PS3-Firmware-Update killt Linux

Sony verbannt Linux von der Playstation 3

Sony verbannt Linux von der Playstation 3

Daniel Kottmair
29.03.2010 Nachdem die PS3 Slim schon ohne Linux-Funktionalität ausgeliefert wurde, entfernt Sony mit dem kommenden Firmware-Update 3.21 nun auch Linux von den älteren Playstations.

"It only does everything" lautet der Slogan der Playstation 3. Dem sollte Sony allerdings bald den Zusatz "except Linux" hinzufügen: Wie auf dem offiziellen Playstation-Blog zu lesen ist, wird die am ersten April (kein Aprilscherz) veröffentlichte Firmware 3.21 die "OtherOS"-Unterstützung älterer Playstation 3 entfernen, über die man Linux auf der Spielkonsole installieren kann. Sony schreibt, dass OtherOS-Nutzer bei älteren Firmwares bleiben können, doch können diese dann nicht mehr auf das Playstation Network zugreifen oder Spieletitel und Blurays nutzen, die Firmware Version 3.21 oder höher voraussetzen. Auch die Wiedergabe DRM-geschützter Videoinhalte über einen lokalen Server soll nicht mehr gehen.

Als Grund gibt Sony "Sicherheitsbedenken" an: Im Januar veröffentlichte der iPhone-Hacker George Hotz einen Hack, der Linux zusammen mit Signalstörungen am Bus als Angriffsvektor nutzte, um in Ring 0 zu kommen und eigenen unsignierten Code auf der Playstation 3 auszuführen. Der Hack ist allerdings nur ein halber, denn Hotz umging die Verschlüsselungs SPU des Cell-Prozessors lediglich. Die Entschlüsselung selbst, welche Voraussetzung für das Kopieren von Spielen wäre, bleibt weiterhin ungeknackt. Die Keys für die Verschlüsselung sind hart verdrahtet in der Encryption-SPU (auch Hypervisor genannt) - auf die Hotz' Hack keinen Zugriff bietet.

Sony verkauft das Entfernen der OtherOS-Funktionalität als Vorteil, da der User den gekauften Content "auf einem sichereren System" genießen könne.

Der Vorfall dürfte juristisch interessant werden, da Sony die Linux-Funktionalität explizit bei der Vorstellung der Playstation 3 beworben hat und somit ein versprochenes Feature entfernt. Darüberhinaus gibt es Statements von Sony (das letzte von Ende Februar, also lange nach dem Hack), dass die Linux-Funktionalität älterer PS3s nicht entfernt werden würde.

Linux auf der Playstation erfreut sich insbesondere im universitären Umfeld einiger Popularität, da sich dadurch für wenig Geld kleine Cluster mit dem sehr leistungsfähigen Cell-Chip bauen lassen, welcher unter anderem in IBMs "Blue Gene", den schnellsten (und energieeffizientesten) Supercomputern der Welt steckt.

Kommentar: Es steht abzuwarten, ob Sony nicht mit dieser Aktion das exakte Gegenteil von dem erreicht, was sie bezwecken wollen: Dass ihre Konsole und damit der Kopierschutz nun wirklich geknackt wird, um Linux darauf laufen zu lassen. Sony gibt mit dem Verbannen von Linux von der PS3 den Startschuss für einen großangelegten Hackangriff. Ein paar der besten Hardwarehacker aus dem Linux-Umfeld hatten nämlich bisher nämlich gar kein Interesse daran, die PS3 zu hacken, denn schließlich war die PS3 die einzige Konsole, auf der Linux schon von Haus aus unterstützt wird. Felix "tmbinc" Domke, der Hacker der Xbox360 und des Nintendo Wii, antwortete beispielsweise auf die Frage, wann denn die PS3 dran wäre nur, dass er dafür keine Notwendigkeit sähe, denn Linux liefe schließlich schon darauf. Und George Hotz benötigte für seinen Hack lediglich fünf Wochen...

Linux-User können Sony über dieses Formular wissen lassen, was sie von derartiger Produktverkrüppelung halten.

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Kommentare
mail
Wir (unangemeldet), Montag, 05. April 2010 23:19:55
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Naja, wer noch etwas Anstoss brauch, dem haben wir mal unsere Mail an Sony:


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Sehr geehrte Damen und Herren,

mein bisheriges Bild der Playstation:

Ein Alleskönner bestehend aus:

- Einer Spielekonsole
- Einem BluRay-Player
- Heim-Mediacenter
- Office Maschine
- High-End Audiogerät
- Urlaubsbilderverwaltung
- Internetzugang

Kurz: derzeit, ohne zu übertreiben, die Beste Konsole auf dem Markt, welche High-End Spielekonsole und SoHo-Pc verbindet. Es blüht eine rosige Zukunft nicht nur auf dem Konsolen- sondern auch auf dem Heimcomputermarkt.

Doch eine kleine Meldung zerstörte diese Zukunftsvision, sowie die Sonderstellung PS3 auf dem Konsolenmarkt, auf einen Schlag.

