Im ersten Teil beschreiben die Autoren Beispielsszenarien, in denen die Kompatibilität von ODF- und OOXML-Dateien wichtig sein könnte. Im zweiten Teil analysieren sie beide Standards hinsichtlich der in den Szenarien auftretenden Anforderungen. Nach eigenem Bekunden wollen sie "die wesentlichen Konzepte der betrachteten Standards OOXML und ODF aufzeigen und Hinweise für Umfang und Güte, aber auch für die Grenzen einer gegenseitigen Abbildung geben" . Die Implementierungen der Standards jedoch sollen nicht verglichen werden.
Die Ergebnisse fallen eher nüchtern aus. Ob die Überführung von dem einen in den anderen Dokumententyp gelingt, hängt von der Komplexität und den Funktionen des Dokuments ab sowie vom Werkzeug, mit dem der Anwender konvertiert. Ein geschlossener Kreis, bei dem etwa ein ODF-Dokument nach OOXML und dann wieder zurückformatiert wird, klappte hingegen gar nicht. Die Probleme resultieren laut der Analye aus Mehrdeutigkeiten in den Standard-Texten sowie aus Erweiterungen der Dokumentenformate, auch wenn sie standardkonform sind. Das Gelingen hänge schließlich stark von dem verwendeten Instrument ab, auf die sich die Standards nicht erstrecken. Wichtig sei in Zukunft die Entwicklung von Validatoren. Alles in allem bleibt die grundsätzliche Kompatibilität zwischen ODF und OOXML weitgehend ungeklärt.
Das Papier nimmt am Ende auf die Open-Source-Aktivitäten Bezug und erkennt ihnen Kraft und Wirkung zu: "Im Umfeld der Interoperabilität von Dokumentenformaten existieren heute noch viele ungelöste Fragen" , schließen die Autoren das Papier. "Die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Standardisierungsgremien und interessierter Anwendergruppen im Open-Source-Umfeld versprechen jedoch die Beantwortung der lösbaren Fragen und größere Klarheit über die Beschränkungen durch allgemein nicht lösbare Fragestellungen und Widersprüche."
Das rund 90-seitige Dokument stellt Microsoft als PDF (3,7 MByte) ohne Registrierung zum Download zur Verfügung. Das Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus) ist Autor und Herausgeber des fast 90-seitigen Whitepapers, das Microsoft offensichtlich finanziert hat.



