DockStar von Seagate mit Pogoplug-Support

DockStar von Seagate mit Pogoplug-Support

Pogo-Tänzer

Um Daten von einem beliebigen Ort aus auf dem eigenen Rechner zu speichern, braucht man einen guten SSH- oder FTP-Zugang. Oder den DockStar von Seagate mit integrierter Docking-Station.

Von vorne sieht der DockStar von Seagate wie eine ganz gewöhnliche Docking-Station aus. Das Dock eignet sich in erster Linie für die 2,5-Zoll Festplatten der Serie FreeAgent Go. Diese passen perfekt in die Craddle. Da es sich aber beim USB-Anschluss um einen gewöhnlichen Mini-USB-Anschluss handelt, lassen sich zum Beispiel auch ein MP3-Player oder andere Festplatten damit nutzen. Einen weiteren USB-Anschluss im klassischen Breitformat bringt das Dock auf der rechten Seite mit. Auch dieser ist für den Anschluss von USB-Festplatten gedacht.

Von hinten gibt der DockStar sein wahres Gesicht Preis: Ein Gigabit-Ethernet-Anschluss sorgt für eine schnelle Netzwerkverbindung, zwei weitere USB-Anschlüsse runden das Angebot ab. Rund 100 Euro kostet das kleine Gerät bei Seagate.

Kleiner Server

Beim DockStar handelt es sich um einen NAS-Server im Kleinstformat, der allerdings die Festplatten nicht wie die klassischen NAS-Geräte im Innern verbirgt, sondern per USB-Anspricht. Zusammen mit den vier USB-2.0-Anschlüssen sorgt das somit nicht für ein besonders performantes Gerät, sondern ein sehr kompaktes.

Im Innern des DockStar arbeitet ein Kirkwood-Chipsatz von Marvell mit einem maximal 1,2 GHz schnellen, als Sheeva CPU Core bezeichneten ARM-Prozessor und 256 KByte L2-Cache [1]. Als Arbeitsspeicher stehen 1 GByte DDR2-RAM von Nanya zur Verfügung [2]. Für das Betriebssystem kommt ein 256 MByte großer Nand-Flashspeicher zum Einsatz. Für die Netzwerkschnittstelle zuständig ist ein Marvell Alaska Gigabith Ethernet Controller 88E1116R [3]. Die übrigen Bauteile des rund 7 x 7 cm großen Mainboards lassen sich nur schwer oder gar nicht identifizieren.

Abbildung 2: Auf der Unterseite des Mainboards verbirgt sich der Gigabit-Ethernet-Controller (hellblau markiert) und der 256 MByte große NAND-Speicher.

Abbildung 2: Auf der Unterseite des Mainboards verbirgt sich der Gigabit-Ethernet-Controller (hellblau markiert) und der 256 MByte große NAND-Speicher.

Schließt man die Seagate-Dockingstation ans Stromnetz an, blinkt die LED an der Gerätevorderseite orangefarben. Das System bootet. Hat es eine IP-Adresse erhalten und den Zugang zum WWW gefunden, dann leuchtet die LED permanent hellgrün.

Aktivierung notwendig

Der kleine NAS-Server bezieht seine IP-Adresse automatisch per DHCP, da das Gerät auf Broadcast-Pings nicht reagiert, lohnt sich deshalb ein Blick in die Log-Dateien des DHCP-Servers unter /var/lib/dhcp3. Laut nmap sind bei Werkseinstellungen folgende Ports geöffnet:

Starting Nmap 4.53 ( http://insecure.org ) at 2010-01-10 9:54 CET
Interesting ports on 192.168.0.13:
Not shown: 1708 closed ports
PORT     STATE SERVICE
22/tcp   open  ssh
23/tcp   open  telnet
80/tcp   open  http
3333/tcp open  dec-notes
MAC Address: 00:11:74:1A:1B:C8 (Maxtor)
Nmap done: 1 IP address (1 host up) scanned in 3.075 seconds

Ein Login per Telnet oder SSH ist generell möglich, allerdings muss man dazu ein gültiges Benutzer-/Passwort-Paar kennen. Die entsprechenden Informationen hält Seagate jedoch unter Verschluss, sodass Modder mit dem DockStar zurzeit nicht allzuviel anzufangen wissen. Auch eine Weboberfläche über Port 80 versucht man vergeblich zu öffnen, der Browser zeigt nur eine leere Seite oder eine Fehlermeldung an.

