Mit reichlich Verspätung treffen die neue Fritzbox 7390 und das passende Fritzfon MT-F on AVM im Handel ein. Lohnt der Umstieg von den Vorgängermodellen?
Was lange währt, wird endlich gut, heißt es. Träfe das auch auf AVM zu, müsste dem Hersteller mit seinen neuesten Produkten ein ganz großer Wurf gelungen sein: Ein geschlagenes Jahr mussten Interessenten nach der Ankündigung warten, bis das jüngste Fritzbox-Modell 7390 und das passende Fritz-Telefon MT-F in halbwegs ausreichenden Mengen in den Handel kamen.
Erstmals vorgestellt wurden die Geräte zur CeBIT 2009, allerdings nur als funktionslose Mockups. Im Dezember 2009 tauchten einige wenige funktionsbereite Exemplare von Box und Fon bei Online-Versendern auf, deckten aber bei weitem nicht die Nachfrage. Im März 2010 erschien die Box dann in größerer Stückzahl im Handel, sodass AVM auch ein paar Rezensionsexemplare für die Fachpresse freigab. Allerdings zeigte noch zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe Ende März ein Blick in die Bestandsanzeigen vieler Onlinehändler rote Ampeln für “nicht lieferbar”.
Sowohl die Fritzbox 7390 als auch das Fritzfon MT-F sind konsequente Weiterentwicklungen ihrer Vorgänger Fritzbox 7270 [1] respektive Fritzfon MT-D. Beide greifen bewährte Technik auf und bereichern sie um neue Ausstattungsdetails und Funktionen. Einige der “neuen” Funktionen hat AVM allerdings per Firmware-Update [2] auch schon den älteren Geräten spendiert.
Fritzbox 7390
Die Top-Version der Fritzbox ist ein auf Linux basiertes Multifunktionsgerät, das die Eigenschaften eines kleinen Geräte-Zoos in sich vereint. Die aktuelle Version 7390 enthält unter anderem zwei Modems: Eines dient zum Anschluss an ADSL-Leitungen, das andere für eine Internetverbindung via VDSL, das derzeit bis zu 100 MBit/s im Downstream ermöglicht. Weiter bringt das Gerät einen Vier-Port-Switch mit, der Daten mit Gigabit-Geschwindigkeit im Netz verteilt. Auch einen einen Dual-Band-WLAN-Access-Point beherbergt die Box. Er ermöglicht drahtlose Netzwerkverbindungen im 2,4- und 5-GHz-Band gemäß IEEE 802.11a/b/g/n. Als weitere Neuerung bietet der Router einen integrierten Fileserver, allerdings nur mit einer Speicherkapazität von 512 MByte.
Der DSL-Anschluss, über den Sie mit einem mitgelieferten Spezialkabel die Verbindung zum DSL und zur Telefonleitung herstellen, befindet sich neben den Ethernet-Ports auf der Gehäuserückseite. Hinzu gesellen sich eine ISDN-S0-Schnittstelle und zwei RJ11-Ports für den Anschluss analoger Kommunikationsgeräte. Ein USB-2.0-Interface sowie der Stromanschluss komplettieren die Rückseite (Abbildung 1).

Abbildung 1: Anschluss für Alle: Die Fritzbox ist nicht nur ein Multitalent, sie erlaubt auch den Anschluss unterschiedlichster Geräte.
An der linken Seite besitzt die Box einen zweiten USB-Port. Das ermöglicht den Einsatz mehrerer USB-Geräte wie Massenspeicher, Drucker oder UMTS-Sticks ohne den Rückgriff auf einen USB-Hub. Auf der rechten Seite des Gehäuses befinden sich zwei weitere analoge, als TAE-Buchse ausgeführte Telefonanschlüsse. Die Vorderseite der Fritzbox schmücken fünf LEDs. Vier davon signalisieren den aktuellen Status von DSL, Festnetz- und Internettelefonie sowie WLAN. Die Funktion des fünften Leuchtdiode legen Sie über das Webinterface selbst fest: Sie haben die Auswahl zwischen zehn verschiedenen Anzeigen.
Drum und dran
Die Oberseite des flachen Multifunktionsrouters dominieren zwei WLAN-Antennen in Form kleiner Flossen. Sie erweisen sich gegen Beschädigung deutlich robuster als herkömmliche Antennen. Zwischen den beiden “Ohren” sitzen zwei Taster: Der linke steuert die Funktion der DECT-Basisstation, der rechte schaltet die WLAN-Stacks an oder aus. Rechts neben den Tastern fällt ein ins Gehäuse eingelassenes Gitter auf, das AVM nach eigenen Angaben erst im Laufe der Produktion der Box hinzugefügt hat. Die ersten Versionen der 7390 lieferte der Hersteller noch ohne diese Belüftung aus, was nach Berichten in diversen Foren nach nicht allzu langer Betriebszeit zum frühzeitigen Hitzetod einiger dieser Exemplare geführt haben soll. Das wollte AVM auf Nachfrage aber nicht bestätigen.
