Die dänische Wettbewerbsbehörde sollte nach einer Marktanalyse für Bürosoftware eine Einkaufsempfehlung für Dokumentenstandards abgeben. Das Ergebnis ist ein entschiedenes “Sowohl – als auch”.
Im Auftrag der Regierung untersuchte die Wettbewerbsbehörde den Markt für Office-Software, genauer gesagt für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramme. Ziel des Regierungsauftrags: Die Wettbewerbshüter sollten für den öffentlichen Einkauf eine Empfehlung abgeben, welcher Dokumentenstandard künftig berücksichtigt werden soll – das freie ODF oder das Microsoft-eigene OOXML. Diese Entscheidung könne derzeit aber nicht getroffen werden, meint das Amt und empfiehlt daher, dass die zu kaufende Software entweder auf ODF oder OOXML basieren sollte, gleichzeitig aber Textformate in beiden Formaten berücksichtigen müsse.
Die stellvertretende Leitern der Behörde, Agnete Gersing begründet dies damit, dass es den Wettbewerb nicht fördern würde, wenn nur einer von beiden Standards gewählt würde. Sie erläutert: “Wenn man OOXML wählt, wird dies alle anderen Hersteller außer Microsoft ausschließen, während die Wahl für ODF den Wettbewerb zwischen den gleichen Büroprogrammen befördert als würde man beide Standards wählen.” Weil die Standards relativ neu wären, könnte man derzeit nicht absehen, welcher davon sich letztlich auf dem Markt durchsetzen wird, so die offizielle Begründung weiter. Gersing führt aus: „Wenn nur einer der beiden Standards gewählt wird und sich dieser nicht als Marktstandard herauskristallisieren wird, gibt es das Risiko von substantiellen Investment-Fehlern.“ Gegen ODF als alleiniger Standard spreche außerdem, dass dies nicht die nötige Interoperabilität zwischen den Office-Suiten sicherstelle. Dieses Argument belegt auch eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts, durchgeführt im Auftrag von Microsoft.
Wenig überraschend ist die Erkenntnis der Wettbewerbsbehörde, das auch in Dänemark “mindestens 90 Prozent” der Rechner mit Microsoft Office laufen, wie die es in der Pressepräsentation heißt. Gleichfalls stellen die Wettbewerbshüter fest, dass die meisten Hardware-Hersteller ihre Rechner mit Microsoft-Paketen vorinstalliert ausliefern. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass bei der Bewertung das Microsoft Service Pack 2 noch nicht berücksichtigt wurde. Hiermit wollte Microsoft vorgeblich die Kompatibilität zum freien Standard ODF verbessern. Ob dies gelungen ist, ist allerdings umstritten.
Die Behörde hat ihre Erkenntnisse zum aktuellen Markt für Bürosoftware in einem Dokument mit 157 Seiten Umfang veröffentlicht, auf der Webseite kostenlos als PDF zur Verfügung steht (auf Dänisch).




