Streit um eine Checkbox

Wie soll Okular Restriktionen in PDF-Dokumenten handhaben?

Wie soll Okular Restriktionen in PDF-Dokumenten handhaben?

Marcel Hilzinger
02.06.2009 Aus den meisten PDF-Dateien lassen sich Textschnipsel und Bilder problemlos herauskopieren. Doch wie soll sich eine freie Software verhalten, wenn der Autor des Dokuments das nicht möchte?

Der Debian und KDE-Nutzer John Goerzen wollte letzthin aus einem heruntergeladenen PDF-Dokument einen Teil des Textes kopieren. Doch anstelle der gefüllten Zwischenablage zeigte ihm das KDE-Programm Okular nur eine Fehlermeldung an, da das betroffene Dokument das Kopieren von Inhalten nicht erlaubte.

John öffnete daraufhin einen Bug-Eintrag im Debian-Bugzilla und stelle die Frage

"Warum checkt jemand Code in Debian ein, der unsere Freiheit beschränkt? Warum checkt jemand solchen Code in KDE ein? Können wir das bitte patchen, um dem einen Riegel vorzuschieben?"

Was John nicht wusste: Unter den Einstellungen von Okular findet sich die Checkbox DRM-Beschränkungen beachten. Hätte er diese Checkbox deaktiviert, dann hätte er auch in Okular den Text kopieren können ohne den Umweg über pdftotext zu gehen. Was John ebenfalls nicht wusste: Die entsprechende Checkbox gibt es schon seit rund vier Jahren.

Über eine Checkbox lassen sich die DRM-Beschränkungen in Okluar ein- und ausschalten.

In die Diskussion zum Thema schalteten sich inzwischen auch der Okular-Entwickler Albert Astals Cid und Plasma-Guru Aaron Seigo ein. Albert Astals Cid stellt die provokative Gegenfrage "Warum entwickelt jemand unter der GPL, die unsere Freiheit beschränkt?" und verweist damit auf den von BSD-Entwicklern oft eingebrachten Vorwand, dass die GPL zu restriktiv sei. Cid merkt weiter an, dass nicht nur die Nutzer Freiheiten hätten, sondern auch die Autoren und es deshalb einem Autor zustehe, PDF-Dokumente anzubieten, die sich nicht kopieren lassen sollen. Okular respektiere auch diese Freiheiten, deshalb seien im PDF-Reader die DRM-Beschränkungen in der Grundeinstellung eingeschaltet.

Seigo fügt in seinem Blog noch hinzu, dass KDE die Entscheidung, ob der Nutzer die vom Autoren auferlegten Beschränkungen akzeptieren wolle, dem Nutzer überlasse. KDE oder Okular würden die Freiheit des Nutzers in keiner Weise beschränken. Beide weisen zudem daraufhin, dass die Restriktionen Teil der PDF-Spezifikation seien und Linux schließlich einen freien PDF-Reader brauche, der die Spezifikation so gut wie möglich unterstütze. Albert Astals Cid verwies auch noch daruf, dass es Okular nicht nur für Linux sondern auch für Solaris, Windows und Mac OS X gebe.

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