Die tatsächlich recht deutlich fühlbare Wärmeentwicklung der 7390 dürfte auf den verwendeten RISC-Prozessor zurückzuführen sein. Zum Einsatz kommt ein System-on-Chip mit einem MIPS-Core namens “Fusiv Vx180” des kalifornischen Herstellers Ikanos. Das SoC stellt nicht nur Funktionen wie WLAN, xDSL, Gigabit-Ethernet und USB 2.0 bereit, sondern arbeitet auch als digitaler Signalprozessor (DSP) für qualitativ hochwertige VoIP-Telefonie. Laut der Beschreibung des Herstellers [3] verfügt der Chip zudem über verschiedene serielle Schnittstellen, Ikanos benennt als eine der Funktionen Bluetooth. Ob AVM eine entsprechende Implementierung für die Fritzbox plant, ist derzeit nicht bekannt.
Die Inbetriebnahme der Fritzbox per Webinterface geht gut von der Hand. Beim ersten Start bietet ein Einrichtungsassistent seine Hilfe an. Klicken Sie ihn weg und aktivieren Sie stattdessen die Checkbox Expertenansicht aktivieren unter Erweiterte Einstellungen | System | Ansicht. Nun haben Sie für nahezu alle Einstellmöglichkeiten freie Bahn. Negativ fällt auf, dass sich die Konfiguration einer (eventuell zu ersetzenden) Fritzbox 7270 nicht auf die 7390 übertragen lässt. Vor allem bei größeren Arrangements mit mehreren Telefonen und Faxgeräten steht entsprechend beim Neueinrichten viel Arbeit bevor (Abbildung 2). Wenigstens den Import des alten Telefonbuchs gestattet die neue Fritzbox. Ansonsten gibt es am Web-Frontend und den Konfigurationsmöglichkeiten wenig zu bemängeln. Wer bereits einmal eine Fritzbox eingerichtet hat, findet sich auch im Setup der 7390 schnell zurecht.

Abbildung 2: Vielfalt: Nahezu jedes Telekommunikationsgerät arbeitet mit der Fritzbox zusammen. So entsteht eine durchaus anständige Telefonzentrale.
Einmal in Betrieb genommen erledigt die Fritzbox ihre Arbeit meist erwartungsgemäß. Allerdings hatten wir mit unserem Testgerät ein wenig Pech: Wie schon beim Test der 7270 vor knapp zwei Jahren wollte das WLAN nicht so recht in Fahrt kommen. Dank des sehr engagierten AVM-Support-Teams, vielen E-Mails mit Tipps und Ratschlägen zur Fehlerbehebung, einigen neuen (wenn auch inoffiziellen) Firmware-Updates und schließlich einem Austauschgerät klappte es dann doch noch. Auf Nachfrage teilte uns die Pressestelle mit, von den WLAN-Problemen sei nur ein kleiner Kreis von Fritzbox-7390-Besitzern betroffen. Ein Blick in Foren und Weblogs scheint diese Aussage zu bestätigen: Dort tauchen nur wenige Berichte über fehlerhafte Boxen auf, jedoch loben viele Anwender AVMs guten Service [4].
Ruf doch mal an
Nach der Fritzbox steht nun das neue Fritzfon MT-F im Rampenlicht. Das sehr schmale und handliche DECT-Telefon verbindet sich zwar auch mit Nicht-AVM-Basisstationen, spielt aber erst mit den Boxen aus Berlin seine ganzen Stärken aus. Der augenfälligste Unterschied zum Vorgänger MT-D ist das Display: War es im alten Modell noch ein monochromes Dot-Matrix-Bildschirmchen mit einer Auflösung von 112 x 65 Pixel, sitzt im neuen Telefon ein vergleichsweise hochauflösendes LCD mit 240 x 320 Pixeln, das bis zu 262?000 Farben darstellt. Ob man das bei einem Telefon braucht, sei dahingestellt – schön anzusehen ist es allemal.
