DVB-T/C-Netzwerk-Tuner unter Linux

Aus LinuxUser 02/2014

DVB-T/C-Netzwerk-Tuner unter Linux

TV im Fluss

Wer die stationäre Flimmerkiste loswerden will, aber deswegen nicht gleich am PC mit einem USB-TV-Stick herumfummeln möchte, der greift zu einem netzwerkfähigen TV-Tuner. Wir testen drei Kandidaten für DVB-T und DVB-C.

Nein, nicht immer muss es die flache Flimmerkiste mit ein bis zwei Metern Bildschirmdiagonale im Wohnzimmer sein: Warum für die passive Berieselung mit bewegten Bildern nicht das Notebook nutzen? Falls Sie an diesem Setup der USB-Tuner-Stick stört – der muss gar nicht sein. Seit Jahren schon gibt es TV-Empfänger, die das Fernsehbild über das Netzwerk streamen.

Einer der ersten in Sachen Netzwerk-TV war der vorrangig auf Apple-Zubehör spezialisierte Hersteller Elgato. Das Unternehmen führt momentan zwei Home-Produkte im Portfolio, den Netstream DTT für den terrestrischen DVB-T-Empfang und das Pendant für den digitalen Satellitenempfang, den Netstream Sat. Nicht ganz so lang ist der amerikanische Hersteller Silicondust auf dem Markt. Er offeriert mehrere Geräte für verschiedene Märkte und wirbt – anders als Elgato – ganz offen mit Linux-Unterstützung. Grund genug, uns die Lösungen beider Hersteller einmal näher anzusehen.

Sat-IP

Für das Verteilen von TV-Signalen über das heimische Netzwerk dient das vor nicht allzu langer Zeit entwickelte Protokoll Satellite over IP, kurz: Sat-IP [1]. Als Empfänger stehen sowohl Programme für PCs als auch solche für Mobilgeräte zur Auswahl. Da Sat-IP unter anderem auf UPnP aufbaut, sollten auch UPnP-fähige Geräte wie Fernseher die Signale empfangen und wiedergeben können.

Derzeit erscheinen mehr und mehr Sat-IP-fähige Geräte auf dem Markt. Dazu zählen einerseits Sat-IP-fähige Receiver zum Anschluss an den Satelliten-Empfänger (LNB) oder auch LNBs, die die Signale direkt in IP umsetzen. Andererseits wurden auch bereits Empfänger vorgestellt, die DVB-C oder DVB-T in Sat-IP umsetzen können. So kündigte etwa der Router-Spezialist AVM auf der IFA 2013 in Berlin ein SAT-IP-fähiges DVB-C-Gerät mit Doppel-Tuner für 2014 an.

Drei Kandidaten

Zum Test stehen uns drei Geräte zur Verfügung (Abbildung 1): Der Elgato Netstream DTT (DVB-T) und der Silicondust HDHomerun HDHR3-EU (DVB-T und DVB-C) besitzen jeweils einen Doppeltuner, können also parallel zwei Programme anzeigen beziehungsweise aufzeichnen. Dabei wechselt der HDHR3-EU flexibel zwischen beiden DVB-Arten. Das dritte Testgerät, der brandneue Silicondust HDHomerun HDHR3-4DC, empfängt ausschließlich digitales Kabelfernsehen, dafür aber mit gleich vier separaten Tunern. Die beiden Doppeltuner-Geräte bringen jeweils einen Fast-Ethernet-Anschluss mit, das Topmodell mit vier Tunern schickt seine Datenpakete per Gigabit-Ethernet ins Netz.

Preislich liegen die drei TV-Empfänger auf unterschiedlichem Niveau. Das Elgato-Gerät kostet je nach Händler um die 200 Euro. Ein wenig günstiger fällt mit rund 175 Euro der 4DC von Silicondust aus. Das günstigstes Gerät ist der HDHR3-EU mit 95 Euro, der allerdings zu Redaktionsschluss vorübergehend nicht mehr lieferbar war. Bei den beiden HDHomerun-Geräten kommen zum Kaufpreis noch mindestens 19 Euro Versandkosten aus den Niederlanden hinzu: Im regulären Handel gibt es die HDHomerun-Geräte im Gegensatz zum Elgato (bisher) nicht.

