Die größte Klippe für alle Linux-Umsteiger ist die Hardware-Unterstützung, von Mainboard über Grafikkarte bis hin zum Sound lauern viele Klippen. Wir stellen exemplarisch zwei Rechner vor, bei denen sich Linux heimisch fühlt.
Beim Umstieg von Windows auf Linux bleibt oft lieb gewonnene Hardware auf der Strecke: Die Festplatten laufen nicht mehr im DMA-Modus, auf dem Bildschirm flimmern 640×480 Pixel in 256 Farben, und die Soundkarte bleibt vornehm stumm. Das Problem ist oft fehlende Unterstützung für essentielle Hardware-Komponenten wie Mainboard-Chipsatz und Grafik-Prozessor – manchmal genügt schon eine geringfügige Änderung beim Hersteller, damit Linux die Hardware entweder nicht mehr erkennt oder die Treiber nicht mehr funktionieren.
Linux-Anwender – und solche, die es werden wollen – sind deshalb gut beraten, beim Rechnerkauf auf eine gute Linux-Unterstützung aller Komponenten zu achten. In den meisten Fällen bedeutet das, nicht die brandneueste Hardware, sondern mehrere Monate alte Geräte zu kaufen. Vobis [1] und Deltatronic [2] haben zwei Rechner für unterschiedliche Ansprüche im Programm, bei denen alle Komponenten mit Linux problemlos laufen.
Vobis Linux-PC
Der PC Vobis Basic Linux 1 XI ist mit 399 Euro ohne Monitor ein wahrer Preisbrecher. Das Mainboard Biostar M7VIQ mit Via-KM-266-Chipsatz und AMD Duron 1,3 GHz symbolisieren nicht den letzten Stand der Technik. Auch die ATI-Grafikkarte Radeon 7000 mit 32 MB RAM ist nicht Hit-verdächtig, bietet aber für den Hausgebrauch gute 3D-Leistung. 256 MB RAM, eine 40-GB-Maxtor-Festplatte, DVD-ROM, Netzwerkanschluss, On-Board-Sound, Tastatur und Maus komplettieren den Lieferumfang. In unserem Testgerät war zusätzlich noch ein Diskettenlaufwerk eingebaut, das in der Serienfertigung fehlt.
Besonderes Lob verdient Vobis für den Systemaufbau: Alle Kabel waren ordentlich in dem etwas schwer zu öffnenden Gehäuse verlegt. Zudem ist der Rechner überraschend leise, in normaler Büroumgebung fällt er kaum auf – ein Brüllwürfel, wie sonst in dieser Preisklasse üblich, ist der Vobis-PC nicht.
Für Erweiterungen hat das Biostar-Mainboard drei PCI-Steckplätze, die alle frei bleiben. Die On-Board-Grafikkarte hat Vobis zugunsten der ATI Radeon abgeschaltet.

Abbildung 2: Drei PCI-Slots stehen für Erweiterungen zur Verfügung, die On-Board-Grafikkarte hat Vobis durch die passiv gekühlte ATI Radeon 7000 ersetzt
Gelungene Linux-Installation
Vobis liefert den Linux-PC fertig installiert mit SuSE Linux 8.1 Personal in einer OEM-Version. Bei unserem Testgerät fehlten die CDs, den Seriengeräten will Vobis jedoch die drei CDs beilegen. Die Dokumentation ist gut, neben Mainboard- und Grafikkarten-Handbuch liefert Vobis ein deutsches Systemhandbuch sowie eine deutsche Schnellaufbau-Anleitung mit. Über die Passwörter für root und den von Vobis angelegten Standard-Benutzer linux informiert ein kleiner Zettel.