Um auf die Dateien der per USB angeschlossenen Speichermedien zugreifen zu können, muss man das Gerät somit wie in der beiliegenden Kurzinstallation beschrieben aktivieren. Da Seagate dazu den Online-Dienst Pogoplug [4] benutzt, müssen Sie sich somit einen Account bei Pogoplug anlegen, was glücklicherweise mit sehr wenigen persönlichen Daten möglich ist.

Pogoplug übernimmt auch die Aufgabe der Admin-Oberfläche. Hier können Sie einzelne Festplatten oder Partitionen freigeben. Diese sind dann im lokalen Netz über Samba erreichbar. Für den nötigen Datendurchsatz sorgt die Gigabit-Schnittstelle – Dateien vom internen Netz landen ohne Umweg übers Internet auf den USB-Platten. In unseren Tests mit einer 2,5-Zoll-Platte FreeAgent-Go-Platte von Seagate erreichten wir Schreibgeschwindigkeiten von 15 bis 18 MByte/s.

Pogoplug-Dienst

Die Zusammenarbeit mit Pogoplug macht den DockStar ohne Zweifel sehr interessant. Pogoplug erstellt auf Wunsch von Bildern und Videos Vorschauen, der Dienst kann sogar komplette Videofilme konvertieren, sodass sich diese über den Browser betrachten lassen. Fährt man in den Urlaub, muss man somit seine Filmesammlung nicht auf einer externen Festplatte mitschleppen, sondern schließt diese einfach an den DockStar an und weißt Pogoplug an, die Filme zu konvertieren. Danach schaut man sich das Abendprogramm einfach im Browser an. In der Grundeinstellung erstellt der Pogoplug-Dienst eine 10 Sekunden lange Vorschau von Videos.

Die Weboberfläche dient aber auch dem Setup der angeschlossenen Speicher. Diese muss man zunächst über Settings | General Settings aktivieren, was insofern problematisch ist, da es sich beim Pogoplug-Dienst um ein Abo handelt: Läuft es ab, kann man somit keine weiteren Geräte mehr aktivieren. Der DockStar-Adapter erkennt Partitionen automatisch, als Dateisystem unterstützt er neben FAT und NTFS auch Ext2/3 und HFS+. Ebenfalls unter den Einstellungen findet man die Information, wie lange der Dienst noch aktiv ist, zudem lassen sich diverse Soziale Dienste freischalten. So kann man zum Beispiel Dateiuploads per Twitter an alle Welt versenden.

Damit einzelne Partitionen über Samba aus dem lokalen Netz aus erreichbar sind, muss man die Festplatte zunächst freigeben. Der passende Menüpunkt findet sich etwas versteckt unter Settings | WFS. Die Abkürzung WFS steht für Windows File Sharing. Die hier freigegebenen Partitionen erscheinen dann als Teil der Arbeitsgruppe Seagategroup allen Rechnern im Netz. Eine Benutzerverwaltung gibt es keine, lediglich die Möglichkeiten Nur lesen, Lesen und Schreiben oder Kein Zugriff stehen zur Auswahl.

Wie bei allen externen Speichern üblich müssen auch die Laufwerke des DockStar sauber ausgehängt werden, um Datenverlusten vorzubeugen. Dieser Schritt lässt sich nur über die Weboberfläche vornehmen. Ausgehängte Laufwerke sind weder per Samba noch per Pogoplugfs (siehe unten) erreichbar.

Pogoplugfs

Für Windows und Mac OS X stellt Pogoplug ein kleines Tool bereit, welches den “lokalen Cloud-Speicher” als gewöhnliches Laufwerk integriert, sodass sich Dateien wie bei einer lokal angeschlossenen Festplatte hin- und herschieben lassen. Im Unterschied zur Samba-Freigabe sind hier allerdings sämtliche Partitionen sämtlicher angeschlossener Laufwerke verfügbar, der Nutzer besitzt somit quasi Root-Rechte.