Dem Display geschuldet dürfte der neue Akku sein. Er besitzt nun eine Kapazität von 750 mAh bei einer Spannung von 3,7 V (entspricht 2,78 Wh). Der Energiespender des Vorgängermodells kam lediglich auf 600 mAh bei 2,4 V (1,44 Wh). Im Alltag bringen es beide Telefone sehr bequem auf eine Sprechzeit von mehreren Stunden, gefühlt hält das MT-F jedoch einen Tick länger. Besonders positiv fällt auf, dass die Kontakte für die Verbindung zur Ladestation gleich geblieben sind. So lässt sich das neue Telefon auch in der alten Ladestation aufladen und umgekehrt.
An der der Optik des neuen Telefons änderte AVM fast nichts, lediglich die Rückseite besteht jetzt aus mattschwarzem statt glänzendem Plastik. Das fühlt sich beim Telefonieren besser an und verspricht, nicht so schnell zu verkratzen. Die Front beließen die Berliner weitgehend gleich (Abbildung 3). Neu im MT-F ist ein 3,5-mm-Klinkenanschluss zur Verbindung mit einem Headset oder der heimischen Stereoanlage. Eine weitere Neuerung versteckt sich an der Oberseite in Form einer einer Infrarot-LED. Darüber, welche Funktion sie einmal übernehmen wird, munkelt man bereits in Foren. Denkbar wäre etwa die Steuerung der Mediabox, die AVM ebenfalls anbietet.

Abbildung 3: Die beiden Fritz-Telefone (links alt, rechts neu) unterscheiden sich optisch nur wenig.
Zu den Funktionen, die das Telefon nur zusammen mit einer DECT-bestückten Fritzbox wie der 7390 nutzen kann, gehört das Telefonbuch, das Sie über die Web-GUI der Box pflegen. Sie lädt die Liste via Funk ins Telefon. Darüber hinaus dient das Fritzfon als Wiedergabegerät für Live-Streams aus dem Internet (Abbildung 4) oder Podcasts, weswegen es auch die schon erwähnte Klinkenbuchse besitzt. Weiterhin zeigt das MT-F auch RSS-Feeds sowie E-Mails an, wofür sich das große Display als sehr nützlich erweist. All diese Funktionen steuert die Fritzbox, welche die Daten per DECT-Funkverbindung aufs Telefon transferiert.

Abbildung 4: Multimedia am Ohr: Über die Fritzbox greift das Fritzfon auf Internetradio-Streams und Podcasts zu.
Umgekehrt eignet sich auch das Telefon in begrenztem Umfang zum Verwalten der Fritzbox: So steuern Sie damit die WLAN-Funktion, lesen den Status der Box aus und stoßen das Aufspielen von Firmware-Updates an. Auch das Einrichten des Anrufbeantworters erledigen Sie mit dem Fritzfon. Liegen bereits Nachrichten in der digitalen Sprachbox, zeigt das MT-F diese übersichtlich mit Nummer des Anrufers und weiteren Details in einer Liste an.
Im täglichen Betrieb erweist sich das MT-F als sehr angenehmes Kommunikationsgerät. Grobe Aussetzer oder Fehlfunktionen fielen während des Tests nicht auf – unabhängig davon, an welcher Fritzbox wir es betrieben. Nur zwei kleine Kritikpunkte stehen daher am Ende unseres Test auf der Liste. Der erste betrifft die (meist sehr gute) Tonqualität: In einigen wenigen Fällen schnarrte der integrierte Lautsprecher, vor allem dann, wenn der Gesprächspartner mit sehr lauter Stimme sprach.
Der zweite Kritikpunkt betrifft das Energiemanagement des Displays, das nur zwei Alternativen zulässt: Wahlweise stellen Sie ein, dass sich das Display im Idle-Modus selbsttätig abdunkelt oder sich ganz abschaltet. Im ersten Fall nimmt allerdings auch das gedimmte Panel noch so viel Energie auf, dass es den Akku schnell leersaugt. Bei abgeschaltetem Display müssen Sie jedesmal auf die Tasten drücken, um das Telefon überhaupt zu aktivieren. Das nervt schnell, beispielsweise dann, wenn das Auflegen zwei Klicks erfordert, statt wie normal nur einen.
Android meets Fritzbox
Wer eine Fritzbox und zudem ein Handy mit Android-Betriebssystem besitzt, kann auf ein DECT-Telefon komplett verzichten. Bereits auf der CeBIT 2009 hat AVM eine kleine Anwendung vorgestellt, die das Smartphone mit der Fritzbox verbindet und es zu einem VoIP-Telefon macht (Abbildung 5). Das funktionierte auch in unserem Test recht gut. Eine iPhone-App will AVM ebenfalls bald nachlegen.

Abbildung 5: Mehr als nur ein Handy: Mit der einer neuen App macht AVM Android-Handys zu VoIP-Telefonen an der Fritzbox.
