Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Mit der Ankündigung der für Ubuntu in der nächsten Zukunft geplanten Neuerungen ließ Mark Shuttleworth Ende letzten Jahres zwei wahre Bomben platzen: Zum einen installiert Ubuntu ab Version 11.04 “Natty Narwhal” statt wie bisher Gnome eine eigene Benutzeroberfläche namens Unity, die es bislang nur als Netbook-Desktop zu sehen gab. Zum anderen will Shuttleworth so bald wie möglich den X-Server durch den alternativen Display-Server Wayland ersetzen (der allerdings momentan noch in den Kinderschuhen steckt).
Sieht man genauer hin, dann zeigen beide Innovationen in ein und dieselbe Richtung: Weg vom Desktop, hin zu mobilen Geräten. So präsentiert sich Unity in Sachen Layout und Bedienung ganz für kleine Bildschirme und Touchscreens hin optimiert, sprich: für Netbooks, Tablets und eventuell irgendwann sogar Smartphones. Das modular strukturierte Wayland wiederum gibt sich wesentlich leichtgewichtiger als der monolithische X-Server, was insbesondere den Einsatz auf leistungsärmerer Hardware erleichtert. Für den klassischen Desktop andererseits verheißen jedoch weder Unity noch Wayland Gutes.
Die neue Oberfläche setzt zwingend 3D-Beschleunigung voraus, nagelt eine nicht konfigurierbare Starterleiste mit monströs großen Icons am linken Bildschirmrand fest, glänzt nicht eben durch Stabilität und erhält in Sachen Usability von Rezensenten durch die Bank nur schlechte Noten. Zudem haben viele Anwendungen Schwierigkeiten in Mac-Manier mit der aus dem Fenster an den oberen Bildschirmrand verlegten Menüleiste. Mit der Ablösung des X-Servers durch Wayland dürften sich solche Probleme potenzieren: Da letzteres ein völlig anderes Darstellungsparadigma verfolgt, müssen alle Anwendungen dafür einzeln angepasst werden. Um X-Anwendungen überhaupt darstellen zu können, setzt Wayland eine zusätzliche Kompatibilitätsschicht voraus. Die Netzwerktransparenz des X Window System geht komplett verloren, man kann sich also keine Anwendungsfenster von entfernten Rechnern mehr auf den eigene Bildschirm holen.
Es macht den Eindruck, als solle aus Ubuntu salopp gesprochen das “Android für Tablets” werden: Die angekündigten Neuerungen machen nur auf den trendigen Mobilgeräten Sinn – von denen verspricht Mark Shuttleworth sich ganz offenbar eine Rekapitalisierung seiner Investitionen in Ubuntu. Das sei ihm von Herzen gegönnt, falls es denn funktioniert. Der unvermeidbare Umkehrschluss lautet aber, dass der Ubuntu-Mäzen den Linux-Desktop als toten Gaul abgeschrieben hat. Und damit liegt er meiner bescheidenen Meinung nach völlig falsch.
Per Fingertapsen auf dem Bildschirm lässt sich nicht kreativ mit einem PC arbeiten, sondern nur passiv Vorgefertigtes konsumieren. Mit zugegeben komplexen, aber auch flexiblen Lösungen wie dem X-Server geht viel von dem Charme verloren, der Unix-basierte Systeme von der Betriebssystemkonkurrenz unterscheidet. Eben diese Kreativität und Flexibilität sind es aber, die Linux für die meisten Anwender überhaupt erst interessant machen. Wenn sich meine Interessen darauf beschränken, Apps herunterzuladen und mit Hühnern nach Schweinen zu schießen, warum sollte ich dann ausgerechnet Ubuntu gegenüber Android, iOS oder Windows Phone 7 den Vorzug einräumen?
Behält Ubuntu die von Mark Shuttleworth favorisierte Linie bei, dürfte sich so mancher Desktop-Anwender schon bald dazu gezwungen sehen, sich nach einer Distributions-Alternative umzusehen. Mindestens einen User hat Ubuntu bereits jetzt verloren: mich.
