Laserdrucker und Tintenstrahldrucker nähern sich beim Preis einander an, doch auch bei der Ausstattung und der Notwendigkeit spezieller Treiber. Dass Laserdrucker unter 200 Euro auch mit Linux funktionieren, zeigt dieser Test.
Laserdrucker führen in Privathaushalten bis heute ein Schattendasein, sie gelten als viel zu teuer, noch dazu können sie im Gegensatz zu den Tintenstrahlern nur Schwarz-Weiß drucken. So lange Tinte jedoch wertvoller als Gold ist, lohnen sich Laserdrucker für Anwender, die etwa 100 bis 200 Seiten Text pro Monat drucken. Noch dazu ist der Textausdruck auf Normalpapier besser als bei fast allen Tintenstrahlern, wo das Papier die Tinte aufsaugt und damit Buchstaben ausfransen lässt.
Das Preisargument gilt bei aktuellen Laserdruckern nur noch bedingt: Wer nicht gerade einen Abteilungsdrucker mit mehreren tausend Seiten Druckleistung pro Monat benötigt, findet schon Geräte für unter 200 Euro. Stellvertretend für andere Drucker dieser Preisklasse testete das Hardware-Labor den Canon LBP-1120 für rund 130 Euro und den Lexmark E232 für 160 Euro.
GDI-Laserdrucker
Beim Canon LBP-1120 handelt es sich um einen klassischen GDI-Drucker (Graphical Device Interface), der seine Druckdaten fertig aufbereitet erwartet und keine eigene Logik zum Aufbau einer Seite enthält. Hochsprachen wie PCL oder gar Postscript versteht der Canon-Drucker nicht.
Das Problem ist von den Tintenstrahldruckern bekannt: Da jeder Hersteller sein eigenes GDI-Protokoll erfindet und sogar von Modell zu Modell verändert, muss der Druckertreiber fast immer exakt auf das jeweilige Gerät abgestimmt werden. Hinzu kommt, dass auch die Feinabstimmung wie Farbsättigung, Helligkeit oder Kontrast bereits der Treiber erledigen muss.
Äußerlich sieht der LBP-1120 aus wie ein etwas zu groß geratener Tintenstrahldrucker von Canon: Bis zu 125 Blatt Papier werden von oben eingelegt, die Ausgabe erfolgt entweder vorne oder in einem Ständer vor dem Papiereinzug oben. Abdeckungen gibt es keine, so dass der Drucker zwangsläufig verstaubt und auch Staub in die Druckermechanik gelangt – das lässt keine besonders lange Lebensdauer erwarten. Hier sollte man sich mit einer Textil-Abdeckhaube aus dem Zubehörmarkt behelfen.
Lexmark mit PCL-Interface
Ganz anders der Lexmark E232: Dieser Drucker wird bereits in der Grundausstattung mit einem 250-Seiten-Papierfach ausgeliefert und die Papierausgabe ist so gestaltet, dass die Druckermechanik gut vor Staub geschützt ist. Das wohl interessanteste Ausstattungsmerkmal ist, dass der Drucker die Hochsprache PCL-6 beherrscht und sich damit wie ein HP Laserjet 6 oder älter ansteuern lässt. Allerdings gibt es bei Lexmark weder Treiber für aktuelle Distributionen noch eine PPD-Datei (Postscript Printer Description).
Mit den CUPS-Treibern für Laserjet-6-kompatible Drucker waren die Ausdrucke schlicht indiskutabel und wirkten stark verwaschen – einzig der Open-Source-Treiber lj5gray lieferte halbwegs brauchbare Ergebnisse, jedoch verweigerte der Drucker mit diesem Treiber größere Dokumente und stützte schlicht ab. Für den Test griff der Autor deshalb auf den Treiber HP Laserjet 6 des kommerziellen Treiberpakets Turboprint [1] zurück.
GDI-Treiber für Linux
Für den LBP-1120 stellt Canon, anders als bei den Tintenstrahldruckern, eigene Treiber auf seiner Homepage [2] zum Download bereit. Dabei handelt es sich um zwei RPM-Pakete: cndrvcups-common enthält einen Drucker-Spooler für das eigentliche Treiberpaket cndrvcups-capt.
Beide RPM-Pakete sind distributionsunabhängig, lassen sich also sowohl unter aktuellen Versionen von Suse Linux als auch unter Mandrake Linux installieren:
rpm -ihv cndrvcups-common*.rpm rpm -ihv cndrvcups-capt*.rpm /etc/init.d/cups restart
Der Neustart von Cups in der letzten Befehlszeile muss unbedingt erfolgen, bevor mit den nächsten Befehlen der LBP-1120 als Drucker lbp1120 zu den bestehenden Druckern hinzugefügt wird:
lpadmin -p lbp1120 -m CNCUPSLBP1120CAPTJ.PPD -v ccp:/var/ccpd/fifo0 -E ccpdadmin -p lbp1120 -o /dev/usblp0 /etc/init.d/ccpd start
Die Kommunikation mit dem Drucker übernimmt der Daemon ccpd. Damit der Drucker-Daemon bei jedem Systemstart automatisch ausgeführt wird, liefert Canon im RPM-Paket cndrvcups-capt das so genannte Init-Script /etc/init.d/ccpd mit. Damit das Init-Script auch ausgeführt wird, muss es wie alle anderen Startscripte auch mit einem symbolischen Link unter /etc/init.d/rc3.d respektive /etc/rc3.d verknüpft werden:
ln -s /etc/init.d/ccpd /etc/init.d/rc3.d/S90ccpd
Der Canon-Treiber fügt sich nahtlos in Cups ein, Besonderheiten gibt es nicht zu beachten. Das von Canon mitgelieferte grafische Frontend, cngplp, ist für den normalen Betrieb nicht erforderlich, der Drucker reagierte im Test auch auf alle Einstellungen, die der Autor über den normalen Drucken-Dialog der einzelnen Anwendungen vornahm.
