Strom weg, Daten weg, so pragmatisch kann die Praxis sein, und der Neustart nach dem Stromausfall dauert ob der Platten-Checks besonders lang. Mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung fährt der Computer rechtzeitig herunter.
Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) für Heimanwender? Auch wenn Stromausfälle hierzulande nicht zum Alltag gehören, kurze Spannungseinbrüche etwa bei Gewitter sind für die meisten Computer schon zu viel, es kommt zu einem Reset. Ein weiterer Vorteil der Notstromversorgungen: Sie schirmen die teure Hardware gegen Spannungsspitzen und Blitzschlag ab. Die Back-UPS-Modellreihe von APC wird sogar mit lebenslanger Elektronik-Versicherung geliefert – wird durch Überspannung ein an der Back-UPS angeschlossenes Gerät beschädigt oder zerstört, haftet APC mit bis zu 100.000 Euro.
Für den Heimanwender ist das Modell Back-UPS ES 350 besonders interessant: Statt der üblichen Kaltgerätestecker auf der Rückseite hat APC fünf Schuko-Steckdosen in Form einer Steckdosenleiste eingebaut. Damit lässt sich dann nicht nur der heimische PC mit Strom versorgen, sondern auch der Monitor, (DSL-) Modem oder Telefonanlage. Zwei der fünf Steckdosen sind rein als Überspannungsschutz ausgelegt, etwa für Drucker oder Netzwerk-Switches.
Kabelsalat
Die 350 VA der Back-UPS ES 350 reichen für einen Pentium-4 mit zwei Festplatten und DVD-Laufwerk knapp eine viertel Stunde. Bei der Verteilung der Geräte an die Steckdosen sollte man gut planen, was wo angeschlossen wird – jedes mit Notstrom versorgte Gerät verkürzt die Laufzeit der Batterie. So reduzierte ein 19-Zoll-Monitor Akku-Laufzeit auf unter fünf Minuten.
In den meisten Fällen ist es nicht erforderlich, den Monitor an die Notstromversorgung anzuschließen. Durch das Steuerprogramm apcupsd von [1] wird der Rechner automatisch heruntergefahren, wenn die USV leer ist, manuelle Eingriffe sind meist nicht nötig. Auch Drucker und sonstige Peripherie brauchen nur gegen Überspannung geschützt werden, Ausnahmen sind externe Laufwerke mit eigenen Netzteilen (SCSI, USB, Firewire). Grundsätzlich müssen alle mit dem Computer verbundenen Geräte über die Back-UPS versorgt werden, also auch DSL-Modem oder Telefon-Modem, ISDN-NTBA, Telefonanlage und DSL-Splitter – andernfalls besteht die Gefahr, dass bei Überspannung der Rechner durch die Peripherie beschädigt wird.
Telefon absichern
Bei Blitzschlag besteht nicht nur Gefahr durch das Stromnetz, auch über das Telefonnetz können Überspannungen zum Rechner gelangen. Die Back-UPS ES 350 hat dafür zwei Buchsen für Western-Stecker (RJ-45), über die das Telefonkabel abgesichert wird. Auch wenn ISDN- oder Netzwerkstecker in die Buchsen passen würden, sind nur zwei Adern geschützt. Deshalb muss die Back-UPS direkt hinter der Telefondose und noch vor dem ersten Zusatzgerät (DSL-Splitter, ISDN-NTBA, Telefonanlage) eingeschleift werden, das notwendige Verbindungskabel liegt der Back-UPS bei. Abbildung 1 zeigt, wie eine sinnvolle Verkabelung für einen Computer mit DSL-Anschluss aussehen könnte.

Abbildung 1: Computer und Peripherie werden direkt an die Back-UPS angeschlossen und der Telefonanschluss durchgeschleift
Nach dem Einschalten prüft die Back-UPS jedes Mal den Zustand ihres Blei-Akkus, der unter einer Klappe neben den Steckdosen versteckt ist. Ist der Akku verbraucht, wird das über die mittlere Status-LED angezeigt. Kritisch ist die Überlastanzeige (Overload, rechte LED): Nach ein bis zwei Sekunden Überlast schaltet die USV komplett ab, bei großen Monitoren oder Laserdruckern sollte man in ein größeres Modell mit höherer Belastbarkeit investieren.