Herzliche Grüße,
Jörg Luther
Chefredakteur




Kein Grund gleich sein Betriebssystem zu wechseln. Jedenfalls solange man noch GNOME und X11 nutzen kann…
Nicht gelesen und nicht ausprobiert was? -> GNOME SOLL ERSETZT WERDEN ! -> XORG SOLL ERSETZT WERDEN ! -> EIN 3D BESCHLEUNIGER IST EINE ZWINGEND NOTWENDIGE GRUNDVORAUSSETZUNG! Ubuntu gab es bisher nur mit GNOME. Die anderen verwandten Distros heißen nicht Ubuntu, sonder Xubuntu bzw. Kubuntu. Älter Grafikkarten, und Grafikkarten ohne unterstütze 3D Beschleunigung werden nicht eingesetzt werden können. Alle die hier meine es sei alles nicht so schlimm, sollten erst-mal die schnauze halten, und ausprobieren, ob natty auf ihrem Rechne überhaupt funktionieren wird. Die Chancen auf Probleme dürfte jedenfalls recht gros sein. Glück hat, wer eine 3D fähige Intel GMA… Mehr »
“Schnauze halten”?
Gehts noch?
Es wird weiterhin in den Paketquellen den Gnome Desktop geben, ohne wenn und aber.
Wayland wird den Xserver in der nächsten Ubuntu Version noch nicht ersetzen…später mal hoffentlich schon. Nach über 25 Jahren Xserver ist es sicher nicht verkehrt was neueres einzuführen das passender für die Anforderungen der heutigen Zeit ist.
Erst mal abwarten, wechseln kann man ja immer noch.
Ich kann mich den o.g. Erfahrungen/Befürchtungen nur anschließen.
Das, und einiges mehr, waren Gründe für meinen Wechsel zu Fedora.
Sorry, aber ich halte deinen Artikel für ein bissl weit hergeholt. Erstens gibt es schon immer verschiedene Ubuntu Distributionen zur Auswahl, unter anderem mit KDE oder Gnome. Zweitens macht es wohl keinen Sinn, Software abschliessend zu beurteilen, die laut deiner eigenen Auskunft “noch in den Kinderschuhen steckt” Warum Ubuntu für mich gestorben ist, hat einen ganz anderen Grund: Die Annäherung an Windows. IMHO ist gerade der Vorteil der grossen Opensource-Projekte, sei es nun Ubuntu oder OpenOffice, dass eben die Fehler nicht gemacht werden, die Microsoft macht: Nämlich den User zu bevormunden, sowie ihn im vornherein von allen Systeminterna fernzuhalten. Beispiel… Mehr »
Es fehlt natürlich der Satz:
Aber dieser Vorteil für “Poweruser” gegenüber Windows ist bei Unbuntu leider immer weniger gegeben.
Sorry Leute – viel heisse Luft um Nichts!
