Das Spiel zum Wochenende: Rigs of Rods

Das Spiel zum Wochenende: Rigs of Rods

Dicke Brummis

Unter Windows boomen derzeit Simulationen, in denen man Busse, Traktoren, LKWs, und Baumaschinen umher fährt. Rigs of Rods kopiert das Schema unter Linux.

Zu Beginn wählt der Spieler zunächst eine Landschaft, die er mit einem motorisierten Ungetüm unsicher machen möchte. Zur Auswahl stehen neben Bergen auch malerische Seenplatten und dicht bebaute Städte. Anschließend erhält man die Befehlsgewalt über RoRbot, eine kleine Spielfigur, die man mit den Pfeiltasten durch die einsame Gegend scheucht.

Abbildung 1: Dieses etwas hölzern laufende Männchen steuert man mit den Pfeiltasten durch die Botanik, mit der Leertaste springt das Alter Ego.

Abbildung 1: Dieses etwas hölzern laufende Männchen steuert man mit den Pfeiltasten durch die Botanik, mit der Leertaste springt das Alter Ego.

Freie Auswahl

Sobald man den ortsansässigen Rig-a-Deal-Laden betritt, darf man sich ein Fahrzeug wünschen. Dabei hat die Simulation für jeden Geschmack etwas im Angebot: Angefangen bei dicken LKWs über Reisebusse, Kran- und Krankenwagen bis hin zu Muscle-Cars. Ein Mausklick genügt und schon darf man im Fahrzeug der Wahl die Gegend erkunden – im Multiplayer-Modus sogar mit mehreren Spielern gleichzeitig.

Abbildung 2: Im Rig-a-Deal Haus…

Abbildung 2: Im Rig-a-Deal Haus…

Abbildung 3: … darf man sich ein beliebiges Vehikel wünschen.

Abbildung 3: … darf man sich ein beliebiges Vehikel wünschen.

Einige Fahrzeuge besitzen verschiedene Fähigkeiten. Beispielsweise fahren einige auf Tastendruck Stützen oder einen vorhandenen Teleskoparm aus. Hat man sich für eine Zugmaschine entschieden, darf man an speziellen Terminals im wahrsten Sinne des Wortes einen Anhänger herbei zaubern. Diesen anschließend an das Gefährt zu kuppeln, erfordert allerdings fahrerisches Geschick.

Abbildung 4: Bei diesem Kran darf man sogar den Teleskopausleger ausfahren und drehen.

Abbildung 4: Bei diesem Kran darf man sogar den Teleskopausleger ausfahren und drehen.

Mehr Realismus

Rigs of Rods simuliert das Fahrverhalten der Vehikel physikalisch korrekt. Ein LKW mit Auflieger reagiert beispielsweise vollkommen anders, als die Zugmaschine alleine. Wer ohne Rücksicht auf Verluste einen Abhang herunter brettert, verformt zudem stilvoll seine Karosserie. Glücklicherweise steht für solche Fälle ein Abschleppwagen bereit.

Abbildung 5: Für diese Zugmaschine war der Abhang doch etwas zu steil.

Abbildung 5: Für diese Zugmaschine war der Abhang doch etwas zu steil.

In Häfen darf man auf Schiffe umsteigen und sich an Flughäfen unter anderem an das Steuer einer MIG-25 setzen. Deren Simulation kommt allerdings nicht an professionelle Flugsimulatoren heran, die Landschaften setzen dem Freiheitsdrang zudem enge Grenzen.

Abbildung 6: Mit Flugzeugen darf man die Landschaft aus der Vogelperspektive erkunden.

Abbildung 6: Mit Flugzeugen darf man die Landschaft aus der Vogelperspektive erkunden.

Bauhaus

Wer die Umgebungen erkundet und alle Fahrzeuge ausprobiert hat, darf weiteres Material von Fans aus dem Internet herunterladen oder kurzerhand selbst Nachschub produzieren. Die ausführlichen, teilweise sogar deutschen Tutorials im Rigs of Rods-Wiki zeigen, wie man unter anderem mit Hilfe von Blender schnell eigene Fahrzeuge und Gelände bastelt [1].

Abbildung 7: Auf einer betagten NVidia GeForce 7600 Grafikkarte lieferte Rigs of Rods immer wieder Darstellungsfehler, hier etwa schwebt ein Schiff über dem fehlenden Wasser. Wie gut das Spiel auf moderneren Grafikkarten aussieht, zeigen die Screenshots auf der RoR-Homepage.

Abbildung 7: Auf einer betagten NVidia GeForce 7600 Grafikkarte lieferte Rigs of Rods immer wieder Darstellungsfehler, hier etwa schwebt ein Schiff über dem fehlenden Wasser. Wie gut das Spiel auf moderneren Grafikkarten aussieht, zeigen die Screenshots auf der RoR-Homepage.

Graue Haare und eine große Leidensfähigkeit fordert allerdings der technische Unterbau von Rigs Of Rods. Schon die Installation gerät zu einem extrem komplizierten Hürdenlauf, die entsprechenden Anleitungen in der README-Datei und im Wiki sind allesamt fehlerhaft oder unvollständig. Fertige Pakete gibt es nicht, folglich muss man das Spiel selbst aus dem Quellcode bauen. Für Ubuntu existiert zwar ein Repository, das aber nur eine veraltete Rigs of Rods-Version beherbergt.