Die Voraussetzungen für den Betrieb der Tuner zusammen mit Linux-Systemen fallen recht unterschiedlich aus. Während das Elgato-Gerät keine besonders hohen Anforderungen an die Software stellt, erfordern die Silicondust-Tuner ein wenig Vorarbeit. Hardwareseitig sollten Anwender in allen Szenarien einen Rechner mit mindestens einem Intel-Core-Duo-Prozessor und 1 GByte Arbeitsspeicher vorweisen können. Selbst da kommen beim Dekodieren höher aufgelöster Programme wie ARD HD oder Arte HD die Clients gelegentlich ins Schwitzen.

Keines der drei Produkte weist einen Einschub für die Entschlüsselungskarten der Kabelnetzbetreiber auf. Mit einigem Aufwand in Sachen Soft- und Hardware lassen sich aber dennoch verschlüsselte Programme empfangen und anzeigen. Wir werden in diesem Artikel darauf aber nicht weiter eingehen und verweisen auf einschlägige Foren im Internet.

VLC packt alle

Der einfachste Weg, Fernsehbilder mithilfe der Geräte beider Hersteller auf den Rechner zu bekommen, führt über den Universal-Medien-Spieler VLC. Jeder der drei Tuner erfordert dabei aber eine andere Vorgehensweise.

Beginnen wir mit dem Netstream DTT von Elgato. Haben Sie das Gerät ausgepackt und ins LAN eingebunden, steht für den initialen Sendersuchlauf ein unvermeidlicher kurzer Umweg über einen Windows-PC oder einen Apple Mac an. Haben Sie diese Hürde gemeistert, rufen Sie im Webbrowser über die IP-Adresse des Geräts dessen Weboberfläche auf und wählen dort den Abschnitt Sender (Abbildung 2). Hier erscheinen die bei Ihnen per DVB-T zu empfangenden Sender in einer Liste.

Abbildung 2: Unscheinbar: Die Schaltfläche für den Download der Kanalliste ist gut versteckt.

Abbildung 2: Unscheinbar: Die Schaltfläche für den Download der Kanalliste ist gut versteckt.

Unterhalb dieser Liste sitzt die Schaltfläche m3u-Datei laden. Mit einem Klick darauf laden Sie die Sendertabelle im Playlisten-Format M3U herunter, speichern diese an einem Ort ihrer Wahl, und öffnen sie mit VLC. Im Playlist-Fenster erscheinen nun die empfangbaren Kanäle und lassen sich per Doppelklick aufrufen.

Diese Art der Einbindung unter Linux ist die einfachste – und für mäßig erfahrene Anwender unseren Recherchen nach auch die einzige. Im Skripting können sich erfahrene Anwender alternativ am anspruchsvollen Aufbau von Dr. Heinz Breinlinger versuchen. Auf seiner Website beschreibt er ein Setup mit drei Elgato-Tunern, das er per Webbrowser und Smartphone fernbedient [2].

Der Empfang des Netstream DTT lässt in Kombination mit der mitgelieferten Stabantenne zu wünschen übrig. In Gegenden mit gutem DVB-T-Empfang arbeitet er zwar wie erwartet, doch sobald die Empfangsstärke absinkt, kann er nicht mit anderen Geräten mithalten. In unserem Testumfeld verhalf erst eine neue Antenne dem Netstream wieder zu voller Funktion. Ein ebenso preiswertes wie empfangsstarkes Modell bauen Sie mit etwas handwerklichem Geschick selbst [3].

HDHomerun

Geht es um die HDHomeruns, kommen Anwender am Software-Paket des Herstellers kaum vorbei. Es umfasst neben einer Bibliothek die Programme hdhomerun-config und hdhomerun-config-gui. Debian, Ubuntu, OpenSuse und Fedora führen das Gespann in ihren Repositories, sodass Sie sie dort bequem über die jeweilige Paketverwaltung einrichten. Für andere Distributionen müssen Sie den Quellcode wohl oder übel über die Website von Silicondust [4] beziehen und eigenhändig übersetzen.

