Kompakt, schnell, leise – der Cirrus7 One bringt die Leistung großer Desktop-PCs im kompakten Format auf den Schreibtisch.
Viele Computer-Hersteller, die Systeme mit einem vorinstallierten Linux vertreiben, bescheren dem Käufer ein recht trauriges Linux-Erlebnis: Das System dient eigentlich nur dazu, die Hardware nicht ohne Betriebssystem vertreiben zu müssen. Echtes Interesse, gute Computer mit einem gut konfiguriertem System zu vertreiben, haben nur wenige Händler.
Zu den Ausnahmen zählt der Hersteller Cirrus7 aus Esslingen bei Stuttgart. Er bietet seinen kleinen Mini-PC Cirrus7 One [1] mit vorinstallierten Ubuntu an, das die Cirrus7-Entwickler speziell auf die im Rechner verbaute Hardware optimiert haben. Das Unternehmen gibt beim Verzicht auf Windows den Preisvorteil dabei voll an den Käufer weiter, der im Gegensatz zur Windows-Variante über 80 Euro spart.
Das getestete Modell verfügt über einen Intel Core i3 530 (Dual-Core, 2,93 GHz) und folgt in allen anderen Punkten dem Standardmodell. Die Ausnahme bildet eine 128 GByte große SSD vom Typ Crucial RealSSD C300, die dem System nochmals deutlich Dampf verleiht und es fast lautlos macht.
Hardware
Zum Einsatz kommt im Test ein Modell mit einem Mainboard vom Typ H55ITX-A-E von Zotac im Mini-ITX-Format. Ein 120-Millimeter-Lüfter aus der Multiframe M12-PS Serie von Noiseblocker, der auf einem Samuel-17-Kühlkörper von Prolimatech sitzt, kühlt die CPU. Daneben übernimmt der Lüfter gleichzeitig die gesamte Entlüftung und fördert die Abwärme des Systems direkt nach oben aus dem Gehäuse heraus (Abbildung 1).
Zusammen mit der SSD ergibt diese Kombination einen sehr leisen Rechner, der praktisch kein Geräusch verursacht. Selbst beim Abspielen von HD-Filmen oder beim Kompilieren größerer Programme bleibt der Rechner fast lautlos. Weitere Informationen zur verbauten Hardware finden sie in der Tabelle “Technische Daten”.
Technische Daten
| Komponente | Hersteller | Modell/Leistung |
|---|---|---|
| Mainboard | Zotac | H55ITX-A-E (Mini-ITX) |
| Chipsatz | Intel | H55 Express |
| CPU | Intel | Core i3 530 (2 x 2,93 GHz) |
| LAN | Intel | 82578DM 10/100/1000 Mbit/s |
| WLAN | Ralink | RT2860 (802.11b/g/n) |
| DVD/CD-RW | Sony | Optiarc AD-7690H (8x DVD+R/-R, 24x CD-RW) |
Die SSD sorgt bei Festplattenzugriffen für ordentliches Tempo: Vom Drücken des Netzschalters bis zum fertig geladenen Desktop braucht der Mini-PC nur rund 24 Sekunden; die reine Boot-Zeit des Ubuntu-Systems (ab Grub) beträgt sogar nur zwölf Sekunden. Große Anwendungsprogramme wie OpenOffice, Gimp oder Blender erscheinen nach einem Wimpernschlag fertig geladen und arbeitsbereit auf dem Desktop.
Das anthrazitfarbene Metallgehäuse erinnert etwas an den Mac Mini, fällt jedoch mit einem Format von 218 x 218 x108 Millimeter gegenüber dem Kleinen von Apple (197 x 197 x 36 mm) etwas größer aus. Ein optisches Highlight bieten die individuell gestaltete Deckelplatte und die im Gehäuse verbauten LEDs, die Sie mit dem kleinen vorinstallierten Programm Light Commander (Abbildung 2) vom Desktop aus steuern. So erstrahlt der Rechner in sieben vordefinierten Farben, optional schalten Sie das Licht ab.