Gute Noten für Canon
Die Druckqualität des Canon LBP-1120 ist im Text- und Office-Druck durchweg gut bis sehr gut, einzig bei hellrosa Schrift auf gelbem Grund ist der Kontrast nicht mehr ausreichend, um den Text noch lesen zu können. Die Druckgeschwindigkeit liegt beim Grauert-Brief bei etwas über vier Seiten pro Minute, das Office-Dokument mit verschiedenen Diagrammen und Grafiken erreichte er immerhin noch über drei Seiten pro Minute. Die erste Seite wird in unter 30 Sekunden gedruckt. Insgesamt eine akzeptable Druckgeschwindigkeit, die aber schnelle Tintenstrahldrucker wie der HP Photosmart 8150 ebenfalls erreichen.
Beim Grafikausdruck, insbesondere von grauen Flächen, stört jedoch der unterschiedliche Tonerauftrag, der zu waagerechten Streifen alle drei Zentimeter führt. Auch bei Fotos wie dem des Models Bianca sind die waagerechten Streifen deutlich zu sehen. Insgesamt ist der Foto-Ausdruck dennoch zufriedenstellend, wobei dem Drucker die exzellente Graurasterung zugute kommt.
Die Farb- respektive Grauverläufe des Grafik-Tests sind gut abgestuft, selbst dunkle Farben, etwa Dunkelblau auf Schwarz im Siemens-Stern des Grafik-Tests, lassen sich gut unterscheiden. Moirés gibt es lediglich im Siemens-Stern, nicht jedoch bei den auf einen Punkt zulaufenden schwarzen Linien.
Düstere Ausdrucke
Die Druckergebnisse des Lexmark E232 sind sowohl beim Foto als auch beim Grafik-Test deutlich schlechter als die des Canon LBP-1120. Insgesamt sind die Ausdrucke deutlich dunkler: Der blaue Balken aus dem Grafik-Test wird komplett mit 100 Prozent schwarz gedruckt, die roten und grünen Balken versinken unterhalb von 30 Prozent Farbanteil ebenfalls im Schwarz – Beim Canon LBP-1120 ließen sich die drei Farben bis 20 Prozent Farbanteil problemlos unterscheiden.
Ähnlich schlecht druckt der Lexmark E232 den Siemens-Stern, die blauen und violetten Segmente sind vom Hintergrund fast nicht zu unterscheiden, zudem bilden sich stark hervortretende Moiréés. Insgesamt müssten der Gamma-Faktor sowie die einzelnen Farbkurven auf den Lexmark-Drucker angepasst werden, in der Standardeinstellung als HP Laserjet 6 erreicht der E232 nur befriedigende bis ausreichende Ergebnisse im Grafikdruck.
Flotter Drucker
Ganz anders ist die Situation bei Text- und Office-Dokumenten, aufgrund des (viel zu hohen) Kontrasts war selbst hellrosa Schrift auf gelbem Grund noch lesbar – violetter Text auf Schwarz hingegen wurde zu einem undifferenzierbaren schwarzen Balken.
Bei der Druckgeschwindigkeit kann der Canon LBP-1120 dem Lexmark-Laser jedoch nicht das Wasser reichen: Mit über 16 Seiten pro Minute im Office-Druck und fast 17 Seiten pro Minute beim Grauert-Brief ist der E232 vier bis fünf mal so schnell wie der Canon-Drucker. Auch bei Fotos und Grafiken ist der Lexmark noch zwei bis drei mal schneller als der Laser von Canon.
Fazit
Bei der Druckqualität hat Canons LBP-1120 derzeit die Nase vorn, weil für den Lexmark E232 noch kein angepasster Druckertreiber oder auch nur eine PPD-Datei zur Verfügung steht. Im Kompatibilitätsmodus mit Turboprint als HP Laserjet 6 angesprochen vermag der E232 zwar, Textdokumente in guter Qualität sehr schnell zu Papier zu bringen, für den Ausdruck von Präsentationen oder Schwarz-Weiß-Bilder eignet er sich aber nur bedingt. Für den Lexmark-Drucker spricht jedoch sein PCL-Interface, womit das Gerät nicht unbedingt einen spezialisierten Druckertreiber für den Betrieb benötigt.
Die Treiberunterstützung beim Canon LBP-1120 ist sehr gut und die Druckergebnisse können sich sehen lassen – doch das ganze steht und fällt jedoch mit Canons Bereitschaft, auch in Zukunft Treiber für die jeweils benutzte Distribution zur Verfügung zu stellen. Mit einem Open-Source-Treiber lässt sich dem LBP-1120 kein einziges Blatt entlocken.
Laserdrucker für unter 200 Euro
Infos
[1] Kommerzielles Treiberpaket Turboprint: http://www.turboprint.de
[2] Canon-Treiber für Laserdrucker: http://support.canon.de/produkte/printerlaser.htm