Für Linux gibt es kein grafisches Tool, um lokal auf die Speicher zuzugreifen. Immerhin bietet der Dienst aber Linux-Nutzern das proprietäre Werkzeug pogoplugfs[5] zum Download an, über das sich die Platte per Fuse-Dateisystem in den lokalen Dateisystembaum einhängen lässt. Das Tool gibt es als 32- und 64-Bit-Version.

Die Syntax ist leicht erlernt: Über

./pogoplugfs --user test@email.com --password test --mountpoint /mnt/pogoplug

hängt man den Online-Speicher ein, ./pogoplugfs --help gibt weitere Hinweise. Benutzt man das Tool des Öfteren, lohnt es sich, den Benutzernamen und das Passwort in die Konfigurationsdatei ~/.pogoplugfs.conf zu schreiben. Glaubt man den Meldungen der Log-Datei benutzt es dazu die Verschlüsselungsmethode AES256-SHA:

[…][BRHTTP][08] Verifying SSL certificate of peer…
[…][BRHTTP][08] Verifying SSL certificate of peer…
[…][BRHTTP][08] Verifying SSL certificate of peer…
[…][BRHTTP][08] Verifying SSL certificate of peer…
[…][BRHTTP][08] SSL Connection complete using cipher: AES256-SHA

In den Tests arbeitete das Tool durchaus stabil, obwohl es sich laut Pogoplug noch im Beta-Stadium befindet.

Unklarheiten

Die Vorteile des Dockstars sind zugleich auf die größten Nachteile: Durch die Verknüpfung mit dem Pogoplug-Dienst ist der Zugriff per Internet von Pogoplug abhängig. Das Abo läuft hingegen nach 365 Tagen aus. Auf der Produktverpackung steht dazu lediglich, dass der Kaufpreis ein Ein-Jahres-Abo enthält und später zusätzliche Kosten anfallen können. Über die tatsächlichen Gebühren schweigt sich die deutsche Produktseite [6] bislang aus, die amerikanische Site von Seagate [7] spricht von rund 30 US Dollar pro Jahr. Wer die Dienste von Pogoplug nutzen möchte, fährt somit mit dem Original-Gerät von Pogoplug besser, da dieses im Unterschied zum Dockstar lebenslangen Online-Zugriff enthält, nicht nur ein Jahresabo.

Beim DockStar handelt es sich zudem um eine Hardware, die zwar dem SheevaPlug [8] und damit auch dem Pogoplug zwar sehr ähnlich ist, aber nicht identisch. Auch gibt es um das Gerät bislang keine Hacker-Gemeinde wie beim Pogoplug [9]. Ohne Zugriff auf das Linux-System macht das Mini-Mainboard mit ARM-Prozessor aber nicht wirklich Spaß. Als Vorteil bleibt beim DockStar somit nur noch die passende Craddle für FreeAgent-Go-Laufwerke – ein zugegebenermaßen praktisches Feature aber kein wirklich überzeugender Kaufgrund.

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2 Kommentare
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Seraphyn Christian M. Grube
16 Jahre her

denke, dass man doch per Telnet vielleicht in das Gerät kommt:
Somit, könnte man sich mal das ganze anschauen.
Langsam wird die HW für mich interessant. Vor allem wenn man redboot bedienen könnte, falls es darauf basiert.
Wenn man dann das Gerät mit einem kleinem Linux/Unix bedient samt NFS, rtorrent ( mit/ohne GUI) und Cups ist dies doch eine nette Alternative anstelle eines alten Laptops, welcher bei mir die Arbeit verrichtet, da er von einem Windowsuser wegen kaputter GraKa ausgemustert wurde. Ich freue mich oft über normale WindowsUser aus diesem Grund;)

MegaBug
15 Jahre her

Hey. Das Teil hat leider nur 128MByte Ram. 1Gb = 1 Gigabit = 10^9bit = 125*10^6 Byte = “128” MByte.

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