Red Hats CEO Jim Whitehurst zu Besuch in München

Red Hats CEO Jim Whitehurst zu Besuch in München

Clouds und Open Source

Real Time Trading, die Cloud, Virtualisierung und die Zukunft der virtuellen Desktops waren die Themen, zu denen Red Hat President und CEO Jim Whitehurst bei einem Presse Round Table in München Rede und Antwort stand. Der pragmatische Amerikaner sparte dabei nicht mit klaren Ansagen und lockeren Sprüchen.

Eines seiner Universitätssemester hat er in Erlangen verbracht, später war er Marketingler und Chief Operating Officer bei Delta Airlines, seit 2007 ist er Chief Executive Officer und President bei Red Hat: Jim Whitehurst war heute zu Gast in München.

Eines der Themen, mit denen Red Hat derzeit hausieren geht, ist das Buzzword “Clouds”. Nach dem Kauf von Qumranet vor einigen Jahren will der Linuxriese aus Raleigh mit seinem Virtualisierungsmanagement RHEV (Red Hat Enterprise Virtualization) einen wichtigen Platz neben VMware einnehmen. Zwar habe der Konkurrent 86 Prozent Marktanteil, aber: “Alle größeren Cloud-Unternehmen setzen auf Open Source. Punkt. Aus”, so der markige Südstaatler aus Georgia.

Auch Red Hats Produktstrategie ist auf die Wolke ausgerichtet. Allerdings beschränkt man sich auf das Kerngeschäft. Fragen, ob die Rothüte beispielsweise in das Datenbank- oder Hosting-Business einzusteigen planen, antwortete Whitehurst vielschichtig-ironisch: “Man soll ja niemals nie sagen, aber wir sind da eigentlich nur der Waffendealer. Was die anderen mit unseren Produkten machen, ist deren Sache.”

Oracle

Obwohl von dem Distributionshersteller nach Whitehursts Angaben 20 Prozent des Linux-Codes stammen, verkaufe Red Hat “eben keine Software, sondern agiert als Katalysator, der zusätzliche Werte für Kunden darauf aufbaut.” Oracle zum Beispiel verfolge ein anderes Geschäftsmodell.

Auf Nachfrage bleibt dann ein kleiner Seitenhieb auf die jüngsten Meldungen um das Verhältnis des Datenbankherstellers zu Open Source nicht aus, auch wenn “das Verhältnis sehr sehr gut ist”, wie Whitehurst versichert. “Der letzte Deal von ihnen mit IBM ist großartig, und wir schätzen es sehr, was die für die Offenheit und Freiheit von Java machen. Aber das Einstellen von Opensolaris oder die MySQL-Sache war definitiv nicht Open-Source-freundlich.” Irgendwie verstehe er das aber auch, denn Oracle als Hersteller proprietärer Software handele einfach “pragmatisch”: Sie schützen eben ihr Know-how, findet Whitehurst.

RHEV, Delta Cloud und Messaging

Auf Red Hats Liste stehen Virtualisierung, virtuelle Desktop-Infrastrukturen und Real-Time-Messaging ebenfalls weit oben. RHEV 3.0 soll nächstes Jahr auf den Markt kommen und endlich den lange erwarteten Linux-Client enthalten. “Wir arbeiten ein Modul nach dem anderen ab”, erklärt der CEO, “und kommen so immer näher an die Microsoft-freie Lösung fürs RHEV-Management.”

Die Delta Cloud dagegen stellt eine abstrakte API dar. Mit deren Hilfe sollen sich VMs über alle Wolken hinweg verbinden lassen, um dem allgegenwärtigen Vendor-Lock-In – was Whitehurst als größte Gefahr des Cloud Computing ansieht – entgegenzutreten.

Im November soll die Deutsche Börse Frankfurt ihr neues Managementsystem auf Red-Hat-Basis live schalten. “Wir haben das schnellste System für Börsen”, so Whitehurst, der sich offensichtlich auf die Fahnen geschrieben hat, das Echtzeit-Messaging deutlicher zu vermarkten. Überhaupt verändere sich gerade die Kundenlandschaft bei Red Hat: “Vor wenigen Jahren hatten wir fast nur Unternehmen mit hohem technologischen Ansprüchen und Know-how in der IT-Branche, aber jetzt kommen immer mehr Kunden, bei denen die IT nur Mittel zum Zweck ist.”, erklärt der CEO.

Virtuelle Desktops?

Gefragt nach der Zukunft des Desktops, auch unter dem Schlagwort Virtual Desktop Infrastructure (VDI), gibt sich Whitehurst zwiegespalten. “VDIs sind eine Krücke, die wir brauchen. Sie sind das Symptom eines Paradigmenwechsels, einer alten Infrastruktur. Innerhalb der nächsten 10 Jahre ist damit sicherlich viel Geld zu verdienen. Aber trotzdem wird der klassische Desktop sterben. Shuttleworth und Google in allen Ehren, aber es hat noch keiner wirklich gezeigt, wie man mit einem Open-Source-Client-Betriebssystem erfolgreich Geld verdienen kann.”

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