Über das Wochenende publizierte die wegen dubioser Machenschaften 2008 vom deutschen Spendenrat ausgeschlossene Deutsche Kinderhilfe medienwirksam - während ihre eigene Webseite gehackt wurde - die Ergebnisse einer von ihr beim Umfrageinstitut dimap in Auftrag gegebenen Umfrage. Laut Kinderhilfe sind 92 Prozent aller Deutschen für die von Familienministerin von der Leyen geforderten Internet-Zensur. Kinderhilfe-Chef Georg Ehrmann folgerte daraus gegenüber der Welt Online, dass es sich bei den inzwischen über 88.000 Unterzeichnern der Petition gegen Internetzensur um "Internetliebhaber, Blogger, im Grunde also um eine Minderheit handelt".
Wie die Zeit nun berichtet, hat der Verband der Missbrauchsopfer MOGIS nun selbst für ein paar hundert Euro eine Umfrage bei dimap in Auftrag gegeben, die sich mit demselben Thema beschäftigt, nur mit leicht anders formulierten Fragen. Das Ergebnis unterscheidet sich in der entscheidenden Frage grundlegend von dem der Kinderhilfe-Umfrage.
Die Kinderhilfe bekam einen Zustimmungswert von 92 Prozent auf die folgende Frage:
"Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornographischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornographischer Seiten im Internet oder dagegen?"
Die entsprechende These von MOGIS lautete:
"Der Zugang zu Internetseiten mit Kinderpornographie sollte durch eine Sperre erschwert werden, das reicht aus, auch wenn die Seiten selbst dann noch vorhanden und für jedermann erreichbar sind."
welcher lediglich fünf Prozent der Befragten zustimmten (90% Ablehnung).
Dies zeigt, dass die Ergebnisse einer Umfrage ausschließlich von der Fragestellung abhängen. Während die Fragen der Kinderhilfe völlig unerwähnt ließen, dass eine Strafverfolgung in Sachen Kinderpornographie mit der bestehenden Gesetzgebung schon längst möglich ist und auch ständig praktiziert wird (was auch die von der Familienministerin und anderen CDU-Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Wolfgang Schäuble oft gehörte Behauptung, dass das Internet "kein rechtsfreier Raum" sein dürfe widerlegt) legte MOGIS in ihren Fragen den Fokus auf die Unwirksamkeit von Verschleierungstechniken, welche die eigentlichen Server nicht vom Netz nehmen und so keine wirkliche Bekämpfung von Kinderpornographie darstellten.