Erstens befindet sich 11.04 noch in der Entwicklung, zweitens ist das von auszugehen dass es zukünftig auch ein “Gubuntu” mit Gnome geben wird und die Alternativen Kubuntu/Xububtu/Lubuntu/Edubunutu usw. weiter Bestand haben werden und weiter entwickelt werden. Die Linux-Gemeinschaft ist gross genug dafür. Alternativen zum Ausweichen wird’s also geben
Hallo Herr Luther, ich kann verstehen, wenn Sie aufgrund des Wechsels des GUIs skeptisch sind. Aber im Vorfeld dann schon mal zu einer anderen Distribution zu wechseln, dies auch noch im Editiorial breit zu treten, halte ich persönlich für übertrieben. Mein Tipp: Abwarten und Tee trinken – und dann die fertige Version mal testen. An alle: Das ganze Gejaule bei Änderungen ähnelt stark der Geräuschkulisse, wenn Microsoft etwas Neues auflegt und die armen User sich umgewöhnen sollen. Ich habe bereits einige Distributionen durch, hatte aber immer “bessere” Gründe, wenn ich denn von einer weg bin. An die Linux-User: Ich lese… Mehr »
Ich kann Jörg Luther nur Recht geben mit seiner Meinung, dass sich Ubuntu langsam vom Normal-User entfernt. Nicht jeder findet es geil, mit dem Finger auf dem Bildschirm rumzutabbsen, oder mit der Maus ständig irgendwelche Buttons treffen zu müssen. Ich habe Ubuntu als UNE auf meinem Netbook ausprobiert , genauso Kubuntu mit der Netbook Variante. Mit beiden konnte ich mich nicht anfreunden, obwohl ich schon lange mit Ubuntu arbeite und zufrieden war. Bei meinem Sohn läuft auch noch Ubuntu 10.10, bei mir aber auf Netbook und Desktop inzwischen Linux Mint. Dazu ein schönes Dock (Docky) und man hat alles was… Mehr »
Wie wäre es mit Information statt unfundierten Kommentaren?
Ubuntu 11.04 installiert weiterhin den klassischen Gnome desktop .. bei mir auf dem Laptop läuft die natty narwhal beta und ich habe die unity shell noch gar nicht benutzt.
Einfach in der Loginmaske (am unteren Rand) den Ubunu clasic desktop auswählen .. gar nicht so schwer oder?
*seufz*
Einige überforderst du damit scheinbar *scnr ;)
Nicht jede Anwendung ist auch eine X-Anwendung. Die meisten GTK und QT Applikationen haben vom darunter liegenden X11 nicht den geringsten Dau, sondern nutzen eben die Schichten von Gnome und KDE. Diese beiden müssen angepasst werden, damit ein Gros der Anwendungen läuft, und zum Beispiel QT ist es zum allergrößten Teil schon. Also beschränkt sich die Anpassung in einem ersten Schritt mal aufs eingesetzte Framework. Und dann wäre da ja noch die Möglichkeit einen X11 Server als Wayland Client zu betreiben, womit spielerisch die restlichen Apps eingesetzt werden können. Mit diesem Schritt ist übrigens dann auch wieder die Netzwerktransparenz da.… Mehr »
Ich selber fahre 11.04 mit gnome 3 und bin sehr zufrieden (mit dem betastatus). Bei einem Upgrade auf 11.04 bietet der Displaymanager (gdm) sogar noch die klassische gnome2 version neben der shell an. Ich weiß nicht wie der Author hier auf den Trichter kommt das Ubuntu weg vom Desktop hin zum mobile (wahrscheinlich meint er smartphones und tablets?) Desktop will. Installiert doch was ihr wollt!!1elf Es ist kein Windows. Ihr könnt damit machen was ihr wollt. Anderer DM? Installiert ihn. Anderer WM installiert ihn. Wo ist das Problem!? Als wenn es nur die eine Richtung von Canonical gäben würde und… Mehr »
.. Das ist Freie Software. Dann kümmert sich eben die Community um die Weiterentwicklung.
Ich habe mich zwar auch geärgert, dass unity standard ist und gnome 3 nicht anständig zu installieren ist, aber es gibt auch andere gute distributionen (fedora, etc.)
man kann immer noch den alten gnome desktop benutzen. und der ist sogar vorinstalliert. vorher überlegen, bevor man was schreibt, wäre auch keine schlechte idee
Hi,
dickes Lob an den Author. Ich selbst ahbe bisher Ubuntu genutzt um meine Webseite http://www.webstimme.de/ zu bearbeiten. Also Texte, Grafiken, FTP-Zugang usw…
Von Ubuntu ahbe ich aber langsam die Schnauze voll und setzte jetzt nur noch Debian ein – http://www.debian.org/ .
Hier kann man kreativ, schnell und vor allem ohne PC-Abstürze arbeiten…ach ja… SCHNELL mit Maus und Tastatur…
:-)
Lg
Felix