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WLAN-Router Linksys WRT1900AC mit OpenWrt

Gelinkt

Linksys bewirbt den WLAN-Router WRT1900AC damit, dass er sich mit einer Open-Source-Firmware und OpenWrt betreiben lässt. Wir testen den Nachfolger des beliebten WRT54G auf Herz und Nieren.

In Zeiten, in denen die Internetanbieter meist eine "Homebox", "Easybox" oder gleich eine Fritzbox zum Anschluss liefern, machen sich nur wenige Anwender Gedanken um das kleine Kistchen hinter dem Schrank, das tagein, tagaus die Verbindung ins Netz hält und das heimische WLAN aufspannt. Ein Blick abseits der ausgetretenen Pfade lohnt sich allerdings: Open-Source-Verfechter und Linux-Anwender profitieren vom richtigen Router.

Mit dem Linksys WRT1900AC [1] möchte Belkin, das die Marke Ende 2012 von Cisco übernahm, wieder an erfolgreiche Produkte wie den Linksys WRT54G anknüpfen. Den neuen Router zeichnen nicht nur beeindruckende technische Daten aus, sondern auch Funktionen wie eine leistungsstarke Dual-Core-CPU mit 1,2 GHz Taktgeschwindigkeit, 256 MByte Arbeitsspeicher sowie USB-3.0- und eSATA-Schnittstellen. Zudem ruht der offizielle Segen des Herstellers auf dem Vorhaben, das Gerät mit dem Open-Source-System OpenWrt [2] zu betreiben.

Auf dem WRT1900AC werkelt allerdings von Haus aus ein proprietäres System des Herstellers, das ähnlich wie FritzOS von AVM darauf ausgelegt ist, dem Benutzer möglichst viel Arbeit durch den Einsatz von Assistenten abzunehmen. Mit diesem System beschäftigen wir uns hier nicht – schließlich interessiert uns der Open-Source-Part des Routers.

Technische Daten: Linksys WRT1900AC

CPU Marvell MV78230-B0 (2 x 1,2 GHz)
RAM 256 MByte
Speicher 128 MByte
WLAN-Chipsatz Marvell 88W8864
WLAN-Standards 802.11a/b/g/n/ac
Schnittstellen 4+1 GBit-Ethernet, USB 3.0, USB 2.0/eSATA
Straßenpreis (ca.) 260 Euro

OpenWrt

Das Router-OS OpenWrt basiert direkt auf dem Linux-Kernel, wobei das Grundsystem dabei lediglich seine Aufgabe als Verbindungsglied zwischen zwei Netzen erfüllt. Die integrierte Paketverwaltung Opkg [3] eröffnet jedoch die Möglichkeit zur Installation von knapp 4000 weiteren Softwarepaketen. Auf diesem Weg rüsten Sie einen OpenWrt-Router mit typischen Diensten für Consumergeräte auf, wie File- und VPN-Server, oder machen ihn mittels Apache und MySQL zu einem vollwertigen Webserver.

Auch VoIP- und Audio-Server oder die freie Dropbox-Alternative Owncloud lassen sich auf OpenWrt-Geräten per Mausklick installieren. Dabei setzen lediglich die Hardware und der begrenzte freie interne Speicher des Routers Grenzen. Besonders in Anbetracht der immer wieder auftauchenden Berichte zu Hintertüren in Consumer-Routern [4] befriedigt der Einsatz eines Open-Source-Systems auf Basis eines aktuellen Linux den Wunsch nach Datensicherheit und Privatsphäre.

Linksys bewirbt den WRT1900AC auf seiner Homepage mit markigen Worten explizit für Open-Source-Enthusiasten. Der Werbeaussage steht jedoch ein Eintrag in der Knowledge-Base des Unternehmens gegenüber [5]: Tatsächlich gibt Linksys beim Einsatz von OpenWrt keinen Support, und auch Garantieansprüche drohen beim Flashen der Linux-Firmware verloren zu gehen. Nichtsdestotrotz sollte man von einem explizit als Open-Source-Router angepriesenen Gerät ein herausragendes Open-Source-Erlebnis erwarten dürfen.

Installation von OpenWrt

Den Installationsassistenten des vorinstallierten proprietären Systems ignorieren wir bis zu jener Stelle, an der er ein Passwort für das Administrationsfrontend verlangt. In der Dokumentation finden wir die individuell generierte SSID-Kennung des WLANs und auch ein zufällig erzeugtes WPA-Passwort, das vorgegebene Zugangspasswort für das Frontend (admin) steht jedoch, nur mit einer Lupe zu erkennen, auf der Rückseite der Kurzanleitung. Hier soll der Käufer eigentlich die von ihm vergebenen Daten und Passwörter notieren.

In der Verwaltungsoberfläche (Abbildung 1) versteckt sich unter dem Zahnrad-Icon das Menü Konnektivität | Firmware-Aktualisierung | Manuell zum Aktualisieren oder Ändern der Firmware. An dieser Stelle legt uns Linksys keine Steine in den Weg: Der Bootloader des Routers steht offen, sodass ein Firmware-Image zum Flashen genügt. Das findet sich jedoch nicht auf der Linksys-Website, sondern in GitHub [6].

Abbildung 1: Das Webfrontend der Original-Firmware benutzen wir nur zum Flashen von OpenWrt.

Dort finden sich zwei Entwicklungszweige: Im Ordner Attitude-Adjustment liegt als openwrt-armadaxp--jffs2-128k.img ein Image der aktuell offiziellen OpenWrt-Ausgabe 12.09. Das Image openwrt-mvebu-mamba-jffs2-128k.img unter Barrier-Breaker erlaubt schon einen Ausblick auf die nächste Generation des Router-Systems. Im Laufe unseres Tests gaben wir beiden Versionen eine Chance auf unserem Testgerät – Unterschiede in Bezug auf die Unterstützung des WRT1900AC fielen uns dabei nicht auf.

Zum Flashen wählen Sie die IMG-Datei aus und geben dann dem Router ein paar Minuten Zeit, das System einzuspielen. Aktualisieren Sie die Firmware zur Sicherheit über eine drahtgebundene Datenleitung. Nach dem Flashen mit der OpenWrt-Software lauscht der Linksys-Router in der Grundeinstellung nicht mehr unter der IP-Adresse 192.168.1.1, sondern ein wenig ungewohnt unter 192.168.200.1.

Am Administrationsfrontend (Abbildung 2) melden Sie sich anfangs mit einem beliebigen Passwort an. Danach leitet eine Warnmeldung Sie an, das Root-Passwort zu ändern. Anschließend richten Sie im Reiter Network die von Ihnen genutzte Internetanbindung ein. Unser OpenWrt-Linksys musste sich mit einem Kabelmodem am WAN-Port und klassischem DSL via PPPoE beweisen. Beide Verbindungsarten ließen sich ohne große Probleme einrichten.

Abbildung 2: Das freie Router-OS OpenWrt bietet zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten.

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