allem dem Thema Feinschliff. Was dabei heraus gekommen ist, hat das Zeug, Fedora vom bisherigen Distrowatch-Rang 3 ein großes Stück näher an die Nummer 2 (Ubuntu) zu katapultieren. Daran hat unter anderem Gnome 3.2.1 einen Anteil, das in Umbruchzeiten im direkten Vergleich mit Unity das kleinere Übel für KDE-Verächter zu sein scheint.

Abbildung 1: Fedora 16 bringt die aktuelle Gnome-Version 3.2.1 auf den Desktop.

Abbildung 1: Fedora 16 bringt die aktuelle Gnome-Version 3.2.1 auf den Desktop.

Fedora 16 steht wie gewohnt als in erster Linie Gnome-basierte Distribution für den Desktop sowie in Form so genannter “Spins” (mit den Desktops KDE, LXDE und Xfce) in 32- und 64-Bit-Versionen auf der Fedora-Projektseite [1] zum freien Download zur Verfügung. Neben der Gnome-basierten Live-CD und den alternativen Spins gibt es auch eine Installations-DVD, die alle Desktops enthält.

Am bewährten, im Vergleich zu Ubuntu aber nicht sonderlich intuitiven Installer “Anaconda” hat sich gegenüber den Vorgängerversionen nichts geändert. Er funktioniert, ist aber nicht sehr ansehnlich und in einigen Belangen umständlicher zu handhaben als der von Ubuntu. Für Fedora 17 versprechen die Entwickler eine vor allem optisch überarbeitete Anaconda-Version.

Neues bei Fedora 16

Als in der Hauptsache von Red Hat getragene Distribution glänzt Fedora 16 vor allem mit der Verwendung neuer Technologien. Eher überfällig als innovativ tauscht Fedora 16 endlich den traditionellen mit eigenen Patches gepflegten Boot-Manager Grub-Legacy gegen Grub 2 aus. Die tiefgreifendste Neuerung ist der Einsatz des erst seit kurzem verfügbaren Kernel 3.1 als Standard-Kernel.

Das neue Unterwasser-Hintergrund-Theme ist nicht zufällig gewählt, sondern passt zum Fedora-16-Codename “Verne”. Neben technischen Neuerungen und Gnome 3.2 hat Fedora 16 auch neue Anwendungen im Gepäck, etwa Suhsi, ein Vorschau-Tool, das so ziemlich jeden Dateityp inklusive Videodateien unterstützt. Ansonsten unterscheidet sich die Softwareausstattung aber nicht groß vom Vorgänger, abgesehen von den üblichen Updates der wichtigsten Anwendungen, wie Firefox (7.0.1) oder LibreOffice (3.4.3).

Da sich Fedora außerdem vollständig auf freie Software konzentriert, müssen Fedora-Anwender wichtige unfreie Erweiterungen, wie proprietäre Grafiktreiber oder Video- und Audio-Codecs, über die externen Paketquellen von RPM Fusion [4] nachinstallieren. Ist auch Fedora vorrangig als Desktop-Distribution gedacht, bleibt es bei Red Hats derzeitigem Engagement im Cloud- und Virtualisierungssektor nicht aus, dass auch Fedora 16 auch in dieser Hinsicht gut bestückt ist, Hinweise dazu finden sich in den Release-Notes [3].

Gnome 3.21

Fedora setzt auf Gnome 3 als Standard-Desktop, und so enthält Fedora 16 als eine der ersten Distributionen überhaupt das jüngste Gnome-Update 3.2.1 mit zahlreichen Neuerungen, darunter die Möglichkeit, Online-Konten von Google & Co. als “Speicherorte” zentral verwalten zu können, so dass Anwendungen wie Empathy, Evolution oder das Kalender-Applet direkt darauf zugreifen können (Abbildung 2). Allerdings verzichtet Fedora 16 auf die ebenfalls mit Gnome 3.2 eingeführte gemeinsame Nutzung von lokal und online gespeicherten Dokumenten übert die Anwendung “Gnome Documents”, weil diese noch einen Vorab-Status hat. Anwender können Gnome Documents aber nachinstallieren. Die Integration von Online-Konten beschränkt sich auf Google.

Abbildung 2: Online-Konten in Gnome 3.1 funktionieren mit E-Mail-Konten genauso wie mit Kontakten, allerdings unterstützt Gnome bisher nur Google.

Abbildung 2: Online-Konten in Gnome 3.1 funktionieren mit E-Mail-Konten genauso wie mit Kontakten, allerdings unterstützt Gnome bisher nur Google.

So funktioniert etwa das Freigeben von Google-Mail-Konten in Evolution tadellos, ebenso wie die desktop-weite Verwaltung von Online-Dokumenten, während die Kalenderanbindung zwischen Google und Evolution und die Integration von Instant Messaging noch zu wünschen übrig lassen. Außerdem synchronisiert das neue Gnome Contacts nur solche Google-Kontakte, die in Gmail als “My Contacts” gekennzeichnet sind.

Die Fedora-Entwickler haben Gnome 3.2.1 nicht unverändert übernommen, sondern in vielen Punkten angepasst – etwa in Form neuer Desktop-Themes oder zahlreicher Änderungen an der Gnome-Shell: Sie haben z. B. die Verwaltung externer Datenträger aus Nautilus heraus unmittelbar in die Gnome Shell verlagert. Darüber hinaus macht Gnome 3.2.1 nicht nur Dokumente und Kontakte desktop-weit verfügbar, sondern auch E-Mail- und Chat-Accounts. Mehr zur neuen Gnome-Version finden Sie in den Gnome Release-Notes [2].

Fazit

Unter dem Strich ist Fedora 16 trotz kleinerer Mängel ein gelungenes Update. Vor allem Gnome 3.2.1 gefällt dank individueller Verbesserungen und bringt auch das Gnome-Projekt insgesamt voran, für das Fedora 16 ein wichtiger Multiplikator ist. Wer Gnome ohne Probleme ausprobieren möchte, kann das am einfachsten tun, indem er Fedora 16 installiert.

Beim Thema Desktop zeigt sich unverkennbar, dass die Red-Hat-Entwickler sowohl im Gnome-Projekt als auch im Fedora-Projekt involviert sind, und so hinterlässt Gnome 3.2.1 in Fedora 16 einen deutlich “runderen” Gesamteindruck als Unity in Ubuntu. Das gilt aber nicht für das Gesamtkunstwerk Fedora, das noch eine Reihe von Altlasten mit sich herumschleppt. So schaufelt eine Fedora-Standardinstallation noch immer einige Red-Hat-spezifische Einstellungswerkzeuge auf die Platte, die nicht nur schon lange nicht mehr gepflegt werden, sondern für die es auch längst gute Alternativen im Gnome-Desktop gibt, was den Gesamteindruck im Vergleich zum konsistenteren Ubuntu stört.

Zudem ist es unter Fedora immer noch etwas mühsamer, einen alltagstauglichen Desktop mit proprietären Grafiktreibern, Codecs oder anderen unfreien Komponenten wie Flash und Java einzurichten, als unter Ubuntu, und die Schriftendarstellung verlangt bei einer Standardinstallation ebenfalls nach Nachbesserung. Erfahre Nutzer, die sich nicht davon abschrecken lassen, Fedora mit ein paar zusätzlichen Handgriffen alltagstauglich zu machen, finden in Fedora 16 eine bemerkenswerte Distribution, die sehr aktuelle Software nutzt und dabei erfreulich stabil läuft, was durchaus nicht für alle früheren Versionen galt.

EasyLinux 01/2012 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben