Nokia kauft Trolltech

Nokia kauft Trolltech

Britta Wülfing
28.01.2008

Der finnische Handy-Hersteller Nokia will für rund 104 Millionen Euro das norwegische Software-Unternehmen Trolltech übernehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Oslo wurde mit seiner Open-Source-Bibliothek Qt bekannt.

Die plattformübergreifende Entwicklungsbibliothek Qt ist für die Betriebssysteme Windows, Mac OS und Unix-Derivate erhältlich und kommt in den Bibliotheken der Linux-Anwenderoberfläche KDE zum Einsatz. Das norwegische Softwarehaus ist unter dem Kürzel TROLL als Aktienunternehmen an der Börse in Oslo gelistet. Nokia bietet den Anteilseignern 16 Norwegische Kronen (NOK) pro Aktie, umgerechnet rund 1,98 Euro. Aktuell wird die Aktie in Oslo mit 15,60 NOK gehandelt. Laut Pressemitteilung empfiehlt Trolltechs Führungsriege den Aktienbesitzern einstimmig, das Angebot anzunehmen. Die Inhaber von rund 66 Prozent der Aktien, darunter verschiedene Venture-Kapitalfirmen, sollen der Übernahme bereits zugestimmt haben. Damit die Übernahme klappt, sind 90 Prozent der Stimmen nötig.

Nokia will mit Kauf seine Cross-Plattformstrategie für mobile Geräte und Desktop-Anwendungen ausbauen und seine Internet-Dienste stärken. Laut Nokia soll das "talentierte Team" von Trolltech dabei "eine wichtige Rolle" übernehmen. Trolltechs Chefs und Gründer Haarvard Nord und Eirik Chambe Eng jedenfalls geben sich begeistert: "Trolltech und Nokia haben das gemeinsame Ziel, Trolltechs Qt-basierte Technologie voranzutreiben, sowohl im kommerziellen Markt wie auch in der Open-Source-Community", lässt sich Haavard Nord zitieren. Nokia verspricht an dieser Stelle auch, die bisherige Open-Source-Strategie von Trolltech fortzusetzen. Auch künftig sollen Trolltechs Entwicklungen unter kommerziellen wie Open-Source-Lizenzen gleichermaßen veröffentlicht werden, so die Pressemeldung. Qt steht sowohl unter der GNU General Public License (GPL) wie auch unter einer kommerziellen Lizenz. Diese wird allerdings nur benötigt, wenn mit der Umgebung Produkte entwickelt werden, die nicht selbst wiederum unter einer freien Lizenz stehen. Nokia verspricht sich von der Akquisition des Open-Source-Unternehmens schnellere Entwicklungszyklen und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit für seine Geräte S60 und die Serie 40, so Kai Öistämö, Executive Vice President Devices bei Nokia. "Für Nokia spielt Software eine Hauptrolle in unserer Wachstumsstrategie für Geräte, PCs und die Integration mit dem Internet", erklärt der Nokia-Manager. In der zweiten Jahreshälfte 2008 soll die Transaktion abgeschlossen sein.

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