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© Artem Rudik, 123RF

Garmin-Tracker mit GPS-Daten unter Linux nutzen

Unterwegs auf neuen Pfaden

Schöne Touren, spannendes Geocaching oder Tagging der Fotosammlung – mit einem Tracker, einem Linux-System und der passenden Software sind Sie für jedes Unterfangen gut gerüstet.

Das Klischee sagt ja, dass Menschen, die gern und viel am Computer arbeiten, generell unsportlich sind und ungern an die frische Luft gehen. Das Vorurteil enthält ja möglicherweise ein Fünkchen Wahrheit. Passen Sie aber auf die eine oder andere Weise nicht in dieses Klischee, und würden Sie außerdem gerne Ihre Outdoor-Aktivitäten unter Linux planen und dokumentieren, dann steht diesem Projekt erfreulich wenig im Weg.

Je mehr Zeit nach einer schönen Radtour oder einer längeren Wanderung vergeht, umso mehr verblasst die Erinnerung daran. An welchen Orten sind Sie vorbeigekommen? Und entstand eigentlich ein bestimmtes Foto? Wer die Ereignisse exakt dokumentieren möchte, um Beiträge bei Tumblr, Facebook oder dem eigenen Blog zu veröffentlichen, der benötigt die exakten Koordinaten der Tour.

Handys und viele Kameras haben zwar einen GPS-Empfänger eingebaut und versehen so Aufnahmen mit der exakten geografischen Lage. Trotzdem eignen sich die einzelnen Bilder nicht zwangsläufig dazu, den exakten Verlauf eines Ausflugs zu rekonstruieren. Smartphones stoßen sofort an ihre Grenzen, wenn es darum geht, sich für längere Zeit im freien Gelände zu orientieren. GPS-Tracker leisten bei schwierigen Gelände- und Wetterverhältnissen weitaus besser Dienste – und verbrauchen viel weniger Strom.

Je nach Anspruch und gewünschter Ausstattung erhalten Sie solche mobilen Geräte zu Preisen zwischen 150 und 450 Euro. Sie vereinen oft eine Reihe von Funktionen in einem Gehäuse: So dienen sie als Kompass, zeichnen den zurückgelegten Weg auf, arbeiten als Navigationsgerät und zeigen die aktuelle Position auf der Karte. Die damit aufgezeichneten Daten liefern alle Informationen, um selbst größere Wanderungen lückenlos zu dokumentieren. Der Einsatz unter Linux gestaltet sich aber, vor allem in Bezug auf das Aktualisieren der Firmware, nicht immer einfach (siehe Kasten "Update").

Update

Linux-Anwender sind es gewohnt, dass Hersteller die Anwender von Windows und Mac OS X beim Design der Geräte im Blick haben. Der Hersteller Garmin macht da keine Ausnahme: Er bietet für seine Geräte ebenfalls keine Software für Linux an, die es erlaubt, die Firmware zu aktualisieren. An sich gestaltet sich der Vorgang jedoch einfach, aber Vorsicht: Der Einsatz der hier gezeigten Befehle erfolgt auf eigene Gefahr.

Sie laden die aktuelle Firmware passend für das Gerät herunter. Kontrollieren Sie danach unbedingt den Ladestand der Akkus. Wie bei anderen Geräten treten Probleme auf, wenn während des Aktualisierens der Strom ausfällt. Die heruntergeladene Datei speichern Sie als GUPDATE.GCD auf dem PC und schieben sie danach in den Ordner Garmin auf dem Gerät. Aktuelle Dateien finden Sie in einer inoffiziellen Quelle im Netz [8].

Hobby Geocaching

Robust müssen GPS-Geräte und Tracker darüber hinaus sein, wenn Sie dem Hobby des Geocachings frönen. Das Spiel funktioniert wie eine Schnitzeljagd mit Schatzsuche. Im Internet finden Sie die geografischen Koordinaten der Verstecke; Teilnehmer machen sich dann bewaffnet mit GPS-Geräten auf die Suche danach. Auf dem Weg zum Ziel geht es oft genug querfeldein oder durch unwegsames Gelände, bis der Zielpunkt gefunden ist.

Am Ziel verbergen sich oft kleine, wasserdichte Behälter, in denen ein Gegenstand liegt, den Sie je nach Geocache und Spielweise entnehmen und durch einen anderen ersetzen dürfen. Mit quelloffenem Kartenmaterial, einem GPS-Tracker und Ihrem Linux-Computer besitzen Sie alles, um in dieses faszinierende Hobby einzusteigen.