Als Erstes ermitteln Sie die Identifikationsnummer Ihres Tuners. Dazu geben Sie den Befehl hdhomerun_config discover ein und erhalten als Resultat eine Zeichenkette wie die folgende:

hdhomerun device 32406D0F found at 192.168.0.167

Hier steht 32406D0F für die ID des Geräts. Nun bringen Sie den Tuner mithilfe der im Software-Paket enthaltenen Firmware auf den aktuellsten Stand. Möchten Sie eine andere Firmware nutzen oder haben die Software über die Paketverwaltung bezogen, finden Sie verschiedene Varianten der Geräte-Software ebenfalls auf den Seiten des Herstellers. Laden Sie das Firmware-Paket herunter und entpacken Sie es gegebenenfalls. Nun spielen Sie die Firmware mittels folgenden Befehls auf Ihr Gerät:

$ hdhomerun_config Tuner-ID upgrade /Pfad/zur/firmware.bin

Dabei ersetzen Sie Tuner-ID durch die vorher ermittelte ID Ihres Geräts. Sie können das Firmware-Update auch überspringen und später über die Kommandozeile oder die grafische Konfiguration nachholen.

Als Nächstes müssen Sie den Tuner mit der hierzulande verwendeten Quadraturamplitudenmodulation QAM bekanntmachen [5]. In deutschen Kabelnetzen hat deren Symbolrate den Wert 6900, als Modulationsverfahren dienen 256QAM oder 64QAM. Das gilt sowohl für den HDHR3-4DC als auch den HDHR3-EU, sofern Sie diesen als DVB-C-Empfänger verwenden. Davon ausgehend initialisieren Sie Ihr HDHomerun-Gerät nun mit folgendem Befehl:

$ hdhomerun_config Tuner-ID set /sys/dvbc_modulation "a8qam64-6900 a8qam256-6900"

Hat alles ohne Fehlermeldung geklappt, können Sie das Terminal anschließend verlassen. Öffnen Sie jetzt das Programm HDHomeRun Config GUI. In der linken Seitenleiste sehen Sie die IDs der Netzwerk-Tuner. Beim HDHR3-EU ist es das mit 0 und 1 bezeichnete Doppel, beim HDHR3-4DC entsprechend das mit 0 bis 3 bezeichnete Quartett.

Rechts daneben sehen sie zwei Register. Im Reiter Upgrade aktualisieren Sie die Firmware des Geräts. Im Tab Tuner legen Sie die Art des Empfangs – also DVB-T oder DVB-C, jeweils in verschiedenen Länderausprägungen – fest und starten per Klick auf die Schaltflächen <<- beziehungsweise ->> den Sendersuchlauf.

Die Namen der aufgespürten Sender erscheinen im Ausklappmenü Program, parallel ändert sich die Statusanzeige im unteren Bereich. Bei einem erfolgreich ausgewählten Sender zeigt HDHomeRun Config GUI den physikalischen Kanal sowie Signalstärke und -qualität an (Abbildung 3). Klicken Sie nun auf die Schaltfläche View, öffnet sich der ausgewählte Sender in VLC.

Abbildung 3: Was läuft? In der GUI des HDHomerun sehen Sie, welcher Tuner gerade welchen Sender in welcher Qualität empfängt.

Abbildung 3: Was läuft? In der GUI des HDHomerun sehen Sie, welcher Tuner gerade welchen Sender in welcher Qualität empfängt.

Um den Sender zu wechseln, müssen Sie beim HDHR3-EU jeweils zurück zur HDHomerun GUI. Der neuere HDHR3-4DC dagegen meldet sich per UPnP direkt bei VLC. Sie finden das entsprechende Device dort unter Lokales Netzwerk | Universal Plug’n’Play in Form des Eintrags HDHomeRun Live DMS . Die einzelnen Sender zeigen Sie per Rechtsklick auf Knoten ausklappen oder mit einem Klick auf das Dreieck vor dem Eintrag an. Ein Doppelklick auf das gewünschte Programm startet dann den Fernseh- oder Radio-Empfang.

