Unter der silbernen Hülle des Zaurus SL-5000D verbirgt sich so manch unerwartetes Detail. Wir stellen die Entwickler-Version des neuen Linux-PDA von Sharp vor.
Mit Sharp betritt nun erstmals ein Gigant der Elektronikbranche die Bühne und stellt einen Consumer-PDA mit Linux vor. Der Sharp SL-5000D soll dabei nicht nur eingefleischte Linux-Fans begeistern, sondern besticht durch umfangreiches Software-Angebot mit Web-Browser und MP3-Player auch den Otto-Normalanwender.
Schon das Äußere ist vielversprechend. Das silberne Gehäuse liegt gut in der Hand, das Display hat 240×320 Pixel und eine Farbtiefe von 16 Bit (65535 Farben). Das Display ist transmissiv: Das Umgebungslicht wird vom Hintergrund reflektiert, so dass das Display bei heller Umgebung auch ohne die eingebaute und in mehreren Stufen dimmbare Hintergrundbeleuchtung gut abzulesen ist. Der Touchscreen des Zaurus umfasst die gesamte Bildfläche und lässt sich sowohl mit den Fingern als auch dem mitgelieferten Stift gut bedienen.
Versteckte Tastatur
Unterhalb des Displays sind fünf Funktionstasten zum Schnellstart der einzelnen Anwendungen, zwei Tasten für Bestätigung und Abbruch sowie ein Ring mit Cursor-Tasten (Cursor-Dial) mit einem weiteren Knopf in der Mitte. Der eigentliche Clou: Cursor-Dial und Funktionstasten verdecken eine fast vollwertige amerikanische Tastatur (Abbildung 1). Die Tasten sind größtenteils doppelt belegt, für Zahlen und Sonderzeichen muss zusätzlich die Funktionstaste Fn bemüht werden.
Trotz der Breite von nur knapp sieben Zentimetern lässt sich auf der Tastatur erstaunlich gut und schnell tippen – nach etwas Übung sogar deutlich schneller als per Schrifterkennung. Bei breiteren Fingern ist möglicherweise der Radiergummi eines Bleistifts hilfreich, der Stift des PDA eignet sich wegen der glatten Tasten nicht.
Die aufklappbare transparente Abdeckung des Zaurus macht keinen stabilen Eindruck, sie geht schnell verloren. Wir empfehlen zum Schutz des Displays ein Etui aus dem Zubehörhandel.
Verbindungsfreudig
Der Zaurus ist sehr anschlussfreudig: Datenaustausch ist mittels USB, Infrarot, Compact Flash (CF) und Multimedia-Karten (MMC) möglich. Unterstützung für SD/MMC (Secure Data/Multi-Media Card) bietet der Kernel aber derzeit nicht. Weitere Anschlüsse des Zaurus sind eine Buchse für einen Kopfhörer sowie ein Erweiterungs-Slot unten am Gerät. Das USB-Kabel ist am Cradle (Docking-Station) fest angebracht und lässt sich nicht für unterwegs abnehmen. Auch fällt die Bedienung im Cradle schwer, da die Tastatur-Abdeckung nicht ausgezogen werden kann. Wenigstens ist der Erweiterungsanschluss des Zaurus nach hinten durchgeführt, das optional erhältliche serielle Kabel kann also parallel zu USB angeschlossen werden.
Das Akkupack mit 3,5 Wh ist nicht überdimensioniert, der Zaurus ist nicht gerade sparsam im Verbrauch. Die Laufzeit mit vollem Akku beträgt etwa zwei Stunden, danach wird zwangsweise heruntergefahren und eine Backup-Versorgung aktiviert. Schön wäre eine Verdoppelung der Laufzeit, damit man wenigstens eine Woche ohne Nachladen auskommt. Immerhin findet sich im Lieferumfang ein passendes Steckernetzteil, mit dem sich der Akku nachladen lässt oder der PDA stationär betrieben werden kann.
Auch mit inneren Werten geizt der Sharp Zaurus nicht. Der StrongARM-Prozessor mit 206 MHz bringt ordentlich Rechenleistung, nur die 32 MByte RAM sind etwas beschränkt. Die User-Edition mit der Bezeichnung SL-5000G, die für März angekündigt ist, wird 64 MByte RAM haben. Zudem stehen 16 MByte Flash-ROM zur Verfügung, in dem derzeit das Betriebssystem gespeichert ist.
Betriebssystem Embeddix
Das Linux-System des Zaurus stammt vom Embedded-Spezialisten Lineo (http://www.lineo.com) und trägt den Namen Embeddix. Für die grafische Umgebung wird Qt-Embedded mit dem Qt-Palmtop-Environment eingesetzt, zudem ist die Java-Virtual-Machine Jeode von Insignia installiert.
