Canonical ändert Contribution Agreement

Canonical ändert Contribution Agreement

Hürde gesenkt

Kristian Kißling
27.07.2011 Noch letzten Freitag trommelte Ubuntus Chef Shuttleworth lautstark für das alte Contribution Agreement, das Entwickler verpflichtet, bei bestimmten Projekten ihren Code an Canonical abzutreten. Nun lässt ein neues Agreement den Entwicklern mehr Freiheit.

Die ganze Sache ist recht komplex, wie so oft bei juristischen Fragen. Bisher sollten Entwickler, die Code für bestimmte Projekte von Canonical (etwa Unity, Ubuntu One, Upstart) lieferten, ein Contribution Agreement unterschreiben. Das ist auch in der Open-Source-Welt nichts Ungewöhnliches (auch wenn es manche Entwickler ablehnen) und wurde bereits von anderen Projekten (u.a. GNU und OpenOffice) so praktiziert.

Das Agreement von Ubuntu hatte es aber an einigen Stellen in sich, wie unter anderem Bruce Byfield berichtete. Es stellte den Code komplett unter die Kontrolle von Canonical - in der Gegenwart, aber auch in der Zukunft - was rechtlich eine angreifbare Formulierung ist. An anderer Stelle war die Rede davon, dass Canonical den Code neu lizenzieren darf. Das war vermutlich auf eine Doppellizenzierung gemünzt (eine Software kann zugleich zwei Lizenzen unterliegen), rief aber Ängste hervor, dass Canonical die Software irgendwann schlicht proprietär macht, ohne dass der Entwickler etwas dagegen tun kann. Nicht zuletzt klang eine andere Passage so, als könne Canonical im Nachhinein Forderungen an die Patch-Einsender stellen und diese zu irgendetwas verpflichten. Diese Punkte stießen selbst bei gutwilligen Entwicklern nicht gerade auf Gegenliebe und es gab einige Kritik. Bruce Byfield vermutete, man habe das Agreement wohl von Anwälten erstellen lassen, die schlicht keine Ahnung von FLOSS (Free and Libre Open Source Software) hätten.

Mark Shuttleworth verteidigte es jedoch bis letzten Freitag und hält es noch immer für die beste Lösung. Nach seiner Ansicht sorgt das Agreement dafür, dass Canonical den Code pflegen und anpassen darf, wenn sich der Original-Entwickler schon längst nicht mehr darum kümmert. Es solle im Fall von Rechtsstreit klar machen, wem der Code tatsächlich gehört. Egal wie sehr sich Mark ins Zeug legte: In der FLOSS-Community bot das Agreement regelmäßig Anlass für Zweifel an der Aufrichtigkeit von Canonical und schreckte Entwickler von Code-Beiträgen ab.

Auf dem UDS in Budapest im Mai sprach auch Ubuntu User das Thema gegenüber Allison Randall an. Sie zeigte sich recht unglücklich über die Situation und berichtete, dass man das Agreement im Rahmen des Harmony-Projekts überarbeiten wolle. Dieses Projekt, dem verschiedene Vertreter der FLOSS-Community angehören, hat es sich zum Ziel gesetzt, ein allgemeines Contributor Agreement für freie und quelloffene Software zu entwerfen - unter anderem mit Hilfe des Software Freedom Law Centers, dem der Rechtsprofessor Eben Moglen vorsteht, der schon die GPLv3 entwickelte. Vor kurzem erschien nun mit Harmony 1.0 ein erstes Ergebnis dieser Arbeit.

Der neue Vertrag ist nun dem Harmony Contributor License Agreement (CLA) verpflichtet. Der Code-Spender behält nun sein Copyright, räumt Canonical aber das Recht ein, die Software zu verteilen und die Lizenz bei Bedarf zu ändern. Wer das ältere Canonical Contribution Agreement 2.5 unterschrieben hat, kann dieses auch weiterhin verwenden oder zum neuen Agreement wechseln. Neuer Code wird dann fortan unter dem neuen CLA veröffentlicht. Von außen betrachtet schafft das neue Agreement also offenbar nicht nur mehr Rechtssicherheit für Entwickler, die über die Lizenz bestimmen. Es nimmt auch Kritikern den Wind aus den Segeln, die hinter dem alten Agreement einen Verrat von Canonical am Open-Source-Gedanken sahen. Ob es nun dazu führt, dass diese Entwickler in Massen neuen Code zu einem der betroffenen Projekte beitragen, steht auf einem anderen Blatt.

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