Fazit
Sowohl die Fritzbox 7390 als auch das neue Fritzfon MT-F überzeugten im Test. Bei beiden hat AVM erfolgreiche Produkte durchdacht weiterentwickelt. Sind einmal die Kinderkrankheiten ausgebügelt, versprechen Fon und Box ein Traumpaar mit starker Leistung zu werden.
Wer nun loslaufen möchte um sich Box oder Telefon zu kaufen, der sollte kurz innehalten: Für Besitzer einer 7270 oder eines MT-D lohnt der Kauf des Nachfolgers nur dann, wenn sie die neuen Ausstattungsdetails wie Gigabit-Ethernet, Dual-WLAN oder Farbdisplay auch wirklich brauchen. Andernfalls verrichten auch die beiden Vorgänger mit nahezu identischem Funktionsumfang ihren Dienst.
Zudem schrecken derzeit noch die hohen Preise von rund 230 bis 270 Euro für die Fritzbox 7390 und rund 67 Euro für das Fritzfon MT-F. Hier lohnt sich Geduld, da die Preise erfahrungsgemäß im Laufe der nächsten Monate sinken. Wer aber partout nicht warten möchte, der meldet einfach beide Fritz-Telefone an der neuen Box an und degradiert die alte Box zum Repeater für das drahtlose Netz.
AVM-Fritzboxen im Vergleich
| FRITZ!Box Fon WLAN 7270 | FRITZ!Box Fon WLAN 7390 | |
|---|---|---|
| Anschlusstechnik | A-DSL/A-DSL 2/A-DSL 2+ | A-DSL/A-DSL 2/A-DSL 2+/V-DSL/V-DSL2 |
| Ethernet | 4x 10/100 Mbit/s | 4x 10/100/1000 Mbit/s |
| WLAN | IEEE 802.11 a/b/g/n | IEEE 802.11 a/b/g/n |
| WLAN Dualband | nein | ja |
| USB 2.0 | 1x | 2x |
| S<->0<-> intern/extern | 1x/1x | 1x/1x |
| analog intern/extern | 2x/1x | 2x/1x |
| VoIP extern/intern | ja/ja* | ja/ja |
| DECT-Basisstation | ja | ja |
| Datenspeicher | nein | 512 MByte |
| Sicherheit | SPI/NAT-Firewall, WPA/WPA2, TKIP, AES, Pre-Shared Key | SPI/NAT-Firewall, WPA/WPA2, TKIP, AES, Pre-Shared Key |
| QoS | ja | ja |
| DHCP | ja | ja |
| VPN | ja* | ja |
| DMZ | ja | ja |
| DynDNS | ja | ja |
| IGMP | ja | ja |
| Verbindung über UMTS | ja, USB* | ja, USB |
| Fax-Funktion | ja* | ja |
| Anrufbeantworter | ja | ja |
| Medienserver | ja* | ja |
| Protokolle | SMB/CIFS, FTP, UPnP AV | SMB/CIFS, FTP, UPnP AV |
| Preis (ca.) | 170 Euro | ab 230 Euro |
| * = nach Firmware-Update | ||
AVM-Fritzfone im Vergleich
| Fritz!Fon MT-D | Fritz!Fon MT-F | |
|---|---|---|
| Funkverbindung | DECT (CAT-iq) | DECT (CAT-iq) |
| HD-Telefonie (16 kHz) | ja* | ja |
| Lautsprecher/Freisprechen | ja | ja |
| Display | monochrom, 112 x 65 Pixel | 262?000 Farben, 240 x 320 Pixel |
| Features | E-Mail*, RSS-Feeds*, Podcasts*, Internet-Radio (Audiostreams)* | E-Mail, RSS-Feeds, Podcasts, Internet-Radio (Audiostreams) |
| DECT-Eco-Mode | ja | ja |
| Preis (ca.) | 37 Euro | 67 Euro |
| * = nach Firmware-Update | ||
Infos
[1] Fritzbox vs. Horstbox: Jan Rähm, “Fritz, Horst und Herta”, LinuxUser 11/2008, S. 42, https://www.linux-community.de/15692
[2] AVM Service-Portal: http://www.avm.de/de/Service/Service-Portale/index.php
[3] Produktbeschreibung Ikanos SoC: http://ikanos.welcomm.com/lib/assets/pdfs/solutions/Vx180_IFE-6_MM_xDSL_Gateway.pdf
[4] IP-Phone-Forum: http://www.ip-phone-forum.de/forumdisplay.php?f=361
[5] Android-App für die Fritzbox: http://www.avm.de/de/Service/FRITZ_Tools/fritz_app_fon/fritz_app_fon.html