Eine kleine Platine auf Basis der Arduino-Plattform [2] steuert die LEDs. Sowohl Hard- wie auch Software stehen unter der LGPL/GPL. Cirrus7 plant, Demo-Programme und eine Kommandozeilenversion des Light Commanders auf der Homepage zu veröffentlichen, um Interessierten die Möglichkeit zu eröffnen, eigene Effekte umzusetzen, wie zum Beispiel den Eingang neuer Mails per blinkender Gehäuse-LED zu signalisieren. Im Rhythmus der abgespielten Musik blinkende Lichter wären sicherlich eine größere Herausforderung. Informationen hierzu sollen im Cirrus-Blog [3] erscheinen.
Das sauber aufgeräumte Gehäuse bietet Platz für drei Laufwerke im 2,5-Zoll-Format, sodass sich die Festplattenkapazität des Rechners aktuell auf bis zu 3 TByte steigern ließe. Auf dem Mainboard findet sich noch ein PCIe-X16 Steckplatz, den Sie mit beliebigen Karten im Low-Profile Format bestücken dürfen, zum Beispiel mit TV-Karten oder Grafikkarten mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 45 Watt, um aus dem Cirrus7 One einen passablen Spielerechner oder HTPC zu machen.
Darüber hinaus bietet der PC zahlreiche Möglichkeiten zum Anschluss externer Geräte: Nicht weniger als zwölf USB-Anschlüsse finden sich – zehn auf der Rückseite und zwei vorne links am Gehäuse. Moderne externe Festplatten verbinden Sie über eSATA, so dass diese ihre volle Leistungsfähigkeit ausspielen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auf der Rückseite bietet der Mini-PC zahlreiche Anschlüsse für externe Geräte – darunter zwölf Mal USB.
Ubuntu vorinstalliert
Der Hersteller liefert den Mini-PC mit einem per OEM-Installation vorbereiteten Ubuntu 10.10 aus, das Sie nach dem ersten Start auffordert, einen Benutzer- und Rechnername zu vergeben. Das System befindet sich außerdem auf dem bei Auslieferung aktuellen Stand, so dass Sie nicht erst Hunderte Updates, die seit dem “Maverick”-Release aufgelaufen sind, zu installieren brauchen. Das Paket mit der Hardware enthält eine von Cirrus7 aufbereitete Ubuntu-CD, auf der Sie neben Ubuntu 10.10 alle Anpassungen finden, welche die Firma vorgenommen hat.
Am Desktop selbst hat der Hersteller nicht viel verändert. Es empfängt Sie der lila-orange Desktop von Ubuntu “Maverick” mit links angeordneten Bedienelementen. Allerdings installiert der Hersteller zusätzliche Anwendungen wie Google Chrome, Adobe Flash Square 64 Bit, Sun Java, Thunderbird und VLC. So kommen gerade Einsteiger gut mit dem System zurecht, da es ohne Installation weiterer Pakete mit sämtlichen Multimedia-Formaten und Web-Elementen zurechtkommt. Allerdings erfordert das Abspielen von Film-DVDs die Nachinstallation der nötigen Schlüssel über die Medibuntu-Quellen [4].
Neben dem bereits erwähnten Programm zum Steuern der LEDs stehen mit Fancontrol und Pwmconfig zwei spezielle Programme bereit, die dafür sorgen, dass der Lüfter so langsam wie möglich läuft, wodurch der Rechner praktisch lautlos arbeitet. Ohne diese zwei kleinen Tools dreht der Lüfter deutlich schneller und erzeugt damit mehr Lärm.
Für eigene Software oder Bugfixes betreibt Cirrus7 ein Ubuntu-Repository, das Sie ab Werk in der Paketverwaltung finden. Aktuell enthält diese Quelle Updates für den Flash-Player (64 Bit) von Adobe, für den Light Commander sowie einen Bugfix für den WLAN-Chipsatz. Über diese Quelle will der Hersteller Updates verteilen, falls zukünftige Ubuntu-Versionen Probleme mit der Hardware des Mini-PC haben sollten. Auf Wunsch gibt es die Hardware auch mit anderen vorinstallierten Distributionen und in einer Dual-Boot-Konfiguration mit Linux und Windows.