Sie haben die "Other OS" Funktion auf der Konsole entfernt.

Laut Berichten sehen Sie die Sicherheit Ihrer Plattformen in Gefahr. Doch auch Linux ist für seine Sicherheit bekannt und die Playstation leider nicht darunter, und Ihr Schritt wäre eine sehr repressive Art eine eventuelle Sicherheitslücke zu schließen.

Um ein paar schwarze Schafe dazu zu bringen auf anderem Wege den Kopierschutz zu umgehen, lohnt es sich wirklich nicht die Playstation3 zu einer einfachen Spielekonsole zurück zu stutzen und sie damit ihrer Sonderstellung unter den Konsolen zu berauben.

Meiner Meinung nach könnten Sie mit einer Vermarktung als Spielekonsole inkl. HeimPC den typischen Playstation Spieler PLUS einen ganz neuen Kundenkreis erreichen. Zu diesen gehören alle denen eine reine Konsole zu spezifisch ist. Eltern, Studenten usw. würden sich entscheiden eine Playstation zu kaufen, selbst wenn sie ursprünglich auf der Suche nach einem HeimPC waren.

Sony hat damit die Chance neue Maßsträbe zu setzen oder es sich mit der open-source Gemeinde zu verscherzen und einen großen Kundenkreis zu verlieren.

Sony schneidet sich damit auch nicht ins eigene Fleisch, da mit Vaio zwar Notebooks zum Portfolio gehören, HeimPCs nur beschränkt. Zusätzlich könnten Sie viel Zubehör zur PS3 Verkaufen (Tastatur, Maus, Drucker?, USB-Hubs, Kontroller-Hubs)

Warum nehmen Sie selber sich die Chance Ihre Führung auf dem konsolenmarkt auszuweiten und neue Kundenkreise zu erreichen. Und mir nehmen Sie eine Konsole welche mir Spielspass und Office-Anwendungen in einem bietet.

Um es konkreter zu sagen. Beworben wurde Sie mit except Linux beworben. Damit habe ich sie vielen Freunden empfohlen. Nun fallen Funktionen weg für die Geld ausgegeben wurde!

Mit freundlichen Grüßen


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Dudenstein:
Daniel Kottmair, Montag, 29. März 2010 17:15:07
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Wie im Text erwähnt, hat Mr. Hotzens Hack überhaupt rein gar nix mit Raubkopien zu tun. Er hat selbst desöfteren sogar klar gemacht, dass ihn das persönlich auch überhaupt nicht interessiert.

Hardwarehacken ist gut und wichtig, da wir ja kaum zu reinen Konsumenten degradiert werden wollen, die auf Gedeih und Verderb den Launen und dem Gusto eines einzigen alles kontrollierenden Herstellers ausgeliefert sein wollen, oder? ;-) Siehe eben iPhone, will jemand ernsthaft Apple das Sagen überlassen, was ich wann wo und wie auf meinem iPhone installiere?

Hardwarehackern wie George Hotz oder auch tmbinc, dem Hacker der Xbox360 und des Wii, gebührt deshalb unser vollster Respekt!


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PS3 war mal sicher
Christian Berg, Mittwoch, 07. April 2010 17:54:59
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Man kann es drehen und wenden wie man will.
Bisher waren die Raubkopierer zu dämlich zum hacken von Konsolen.
Alle Softmods die ich kenne basieren auf Wissen das von "Linux Hackern" kommt. Üblicherweise sorgt die Umgehung von DRM Mechianismen eben dafür das man Raubkopien laden kann.

Die PS3 hatte daher fast den besten Kopierschutz, man konnte von Anfang an Linux darauf installieren. Nur leider mit sehr beschränkten Zugriff auf die Hardware. Den Linux Support zu entfernen ist daher das Dümmste was Sony machen konnte.

Bis Weihnachten ist der Markt voll mit Mods für die PS3, welche Raubkopien zulassen. Irgend ein Hacker wird mit edlen Absichten einen Weg finden Linux wieder auf die PS3 zu bringen, dank seiner Arbeit wird es kurze Zeit später Loader für Raubkopien geben.


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:@
Waschi (unangemeldet), Montag, 29. März 2010 15:07:39
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Ich war schon im Gedanken mir eine zu besorgen vor allem WEGEN DER OTHEROS FUNKTION....


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Re: :@
Dudenstein (unangemeldet), Montag, 29. März 2010 15:40:00
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Toll! Auf einem anderen von mir frequentierten Forum wurde der Hack als grosser Erfolg gefeiert. Und was haben wir jetzt davon? Warum müssen immer irgendwelche Spinner Hacks entwickeln, die nur Raubkopierern nützen (siehe iphone). Man sollte diesem Hacker jede einzelne alte PS3 an den Schädel werfen! Mal sehen, ob er dann immer noch Spaß am hacken hat!


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Re: :@
IanC (unangemeldet), Montag, 29. März 2010 16:33:56
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Reg dich ab - Sony brauchte doch nur einen Vorwand.
Wo komen wir denn hin, wenn jeder mit der Hardware, die er gekauft hat, machen würde, was er will?!


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