Embeddix verwendet Linux 2.4. Im Dezember war dies Version 2.4.6, die mit diversen Anpassungen für die spezielle Hardware versehen ist. Auf der Entwicklerseite von Sharp findet sich neben den Quellen des eingesetzten Kernels auch der notwendige Cross-Compiler, um Programme für den Zaurus auf dem heimischen Rechner kompilieren zu können. Mit Qtopia-X, das Sie unter http://www.longbros.com/benjamin/ipaq/dist/feed finden, lassen sich auch fast alle X-Anwendungen auf den Zaurus übernehmen.
An der Oberfläche
Der Zaurus ist ganz klar als normaler PDA konzipiert, der auch von Anwendern ohne Linux-Hintergrund gekauft werden soll. Die Bedienung erfolgt daher überwiegend mit grafischen Programmen auf dem Qt-Palmtop. Basis ist Qt/Embedded, es liefert die von KDE bekannten Qt-Widgets direkt auf dem Framebuffer inklusive Window-Manager. Mit Antialiasing und guter Lesbarkeit auch kleiner Schriften glänzen die Anwendungen auf dem kleinen Schirm. Qt kommt gleich mit einem Windows-Theme, so dass die angepeilte Klientel sich nicht umgewöhnen muss.
Im Start-Menü finden sich die üblichen PDA-Anwendungen wie Adressbuch, Kalender oder Taschenrechner. Auffällig ist zuerst einmal, dass alle Anwendungen mit einer Hilfefunktion ausgestattet sind, der Griff nach dem Handbuch ist dank der gut verständlichen Texte überflüssig. Die Anwendungen entsprechen im positiven Sinne dem Üblichen, sie bieten alle notwendigen Funktionen und sind intuitiv zu bedienen. Angenehm fällt dabei die gute Integration in das Betriebssystem auf: So erwacht der Zaurus automatisch, um an eingetragene Termine zu erinnern.
Als Browser kommt Opera zum Einsatz. Die spezielle Version für das kleine Display bietet verschiedene Zoom-Stufen und arbeitet recht flott, beherrscht aber kein Java-Script. Die Java Virtual Machine (JVM) von Insignia hat ungefähr den Umfang von Java 1.1.8. Ein paar Demo-Applets liefen auf dem Zaurus mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit.
Nur Windows-Abgleich
Für Terminkalender oder Adressbuch ist ein Datenaustausch mit dem heimischen PC geradezu Pflicht, wenn man nicht zwei sich im Zweifel widersprechende Versionen verwalten möchte. Doch hier hier überrascht Sharp: Die einzigen Anwendungen, die der Hersteller auf CD mitliefert, sind Windows-Programme. Von einer Linux-Version ist derzeit nichts zu sehen.
Auch die Internet-Kommunikation mit Linux sieht zur Zeit schlecht aus: PPP und Ethernet über USB stehen zur Verfügung. Diese setzen aber einen brandneuen Kernel, teilweise mit Patches behandelt, voraus. Die genaue Vorgehensweise ist unter http://www.ruault.com/Zaurus/ethernet-over-usb-howto.html beschrieben. Besitzer eines Laptops können alternativ PPP über den Infrarot-Anschluss benutzen. Hier ist auf alle Fälle noch einiges an Arbeit zu leisten, bevor sich der Zaurus nahtlos in das Linux-Umfeld einfügt.
Fazit
Betrachtet man nur die Hardware des Zaurus, ist er ein sehr gutes Gerät. Es stimmt einfach alles: das Display, das Tempo, gute Erweiterbarkeit zum Beispiel über eine Netzwerkkarte im Compact-Flash-Schacht. Zwar gibt es noch die eine oder andere Macke in der Benutzerführung, die ist aber der Entwicklerversion des Betriebssystems zuzuschreiben. Wer also ab März einen PDA habe möchte und jenseits der Palm-Klasse sucht, wird mit dem Zaurus keinen schlechten Griff tun. Dabei sind rund 700 Euro natürlich kein Pappenstiel, aber die vergleichbaren Windows-CE-Rechner liegen auch in diesem Preissegment.
Bezüglich Linux-Integration sieht es hingegen düster aus. Teilweise liegt dies an der schwachen USB-Unterstützung, stärker aber noch an fehlender Software. Ein Abgleich mit Evolution, Gnome-PIM oder den KDE-Programmen sollte schon möglich sein. Die Tatsache, dass die Developer Release erst wenige Wochen verfügbar ist, lässt noch hoffen: Das Tempo, mit dem neue Anwendungen auf der Sharp Developer Seite http://developer.sharpsec.com erscheinen, nimmt in letzter Zeit immer mehr zu. (Fotos: Nils Faerber)






