Fedora 14 alias “Laughlin” steht zum Download bereit. Die immer wieder als Vorreiter bezeichnete Distribution. hat sich auch diesmal wieder viel Mühe gegeben ihrem Ruf gerecht zu werden. Doch die Neuerungen brauchen auch etwas mehr Speicherplatz. Die aktuelle Distribution hat eine Größe von gut 5 GByte.
Das schöne an GNU/Linux Distributionen ist, das jede so ihre Eigenarten hat. Die Besonderheit von Fedora ist es, Änderungen oder Neuerungen von Programmen, die es in die distributionseigenen Paketquellen geschafft haben, schnellstmöglich und stabil zu integrieren. Dazu ist natürlich ein möglichst reibungsfreies Zusammenspiel und eine flache Kommunikation notwendig.
Dies ermöglicht die Red Hat Eigenentwicklung: “ABRT – Automatic Bug Reporting Tool” [1] Vom Linux Einsteiger oder “nur” Fedora Benutzer bis zum Entwickler werden damit selbständig Fehler bearbeitet. Fehlerberichte können lokal gespeichert werden oder auch direkt online eingestellt werden. Hierzu ist jedoch ein Account beispielsweise bei Bugzilla [2] notwendig. Dort bekommt der Meldende dann auch Anregungen oder Hilfestellung bei der Problemlösung, meistens vom Paketentwickler oder Maintainer selbst.
Das ist neu
Die Neuerungen lassen sich für die jeweiligen Benutzergruppen: Desktop User, Entwickler und Sysadmin grob unterteilen. Desktop User können nun, dank der neu implementierten Bibliothek libjpeg-turbo, Bilder schneller laden und anzeigen lassen. Bei nicht seltenen lokalen Bilderalben von 500 MByte Größe oder mehr, ist der Performance Gewinn auch auf schwächeren Prozessoren gut sichtbar.
Mit einer weiteren Red Hat Entwicklung namens SPICE (Simple Protocol for Independent Computing Environments) [3] bekommt Fedora 14 ein komplettes Framework für eine virtuelle Desktop-Infrastruktur mitgeliefert. Damit ist es möglich dem einzelnen Desktop Benutzer quasi überall und Hardware unabhängig seine Arbeitsumgebung bereit zu stellen. Dabei stellt sich der Hypervisor auch auf die Gegebenheiten vor Ort ein. Die 2D-Beschleunigung und Verschlüsselung wird wenn möglich aktiviert und ein vor Ort vorhandenes Eingabegerät wie die Maus wird erkannt und eingebunden. [4]
Überholte Werkzeugkästen
Fedora vereinfacht nun die Zusammenarbeit für Entwickler am MilkyMist-Projekt [5] Warum nicht gleich mal direkt auf E mbedded Open Hardware programmieren? Im Fedora Electronic Lab bekommen Entwickler und solche die es werden wollen alle notwendigen Informationen. Dort findet sich auch ein angepasster Spin von Fedora. Diesen Spin [6] nutzt auch John “Maddog” Hall seit neuestem. Fedora 14 bringt auch die Programmiersprache D und Python in den aktuellen Versionen mit.(Siehe Tabelle) Für die GCC-Entwickler bringt Fedora 14 nun das Grafische Interface (GUI) GNUStep mit. Rakudo Star, eine Implementation von Perl 6 und ein neues Memory Debugging Tool zum Finden von “Speicherfressern” runden hier die Wunschliste ab.

Abbildung 3: Neue Icons und Aktivierung bei “Mouseover”. Der KDE4-Desktop nach dem Start von der LiveCD.
Für Server
Natürlich wurde auch an die Systemadministratoren gedacht. Diese können sich nun über den eingebauten Support für Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) freuen. Damit wird es einfacher eigene virtuelle Hardware hinzufügen oder von Amazon virtuelle Hardware hinzu zu buchen. Die Anwendung virt-v2v unterstützt die einfache Migration von Virtuellen Maschinen aus XEN nach KVM. Und für die ganz eiligen Sysadmins wurde auch ein Virtualization Technology Preview Repo eingeführt ([7], [8]). Hier testet der Sysadmin ganz einfach und gefahrlos Neuerungen in Paketen die seine virtuellen Maschinen benötigen, bevor sie installiert werden. Das Prinzip dürfte Fedora Benutzern durch den YUM Installationstest bekannt sein. Weiterhin wurden das Webcache Verwaltungsprogramm Vanish sowie der Apache Webserver auch beide jeweils wieder auf den aktuellen Versionsstand gehoben.
Fedora’s History
Das fedora.us-Projekt wurde Ende 2002 gegründet. Nach gut einem Jahr, im Septe MByteer 2003 kündigte Red Hat dann offiziell an, die eigene Consumer-Linux-Distribution zu Gunsten einer Verschmelzung mit dem fedora.us-Projekt aufzugeben und sie als Community-Projekt unter dem Namen Fedora Core weiterzuführen und zu finanzieren. Im Jahr 2005 gründete Red Hat mit der Fedora Foundation eine unabhängige Stiftung, die dann aus US-rechtlichen Gründen wieder geschlossen werden musste. Red Hat gab daraufhin im April 2006 bekannt, dass die Fedora-Stiftung aufgelöst werden solle. Seit dem trifft sich die Entwicklergemeinschaft im Fedora-Project-Board [9], das von Red Hat umfangreich gefördert wird.
2008 gab Red Hat dann die Stimmenmehrheit im Vorstand von Fedora ab. Damit besaß die Community erstmals die Mehrheit mit 5 von 9 Stimmen.
