Kurztest: Sabayon Linux 5.3 Gnome

Aus LinuxUser 08/2010

Kurztest: Sabayon Linux 5.3 Gnome

Süßes Dessert

Als Gentoo-Derivat glänzt Sabayon Linux laut Distrowatch noch deutlich vor dem Original. Wir haben für Sie das neue Release 5.3 mit Gnome-Desktop unter die Lupe genommen.

Bei der unüberschaubaren Anzahl an Linux-Distributionen beweisen die Namengeber oft große Fantasie, um Ihre Abkömmlinge durch eine aussagekräftige Bezeichnung vom Rest abzuheben. Allerdings wählte der Italiener Fabio Erculiani ausgerechnet die französische Version der italienischen Süßspeise Zabaglione als Namenspatron für seine Gentoo-Variante.

Wie ein süßer Nachschlag wirkt das neue Sabayon Linux 5.3 [1] in der Tat: So verspricht die Distribution nicht nur dank vorinstallierter NVidia- und ATI-Treiber 3D-Fähigkeit out-of-the-box. Auch Spiele und einiges andere mehr an proprietärer Software liegen dem 1,7 GByte großen Gesamtpaket bei. Als besonderes Extra legt Sabayon noch das Media-Center XBMC [2] obendrauf.

Sie wünschen?

Das großzügige Angebot des Grub2-Bootmenüs bietet neben der voll funktionsfähigen Live-Version auch gleich die Möglichkeit einer grafischen Vollinstallation. Dies gilt auch für das XBMC-Mediacenter. So probieren Vorsichtige beide Varianten erst einmal aus, der Connaisseur installiert XBMC oder Sabayons Desktopvariante gleich auf die Festplatte.

Hinter der Auswahl Start Sabayon 5.3 (No Music) verbirgt sich die eigentliche Live-Distribution. Der erste Menüpunkt beehrt Sie nach dem Start mit einem recht langen Rock&Roll-Titel, der nicht unbedingt jedermanns Geschmack trifft. Bei grafischen Problemen während der Installation hilft der Textmodus weiter.

Live installiert

Die zügig startende Live-Distribution spricht mit ihrem schicken, in Blau und Schwarz gehaltenen Design eher Heimanwender an. Trotzdem wirkt die Oberfläche dank Gnome 2.28 aufgeräumt und übersichtlich.

Möchten Sie sich sofort von der 3D-Fähigkeit des Desktops begeistern lassen, klicken Sie auf das Compiz Fusion Icon. Sabayon legt nämlich wenig Wert auf eine reine Open-Source-Distribution und bindet die proprietären Grafiktreiber von Nvidia und ATI sofort ein. Genauso verhält es sich im Übrigen auch mit den Browser-Plugins Adobe Flash und Suns Java-Environment.

Einen so schönen Desktop möchte man natürlich gleich installieren. Das bewerkstelligen Sie über zwei Wege: Der Live-Desktop verfügt über das Symbol Auf die Festplatte, eine gleichnamigen Punkt bietet aber auch das Grub2-Bootmenü schon an.

Dem Installer geben Sie nur einige wenige Parameter mit auf den Weg, darunter das Tastaturlayout, die gewünschte Sprache, Host- und Benutzernamen sowie die Partitionseinteilung für die Festplatte. Die Partitionierungsroutine glänzt zwar mit klaren Vorschlägen, verwirrt aber gelegentlich durch die nicht durchgängige deutsche Lokalisierung (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das – zwar einfach anzuwendende – Partitionierwerkzeug verwirrt durch schlechte Lokalisierung.

Abbildung 1: Das – zwar einfach anzuwendende – Partitionierwerkzeug verwirrt durch schlechte Lokalisierung.

Auf eine Softwarevorauswahl verzichtet Sabayon komplett. Das System installiert aber neben dem Standard-Desktop Gnome noch den schlanken Fenstermanager Fluxbox.

Mit an Board

Neben dem obligatorischen Openoffice in seiner Version 3.2 finden sich natürlich auch die üblichen Verdächtigen Gimp, Firefox und Evolution in den jeweils aktuellen Releases.

In einigen Sparten weicht Sabayon allerdings von der typischen Programmauswahl ab. So schicken die Italiener nicht etwa F-Spot als Bilderverwaltung ins Rennen, sondern nutzen stattdessen Shotwell [3]. Im Filesharing-Segment sorgt der plattformübergreifende Client Deluge [4] für flinken Datenaustausch. Eine Übersicht zur Software-Ausstattung von Sabayon 5.3 bietet die Tabelle “Sabayon 5.3 im Überblick”.

