IFA: AMD zeigt erste Fusion APUs
Kleiner Chip ganz groß

IFA: AMD zeigt erste Fusion APUs

10.09.2010 Hinter verschlossenen Türen bekamen wir am AMD-Stand der IFA eine Demo des lange erwarteten, im ersten Halbjahr 2011 kommenden neuen APU-Chip-Konzepts, welches CPU und Grafikchip auf einem Siliziumplättchen verheiratet.

"Zacate" hieß der nur mit einem kleinen passiven Kühler bestückte winzige Chip, der noch in einem klobigen Test-Board steckte, von dem wir leider keine Bilder machen durften. In den "APU" (Accelerated Processing Unit) genannten Chip integriert AMD zwei Bobcat-x86-Kerne und eine ATI GPU der neuesten Generation (DirectX 11/OpenCL/OpenGL 4.0). Bobcat ist noch nicht die völlig neue Generation der AMD-Kerne, welche jeweils zwei Kerne zu einem "Module" verheiratet, diese kommt erst mit Bulldozer in der zweiten Jahreshälfte 2011. Bobcat wurde als günstiger und sehr stromsparender Atom-Konkurrent für den Entry-Desktop-, Mobil- und Netbookmarkt konzipiert, die Kern-Architektur basiert jedoch noch auf der aktuellen AMD-Generation.

Grafikleistung oder Stromsparen

AMD wird ihre neuen "Llano" genannten APUs in zwei Versionen herausbringen: Den gezeigten "Zacate" mit 18 Watt TDP für Ultrathin- und Mainstream-Notebooks sowie günstige Desktops und All-In-Ones sowie den "Ontario" mit 9 Watt TDP speziell für Netbooks, Nettops und sonstige Klein-PCs. Beide APUs sind Out-of-order-Dualcores, die Grafik in beiden Chips ist aus der DirectX 11/OpenCL/OpenGL 4.0-Generation und kann ATIs UVD-Videobeschleunigung in Version 3. Die Chips verfügen auch über einen integrierten Speichercontroller und sollen in 32 Nanometer gefertigt werden.

"Zacate" in Action

Wir konnten uns von der Grafikleistung des "Zacate" live überzeugen, als AMD Blizzards neuen Strategie-Hit Starcraft 2 flüssig darauf laufen ließ. Auch eine hardwarebeschleunigte HTML5-Demo mit Internet Explorer 9 zeigte AMD, diese lief statt mit 2 fps auf der CPU mit 50 fps auf der integrierten GPU. AMD zufolge fiel die Wahl deswegen auf den IE9, weil dieser angeblich als erster Browser hardwarebeschleunigtes HTML5 kann - obwohl man anmerken sollte, dass WebGL für Chrome, Firefox und Safari doch schon einige Monate länger verfügbar ist. Bei der ersten öffentlichen APU-Präsentation auf der Comdex zeigte AMD sogar das DirectX 11-Spiel Aliens vs Predator flüssig auf dem "Zacate" laufend -- das Spiel diente im Jahr zuvor bei der Vorstellung der Radeon HD 5x00-Generation noch als erste DirectX 11-Grafikdemo.

AMD selbst vermeidet den Terminus "Atom-Killer", denn die Chips spielen trotz recht ähnlichem Stromverbrauch laut AMD in zwei völlig verschiedenen Leistungsklassen -- ob die Chips allerdings auch so günstig sein werden wie Intels Atom sagt AMD jedoch nicht. Auch über weitere Details wie etwa die Taktrate oder die Leistungsfähigkeit des Netbook-"Ontario" gibt es noch keine Informationen, da der Stromverbrauch allerdings nur die Hälfte des "Zacate" beträgt und die Kerne laut Gerüchteküche identisch sind, muss der Takt hier stark reduziert sein.

AMD will Llano im vierten Quartal in Stückzahlen an OEMs ausliefern, schon im ersten Quartal 2011 sollen Produkte damit im Handel verfügbar sein, unter anderem auch Motherboards mit fest verlötetem Chip, ganz wie bei Intels Atom.

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"Zacate" Fusion APU im Größenvergleich (oben ein polnischer Zloty)

Der Die des Zacate ist noch in 40 Nanometer von TSMC gefertigt, imit einer Größe von nur 74 Quadratmillimetern ist er kleiner als der 45-Nanometer-Pinetrail-Atom D510, welcher ebenfalls 2 CPU-Kerne, GPU und Speichercontroller integriert (86 mm²) -- bei einer TDP von 13 Watt. Jeder Bobcat-Kern hat 512 KByte L2-Cache (wahrscheinlich oben im Die-Foto, die Kerne müssten die Blöcke links und rechts im unteren Drittel sein). im Zentrum des Dies liegt die DX11-/OGL 4.0-Grafikeinheit, die angeblich über 80 Shaderprozessoren verfügt -- doppelt soviele wie die aktuelle Radeon HD 42x0 Chipsatzgrafik. Der gesamte Chip besteht laut Gerüchteküche aus 380 Millionen Transistoren, das wären allerdings mehr als doppelt soviele wie in Intels D510-Atom (176 Mio). was angesichts der kleineren Die-Größe und der fast gleichen Strukturgröße zweifelhaft erscheint.

Intel schläft nicht

Obwohl Intel im Westmere-Core-i3/5 auch einen Grafikkern integriert, ist AMD einen Schritt weiter, denn bei Intel ist der Grafikkern noch auf einem separaten Die, beides ist in ein Chipgehäuse integriert. Das bedeutet zusätzliche Latenz und damit Leistungsverlust gegenüber AMDs voll integriertem Ansatz; GPU und CPU können sich nur mit deutlichen Verzögerungen die Ressourcen teilen. Nur Intels Pinetrail-Atom der 400/500er-Serie hat einen GMA 3150-Grafikkern direkt auf dem Die, der jedoch kaum schneller ist als der externe GMA-Kern zuvor. Doch auch Intel schläft nicht und will mit Sandy Bridge ebenfalls Anfang 2011 einen voll integrierten leistungsfähigen Chip bringen -- dieses mal angeblich endlich mit einer konkurrenzfähigen Grafik. Mooley Eden zufolge soll "Sandy Bridge" über viermal mehr Leistung haben als die aktuelle Core i3/5/7-Generation -- sollte sich das nur auf die Grafikleistung beziehen, so sollte das angesichts Intels traditionell äußerst schwachbrüstiger Grafik wohl problemlos machbar sein.

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