Die Linux-Installation ist Vobis wirklich gelungen: Nach dem Booten erwartete uns KDM mit dem Login-Bildschirm in 1024×768 Pixeln bei 16 Bit Farbtiefe, das ist bei heutigen Monitoren ein guter Kompromiss. Auch die 3D-Unterstützung der ATI Radeon 7000 war aktiviert, das kurzerhand nachinstallierte Programm tuxracer lief entsprechend ruckelfrei. Die Soundkarte war tadellos installiert und funktionierte ebenfalls unter Tux-Racer – ein Blick unter das Gehäuse zeigt, dass Vobis auch das analoge Audio-Kabel vom DVD-ROM zum Mainboard angeschlossen hat, Audio-CDs lassen sich somit über die Soundkarte wiedergeben.
Wem die von Vobis mitgelieferte Zwei-Tasten-Maus nicht mehr zeitgemäß erscheint, kann sie einfach gegen ein Modell mit drei Tasten und Rad austauschen. Die Hardware-Erkennung von SuSE Linux 8.1 bemerkt die Veränderung beim nächsten Neustart und bindet die neue Maus korrekt ein.
Etwas eigenwillig ist die Partitionierung der Festplatte. Für Linux und die Swap-Partition hat Vobis nur 10 GB und 500 MB verwendet, die restlichen knapp 30 GB sind ebenfalls als Reiser-FS formatiert, jedoch unter /data1 eingebunden, wo kein Benutzer darauf zugreifen kann. Besser wäre es gewesen, entweder eine große Linux-Partition zu benutzen oder aber das 30-GB-Stück als /home zu mounten, um bei etwaigen Neuinstallationen die Benutzerdaten zu retten.
Weiterhin ist der DMA-Modus des DVD-ROM-Laufwerks – wie bei SuSE üblich – nicht aktiviert, wenige Handgriffe im YaST-2-Modul IDE DMA-Modus schaffen hier Abhilfe.
Neuer Kernel
Das Biostar-Mainboard besitzt bereits USB-2.0-Anschlüsse, die sich mit dem Kernel des vorinstallierten SuSE Linux 8.1 jedoch nicht benutzen lassen: Unsere Test-Festplatte produzierte am laufenden Band SCSI-Fehler, ein Zugriff auf das Laufwerk war nicht möglich. Abhilfe bringt ein Kernel-Update, dazu verwenden Sie kurzerhand das Kernel-Paket k_athlon-2.4.20-38.i586.rpm des SuSE Linux 8.2 von ftp://ftp.gwdg.de/pub/linux/suse/ftp.suse.com/suse/i386/8.2/suse/i586. Die Installation wird durch den Aufruf von:
rpm -Uhv k_athlon-2.4.20-38.i586.rpm
als root erledigt. Nach dem Neustart funktionieren USB-2.0-Geräte dann tadellos.
Power-Management mit ACPI
Die Konfiguration der Rechner-Hardware per ACPI bereitet dem Kernel von SuSE Linux 8.2 auf dem Vobis-Rechner keinerlei Probleme. Auch das Power-Management funktioniert – allerdings nur rudimentär. Von den Stromsparmodi ließ sich einzig der Sleep-Modus (S1) verwenden. Dann sinkt die Stromaufnahme des Rechners um die Hälfte auf gut 40 Watt, der Monitor wird jedoch nicht abgeschaltet. Auch beim Wiederaufwachen, etwa wenn die Maus bewegt, eine Taste auf der Tastatur oder der Einschaltknopf am Rechner gedrückt wurden, gab es Probleme: Linux konnte weder Tastatur noch Maus ansprechen, weshalb man zunächst auf eine Text-Konsole und dann zurück auf die grafische Oberfläche wechseln muss. Listing 1 zeigt das Skript pcsleep, das den Vobis-PC einschlafen lässt und beim Aufwachen die nötigen Umschaltungen automatisch vornimmt. Die Rosskur ist jedoch nicht ohne Nebenwirkungen: Nach dem Aufwachen funktioniert der 3D-Support der Grafikkarte nicht mehr.
