Desktop Summit

Mobile, Cloud, Agreements

Mobile, Cloud, Agreements

Markus Feilner
08.08.2011
Der Desktop Summit 2011 steht ganz unter den Zeichen Mobility, Cloud und Copyright Assignments.

Nach den Keynotes starteten die KDE- und Gnome-Communitites durch und brachte viel Entwickler-Know-how in vier Tracks zu den mehr als tausend anwesenden Anwendern, Entwicklern und Aktivisten. Ein Schnelldurchlauf durch den ersten Tag...

Mehr als tausend Besucher verzeichnet derzeit der Desktop Summit 2011.

Teuer: Alleine entwickeln

Dave Neary von Gnome gab in seinem Vortrag "The cost of going it all alone" Tipps und anschauliche Beispiele dafür, wie Unternehmen zu freien Projekten beitragen könnten - und zeigte anhand von vier Fällen, wie teuer es werden kann, wenn etwas nicht klappt oder falsche Entscheidungen getroffen werden. Die Kosten für eine eigene Entwicklung, die nicht mit dem Open-Source-Modell mitgeht, addieren sich ihm zufolge ganz einfach aus den eigenen Entwicklungskosten, denen für den Merge und dem schwer einzuschätzenden "Community Overhead". Trotzdem entscheiden sich etwa 90 Prozent der Softwarehersteller dafür, den Upstream zu ignorieren und leiden später unter hohen Kosten und viel vermeidbarer Entwicklungsarbeit. Als Beispiele nannte er Nokias Hildon-Oberfläche für Maemo aber auch Googles Wakelocks für mobile Geräte, wo der Suchmaschinenriese es einfach nicht schaffte, die eigenen Ideen in den Linux-Kernel integrieren zu lassen.

Dave Neary von Gnome zeigt, was Unternehmen beachten sollten, wenn sie zu freien Projekten beitragen wollen.

Der richtige Weg sei es einfach, zu unstable Branches beizutragen und dann die Backports zum stabilen Zweig abzuwarten. Das kollidiere aber meist mit den Ansprüchen proprietärer Software-Entwicklung, die feste Release-Zeitpunkte und Produkte habe. Eine Garantie gäbe es aber dennoch nicht, wie der Fall IBM und sein Enterprise Volume Management EVMS zeige. Obwohl Big Blue alles richtig gemacht habe, hatte sich Linus später für LVMS entschieden. IBM tat dann wiederum das Richtige und passte die eigene Software an, was aber zusätzliche 12-18 Mannmonate kostete.

Maintainer kann sich lohnen

Das nahm Neary zum Anlass, auf vier Folien die richtige, erfolgversprechende Vorgehensweise für Firmen vorzustellen. Anhand einer Matrix aus den Kategorien kleines-großes Projekt, kleiner-großer Unterschied im Code sowie der Bedeutung für das Unternehmen (Ist die Software strategisch wichtig für den Unternehmenserfolg?) zeigte er, dass es sich sogar lohnen kann, einen Maintainer anzustellen und so das Projekt zu fördern und in die gewünschte Richtung zu leiten. Der "Maintainer Overhead" sei einschätzbar und liegt Neary zufolge etwa bei 20 bis 30 Prozent.

Gnome Shell, Studenten, Shuttleworth

Am Nachmittag hatten dann zahlreiche Studenten des Google Summer of Code, der Season of KDE und des Gnome Outreach for Women Gelegenheit, in schneller Folge ihre Projekte vorzustellen. Entwickler aus Indien, Mexiko, Peru, Spanien und vielen anderen Ländern sprachen da über Accessibility, Unterstützung Japanischer Schriftzeichen (speziell zum Lernen von Kanji), Amarok mobile, Gluon Statistiken, das XML-Editor-Tool Gxml oder GTG - Getting things Done für Gnome. Gleichzeitig hielt Owen Taylor, Gnome-Entwickler der ersten Stunde einen Vortrag über die nagelneue Gnome Shell, wo er auch klarstellte: "Das ist als UI für Enduser gedacht nicht nur für Entwickler."

Gnome-Urgestein Owen Taylor stellt die Gnome-Shell vor.

Richtig kontrovers sollte es dann im gut besetzen Panel werden, wo Mark Shuttleworth (Ubuntu/Canonical), Michael Meeks (Novell, OpenOffice), Bradley Kuhn (FSFE) und Karen Sandler (Gnome) über die strittige Frage der Copyrights Assignments diskutierten. Shuttleworth hatte vor Kurzem mit einem CA für Aufsehen gesorgt, das von Ubuntu-Entwicklern die Übertragung des Urheberrechts an Canonical forderte. Nach reichlich negativem Feedback hatte er das Harmony-Projekt gestartet, das über die Community einen Vorschlag für ein verträgliches CA präsentierte. Meeks ist ein Gegner derartiger Vereinbarungen, während Kuhn die Notwendigkeit nicht sieht, seiner Meinung nach reiche die GPL völlig aus. Eine Lösung scheint da nicht in Sicht, doch immerhin konnte Shuttleworth abschließend noch um Vertrauen werben. Mit "Es geht hier um Großzügigkeit, wenn jemand zu einem Projekt beiträgt schenkt er schließlich etwas." bat er darum, mit Contributions keine Forderungen zu verbinden.

Von links nach rechts: Karen Sandler, Mark Shuttleworth, Michael Meeks und Bradley Kuhn beim Panel auf dem Desktop Summit.

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