Sabayon 5.3 im Überblick

System
Kernel 2.6.34
GCC/Glibc 4.4/2.10
X.org 7.5
Dateisystem Ext4
Desktop
Gnome 2.28
Fluxbox 1.1.1
Wichtige Anwendungen
OpenOffice 3.2
Firefox 3.6.3
Evolution 2.28.3.1
Gimp 2.6.8
Besonderheiten
Paketmanagement Gentoo Portage mit Entropy Framework 0.99.46.9
Multimedia Mediacenter XBMC

Kein Fummelkram

Wer einmal mit (oder gegen) Gentoo gekämpft hat, der weiß, was es heißt, dieses System zu installieren und zu warten. Sabayon fußt zwar auf dem Selbstbau-Linux und Sie dürfen es auch gern über die Gentoo-typischen emerge-Befehle administrieren. Dankenswerterweise sorgt aber ein grafisches Werkzeug für eine schnelle und intuitive Software-Auswahl. Der Paket-Manager Entropy Store (auch Sulfur genannt) gewährt Ihnen Zugriff auf das umfangreiche Sabayon-Repository und kontrolliert Gentoos Portage-System. Für eine stets aktuelle Frische im System nistet sich ein Applet in die obere Desktopleiste ein und sucht fortan nach Updates.

Auch sonst glänzt Sabayon durch eine gewisse Frickelfreiheit. Dafür sorgt unter anderem eine Vielzahl an grafischen Systemwerkzeugen, die Sie über zwei Menüpunkte erreichen. Gnome-konform halten die Menüs System | Einstellungen und System | Systemverwaltung die meisten Einstellrädchen bereit. Sabayon bietet über den Menüpunkt Anwendungen | Systemwerkzeuge noch einiges mehr – eine zentrale Systemverwaltung zählt aber bislang noch nicht dazu.

Mediacenter

Ein echtes Highlight stellt das mitgelieferte Mediacenter XBMC [2] dar. Sie haben mehrere Möglichkeiten, an dieses optische Schmankerl zu gelangen. Zum einen findet sich auf dem Desktop sich ein Symbol, welches das Mediencenter startet. Ihre Arbeit darf dabei im Hintergrund liegen bleiben (je nach Arbeitsspeicher). Zum anderen lässt sich XBMC aber auch im Anmeldebildschirm direkt als Sitzung starten.

Daneben können Sie auch von vorneherein auf das eigentliche Sabayon Linux verzichten und lediglich das Mediencenter zum Beispiel auf einem flüsterleisen Wohnzimmer-PC nutzen. In dem Fall installieren Sie XBMC direkt aus dem Grub2-Bootmenü heraus über den Eintrag Graphical Installation (Media Center). Im Anschluss startet das (natürlich als Grundlage doch eingerichtete) Sabayon ohne Anmeldung in eine XBMC-Sitzung. Beenden Sie das Media Center wieder, gelangen Sie zum Anmeldebildschirm, wo Sie einfach die Sitzungsart auf Gnome ändern und Sabayon ganz gewöhnlich im Desktop-Modus starten.

Ein abgespeckter Modus, der nur Zugriff auf das Mediacenter selbst gibt, fehlt also. Dafür entschädigt XBMC selbst mit einer schicken und intuitiv bedienbaren Oberfläche. Zwar interessiert die Software die während der Installation getroffene Sprachauswahl erst einmal nicht im geringsten, über System | Appearance | International lokalisieren Sie XBMC aber doch noch wie gewünscht.

Derzeit bietet das Media Center Zugriff auf die Musik, Videos und Bilder der hoffentlich sehr üppigen Festplatte des Systems. Als kleines Extra zeigt XBMC auch das Wetter an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Media-Center bietet mit seiner schicken Oberfläche nicht nur Zugriff auf Ihre Audio- und Videodateien.

Abbildung 2: Das Media-Center bietet mit seiner schicken Oberfläche nicht nur Zugriff auf Ihre Audio- und Videodateien.

Fazit

Mit Sabayon 5.3 ist den Entwicklern eine hervorragende multimediale Linux-Distribution gelungen, das Gentoo-Derivat lief in unserem Test flink und stabil. Eine durchgängigere Lokalisierung und ein zentrales Systemwerkzeug würden Sabayon aber in der Gunst der Heimanwender sicher noch weiter steigen lassen. 

Infos

[1] Sabayon Linux: http://www.sabayon.org

[2] XBMC: http://xbmc.org

[3] Shotwell: http://www.yorba.org/shotwell/

[4] Deluge: http://deluge-torrent.org

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