Was lange währt ward gut. Von Mai 2008 datiert die Spezifikation 3.0 von OpenMP, in GCC 4.4 findet sie für C, C++ und Fortran Anwendung. Auch experimentellen Support für den kommenden, überarbeiteten Standard C++09 wurde aufgenommen. Das Framework Graphite ist in den Code-Stamm der Compilersammlung gewandert, nachdem es bis dahin ein eigener Zweig war. Damit kann der Entwickler in allen unterstützten Programmiersprachen des GCC Loops automatisch optimieren. Es gibt auch die neue Option-fprofile-correction, die zur Korrektur von -fprofile-generate dient: Diese hatte bei mehrprozessigen Programmen manchmal falsche Zahlen erzeugt. Passend dazu kann der Programmierer mittels -fprofile-dir=PATH jetzt angeben, wo GCC die Profile hinlegen und von wo sie sie nutzen soll.
Als "Caveats", also Warnungen, geben die Entwickler den Anwendern einige Hinweise. Ab 4.4 findet die Funktion __builtin_stdarg_start() im GCC keine Verwendung mehr, Programmierer sollen nur noch __builtin_va_start() verwenden. Änderungen im Klein-klein der Warnungspolitik: Für die bereits veralteten Optionen -Wdeprecated und -pedantic des Präprozessors gibt das Compiler-Bündel ab sofort Warnungen aus, und die vormalige Fehlermeldungen des C++-Compilers nach Aufruf der Option -fpermissive sind nun standardmäßig zu Warnungen degradiert. Die neue Option -pedantic-errors befördert sie auf Wunsch wieder zu Fehlern.
Die Entwickler kündigen außerdem an, dass ab der nächsten Version die Unterstützung der GNU Compiler Collection für einige ältere Plattformen wegfallen soll - bis dahin sind sie als obsolet markiert. Wer den Support von GCC etwa für AIX 4.1 und 4.2 auf Power-PC-Systemen nicht missen möchte, sollte sich schleunigst als Maintainer beim GCC-Projekt melden, sonst fliegt der Code bei der nächsten Version raus.
Alle Änderungen und Verbesserungen einzelner Sprachen und Plattformen enthalten die Releasenotes. Wer mag, kann sich den Fortschritt der GCC 4.4 noch detaillierter anschauen, dennd ie Entwickler schicken regelmäßig Statusreports über die Liste. Zuletzt geschah das vor gut zwei Wochen, Mitte März und Ende Januar.
Verstärkung von Intel
Am 10. April meldete sich zudem auf der GCC-Mailingliste die Intel-Entwicklerin Melanie Blower, um mit der FSF die Formalitäten zu klären, damit sie und zwei Arbeitskollegen von Intel in Zukunft Code zum GCC, denn Binutils, Gdb und der Glibc beisteuern können. Da Intel mit dem ICC eine eigene Compiler Suite unterhält, kam dieser Schritt etwas überraschend.