Listing 1
pcsleep
#!/bin/bash
FGCONSOLE="`fgconsole`"
XCONSOLE="7"
TEXTCONSOLE="10"
if [ "`id -u`" = "0" ]; then
echo "1" > /proc/acpi/sleep
if [ $FGCONSOLE = $XCONSOLE ]; then
chvt $TEXTCONSOLE
chvt $XCONSOLE
else
chvt $XCONSOLE
chvt $FGCONSOLE
fi
else
echo "Programm muss von Root gestartet werden."
fi
Deltatronic Silentium
Der Deltatronic Silentium ist schlicht leise – praktisch unhörbar. Dafür sorgt ein ausgeklügeltes System aus Kühlkörper, Heatpipe und lüfterlosen Komponenten – letztlich sind die Laufwerke das einzige, was sich in dem Rechner dreht, und selbst das flüsterleise.
Mit gut 1700 Euro ist der Silentium alles andere als billig, dafür aber ein echter Geheimtipp für alle lärmgeplagten Computer-Benutzer. Wo andere Hersteller mit Dämmmatten unterschiedlicher Dicke und gedrosselten Lüftern arbeiten, verzichtet Deltatronic von Anfang an auf die lärmenden Zeitgenossen.
Basis des Flüster-PCs ist das beliebte Chieftec-Gehäuse, bei dem die komplette rechte Seitenwand durch einen gehäusefarbenen Kühlkörper ersetzt wurde. Das Mainboard, bei unserem Testsystem ein Asus P4PE mit passiver Southbridge, wird direkt mit dem Kühlkörper verschraubt, der sonst fest eingenietete Mainboard-Träger wurde entfernt.
Heißes Eisen
Für die Kühlung des Pentium-4 2 GHz verwendet Deltatronic eine Heatpipe, der direkt auf den Seitenwand-Kühlkörper geschraubt wird. Bei Raumtemperaturen bis 30 Grad wurde die CPU des Testsystems gerade einmal handwarm. Deutlich heißer waren hingegen der passive Kühlkörper der ATI Radeon 9000 sowie das ebenfalls rein passiv gekühlte 360-Watt-Netzteil mit Temperaturen von 60 Grad und mehr – beide Geräte sind nicht mit dem großen Kühlkörper verbunden, sondern müssen die Wärme über den geringen Luftstrom im Gehäuse abführen. Die Festplatte hat Deltatronic schwingungsarm in einem Alu-Kühlgehäuse untergebracht, hier ist maximal Platz für ein zweites Kühlgehäuse.

Abbildung 4: Die Abwärme des Prozessors, im Testsystem ein Pentium-4 mit 2 GHz, wird mittels Heatpipe (silbernes Rohr) direkt auf den riesigen Kühlkörper in der Seitenwand des Gehäuses geführt. So lassen sich selbst 3-GHz-Prozessoren noch betreiben
Da die Kühlung rein über den Luftstrom erfolgt und Deltatronic keine Lüfter einbaut, ist die Luftführung im Gehäuse äußerst schwierig. Allein die aufsteigende warme Luft sorgt für die Zufuhr von kalter, so dass man den Silentium auf keinen Fall direkt an eine Wand stellen sollte. Wem das Design zu heikel ist, der kann einen besonders leisen Papst-Lüfter nachbestellen, der mit Magneten einfach unter das passive Netzteil gehängt wird.
Die Kühlleistung des Seitenteil-Kühlkörpers reicht laut Deltatronic sogar aus, um aktuelle 3-GHz-Prozessoren zu betreiben. Das relativ heiße Netzteil sei mit Absicht nicht auf dem Kühlkörper montiert, um die CPU stärker kühlen zu können.
Gute Ausstattung
Das Testgerät mit 512 MB DDR-RAM, einer 80-GB-Festplatte von Seagate, Diskettenlaufwerk und DVD-ROM-Laufwerk, kam ohne Betriebssystem in die Redaktion. Deltatronic installiert auf Wunsch das aktuelle SuSE Linux 8.2, das wir zum Test selbst aufspielten.
Die Verarbeitung des Silentium ist gut. Leider verwendet Deltatronic normale UATA- und ATA-Flachbandkabel für Festplatte und DVD-Laufwerk, die den sowieso schon geringen Luftstrom noch einmal bremsen. Wir hätten an dieser Stelle Rundkabel bevorzugt. Das Chieftec-Gehäuse ist gut gewählt, mit Laufwerksschienen, entriegelbarem Laufwerkskäfig und leicht zu öffnender Seitentür ist es besonders Service-freundlich.