Ihre Lieblingssender ziehen Sie einfach per Drag & Drop nach links auf den Eintrag Wiedergabeliste im Bereich Medienbibliothek. Die so zusammengestellte Liste der bevorzugten Sender speichern Sie über das Programmmenü als M3U ab. So ersparen Sie es sich, beim nächsten Aufruf von VLC die Sender wieder in der unübersichtlichen Liste des HDHomerun suchen zu müssen.

HDHomerun und MythTV

Eine weitere Möglichkeit für das Fernsehen via Netzwerk bietet die Fullscreen-Medienlösung MythTV: Sie kann von Haus aus mit den Tunern von Silicondust umgehen. Dazu installieren Sie MythTV aus den Repositories des von Ihnen verwendeten Linux-Derivats oder wählen (wie wir im Test) einfach die Distribution Mythbuntu.

Nach dem Einrichten von Mythbuntu und dem obligatorischen Reboot des Rechners startet sofort das Frontend MythTV. Dort finden Sie zwar nun schon den Eintrag Watch TV beziehungsweise Fernsehen, doch noch bleibt die Mattscheibe nach einem Klick darauf schwarz: Sie müssen zunächst im Backend den Tuner einrichten. Dazu wählen Sie aus dem Anwendungsmenü den Eintrag MythTV Backend Setup und steuern dort den Eintrag 2. TV Karten an.

Legen Sie unter Neue Karte ein neues Gerät für den ersten HDHomerun an. Klicken Sie bei Kartentyp bis zum entsprechenden Eintrag und wählen Sie dann unter Verfügbare Geräte den ersten Tuner aus (Abbildung 4). Beenden Sie den Dialog mit einem Klick auf Fertig und wiederholen Sie den gesamten Vorgang für jeden Tuner.

Abbildung 4: Keine Hürde: Die Einrichtung der HDHomerun-Geräte ist zwar kleinteilig, aber nicht schwierig.

Abbildung 4: Keine Hürde: Die Einrichtung der HDHomerun-Geräte ist zwar kleinteilig, aber nicht schwierig.

Anschließend richten Sie über den Menüpunkt 4. Videoquellen den elektronischen Programmführer (EPG) ein. Wählen Sie einen Namen und dann bei Grabberskript die Variante Nur ausgestrahltes EPG. Die Tabelle der Senderfrequenzen belassen Sie bei default. Beenden Sie den Vorgang mit einem Klick auf Fertig.

Unter 5. Verknüpfungen verbinden Sie nun die Tuner mit dem angelegten EPG. Navigieren Sie dazu mit den Pfeiltasten zum Gerät und starten Sie die Verknüpfung mit einem beherzten Klick auf den Eintrag des Geräts. Unter Videoquelle wählen Sie den angelegten EPG und starten nun den Sendersuchlauf. Im Dialog wählen Sie bei Dienste TV oder TV+Radio.

Setzen Sie ein Häkchen bei Nur unverschlüsselte und vermeiden Sie das Häkchen bei Entschlüsselbarkeit prüfen – der Suchvorgang dauert auch ohne diese Option lange genug. Wählen Sie dann den Vollständigen Suchlauf für Deutschland und starten Sie den Vorgang. Nach erfolgreichem Abschluss zeigt das Setup noch ein paar Meldungen über ungültige Ergebnisse, die Sie bedenkenlos wegklicken.

Nach dem Bestätigen mit Fertig können Sie unter 6. Sender bearbeiten noch Feineinstellungen vornehmen oder den Vorgang einfach abschließen. Über den Punkt 7. Speicherplatz legen Sie für ebendiesen eine beliebige Stelle im System fest. Die letzten beiden Punkte sind jedoch nicht zwingend. Sind Sie hier angekommen, haben Sie die Schnelleinrichtung erfolgreich hinter sich gebracht und können das Backend schließen.

