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Viel Lärm um Mono

Tomboy und/oder GNote?

21.04.2009 Gestern haben die Tomboy-Entwickler Version 0.14.1 des Notizzettel-Programms für Gnome veröffentlicht. Eigentlich eine ganz normale News, gäbe es da nicht ein kleines Problem mit GNote ...

Die neue Tomboy-Version läuft zum ersten Mal nicht nur unter Linux, sondern arbeitet auch mit Mac OS X und Windows zusammen. Als Sandy Armstrong in seinem Blog über die Features der neuen Version berichtete, konnte er es sich nicht verkneifen, am Schluss noch einen Hinweis zu GNote anzufügen. GNote ist ein C++Port von Tomboy, geschrieben vom Franzosen Hubert Figuiere.

Anwendungen zu portieren, ist in der Open-Source-Welt üblich. Eine Anwendung aber von einer Programmiersprache eine nur unwesentlich andere zu übersetzen, hört sich nach Zeitverschwendung an. Viele sehen deshalb in GNote mehr ein "Tomboy ohne Mono" als ein "Tomboy in C++" und kritisieren, dass GNote dem Gnome-Projekt praktisch keinen Nutzen bringe, aber viele Ressourcen verschwende. Diskussionen zum Thema gab es bei der Veröffentlichung von GNote am 1. April (viele hielten den Port zunächst für einen Aprilscherz) zu Hauf, auch Miguel de Icaza, der Begründer von Mono, brachte sich später in die Diskussion mit ein.

Mit der Veröffentlichung von Tomboy 0.14.1 und der Bemerkung von Sandy Armstrong ist der Streit um GNote nun neu entfacht. Die Fakten sind relativ schnell aufgezählt. Tomboy zählt zwar zu den beliebtesten Gnome-Programmen und ist quasi der Standard-Notizzettel von Gnome, das Programm braucht aber für den Start viele Ressourcen und verzögert den Gnome-Start, weshalb es viele Distributionen aus der Standardinstallation gestrichen haben. Laut einem Bugzilla-Eintrag vom Dezember 2008 benötigt der Gnome-Notizzettel über 10 MByte RAM für den Start. Als Mono-Programm benötigt Tomboy zudem eine Mono-Umgebung, die wiederum aus Platzgründen bei vielen Live-CDs nicht mit dabei ist.

GNote startet als C++-Anwendung ohne Mono-Abhängigkeiten deutlich schneller. Da der aktuelle Port allerdings auf gtkmm und boost basiert, treten die Platzprobleme für Live-CDs ebenso auf, da zumindest Gtkmm bei vielen Distros nicht zum Standardumfang der Live-CDs gehört. Zudem sind C++-Binaries in der Regel etwas größer als Mono-Binaries. GNote ist eine reine Linux-Anwendung, während sich Tomboy auch unter Mac OS X und Windows nutzen lässt.

In einem aktuellen Blog-Eintrag sieht der Ubuntu-Entwickler Aaron Toponce noch einen weiteren Vorteil von GNote. Mangels Abhängigkeit von Mono könnte es das Programm auch in das Software-Repertoire von Red Hat Enterprise Linux schaffen. In seinen Enterprise-Produkten liefert Red Hat bisher keine Mono-Programme aus.

Da sich das Thema GNote vs. Tomboy immer mehr zu einem Streit um Mono zu entwickelte, griff auch der Ubuntu-Entwickler und Autor von Gnome Do Alex Launi in die Diskussion ein. Er möchte klarstellen, dass Mono komplett freie Software sei und die Diskussion um allfällige Mono-Patente absolut fehl am Platz sei, da Microsoft zum Beispiel auch Patente an OpenGL habe und somit auch alle 3D-Anwendungen unter Linux böse sein müssten. Zudem sei das Desktop-Team gerade dabei, Rhythmbox (C) für Ubuntu 9.10 durch Banshee (Mono) als Standardplayer abzulösen.

Das Desktop-Team zählt auch die Gründe dafür auf. So sind die Banshee-Pakete deutlich kleiner (12 MByte vs. 18 MByte), zudem werde Banshee sehr aktiv entwickelt, während Rhythmbox eher ein ruhiges Projekt sei. Eine definitive Entscheidung will das Team aber erst am Ubuntu Summit im Mai in Barcelona treffen.

Mono-Programme in C++ zu übersetzen, ist laut Figuiere übrigens nicht allzu schwer. Vielleicht schreibt der Franzose ja schon bald ein Programm, das den Vorgang automatisiert...

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Kommentare
C++ oder Vala
Vamp898 (unangemeldet), Donnerstag, 18. März 2010 02:12:03
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Für Entwicklung würde ich auf jeden fall auf C++ oder Vala zurückgreifen.

GTKmm unterstützt die komplette GTK+ API von vorne bis hinten.

Gtk# unterstützt nur bis 2.12 womit 2.14-2.20 fehlen

Vala unterstützt GTK+ ebenfalls von vorne bis hinten + Vala hat die C# (leicht abgeändert damit es an GObject passt) Syntax.

Also wenns einem nur um GTK geht, sonst nichts (und genau darum geht es bei Tomboy, Banshee & Co) ist C# momentan die denkbar schlechteste wahl.

Das Miguel C# gerne bentutz liegt einfach daran das er an Mono mitentwickelt aber C# hinkt momentan hinter GTKmm/Vala her und ich glaube auch nicht das sich das von heute auf morgen ändern wird.

Und Gtk# läuft unter Windows bedeutent schlechter als GTKmm/Vala.

Dieses ganze "C# ist Betriebssystemunabhängig dank Mono" ist nichts als schall und rauch. Wenn eine Gtk# Anwendung unter Linux perfekt läuft heisst das noch lange nicht das sie das in Windows tut. Mit MingW lassen sich C/C++ Programme einfach und schnell unter Windows kompilieren und funktionieren einfach (Solang man schön ANSI schreibt ;))


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Banshee statt Rythmbox?
Patrick Bucher (unangemeldet), Montag, 06. Juli 2009 13:25:38
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Finde ich persönlich eine Fehlentscheidung. Rythmbox ist zwar eher ein "ruhiges" Projekt, das zeugt jedoch von einer gewissen Stabilität. Die 6 MB mehr Festplattenspeicher opfere ich gerne für ein bisschen weniger RAM-Verbrauch (Mono-Runtime).


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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

Zum Blog von Marcel Hilzinger →


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