Vorsichtiges Meego-Engagement bei AMD

Vorsichtiges Meego-Engagement bei AMD

Testen in Dresden

Meego soll nach AMDs Wünschen am liebsten schon auf den zukünftigen Portable-Plattformen Ontario und Zacete laufen, die für Frühjahr 2011 angekündigt sind. AMDs Chef-Linuxer Chris Schläger vermittelt im Gespräch mit der Redaktion einige Hintergründe.

Als Grund, warum AMD sich jetzt bei Meego einbringt, gibt Schläger gegenüber der Redaktion die neuen AMD-Plattformen auf Basis von CPU-/GPU-Verbund-Chips an, die so genannten APUs (Marketingname “Fusion”): “Bisher war der von Meego anvisierte Markt einfach nicht interessant für uns”, so der Leiter des internationalen Operating System Research Center (OSRC) von AMD mit Standorten in Dresden und Austin, Texas.

Chris Schläger konkretisiert, dass nun Arbeiten am Linux-Kernel, bei den Grafiktreibern und bei den Chipsatztreibern anfallen. Die nächsten Schritte sehen so aus, dass Schlägers Team sich zunächst mit dem Meego-Projekt kurzschließen muss, berichtet er. So müssen sich die Entwickler ansehen, was überhaupt nötig ist, um die beiden ersten geplanten Fusion-Plattformen Ontario und Zacete zu unterstützen. Die entsprechenden Entwicklungen müssen dann ins Buildsystem von Meego einfließen. Wenn im Frühjahr 2011 die Plattformen herauskommen, “haben wir hoffentlich unsere Hausaufgaben gemacht”, so der Dresdener.

Meego soll auf den Plattformen "Ontario" und "Zaceti" laufen, die ersten beiden mit dem "Bobcat"-Kern aus der APU-Familie "Fusion". (c) AMD 2010.

Meego soll auf den Plattformen “Ontario” und “Zaceti” laufen, die ersten beiden mit dem “Bobcat”-Kern aus der APU-Familie “Fusion”. (c) AMD 2010.

Denn langfristig betrachtet wird AMD nach Schlägers Worten zunächst sehen, wohin das Meego-Engagement führt. AMD werde sich zunächst nur im Netbook- und Tablet-Segment einbringen (weitere wären Smartphones, Autocomputer und vernetztes Fernsehen). Mit Ontario und Zacete werde AMD austesten, wie die Nachfrage bei Herstellern und der Community ist. AMDs zukünftiges Engagement hängt natürlich auch davon ab, welchen Erfolg Meego hat. “OEMs erhalten damit ein Baukastenprinzip, anders als etwa bei Android, das ja vor allem von einem einzigen Hersteller entwickelt wird”, so Schläger. Man müsse sehen, wie das funktioniert.

Bei Schläger in Dresden sitzen die Entwickler für die Unterstützung für CPUs und Chipsatz. Die Grafiktreiber-Abteilung befinde sich “aus historischen Gründen” woanders, beantwortet Schläger die Frage, ob die Meego-Entwicklung ausschließlich bei ihm stattfinden wird. Sie wird im laufenden Geschäft vollzogen, spezielle Ressourcen gibt es nicht: Auf konkrete Personalressourcen will sich Schläger nicht festlegen.

Das CPU-Design "Bulldozer" ist das High-End-Gegenstück zu Bobcat. (c) AMD 2010

Das CPU-Design “Bulldozer” ist das High-End-Gegenstück zu Bobcat. (c) AMD 2010

Abschließend nach einem Blick hinter die Kulissen gefragt, nennt Schläger als in der letzten Zeit interessantes Projekt seiner Truppe die Linux-Unterstützung für die neue AMD-Servergeneration Bulldozer. Hier tue sich deutlich mehr als zum Beispiel bei Barcelona, erläutert er. Zum Beispiel werde die neue Serverplattform Kern-Paare haben, die zum Beispiel beim Powermanagement zusammenhängen. Die Paare teilen sich auch den L2-Cache: Relevant sei das etwa, so Schläger, für den Scheduler, denn es kann sinnvoll sein, zunächst nur jeweils einen Kern des Paares zu belasten, sodass der Kern den gesamten L2 Cache nutzen kann. Damit das alles klappt, muss der Kernel beim Booten die genaue Topologie des Prozessor erkennen (Topology Detection). Bisher habe sein Team mit Simulationen gearbeitet, erst jetzt hat es auch die echte Hardware da, um den Code darauf zu testen. Erst jetzt konnten sie also die Patches in den Kernel-Upstream bringen und Feedback erhalten.

Alle offiziellen Informationen sowohl zu den beiden Fusion-Plattformen (die zu dem Namen “Bobcat” zusammengefasst werden, benannt nach dem Prozessorkern) als auch zu den neuen Servergeneration (benannt nach dem Prozessorkern “Bulldozer”) verlinkt dieses Presse-Kit von AMD.

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