Die Stärken
Der Cirrus7 One mit Core-i3-CPU ist ein sorgsam für Ubuntu zusammengestelltes, leises und schnelles System. Für sämtliche Büro-Tätigkeiten, das Bearbeiten von Bildern oder das Surfen im Netz bietet das System völlig ausreichende, wenn nicht sogar überdimensionierte Leistung.
Auch HD-Inhalte stellen den Cirrus7 One vor keine großen Probleme: Ein Full-HD-Film in 1080p ließ sich im Test ohne Probleme abspielen. Selbst Filme in der Kino-Auflösung 2K (2048 x 872 Pixel), wie etwa Sintel [5], bringen den Rechner nicht ins Schwitzen – ohne Ruckeln spielt der Player dieses Format ebenso ab wie hochauflösende YouTube-Videos mit einer Auflösung von 1080p im Vollbild.
Viel Freude macht die im Rechner verbaute Solid-State-Disk. Das System bootet ab Grub in wenigen Sekunden, Anwendungen starten blitzschnell. Allerdings haben die SSDs nach wie vor ihren Preis: Für die kleine Variante mit 64 GByte sind 80 Euro Aufpreis fällig, die im Testsystem verbaute 128-GByte-Variante schlägt mit 180 Euro zu Buche. Aufgrund der gebotenen Leistung und des lautlosen Betriebs erscheint das Geld jedoch gut angelegt.
Die Schwächen
Viel Licht erzeugt meist auch Schatten: Spiele-Fans haben mit dem Cirrus7 One ohne zusätzliche Grafikkarte keine Freude. Im Test stürzten die beliebten 3D-Spiele Sauerbraten, Nexuiz und YoFrankie grundsätzlich ab. Scorched3D ließ sich spielen, allerdings mit vielen Grafikfehlern, die auf einem System mit Nvidia-Grafikkarte nicht auftraten. Wer den Rechner daher zum gelegentlichen Spielen verwenden möchte, sollte eine zusätzliche GPU nachrüsten.
Über die kleinen technischen Mängel hinaus erweisen sich die Kosten als größte Spaßbremse: Der Cirrus7 One erleichtert den Geldbeutel in der Grundkonfiguration um rund 940 Euro. Mit der schnellsten CPU (Intel Core i5 680), 8 GByte DDR-RAM, Blu-ray-Laufwerk und großer SSD kommen schnell über 1700 Euro zusammen. Ein zum Basismodell vergleichbares herkömmliches Desktop-System ließe sich für 450 bis 500 Euro zusammenstellen. Allerdings läuft dieses Modell bei weitem nicht so leise und fällt nicht so kompakt aus wie das vorliegende Testsystem.
Ganz ungerechtfertigt erscheint der hohe Preis nicht: Sämtliche verbauten Komponenten stammen von bekannten Herstellern und sind stimmig gewählt. Das individuelle Gehäuse, die zusätzlich verbauten LEDs und der Support für Ubuntu haben letztendlich ebenfalls ihren Preis.
Fazit
Wer nach einem leisen und exklusiven Schreibtisch-PC mit ansprechender Leistung sucht, der unter Linux eine gute Figur macht, sollte sich den Cirrus7 One definitiv ansehen. Das Gerät ist wie viele Design-PCs alles andere als günstig, doch der Hersteller versucht, ein ausgewogenes System zu präsentieren, das langfristig guten Support erhält.
Infos
[1] Cirrus7 One: http://www.cirrus7.com
[2] Arduino-Plattform: http://www.arduino.cc
[3] Unternehmens-Blog: http://www.cirrus7.com/blog
[4] Zusätzliche Codecs für Ubuntu: http://medibuntu.org
[5] Open-Source-Film Sintel: http://www.sintel.org








Wenn ich mir überlege das es normale PCs für 400,00 € gibt die die gleiche Leistung bringen, frage ich mich nach dem Mehrwert Design?
Das Design ist hässlich von vorne bis hinten!
Dann doch lieber ein MacMini von Apple!!!!!
da stimmt wenigstens alles…………………..
Ein Mac Mini kostet mindestens das Doppelte (bei gleicher Leistung) und schau dir mal die Anschlüsse des Geräts an. Da sieht jeder Mac alt aus…