Windows XP nimmt kein rühmliches Ende sondern stirbt einen langsamen Tod. Ab Oktober soll man keine neuen Rechner mit Windows XP mehr kaufen können, im nächsten Jahr verschwindet dann auch Vista von den Regalen. Doch das gute alte Windows XP, das auf geschätzt 75 Prozent aller PCs seinen Dienst verrichtet, scheint nicht totzukriegen zu sein. Das hat nun auch Microsoft eingesehen und de facto den Support für das beste Windows aller Zeiten um weitere zehn (!) Jahre verlängert, wie die Computerworld berichtet.
Auch wenn offiziell das letzte Update für Windows XP 2008 mit SP3 erfolgte, bedeutet das im Prinzip, dass sich Microsoft auch weiterhin um Sicherheitslücken in Windows XP kümmern muss. Offiziell gilt der Support nur für OEM- und Volumenlizenz-Kunden mit einem aktiven Service-Vertrag mit Microsoft. Sie erhalten beim Kauf eines neuen Rechners mit vorinstalliertem Windows 7 ein Downgrade-Recht auf Windows XP. Eigentlich wollte Microsoft dieses Downgrade-Recht im kommenden Jahr beenden, nun soll es über die komplette Lebensdauer von Windows 7 aktiv bleiben (Windows 7 soll bis 2020 unterstützt werden).
Chance für Linux?
Hat sich bei Windows Vista schon bald abgezeichnet, dass die meisten Nutzer damit nicht zufrieden sind, klappt nun anscheinend auch der massenweise Umstieg auf Windows 7 nicht so, wie sich Microsoft das erwünscht hat. Tatsache ist, dass die meisten Kunden in der aktuellen Windows-Version keinen Vorteil sehen, da sich sämtliche Arbeiten auch mit Windows XP erledigen lassen. Nun stellt sich natürlich die Frage ob 2020 immer noch 75 Prozent aller PCs Windows XP als Betriebssystem nutzen werden oder ob der PC als solcher langsam ausstirbt und das Feld den Tablets und anderen portablen Geräten überlässt. In beiden Fällen stehen die Chancen für Linux gut, einen Teil der wechselwilligen Kundschaft zu übernehmen.
Zünglein an der Waage könnte hier der Web- und Browser-Support sein. Da es wohl kaum einen IE9 für Windows XP geben wird, sich aber immer mehr Dienste ins Web verlagern, müssen XP-Nutzer auf freie Alternativen wie Firefox oder Chrome ausweichen. Wer zudem einmal bei der Entwicklung einer Distribution mitgearbeitet hat, weiß wie viel Aufwand es bedeutet, ständig Programme auf ältere Versionen zurückportieren zu müssen. Auch wenn ein Großteil dieser Arbeit nicht bei Microsoft selbst erfolgt, zehrt es doch langfristig an den Kräften von Redmond.
Gleichzeitig hält Linux auf der Serverseite mit Samba und Samba4 (fast) alle Trümpfe in der Hand, um Windows in einer XP-Umgebung komplett zu ersetzen. Auch Wine wird immer besser, wodurch sich eine Windows-Lizenz in vielen Fällen erübrigt. Microsoft hat sich mit Windows XP quasi den Wettbewerbsvorsprung verspielt und muss jetzt aufpassen, dass nach dem Tod von Windows XP -- der durch Altersschwäche irgendwann zwischen 2020 und 2030 eintreten muss -- überhaupt noch etwas von Windows übrig bleibt. Denn eines ist klar: Gäbe es mit Linux und Mac OS nicht zwei sehr starke Konkurrenten, dann hätte Microsoft seine Kunden schon bei Windows Vista zum Wechsel gezwungen. Bei der aktuellen Marktlage kann es sich aber diesen Schritt auch beim qualitativ besseren Windows 7 nicht leisten.



