Pinetrail-Atom-Notebook im Test

Pinetrail-Atom-Notebook im Test

HP Mini 210 und Ubuntu

HPs Mini 210 Netbook ist ein schickes Netbook mit sehr guter Akkulaufzeit. Im Test muss Intels neuer Pinetrail-Atom mit integrierter Grafik seine Linux-Kompatibilität beweisen.

Von HP erreicht uns zum Test ein HP Mini 210-1018eg mit der Pinetrail-Plattform. Das Gerät hat einen 10.1-Zoll Bildschirm mit der gängigen Netbook-Auflösung von 1024×600, 1 GByte RAM, 250 GByte Festplatte, WLAN und wird mit Windows 7 Starter Edition ausgeliefert. Integriertes Bluetooth fehlt leider, dies gehört bei Netbooks eigentlich zum Standard.

Design und Ausstattung

HPs Winzling ist sehr flach und leicht, die Kanten sind sehr abgerundet und das gesamte Gerät wird von einer nur im Gegenlicht erkennbaren, nur durch den Wechsel glänzend/matt erzeugten geometrischen Struktur (Abbildung 1) überzogen – auch an der Unterseite, die HP beim Design gerne mal außen vor lässt. Es ist gut verarbeitet und wirkt wertig, der Eindruck wird allerdings durch den hinten herausstehenden Akku etwas geschmälert. Der randlose Bildschirm spiegelt, Fingerabdrücke sind sofort sichtbar. Auch das Trackpad ist dem Hautfett durchaus nicht abgeneigt, so wird häufiges Polieren zur Pflicht. Positiv ist hier hingegen die Ober- und Unterseite: Dank des Musters sieht man Fingerabdrücke überhaupt nicht. Gut gefallen hat uns auch die angenehm tippbare Tastatur, die in der Optik stark denen aktueller Apple-Notebooks ähnelt. An Anschlüssen hat das für 300 Euro erhältliche Gerät neben VGA auch 100-MBit-Ethernet (umständlich hinter einem Stöpsel zum Herauspulen versteckt, siehe Abbildung 1), 3x USB 2.0, einen 5-in-1-Kartenleser und Audioklinke für Kopfhörer und Mikrofon.

Abb. 1: Das Muster überzieht mit Ausnahme des Akkus die gesamte Außenseite des Geräts. Rechts im Bild der Stöpsel für das Ethernet.

Abb. 1: Das Muster überzieht mit Ausnahme des Akkus die gesamte Außenseite des Geräts. Rechts im Bild der Stöpsel für das Ethernet.

Linux-Installation

Eine Installation von Ubuntu 10.04 Netbook Edition klappt reibungslos, wir müssen danach lediglich über den Hardware-Treiberassistenten die Broadcom-Treiber fürs WLAN installieren. Alles funktioniert: Webcam, Multimediatasten, WLAN-Schalter, Kartenleser, Mikrofon, Kopfhörer, Grafik, Schlafmodus. Nur das Touchpad erweist sich als schwer benutzbar: Es handelt sich um eines der neuen Synaptics Multitouch-Clickpads, bei denen die linke und rechte Maustaste lediglich als Bereiche auf dem Touchpad markiert sind. Der Linux-Treiber hierfür ist noch unausgereift, er kann mit den zwei Fingern noch nicht so richtig umgehen. Insbesondere wenn beim Klicken ein Finger noch auf dem Touchpad liegt führt das zu Fehlinterpretationen: Die Maus springt ständig, klicken ist manchmal fast unmöglich. Drag & Drop funktioniert nur, wenn man zuerst klickt und dann den Finger auf dem Touchpad platziert. Linderung ist jedoch in Sicht, an einem verbesserten Treiber für die neuen Clickpads wird momentan gearbeitet.

Atomare Aufrüstung

Das 1,22 Kilogramm leichte Gerät hat den neuen Pineview-Atom N450, immer noch mit 1,66 GHz, der dank eines integrierten GMA-3150-Grafikkerns und Speichercontrollers mit 6,5 Watt TDP noch weniger Strom benötigt. Den Netbook-Vorgänger N2xx der Diamondville-Generation hat Intel zwar mit 2,5 Watt spezifiziert, bei diesem kommt jedoch noch der nicht unerhebliche Stromverbrauch des damals noch externen Grafikchips hinzu. So belief sich der Stromverbrauch des Gesamtpakets aus CPU und Chipsatz (nun “Pinetrail” genannt) zuvor auf 11,8 Watt, nun liegt er bei 7 Watt. Was vorher drei Chips waren (CPU, Memory Controller Hub, I/O Controller Hub) sind nun zwei (Pineview und der Platform Controller Hub Tiger Point).
Einen Shrink auf den aktuellen 32-Nanometer-Prozess hat Intel dem Pineview nicht spendiert — das ist der nächsten Generation “Cedar Trail” vorbehalten, die in der zweiten Jahreshälfte 2011 kommen soll. Dank der Integration des Grafikkerns und Speichercontrollers ist jedoch auch diese generation schon merkbar stromsparender, mit einem für Netbook-Verhältnisse sehr leistungsstarken 58-Wattstunden-Akku schafft das HP Mini 210 in unserem Leerlauf-Test unter Ubuntu 10.04 (Bildschirmhelligkeit reduziert, WLAN an) eine beachtliche Laufzeit von 6 Stunden und 53 Minuten. Dies ist jedoch wohl weniger dem Pineview-Atom zu verdanken als dem sehr großen Akku. Der Stromverbrauch ist etwas geringer als bei bisherigen Atom-Netbooks: Nur 15 Watt genehmigt sich HPs Flachmann im Leerlauf, unter voller CPU-Last sind es gerade einmal 2 Watt mehr.
Neu beim N450 ist auch, dass dieser nun den 64-Bit-Modus beherrscht — dies war in der Vorgängergeneration ausschließlich dem Dualcore-Desktop Atom 330 vorbehalten. In unserem Test eines Acer Revo mit Atom 330 brachte der 64-Bit-Modus in unserem Benchmark LUbench immerhin 13,8 Prozent mehr Leistung als dasselbe Ubuntu 9.10 in der 32-Bit-Version. Keine Offenbarung, aber wer nicht auf 32 Bit angewiesen ist, kann dem gemächlichen Atom mit 64 Bit dennoch etwas Beine machen.

Beim GMA 3150 Grafikchip handelt es sich um einen leicht verbesserten X3100, welcher schon kaum schneller war als der ubiquitäre GMA950, der viele Jahre lang zahllose Notebooks und Billig-Desktops antrieb. Integrierte Videobeschleunigung wie etwa Nvidias Ion oder auch Intels GMA HD-Grafik bietet er nicht. Ein Test mit Google Earth führte zum Absturz dessen, die wenigen Sekunden, die das Programm vor dem Absturz lief, ließen nicht auf besonders gute Performance schließen — die Treiber für Intels integrierte Grafik sind wohl immer noch nicht wirklich ausgereift.
Die CPU-Leistung entspricht der bisheriger Atoms (93 Punkte in LUbench-CPU unter Ubuntu 10.04 32 Bit), nur mittels 64-Bit lässt sich aus dem neuen Pineview mehr herausholen.

Fazit

Das HP Mini 2010 1018eg ist ein schickes leichtes Netbook, das optisch zu überzeugen weiss. Die Linux-Kompatibilität ist hoch, nur das Clickpad-Treiberproblem schmälert die ansonsten makellosen Performance. Sein größtes Kaufargument ist der üppig dimensionierte Akku, durch den das Gerät sehr gute Laufzeiten erreicht. Die Ausstattung geht für den Preis in Ordnung — nur der Verzicht auf Bluetooth ist ärgerlich.

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