[Update] Kommentar zum Novell-Verkauf: Fluch oder Segen für Suse Linux?

[Update] Kommentar zum Novell-Verkauf: Fluch oder Segen für Suse Linux?

Im Westen nichts Neues

Bis im März 2011 soll Novell komplett an die auf Software- und Hardwarelösungen spezialisierte amerikanische Firma Attachmate verkauft werden. Was bedeutet das für die Linux-Sparte und Linux im Allgemeinen?

Seit gestern ist es nun offiziell: Novell wird an Attachmate verkauft. Doch während die meisten Spekulationen davon ausgingen, dass die ehemalige Netware-Firma in zwei Teile aufgespaltet wird, übernimmt Attachmate gleich das komplette Novell-Geschäft inklusive Linux-Sparte. Eigentlich ein Deal wie so viele andere auch, doch es gibt da eine Zusatzklausel in der Pressemeldung, wonach geistiges Eigentum von Novell im Wert von 450 Millionen USD an eine CPTN Holdings genannte Gesellschaft übertragen werden soll.

Über diese Limited Liability Company gibt es kaum Informationen im Internet. Was bislang bekannt ist, führt diese Anti-Softwarepatentseite zusammen. Demnach gehört die eigens für diesen Zweck geschaffene CPTN Holdings zu Microsoft und bekommt im Rahmen des “Patent Sale” 882 Software-Patente von Novell. Ob es sich dabei um sämtliche Software-Patente handelt, die Novell besitzt, ist zu bezweifeln, aber es dürften sämtliche Patente sein, vor denen Microsoft eventuell Angst hatte (Office-Patente) und die Microsoft zu eigenen Zwecken benutzen könnte. Als Linux-Firma muss man somit davon ausgehen, dass die Gefahr, von Microsoft auf Software-Patente verklagt zu werden, mit diesem Deal zunehmen wird.

Zukunft der Linux-Sparte

Ursprünglich wollte Novell die Linux-Sparte separat verkaufen, weil man sich dadurch einen besseren Verkaufspreis erhoffte. Dass das nicht gelang, hängt vermutlich mit den zu hohen Erwartungen von Novell zusammen. So geht der Attachmate-Deal nun zu einem Preis von 6,10 USD pro Aktie über die Bühne, das ist nicht viel mehr, als der Investor Elliott Associates im März für die Firma bot. Anscheinend gelang es Novell also nicht, zwei Investoren zu finden, deshalb geht die komplette Sparte nun an Attachmate. Die Pressemeldung spricht von “the best available alternative” und meint damit das beste der Angebote, anscheinend gab es keine besseren Angebote.

Ob die mit integrierten Netzwerklösungen arbeitende amerikanische Firma am Linux-Bereich tatsächlich interessiert ist, oder die Suse-Sparte nur deshalb gekauft hat, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Zu Attachmate gehört auch die auf Server-Monitoring spezialisierte Firma NetIQ, das Linux-Know-How passt hier ganz gut ins Spektrum, da NetIQ auch ein umfrangreiches Linux/Unix-Portfolio anbietet.

Novell hat aber in der Pressemeldung zur Übernahme bereits angekündigt, dass Attachment die Firma in zwei Sparten weiterführen werde:

“Attachmate Corporation plans to operate Novell as two business units: Novell and SUSE; and will join them with its other holdings, Attachmate and NetIQ.”

Das kann auf einen bestehenden Weiterverkauf hinweisen, muss aber nichtunbedingt bedeuten, dass der Suse-Sparte ein weiterer Besitzerwechsel bevorsteht.

Gut oder schlecht?

Für OpenSuse-Nutzer wird sich in naher Zukunft kaum etwas ändern. Das Projekt agiert weitgehend autonom und wird wie geplant im März 2011 mit OpenSuse 11.4 die nächste Version veröffentlichen. Zudem sind an den zentralen Komponenten von OpenSuse — dem Buildservice und dem Suse Studio — auch andere Firmen interessiert (zum Beispiel Intel und Nokia wegen MeeGo), sodass die Infrastruktur mit Sicherheit erhalten bleibt.

