DVB-T/C-Netzwerk-Tuner unter Linux

TV im Fluss

Wer die stationäre Flimmerkiste loswerden will, aber deswegen nicht gleich am PC mit einem USB-TV-Stick herumfummeln möchte, der greift zu einem netzwerkfähigen TV-Tuner. Wir testen drei Kandidaten für DVB-T und DVB-C.

Nein, nicht immer muss es die flache Flimmerkiste mit ein bis zwei Metern Bildschirmdiagonale im Wohnzimmer sein: Warum für die passive Berieselung mit bewegten Bildern nicht das Notebook nutzen? Falls Sie an diesem Setup der USB-Tuner-Stick stört – der muss gar nicht sein. Seit Jahren schon gibt es TV-Empfänger, die das Fernsehbild über das Netzwerk streamen.

Einer der ersten in Sachen Netzwerk-TV war der vorrangig auf Apple-Zubehör spezialisierte Hersteller Elgato. Das Unternehmen führt momentan zwei Home-Produkte im Portfolio, den Netstream DTT für den terrestrischen DVB-T-Empfang und das Pendant für den digitalen Satellitenempfang, den Netstream Sat. Nicht ganz so lang ist der amerikanische Hersteller Silicondust auf dem Markt. Er offeriert mehrere Geräte für verschiedene Märkte und wirbt – anders als Elgato – ganz offen mit Linux-Unterstützung. Grund genug, uns die Lösungen beider Hersteller einmal näher anzusehen.

Sat-IP

Für das Verteilen von TV-Signalen über das heimische Netzwerk dient das vor nicht allzu langer Zeit entwickelte Protokoll Satellite over IP, kurz: Sat-IP [1]. Als Empfänger stehen sowohl Programme für PCs als auch solche für Mobilgeräte zur Auswahl. Da Sat-IP unter anderem auf UPnP aufbaut, sollten auch UPnP-fähige Geräte wie Fernseher die Signale empfangen und wiedergeben können.

Derzeit erscheinen mehr und mehr Sat-IP-fähige Geräte auf dem Markt. Dazu zählen einerseits Sat-IP-fähige Receiver zum Anschluss an den Satelliten-Empfänger (LNB) oder auch LNBs, die die Signale direkt in IP umsetzen. Andererseits wurden auch bereits Empfänger vorgestellt, die DVB-C oder DVB-T in Sat-IP umsetzen können. So kündigte etwa der Router-Spezialist AVM auf der IFA 2013 in Berlin ein SAT-IP-fähiges DVB-C-Gerät mit Doppel-Tuner für 2014 an.

Drei Kandidaten

Zum Test stehen uns drei Geräte zur Verfügung (Abbildung 1): Der Elgato Netstream DTT (DVB-T) und der Silicondust HDHomerun HDHR3-EU (DVB-T und DVB-C) besitzen jeweils einen Doppeltuner, können also parallel zwei Programme anzeigen beziehungsweise aufzeichnen. Dabei wechselt der HDHR3-EU flexibel zwischen beiden DVB-Arten. Das dritte Testgerät, der brandneue Silicondust HDHomerun HDHR3-4DC, empfängt ausschließlich digitales Kabelfernsehen, dafür aber mit gleich vier separaten Tunern. Die beiden Doppeltuner-Geräte bringen jeweils einen Fast-Ethernet-Anschluss mit, das Topmodell mit vier Tunern schickt seine Datenpakete per Gigabit-Ethernet ins Netz.

Preislich liegen die drei TV-Empfänger auf unterschiedlichem Niveau. Das Elgato-Gerät kostet je nach Händler um die 200 Euro. Ein wenig günstiger fällt mit rund 175 Euro der 4DC von Silicondust aus. Das günstigstes Gerät ist der HDHR3-EU mit 95 Euro, der allerdings zu Redaktionsschluss vorübergehend nicht mehr lieferbar war. Bei den beiden HDHomerun-Geräten kommen zum Kaufpreis noch mindestens 19 Euro Versandkosten aus den Niederlanden hinzu: Im regulären Handel gibt es die HDHomerun-Geräte im Gegensatz zum Elgato (bisher) nicht.

Die Voraussetzungen für den Betrieb der Tuner zusammen mit Linux-Systemen fallen recht unterschiedlich aus. Während das Elgato-Gerät keine besonders hohen Anforderungen an die Software stellt, erfordern die Silicondust-Tuner ein wenig Vorarbeit. Hardwareseitig sollten Anwender in allen Szenarien einen Rechner mit mindestens einem Intel-Core-Duo-Prozessor und 1 GByte Arbeitsspeicher vorweisen können. Selbst da kommen beim Dekodieren höher aufgelöster Programme wie ARD HD oder Arte HD die Clients gelegentlich ins Schwitzen.

Keines der drei Produkte weist einen Einschub für die Entschlüsselungskarten der Kabelnetzbetreiber auf. Mit einigem Aufwand in Sachen Soft- und Hardware lassen sich aber dennoch verschlüsselte Programme empfangen und anzeigen. Wir werden in diesem Artikel darauf aber nicht weiter eingehen und verweisen auf einschlägige Foren im Internet.

VLC packt alle

Der einfachste Weg, Fernsehbilder mithilfe der Geräte beider Hersteller auf den Rechner zu bekommen, führt über den Universal-Medien-Spieler VLC. Jeder der drei Tuner erfordert dabei aber eine andere Vorgehensweise.

Beginnen wir mit dem Netstream DTT von Elgato. Haben Sie das Gerät ausgepackt und ins LAN eingebunden, steht für den initialen Sendersuchlauf ein unvermeidlicher kurzer Umweg über einen Windows-PC oder einen Apple Mac an. Haben Sie diese Hürde gemeistert, rufen Sie im Webbrowser über die IP-Adresse des Geräts dessen Weboberfläche auf und wählen dort den Abschnitt Sender (Abbildung 2). Hier erscheinen die bei Ihnen per DVB-T zu empfangenden Sender in einer Liste.

Abbildung 2: Unscheinbar: Die Schaltfläche für den Download der Kanalliste ist gut versteckt.

Unterhalb dieser Liste sitzt die Schaltfläche m3u-Datei laden. Mit einem Klick darauf laden Sie die Sendertabelle im Playlisten-Format M3U herunter, speichern diese an einem Ort ihrer Wahl, und öffnen sie mit VLC. Im Playlist-Fenster erscheinen nun die empfangbaren Kanäle und lassen sich per Doppelklick aufrufen.

Diese Art der Einbindung unter Linux ist die einfachste – und für mäßig erfahrene Anwender unseren Recherchen nach auch die einzige. Im Skripting können sich erfahrene Anwender alternativ am anspruchsvollen Aufbau von Dr. Heinz Breinlinger versuchen. Auf seiner Website beschreibt er ein Setup mit drei Elgato-Tunern, das er per Webbrowser und Smartphone fernbedient [2].

Der Empfang des Netstream DTT lässt in Kombination mit der mitgelieferten Stabantenne zu wünschen übrig. In Gegenden mit gutem DVB-T-Empfang arbeitet er zwar wie erwartet, doch sobald die Empfangsstärke absinkt, kann er nicht mit anderen Geräten mithalten. In unserem Testumfeld verhalf erst eine neue Antenne dem Netstream wieder zu voller Funktion. Ein ebenso preiswertes wie empfangsstarkes Modell bauen Sie mit etwas handwerklichem Geschick selbst [3].

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