Einige Geräte von Garmin [1] besitzen bereits eine interne Liste von Geocaches, der Hersteller bietet online ein entsprechendes Portal an [2]. Weitere Caches finden Sie auf den Seiten der Caching-Community [3].

Tracks auslesen

GPS-Tracker, wie die Modelle der eTrex-Serie von Garmin, bestimmen in regelmäßigen Abständen die aktuelle geografische Position und speichern sie in Form eines Tracks ab (siehe Kasten "Track, Wegpunkt, Route"). Der Hersteller Garmin verwendet zum Aufzeichnen das Format GPS Exchange (GPX). Diesen quelloffenen Standard, der auf einem XML-Format basiert, darf jedermann kostenlos einsetzen, was zu seiner Beliebtheit beiträgt.

Track, Wegpunkt, Route

Die in diesem Artikel genannten Programme und GPS-Geräte nutzen eine ganze Reihe von Fachausdrücken.

  • Tracks: Sobald Sie sich mit eingeschaltetem GPS-Tracker bewegen, zeichnet das Gerät regelmäßig die Position auf. Die einzelnen Koordinaten verbindet es in Form einer Spur miteinander, dem Track.
  • Route: Eine Route aggregiert verschiedene Wegpunkte zu einem Verlauf; die Route ist nicht notwendigerweise identisch mit einem Track. Während das automatisierte Aufzeichnen der Koordinaten im Track den tatsächlichen Verlauf im Gelände beschreibt, weicht die Route davon unter Umständen ab.
  • Wegpunkt: Speichern Sie bewusst die aktuelle Position auf dem Tracker ab, legen Sie damit einen Wegpunkt an. Dabei kann es sich etwa um ein Gebäude oder eine Sehenswürdigkeit handeln, die Sie später beschreiben oder an die Sie sich erinnern wollen. Es darf aber auch ein Punkt sein, an dem die Teilnehmer einer Schnitzeljagd weitere Hinweise finden. Die verbundenen Wegpunkte bilden eine Route. Routen und Wegpunkte bereiten Sie auf Ihrem PC vor.

Bei dem Programm QLandkarte [4] handelt es sich um eine leistungsfähige Anwendung, die sich nicht nur dazu eignet, unter Linux GPX-Daten anzusehen: Sie planen damit bei Bedarf auch Routen. Die Entwickler arbeiten derzeit an einem Nachfolger mit dem Namen Qmapshack. Dessen frühe Version hat indes den Nachteil, dass Sie sie aus dem Quellcode bauen müssen.

QLandkarte dagegen findet sich bei nahezu allen Distribution in den Paketquellen; unter Ubuntu installieren Sie die Software direkt aus dem Software-Center. Eine Alternative offeriert GPSPrune [5], das ebenfalls aus Trackern ausgelesene Daten auf OSM-Karten darstellt.

Um die Daten des Trackers auszulesen, verbinden Sie das Gerät mit einem Computer. Alle aktuellen Modelle des Herstellers Garmin (Oregon, eTrex, …) melden sich als Massenspeicher unter Linux an. Die gespeicherten Tracks liegen im Order Current, den Sie im Verzeichnis GPX finden. Diese Datei kopieren Sie einfach auf den Rechner (Abbildung 1).

Abbildung 1: In diesem Ordner finden Sie die aktuell gespeicherten Tracks auf dem Garmin-Gerät.

Über Datei | Geodaten laden öffnen Sie die Datei dann in QLandkarte. Über die Register auf der linken Seite taucht die Aufzeichnung danach im Abschnitt mit dem Karteischrank auf. Auf der rechten Seite sehen Sie daraufhin einen Ausschnitt aus der Karte, dessen Daten aus OpenStreetMap (OSM) stammen.

Den gezeigten Ausschnitt bewegen Sie mit der Maus, über das Mausrad verändern Sie den Maßstab nach Belieben. Klicken Sie mit der Maus auf einen Wegpunkt oder einen aufgezeichneten Punkt in einem Track, rufen Sie damit die Details zum Eintrag ab. Dazu gehören beispielsweise das Datum der Aufzeichnung und die Höhenangabe des Punktes.

Auf der Karte öffnen Sie mit einem Rechtsklick das Kontextmenü und legen so unter anderem einen Wegpunkt an. Die bearbeiteten Karten exportieren Sie anschließend wieder als GPX-Datei oder speichern die Ansicht als Bild, etwa für ein Blog (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nachdem Sie die GPX-Datei in QLandkarte eingelesen haben, sehen Sie den Track auf der Karte. Dann haben Sie die Möglichkeit, diesen weiter zu bearbeiten.

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