Rein äußerlich hat sich Fedora 14 kaum verändert. Fedora erscheint wieder jeweils in Versionen mit GNOME, KDE, LXDE, Openbox, oder Xfce als Fenstermanager. Der aktuelle KDE 4 glänzt aber mit neuer Plasma Implementation sowie neuen Icons, Wallpaper und der netten “Mouseover” Funktion im Startmenü.
Alle Neuerungen auf einen Blick
| Software | Typ | Kommentar |
|---|---|---|
| Boost 1.44 | Update | Beschleunigt Veröffentlichungen im Fedora Upstream |
| D Programmiersprache | Update | D compiler (LDC) und D Standard Runtime Bibilothek (Tango) hinzugefügt |
| EC2 | Cloud Service | Fedora 14 vereinfacht den Zugriff auf Amazon EC2 Cloud Service. |
| Eclipse Helios | Update | Fedora’s Eclipse Stack ist nun im Helios Releases |
| Erlang R14 | Update | Update Erlang für den Fedora Upstream |
| Gdb Index | Update | Entfernt nicht benötigte Index Dateien aus .debug Dateien. |
| GNUstep | Update | GNUstep Entwicklungsumgebung hinzugefügt. Grafische Benutzeroberfläche zu gcc. |
ipmiutil |
Update | Ein leicht zu bearbeitendes IPMI Server Management Utility |
libjpeg-turbo |
Neu | libjpeg-turbo ist eine Abspaltung des Original libjpeg Projekts. Mit Hilfe dieser Bibliothek laden Bilder lokal schneller. |
| KDE | Update | Basiert auf KDE SC 4.5.1. Überarbeitungen im KDE Plasma übernommen. |
| Memory Debugging Tools | Neu | Der gdb Debugger wurde um neue Kommandos erweitert. Er findet und behebt exzessive Speicherauslastung von Programmen und Anwendungen. |
| NetBeans 6.9 | Update | Überarbeitete Pakete übernommen |
| Open SCAP | Neu | Das Open-source Security Content Automation Protocol (SCAP) Framework Bietet ein Basis Set von Applikationen und OVAL/XCCDF security Inhalten an. |
| Perl | Update | Zyklisches Update zu Perl 5.12 |
| Python | Update | Python im Upstream 2.7 |
| Rakudo Star | Entwicklungsumgebung | Der Rakudo Star beinhaltet den Rakudo Compiler und die Module, Blizkost und die eine umfangreiche Dokumentation. |
| Spice | Virtualisierung | Spice, komplette Open Source Lösung zur Interaktion mit virtualisierten Desktops |
| Sugar | Update | Die letzten Änderungen und Updates der Sugar eLearning Umgebung wurden übernommen (0.90) |
| Ruby | Update | Ruby im Upstream 1.8.7 |
Fazit
Auch wenn die Neuerungen optisch nicht sehr ins Gewicht fallen, empfiehlt sich ein Update auf die aktuelle Version. Und wer sich mit dem Fach “Informatik” näher beschäftigt oder gedenkt dies zu tun, kommt wohl kaum um einen Besuch bei Fedora herum. Im gewerblichen Bereich eröffnen sich dem Anwender ganz neue Perspektiven der Zusammenarbeit oder Einsatzbereiche von Open Source Produkten. Bei der LiveCD, die aus Platzgründen auf eine DVD gebrannt ist, liefen auf einem handelsüblichen Marken Laptop (Alter: 12 bis 15 Monate) die grafischen Gimmiks, Stromsparfunktionen und WLAN “Out of the Box”. Und wenn das Live System schon einmal gestartet ist ist die Verlockung natürlich groß auch gleich den Install-Button zu drücken.
Fedora empfiehlt zum Update den Download der CD/DVD und eine Installation oder Update vom Medium aus. Es gibt aber auch Netzwerk Installationsmedien bei denen nur die zum Starten einer minimalen Installationsoberfläche nötigen Dateien vom lokalen Laufwerk aus starten. (Netinstall ISO) Die Installation erfolgt dann über das Netzwerk, beziehungsweise setzt eine bestehende Internet Verbindung voraus. Aber auch hier soll der Hinweis nicht fehlen vorher mindestens eine Datensicherung anzulegen. Fedora 14 gibt es auch wieder für die gängigen Prozessoren: i686, powerpc sowie den x86_64
Ganz unspektakulär ist der Fedora Community und ihren Entwicklern hier ein Distributionsupdate gelungen, das sicher dazu beitragen wird den zweiten Platz unter den meist installierten [10] Distributionen zu halten oder gar noch auszubauen.
Infos
[1] Fedora ABRT Projekt http://fedoraproject.org/wiki/Features/ABRT
[2] Bugzilla https://bugzilla.redhat.com/
[3] SPICE Projekt http://spice-space.org/
[4] SPICE Red Hat Video http://www.redhat.com/v/swf/rhev/spice.html
[5] MilkyMist Projekthttp://milkymist.org/wiki/index.php?title=Main_Page
[6] FEL Fedora Electronic Lab http://spins.fedoraproject.org/fel/
[7] Fedora virt-v2v http://fedoraproject.org/wiki/Features/Xen_to_KVM_migration
[8] Dokumentation Virtualisierung http://docs.fedoraproject.org/en-US/Fedora/13/html/Release_Notes/sect-Release_Notes-Virtualization.html
[9] Fedora Project Board http://fedoraproject.org/wiki/Board
[10] Distrowatch http://distrowatch.com/








