SuperMUC

Neuer Superrechner für München

Neuer Superrechner für München

Anika Kehrer
13.12.2010
Das Münchner Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften hat einen neuen Supercomputer mit einer Leistung von drei Petaflop/s in Auftrag gegeben, der übernächstes Jahr an der Spitze der Top 500 stehen soll.

Mitte 2012 soll der von IBM gebaute Rechner am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in München-Garching in Betrieb gehen. Den entsprechenden Vertrag unterschrieben heute vor Ort der Vorsitzende des RZ-Direktoriums Arndt Bode und Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH. Das Investitions- und Betriebsvolumen für die nächsten sechs Jahre beziffern Kunde und Dienstleister auf 83 Millionen Euro, dazu kommen 50 Millionen Euro für Gebäudeerweiterungen. Das Bundesland Bayern und die Bundesrepublik Deutschland tragen jeweils die Hälfte dieser Kosten, weil der Superrechner für den Technologiestandort Deutschland sowie wegen seiner Energiesparsamkeit als Investition in die Zukunft gilt.

Prototyp der Warmwasserkühlung mit Wärmerückgewinnung des Supermuc ist das hier abgebildete Aquasar-Bladesystem an der ETH Zürich

Der Neue soll über drei Petaflop/s Spitzenrechenleistung, 320 Terabyte Hauptspeicher und insgesamt bis zu 12 Petabyte Festspeicher gebieten. Damit soll er "zu den leistungsfähigsten Universalrechnern der Welt gehören", freut sich das LRZ. Dafür sorgen rund 110.000 Prozessorkerne. Das LRZ liefert ein anschauliches Beispiel für die Rechengeschwindigkeit von drei Petaflop/s: "Würde man mit einem Hammer Nägel in einem Abstand von einem Millimeter in die Erde schlagen [einen für jede Gleitkommaoperation], so würde man den Äquator 75.000 Mal in einer einzigen Sekunde umrunden." Der rasante Kraftprotz soll im RZ für die Forscher-Community zum Beispiel die Entwicklung des Universums simulieren, das heiße Erdinnere modellieren oder die Strömungseigenschaften verschiedenster technischer und natürlicher Systeme berechnen. Neben der Rechenleistung heben LRZ und IBM die neue Kühltechnologie des Systems hervor, bei der Wasserkühlflüssigkeit - die bis zu 40 Grad warm sein darf - direkt an Prozessoren und RAM vorbeigeleitet und anschließend zum Gebäudeheizen verwendet wird.

Anwendungsbeispiel Schnupfenvirus: Der Göttinger Biophysiker Helmut Grubmüller hat als erster die Hülle dieses Virus auf molekularer Ebene im Computer simuliert und kann jetzt unter anderem Vorhersagen über physikalische Eigenschaften des Virus machen.

Der "SuperMUC" genannte Rechner soll den bisher Stärksten im LRZ-Hause ersetzen: den seit 2006 arbeitenden HLRB II. Ein Beispiel für Weltallsimulationen aus dem Leben dieses Supercomputers erzählt der Online-Artikel "Astrophysik mit Linux I", der auf Linux-Magazin Online frei zugänglich ist. Erklärungen zur Kühlungstechnik des Supermuc und zu weiteren HPC-Anwendungsfällen im LRZ sind auch in der Pressemeldung des LRZ verlinkt.

Der derzeit schnellste Superrechner der Welt, das chinesische System Tianhe-1A am National Supercomputer Center in Tianjin, schaufelt mit einer Geschwindigkeit von 2,57 Petaflop/s Daten über seine Leiterbahnen. An zweiter Stelle schuftet der Sieger des Vorjahres "Jaguar" vom amerikanischen Energieministerium. Das leistungsstärkste System in Europa ist derzeit ein Bull-System am fanzösischen Energieministerium, das weltweit den sechsten Rang bekleidet. Als schnellstes System Deutschlands gilt das "JUGENE" getaufte IBM-Blue-Gene/P-System im Forschungszentrum Jülich.

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