Abbildung 5: Die Flachbandkabel behindern den ohnehin schwachen Luftstrom im Deltatronic Silentium, Rundkabel wären hier angebrachter
Die Hardware des Silentium wird ohne größere Probleme erkannt, wie üblich fehlte der DMA-Modus beim DVD-ROM-Laufwerk. Einzig bei der X-Einrichtung mussten wir eingreifen: SuSE betreibt die ATI Radeon 9000 zur Sicherheit ohne 3D-Unterstützung, wir schalteten den 3D-Support daher von Hand ein – Probleme gab es in der Praxis damit nicht.
Problematisches ACPI
Die Linux-Unterstützung für ACPI ist beim Asus-Mainboard des Silentium leider nicht so gut wie beim Vobis-PC: Sie funktioniert nur unter der Text-Konsole und dort auch nur ein mal, danach wacht der Rechner nicht wieder auf. Dafür ist das Skript pcsleep überflüssig, zum Einschlafen reicht die Eingabe von:
sleep 1; echo "1" > /proc/acpi/sleep
Das vorangestellte sleep ist übrigens wichtig, andernfalls schläft der Rechner wegen Tastatur-Aktivitäten gar nicht erst ein.
Fazit
Vobis und Deltatronic haben jeder für sich eine gute Komponenten-Auswahl getroffen, sprechen aber unterschiedliche Käufergruppen an. Der relativ leise Vobis-PC für knapp 400 Euro bietet eine moderate Systemleistung bei guter Linux-Unterstützung der Hardware und eignet sich optimal für Umsteiger, die lieber einen zweiten PC mit Linux betreiben möchten statt ihren bisherigen mit einem zweiten Betriebssystem zu versehen.
Der Name des Deltatronic Silentium ist Programm, von einem leisen Schnurren und gedämpften Kopfgeräuschen abgesehen entrinnt ihm kein Laut – ohne dass der Anwender auf Leistung verzichten müsste. Der Preis von 1700 Euro erscheint auf den ersten Blick sehr hoch. Man muss jedoch bedenken, dass allein das modifizierte Gehäuse, der große Kühlkörper, Heatpipe mit Montagematerialien, Festplattenkäfig und das lüfterlose Netzteil 750 Euro ausmachen. Für alle Bastler: Der nachträgliche Umbau eines Chieftec-Cehäuses lohnt sich nicht, da erhebliche Säge- und Flex-Arbeiten erforderlich sind.
Tabelle 1: Die Testkandidaten im Überblick
| Vobis Basic Linux 1 XI | Deltatronic Silentium | |
|---|---|---|
| Prozessor: | AMD Duron, 1,3 GHz | Intel Pentium-4, 2 GHz (Northwood) |
| Mainboard: | Biostar M7VIQ | Asus P4PE |
| Chipsatz: | Via KM-266 | Intel i845PE |
| Speicher: | 256 MB DDR-RAM | 512 MB DDR-RAM |
| Grafikkarte: | ATI Radeon 7000, passiv gekühlt | ATI Radeon 9000 DVI, passiv gekühlt |
| Festplatte: | 40 GB, Maxtor | 80 GB, Seagate |
| Laufwerke: | DVD-ROM | DVD-ROM, Diskette |
| Anschlüsse: | 2 x PS/2, 2 x VGA, 2 x USB 2.0, Ethernet, seriell, parallel, Joystick, Sound | 2 x PS/2, VGA und DVI, 6 x USB 2.0, Ethernet, 2 x seriell, parallel, Joystick, Sound, S/P-DIF analog und optisch |
| Preis: | 399 Euro | 1700 Euro |
Infos
[1] Vobis Microcomputer AG: http://www.vobis.de
[2] Deltatronic Computer: http://www.deltatronic.info @KE:




