Der Gnome-Entwickler Stef Walter hat sich in seinem Guadec-Vortrag damit beschäftigt, Kryptografie-Komponenten benutzerfreundlicher zu machen. Als gemeinsamen Keystore für Anwendungen in Gnome 3.0 schlägt er Gnome-Keyring vor.
Die Welt der freien Software verfüge über hervorragende Kryptografie-Implementierungen, erläuterte Walter. Doch leider verwenden sie alle einen eigenen Keystore. Die unterschiedlichen Oberflächen und Formate für Schlüssel und Zertifikate seien für die Anwender unangenehm und verwirrend.
Als praktisches Beispiel für den traurigen Ist-Zustand nahm er einen Anwender, der ein WLAN mit Client-Zertifikat benutzen möchte: Der User lädt das Zertifikat mit dem Firefox-Browser aus dem Web herunter, exportiert es mit Passphrase, konvertiert es mit Hilfe von OpenSSL und importiert es in den Network-Manager.
Abhilfe soll Gnome-Keyring als zentraler Keystore schaffen. Dazu kommt der Standard PKCS #11 zum Einsatz, den viele kryptografische Anwendungen unterstützen, beispielsweise Mozillas Network Security Services (NSS), OpenVPN, Truecrypt und Java, seit jüngstem auch OpenSSH. Bei GnuTLS und OpenSSL ist PKCS #11 laut Walter in Arbeit.
Der Keyring kann für all dieses Anwendungen als Keystore mit PKCS-#11-Schnittstelle fungieren. Für Gnome-Programme soll die Komponente auch vorgefertigte Widgets liefern, etwa einen Dialog zur Zertifikatsauswahl, der dem GtkFileChooser ähnelt. Die Schlüsseldateien speichert Gnome-Keyring verschlüsselt auf der Festplatt. Beim Loging des Anwenders werden sie dekodiert, beim Ausloggen, Suspend oder Sperren des Bildschirms werden sie wieder verschlüsselt.
Zurzeit sei noch einiges bei Gnome-Keyring zu tun, fuhr Stef Walter fort, beispielsweise soll der SSH-Store auch beschreibbar werden, Module für Schlüssel auf USB-Massenspeicher sowie für Smartcards seien geplant. Mittelfristig soll der Keyring aber Benutzer sowie Entwickler entlasten. “Erst wenn der Anwender fast nichts mehr von den Security-Technologien merkt, haben wir gute Arbeit geleistet”, fasste der Referent zusammen.
In einer zunehmend vernetzten Welt werde seiner Meinung nach kryptografisch abgesicherte Kommunikation immer wichtiger. Dem müssen auch Desktop-Anwendungen Rechnung tragen. Neben Mitstreitern für das eigene Keyring-Projekt warb Walter daher um die Entwickler der Gnome-3.0-Anwendungen. Nur wenn diese mitspielen, könne ein gemeinsamer Keystore gelingen.
Während einer kurzen Fragerunde unter dem Publikum zeigte sich, dass auch andernorts an Ähnlichem gearbeitet wird: Die jüngsten Entwicklerversionen von Firefox und Evolution können einen gemeinsamen NSS-Keystore benutzen.
Für alle Daheimgebliebenen gibt es Videostreams aus den drei Hörsälen der Konferenz. Dabei kommt allerdings der relativ neue Open-Source-Codec Web-M zum Einsatz, was einen passenden Browser oder Videoplayer erforderlich macht.