Kommunikation über USB
Die Kommunikation zum Rechner läuft über ein USB-Kabel, das der USV beiliegt. Darüber können per Steuerprogramm der Status der USV sowie Restzeit und Batterieladung abgefragt werden. Das Programm Power-Chute von APC funktioniert jedoch nicht mit USB-Stromversorgungen; die Alternative heißt apcupsd von Kern Sibbald und Riccardo Facchetti und steht unter [1] zum Download bereit. Für SuSE 8.1, SuSE 8.0 und Mandrake 9.0 haben wir RPM-Pakete gebaut, die Sie bei [2] bekommen. Bei Debian ab Sid ist apcupsd in der Distribution enthalten, allerdings muss es Version 3.10.4 oder höher sein.
Für die RPM-Pakete müssen Sie bei SuSE zuvor das Paket gd und bei Mandrake libgd1 installieren. Wer die Quellen selbst übersetzen will, benötigt bei SuSE und Mandrake jeweils die Pakete des Entwicklungssystems und erweiterten Entwicklungssystems sowie gd-devel respektive libgd1-devel. Eine Anleitung, welche Konfigurationsparameter nötig sind, gibt es im Dokumentationsbereich von [1].
Die Konfigurationsdateien von apcupsd liegen zentral in /etc/apcupsd und sind von Haus aus für die Modelle Back-UPS ES und Back-UPS CS von APC mit USB-Schnittstelle eingerichtet. Änderungen sind im Allgemeinen nicht erforderlich.
USV als Joystick
Beim Anschließen der USV wird sie interessanter Weise als Joystick erkannt, das dafür benötigte Kernel-Modul hid sollte automatisch geladen werden. Der Daemon apcupsd wird beim Systemstart automatisch geladen und überwacht die Stromversorgung. Bei Stromausfall oder Kommunikationsproblemen mit der USV warnt apcupsd automatisch alle eingeloggten Benutzer und versendet eine E-Mail an Root. Weitere Aktionen können über die Skripte onbattery, mainsback und andere in /etc/apcupsd angestoßen werden. Ist die Batterie erschöpft, fährt apcupsd den Rechner per shutdown automatisch herunter.
Der Status der USV kann mit drei Programmen abgefragt werden; apcaccess listet auf der Kommandozeile die Statuswerte schlicht als Text auf, powerflute benutzt bereits Rahmen und Menüs. Die beste und umfangreichste Darstellung macht das CGI-Programm multimon.cgi, das im CGI-Verzeichnis unter apcupsd gespeichert wird. Allerdings muss zur Verwendung der Apache installiert und korrekt konfiguriert sein, der Abruf erfolgt dann mittels Browser über die URL http://127.0.0.1/cgi-bin/apcupsd/multimon.cgi. Abbildung 2 zeigt die grafische Statusübersicht im Konqueror.

Abbildung 2: Die beste Übersicht bietet das CGI-Programm multimon.cgi, dafür muss allerdings Apache installiert sein
Welche Daten der USV angezeigt werden können, hängt vom Modell und dem verwendeten Anschluss ab – so liefert die Back-UPS ES über USB keine Belastungsanzeige, auch kann die derzeitige Netzspannung nicht abgefragt werden. Kapazität und Restlaufzeit bieten aber alle Modelle. Eine Beschreibung, wie man andere USV von APC mit apcupsd betreibt, findet sich im Dokumentationsbereich von [1].
Fazit
Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ist auch für Privatanwender interessant, besonders wenn sie wie bei APC mit einer Elektronik-Versicherung angeboten wird. Die Bauform als Steckdosenleiste mit Akku ist besonders praktisch, so lassen sich beliebige Geräte vom Computer bis zum Telefax sofort anschließen. Die kleinste Ausführung mit 350 VA ist mit rund 110 Euro erschwinglich, ein kombinierter Blitzschutz für Telefon und Steckdose aus dem Baumarkt würde schon gut 40 Euro kosten.
APC Back-UPS ES 350
| 5-fach Steckdosenleiste mit Akku, unterbrechungsfreie Stromversorgung | |
| Bezugsquelle: | Mindfactory http://www.mindfactory.de |
| Kapazität: | 350 VA (225 Watt) |
| Akku: | 12 Volt, Blei-Gel, gasdicht |
| Schnittstellen: | USB, Telefon ein- und Ausgang |
| Lieferumfang: | Akku, USB-Kabel, Telefonkabel (RJ-11 Stecker/Stecker), Handbuch, Windows-Steuerprogramme, Elektronik-Versicherung |
| Preis: | 110 Euro |
Infos
[1] apcupsd-Homepage: http://www.apcupsd.com
[2] RPM-Pakete: http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/03/064-usv/apcupsd




