Super-Video-CD unter Linux

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Super-Video-CD unter Linux

Andreas Bohle
05.02.2002

Folgenden Beitrag sendete Tobias Speidel ein:

Hallo Linux-Freaks,

vor zwei Jahren habe ich damit angefangen, es mit der Videobearbeitung unter Linux zu versuchen, und nach einer Woche harten Kampfes habe ich es am letzten Montag eine halbe Stunde vor Mitternacht geschafft:

Ich konnte eine unter Linux gebrannte Super-Video-CD auf CD-RW in meinem DVD-Player abspielen. Die Aufgabenstellung war, zwei Standbilder mit Musik ineinander überzublenden:

  • Schnitt (Überblendung) erfolgte mit Broadcast2000
  • MPEG-Codierung mit mjpegtools
  • CD-Image erstellen mit vcdimager
  • CD brennen mit cdrdao (und eventuell cdrecord)

Vorteil einer Super-Video-CD (SVCD): Die Auflösung horizontal 480 und vertikal 576 Pixel ist zwar etwas schlechter als die DVD mit 720x576 Pixel aber viel besser als alles andere wie analoges VHS oder S-VHS oder die normale Video-CD 1.0 oder 2.0. Außerdem ist die SVCD ein Standard und läßt sich auf DVD-Playern abspielen. Der Film wird wie bei DVD mit MPEG2 komprimiert, und die SVCD läßt sich mit billigen CD-Brennern auf CD-R- oder CD-RW-Medien brennen, die im Vergleich zu DVD-R (A)- oder (G)-Medien spotbillig sind. Auf eine SVCD passen vermutlich nicht mehr als 30 bis 60 Minuten Film, aber für die eigenen Filmchen reicht das zweimal aus.

Wer längere Urlaubsfilme dreht ist entweder ein begnadeter Dokumentarfilmer oder möchte sein Publikum vorsätzlich langweilen.

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Ein Mikro-HowTo für Interessierte, wie es bei mir unter SuSE 7.3 funktioniert hat:

Alle oben aufgeführten Programmpakete sind als fertige RPMs unter SuSE 7.3 enthalten. Allerdings fehlen bei den mjpegtools die wichtigen Programme mp2enc zum Codieren des Tons und mpeg2enc für den Film. Weiß der Geier, warum SuSE das verpennt hat. Unter http://download.sourceforge.net/mjpeg liegt ein RPM für SuSE 7.1. Aus diesem RPM habe ich die zwei fehlenden Programme extrahiert und zu den anderen ins Verzeichnis /usr/bin kopiert.

Der Film wurde mit Broadcast2000 geschnitten und dann als Quicktime-Film mit Ton 16 Bit und 44,1 kHz und Video als MJPEG A-Codierung mit 25 Frames pro Sekunde gerendert. Die Frame-Größe für die Ausgabe ("Projektor") betrug 768x576 Pixel.

Die MPEG2-Codierung des Bildes sollte eigentlich so funktionieren:

vcddebug -v --cdrom-device=/dev/scd0

Leider ging es aber nur schrittweise, weil bei der obigen Befehlszeile das mpeg2enc zwischenrein abstürzte, durch die zusätzlichen Dateien werden natürlich Unmengen an Plattenplatz verbraten:

  lav2yuv testmovie.mpg > testmovie.yuv  cat testmovie.yuv | yuvscaler -I INTERLACED_ODD_FIRST -O SVCD > testmovie.scl  cat testmovie.scl | mpeg2enc -m 2 -b 2500 -F 0 -V 400 -s -h -o   testmovie.m2v  

MPEG-Codierung des Tones:

  lav2wav testmovie.mov | mp2enc -o testmovie.mp2  

Zusammenführen der Ton- und Videospur:

  mplex -m 2 -f 4 -o testmovie.mpg testmovie.mp2 testmovie.m2v  

Erstellen des CD-Images, dabei werden die Dateien videocd.bin mit dem Image und videocd.cue mit Informationen fürs Brennen erzeugt.

  vcdimager -t svcd testmovie.mpg  

Evtl. Löschen einer CD-RW:

  cdrecord -v speed=4 blank=fast dev=0,6,0  

Brennen des Images auf CD-R oder CD-RW:

  cdrdao write --device 0,6,0 --driver generic-mmc --speed 4 videocd.cue  

Einlegen der fertigen SVCD in ein CD-Laufwerk zum Testen:

  vcddebug -v --cdrom-device=/dev/scd0  

Einlegen der fertigen SVCD in einen DVD-Player und geniessen.

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Ich persönlich habe nichts gegen gut funktionierende, ausführlich und verständlich dokumentierte Kommandozeilenprogramme. Aber die (linuxtypischen?) schlampigen, fehlerhaften, amateurhaften und nur schwer entschlüsselbaren Dokumentationen machen das Anwenden dieser Programme zur Qual.

Die Opensource- und Freeware-Bewegung in Ehren - aber ich wollte eigentlich nur Filme machen und nicht die Tiefen verquerter Gedankengänge von fähigen Unix-Programmierern nachstöbern. Jetzt fehlt also nur noch monatelanges Herumpfrimeln, bis eine PCI-Firewire-Karte funktioniert, nochmal ein paar Wochen dazu, bis dvgrab sauber kompiliert ist, und wenn vielleicht Broadcast2000 mit den eingelesenen Videos was anfangen kann ... tja, dann ist vielleicht (bei mir) die "Prozeßkette" der Videoverarbeitung unter Linux geschlossen. Die Software kostete mich dann außer zweieinhalb Jahre Zeit keinen Penny - einen Film habe ich in dieser Zeit aber auch nicht gemacht.

CU,
Tobbi

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Re: Super-Video-CD unter Linux
(unangemeldet), Freitag, 12. April 2002 13:37:16
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schily (unangemeldet), Freitag, 12. Februar 2010 20:19:24
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(unangemeldet), Montag, 18. Februar 2002 12:51:50
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(unangemeldet), Donnerstag, 07. Februar 2002 20:51:08
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(unangemeldet), Sonntag, 10. März 2002 11:19:58
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VCR (war: Re: Super-Video-CD unter Linux)
(unangemeldet), Mittwoch, 06. Februar 2002 15:47:52
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Adrian Wranik, Dienstag, 05. Februar 2002 15:19:36
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Adrian Wranik, Dienstag, 05. Februar 2002 21:31:41
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