Installationsorgie

Zunächst gilt es folgende Software über den Paketmanager einzuspielen (in Klammern die entsprechenden Pakete für Ubuntu 9.10):

  • cmake (cmake)
  • g++ (g++)
  • freetype 2 plus Entwicklerpaket (libfreetype6-dev)
  • zziplib plus Entwicklerpaket (libzzip-dev)
  • Nvidia Cg Toolkit (nvidia-cg-toolkit)
  • freeimage (freeimage-dev)
  • OpenAL (libopenal-dev)
  • X11 Entwicklungspakete (xorg-dev)
  • DevIL plus Entwicklungspakete (libdevil-dev)
  • libtiff Entwicklungspaket (libtiff4-dev)
  • wxWidgets plus Entwicklungspakete (libwxgtk2.8-dev)
  • GTK+2 Entwicklungspaket (libgtk2.0-dev)
  • Universal Unique ID Library plus Entwicklungspaket (libuuid1, uuid-dev)
  • Glut plus Entwicklerpaket (libglu1-mesa-dev)
  • libXaw plus Entwicklerpaket (libxaw7-dev)
  • libXt plus Entwicklerpaket (libXt-dev)
  • libxrandr plus Entwicklerpaket (libxrandr-dev)

Ebenfalls benötigt man noch die OpenGL Header, die für gewöhnlich der Grafikkartentreiber mitliefert. Im Zweifelsfall installiert man noch das MESA-Entwicklungspaket (libgl1-mesa-dev).

Die vom Paketmanager vorgeschlagenen Abhängigkeiten nimmt man jeweils an. Anschließend lädt man unter [2] das aktuelle Paket rigsofrods-source-0.36.3.tar.gz ins Heimatverzeichnis, öffnet ein Terminalfenster und setzt dort folgenden Befehlsreigen ab:

Zunächst entpackt man das Archiv:

        tar xvfz rigsofrods-source-0.36.3.tar.gz

legt dann ein neues Unterverzeichnis für den Übersetzungsvorgang an:

        cd 0.36.3/build
        mkdir build
        cd build

und aktiviert cmake:

        cmake ..

Liefert cmake die Meldung A required package was not found, fehlt eins der oben gelisteten Pakete. Andernfalls startet man den Übersetzungsvorgang:

        make
        make install

Der letzte Befehl installiert entgegen seinem Namen Rigs of Rods nicht im System. Deshalb geht es jetzt noch weiter:

        cd ../..
        python build2test.py

Als nächstes holt man Spieldaten mit den Fahrzeugmodellen und den Landschaften nach:

        cd test/current
        wget http://downloads.sourceforge.net/project/rigsofrods/rigsofrods/0.36.3/rigsofrods-contents-0.36.3.zip
        unzip -n rigsofrods-contents-*.zip
        cd rigsofrods-contents-0.36.3
        mv * ..
        cd ..

Im aktuellen Verzeichnis enthält die Datei keysheet.pdf eine vollständige Tastaturbelegung, die man sich ausdrucken sollte. Abschließend muss man noch das Spiel einrichten:

        mkdir ~/RigsOfRods
        cd skeleton
        cp -rp * ~/RigsOfRods
        cd ..
        chmod +x RoR.sh

Jetzt endlich kann man Rigs of Rods starten:

        ./RoR.sh -setup

Im erscheinenden Fenster wählt man über die obere rechte Schaltfläche OpenGL als Ausgabegerät (die Maustaste bei der Wahl gedrückt halten) und stellt die gewünschte Auflösung ein. Die weiteren, erste Schritte verrät der sehr gute Beginner’s Guide im Rigs of Rods Wiki [3].

Fazit

Rigs of Rods ist weder Spiel noch Simulation, weder Fisch noch Fleisch. Obwohl es sich selbst als Spiel bezeichnet, fehlen ihm Aufgaben, die es zu meistern gilt.

Das ist doppelt Schade, denn Rigs of Rods bietet genügend Ansätze, die es zu einem spannenden Spiel hätten machen können. Warum nicht etwa innerhalb einer vorgegebenen Zeit mit dem LKW Stückgut transportieren oder mit dem Bus einen Fahrplan einhalten? Stattdessen kutschiert man durch einsame Landschaften und menschenleere Städte.

Abbildung 8: Hier geht es mit dem Reisebus durch das ausgestorbene Penguinville.

Abbildung 8: Hier geht es mit dem Reisebus durch das ausgestorbene Penguinville.

Die fahrbaren Untersätze gibt es zudem allesamt Gratis, ihre Steuerung ist relativ schnell beherrscht. Hat man einmal alles gesehen und die Fahrzeuge ausprobiert, sinkt die Motivation auf den Nullpunkt. Die Simulation wiederum möchte physikalisch korrekt sein. Steuert man einen großen LKW jedoch einmal gegen die Wand, wabbelt sein Metall mitunter wie Pudding.

Abbildung 9: Mit der hinter <code srcset=

Tab versteckten Karte, behält man auch in weitläufigen Umgebungen den Überblick.” width=”300″ height=”225″ /> Abbildung 9: Mit der hinter Tab versteckten Karte, behält man auch in weitläufigen Umgebungen den Überblick.

Der eigentliche Reiz von Rigs Of Rods liegt im Bau eigener Fahrzeuge und Landschaften, das Spiel selbst dient somit eigentlich nur dazu, die Ergebnisse des kreativen Schaffens auszuprobieren. Allerdings setzt dies wiederum eine hohe Bereitschaft zur Einarbeitung in die Werkzeuge, den Konfigurationsdateien der Simulation, sowie viel freie Zeit und etwas Bastelgeschick voraus.

Rigs of Rods-Details

Bezugsquelle: http://www.rigsofrods.com
Lizenz: Eigene
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Beschleunigung
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