Wie sich der Verkauf insgesamt auf Linux im Allgemeinen auswirkt, kann man erst sagen, wenn klar ist, welche Softwarepatente Novell an Microsoft verkauft hat. Attachmate selbst hat vielleicht etwas mehr Linux-Erfahrung als Novell vor dem Kauf von Suse anno 2003 hatte und wird die ersten Fehler von Novell zu vermeiden wissen. Ob Attachmate im gleichen Umfang wie Novell mit Microsoft zusammenarbeiten wird, ist zu bezweifeln, da der Novell-MS-Deal auch auf Patenten beruhte, andererseits hat Microsoft im Virtualisierungsbereich immer noch einen großen Aufholbedarf und könnte hier durchaus mit Attachmate auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Summa summarum muss man die Übernahme schlicht als “Business as usual” bezeichnen, wirklich Gutes bedeutet sie für Linux-Fans nicht, es ist aber auch keine Tragödie.

[Update: 23.11.2010:] Attachmate hat in einem separaten Statement klargestellt, dass die Linux-Sparte als Suse Linux und OpenSuse als alleinstehender Business-Zweig weitergepflegt wird. Auch an der Beziehung zwischen Suse Linux (Enterprise) und dem OpenSuse-Projekt soll sich nichts ändern: http://www.attachmate.com/Press/PressReleases/nov-22-2010-SUSE.htm

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7 Kommentare
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Mathias Riesel
15 Jahre her

Liest denn niemand heute mehr korrektur? 6,10 USD ??? Ich bezweifel das der Schwachsinn stimmt. Bei derartigen Fehlern, verliert man wirklich den Spaß am Lesen der Artikel. Ich habe diesen Artikel nun nicht zu Ende gelesen und werd es auch nicht tun. Die Informationen zu diesem Thema besorge ich mir nun aus anderen Quellen.

Vielen DANK!

Sebastian
15 Jahre her
Reply to  Mathias Riesel

Das muss wohl 6,10 USD je Aktie lauten. Insgesamt sind es 2,2 Mrd. Dollar.

Kann doch trotzdem mal passieren…

Marcel
15 Jahre her
Reply to  Sebastian

Das ist der Aktienpreis, pro Einzelaktie. Hätte man vielleicht dazu schreiben können, ist aber kein Grund gleich zu stänkern, dass stand hier schon an anderer Stelle…

Werner G.
15 Jahre her
Reply to  Marcel

… vor allem, wenn man selbst im Glashaus sitzt: falsches “das”, fehlendes Komma. Jeder macht mal einen Fehler.

Marcel Hilzinger
15 Jahre her
Reply to  Mathias Riesel

Hallo Mathias, danke für den Hinweis. Ich gehe davon aus, dass der durchschnittliche LinuxCommunity-Leser intelligent genug ist, um die Stelle als 6,10 USD pro Aktie zu verstehen, will aber nicht abstreiten, dass das ein Flüchtigkeitsfehler ist. Ich habe die entsprechende Stelle jetzt korrigiert. Zum eigentlichen Thema: Das Korrekturlesen von News können sich selbst deutlich größere Sites schlicht nicht leisten. Ganz zu schweigen davon, dass die Leute, die sich über Rechtschreibfehler und solche Patzer beklagen in der Regel auch diejenigen sind, die am meisten Lärm machen, wenn man für Inhalte Geld verlangen will. Ich bin der Meinung, dass man als Linux-Nutzer… Mehr »

Dr Duden
15 Jahre her
Reply to  Mathias Riesel

Natürlich liest jemand Korrektur:

Es heißt:
Liest (t vergessen)…
…Korrektur (Großschreibung)…

Ich bezweifel, (Komma: Haupt- und Nebensatz) …
dass (es ist eine Konjunktion und kein Artikel oder Relativpronomen)…

Bei derartigen Fehlern (kein Komma) verliert…

… und werde (e am Ende vergessen).

Das macht nichts, aber: Wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen (oder wie war das noch… :)).

Häuslebauer
15 Jahre her
Reply to  Dr Duden

Wer im Glasstein sitzt, sollte nicht mit Häusern werfen.

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