Aus sicher wird noch sicherer – Live-CDs komfortabler nutzen, auch mit WLAN

Aus sicher wird noch sicherer – Live-CDs komfortabler nutzen, auch mit WLAN

Oft wird empfohlen, zum sicheren Surfen Live-CDs zu verwenden. Das soll vor allem vor Online-Durchsuchungen schützen. Eventuelle, bei Linux eher seltene Schadprogramme verschwinden beim Ausschalten des Rechners automatisch. So sicher ist das beste Antivirenprogramm nicht. Leider musste ich feststellen, dass die Arbeitsgeschwindigkeit häufig zu niedrig ist, weil etwas von der CD geladen werden muss. Ursprünglich habe ich, um die Bildschirmauflösung zu ändern, die Bootoptionen aufgerufen. Dabei entdeckte ich auch die Bootoption “toram”, die es bei genügend Arbeitsspeicher erlaubt, den Inhalt der CD in den RAM zu kopieren und das System aus diesem laufen zu lassen. Die Festplatte bleibt unberührt. Man kann sie und externe Datenträger jedoch problemlos einbinden. Das Internet funktioniert in der Regel problemlos über die Netzwerkkarte, wenn ein DHCP-Server, z.B. die Fritzbox vorhanden ist. Sonst müssen evtl. die IP-Adressen und -Adressräume aufeinander abgestimmt werden.

Ein kleiner Trick für WLAN: Auch WLAN lässt sich über die Netzwerkkarte nutzen. Ich verwende dazu einen Accesspoint (Netgear WG602v3, bei Reichelt-Electronic für ca. 50€ erhältlich). Diese Methode hat den Vorteil, dass man WLAN unabhängig vom Betriebssystem nutzen kann. Das erspart einem nicht nur bei Live-CDs, sondern auch bei fest installierten Systemen viel Arbeit und auch Ärger, wenn Treiber für USB-WLAN-Sticks oder WLAN-Karten fehlen. Um eine Accesspoint als WLAN-Zugang zu nutzen, muss man ihn in den Client-Modus umschalten. Hat man den Accesspoint einmal konfiguriert, so muss man nicht jedes neue Betriebssystem aufwändig für WLAN konfigurieren.

Drei Live-Systeme habe ich getestet, unten sind die passenden Links zu den Websites zu finden.

1.) Damn Small Linux ist mit weniger als 50MB ein sehr kleines Live-System, das jedoch Firefox als Webbrowser mitbringt, PDF-Dateien lesen kann, mit XMMS Musik-Dateien wiedergeben kann und mit Ted auch eine kleine Textverarbeitung an Bord hat, die mit rtf-Dateien umgehen kann. Damn Small Linux basiert auf Knoppix (siehe Punkt 3), wurde jedoch auf das nötigste reduziert. Um es in den Arbeitsspeicher zu laden, muss dieser mindestens 128MB groß sein.

2.) Puppy Linux ist weniger als 100MB groß. Es hat Browser, Chat-Programm, Abiword als Textverarbeitung, Gnumeric als Tabellenkalkulation sowie viele weitere praktische Programme (Multimedia, Zeichnungen, usw.) an Bord. Die Icons auf dem Desktop sind mit der englischen Bezeichnung für die auszuführende Tätigkeit beschrieben, z.B. write für Textverarbeitung, browse für Internetbrowser.
Puppy Linux benötigt mindestens 128MB RAM, um es in den Arbeitsspeicher zu laden, 256MB sind aber entschieden besser.

3.) Knoppix ist fast 700MB groß, passt also genau auf eine CD. Durch eine hohe Komprimierung konnte erreicht werden, dass fast 2GB Software verfügbar sind. Damit ist Knoppix praktisch ein Allrounder unter den Live-Systemen. Es bietet für die meisten Zwecke eine passende Anwendung. So ist z.B. OpenOffice.org komplett auf der CD enthalten. Auch Firefox ist enthalten, nur heißt er, wie auch bei Debian, auf dem Knoppix basiert, aus rechtlichen Gründen Iceweasel. Knoppix bringt den KDE-Desktop mit. Von Knoppix existiert auch eine DVD-Version, die etwa 10GB Software mitbringt. Um die CD-Version von Knoppix in den Arbeitsspeicher zu laden, muss dieser mindestens 1GB groß sein.

Und so geht’s:
1.) Zunächst sucht man sich ein zum Arbeitsspeicher passendes Livesystem aus, z.B. eines der bereits vorgestellten. Man lädt die passende Isodatei herunter und brennt sie, z.B. mit k3b.

2.) Nun bootet man den Rechner von der CD. Sollte der Rechner dies nicht tun, so muss die Bootreihenfolge im BIOS geändert werden. Die BIOS-Optionen sind meist mit F2 oder Entf/Del zu erreichen.

3.) Bootet der Rechner von der CD, so ist nun der Bootbildschirm des Live-Systems zu sehen. Die Bootoptionen erreicht man in der Regel mit F2 und F3. Hier sucht man sich die Option “toram”.Bsp.: Bei Damn Small Linux muss, um das System in den Arbeitsspeicher zu laden, “dsl toram” eingegeben werden.
Außerdem können dem System weitere Informationen gegeben werden, z.B. die Bildschirmauflösung oder das deutsche Tastaturlayout. Dieses ist mit “lang=de” zu erreichen. Bei Knoppix ist es Voreinstellung. Nach Eingabe der Bootoptionen und einem Druck auf Enter kopiert sich das System in den Arbeitsspeicher und bootet anschließend. Mehrere Bootoptionen werden zusammen in einer Zeile eingegeben.
Beispiel für Damn Small Linux: dsl toram lang=de
Damit Teilt man dem System mit, dass es in den Arbeitsspeicher kopiert werden soll und das deutsche Tastaturlayout verwendet wird.
Vorhandene Swap-Partitonen werden beim Booten automatisch eingebunden.

4.) Ist das System gestartet, kann man es nach belieben testen. Internet über die Netzwerkkarte funktioniert in der Regel auf Anhieb, wenn nicht, liegt das meist an nicht übereinstimmenden IP-Adressräumen. Wird DHCP verwendet, tritt dieses Problem nicht auf, sonst muss man die IP-Adresse des Rechners an die des Routers anpassen. Die Fritzbox hat in ihrer Werkseinstellung in der Regel die IP-Adresse 192.168.178.1, man kann hier dem Rechner eine passende freie (!) IP-Adresse geben, z.B. 192.168.178.2
Hier sollte man jedoch unbedingt das Handbuch des Routers beachten und überprüfen, welche IP-Adressen vergeben und welche frei sind.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Viele Live-Systeme bieten Optionen zur Installation auf einem USB-Stick. So auch bei Damn Small Linux und Puppy Linux. Ein alter, sonst oft als nutzlos angesehener, 256MB Stick bietet hier auch noch Platz für eigene Daten. Jedoch sollte beachtet werden, dass Schadprogramme auf dem Stick gespeichert werden können. Aber auch Live-Systeme auf USB-Sticks bieten die Option “toram”, da sie fast der Live-CD gleichen. Den Unterschied macht hauptsächlich der Bootmanager.

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Christian Dersch
18 Jahre her

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