Wieder im Frontend, wechseln Sie zu Fernsehen und starten die Passivberieselung. Dabei wechseln Sie die Sender mit [Pfeil oben] und [Pfeil unten], gefolgt von einem Druck auf [Eingabe]. [Pfeil links] und [Pfeil rechts] spulen im Videopuffer zurück und vor. In unserem Fall brachte ein Druck auf [S] den EPG zum Vorschein (Abbildung 11), einer auf [I] Informationen zum laufenden Programm. Mit [R] nehmen Sie das laufende Programm auf, ein erneuter Druck darauf beendet die Aufnahme. Ebenfalls mit [R] markieren Sie im EPG eine Sendung für die Aufnahme. Allerdings lief im Test der EPG nicht synchron zur tatsächlichen Zeit, weswegen nur manuelle Aufzeichnungen klappten.

Abbildung 5: Übersicht mit Tücken: Der integrierte Programmplaner ist zwar übersichtlich, startete im Test allerdings nicht synchron zur aktuellen Zeit.

Abbildung 5: Übersicht mit Tücken: Der integrierte Programmplaner ist zwar übersichtlich, startete im Test allerdings nicht synchron zur aktuellen Zeit.

Alternativen

Neben MythTV gibt es noch weitere TV-Wiedergabeprogramme, darunter die populären Vertreter Me TV und Totem (unter Gnome: Videos) sowie Kaffeine. Die Vorarbeiten für alle drei Programme fallen identisch aus: Um die HDHomerun-Tuner anzusprechen, müssen Sie zuerst die Bibliothek dvbhdhomerun installieren. Das geht unter Ubuntu und dessen Derivaten über die Kommandozeile und die Befehle aus Listing 1 am schnellsten.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:tfylliv/dvbhdhomerun
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install dvbhdhomerun-dkms dvbhdhomerun-utils
$ sudo service dvbhdhomerun-utils start

Anschließend öffnen Sie im Terminal mit Superuser-Rechten die Konfigurationsdatei /etc/dvbhdhomerun in Ihrem Lieblingseditor und tragen dort die Tuner-IDs in eckigen Klammern ein. Darunter geben Sie in der nächsten Zeile den Typ des Tuners an. Die restlichen Einträge können Sie vorerst mit einer Raute (#) am Zeilenanfang auskommentieren.

Nach dem Speichern der Datei schließen Sie den Editor und starten Sie den Rechner neu, damit die Änderungen übernommen werden. Damit haben Sie die Tuner dem System bekannt gemacht.

TV-Grauen unter Gnome

Gnomes Standard-Mediaplayer Totem ließ sich im Test trotz erfolgreicher Konfiguration nicht zur Mitarbeit in Sachen TV bewegen. Die Schuld daran trägt ein seit Längerem bekannter und bislang nicht behobener Softwarefehler. Sobald das Projekt sich einmal dazu aufrafft, ihn zu beheben, sollte Totem gut mit den HDHomeruns zusammenspielen.

Dafür müssen Sie zuerst das Paket totem-plugins-dvb-daemon samt seiner zahlreichen Abhängigkeiten öffnen. Anschließend finden Sie in der Multimedia-Rubrik des Programmmenüs die Einträge Einstellungen für Digitales Fernsehen und Kontrollzentrum für Digitales Fernsehen. Die Einstellungen erreichen Sie auch direkt aus Totem heraus über Edit | Einstellungen für Digitales Fernsehen.

Starten Sie die Einstellungen, so führt Sie ein Assistent gut strukturiert durch die Einrichtung der Geräte (Abbildung 6) – von der Auswahl des gewünschten Tuners über die Quellenwahl der Frequenzliste bis hin zum Sendersuchlauf.

Abbildung 6: Formatfrage: In den Einstellungen für digitales Fernsehen erscheinen alle verfügbaren Tuner, auch die für das amerikanische ATSC-Format.

Abbildung 6: Formatfrage: In den Einstellungen für digitales Fernsehen erscheinen alle verfügbaren Tuner, auch die für das amerikanische ATSC-Format.

Wählen Sie das HDHomerun-Gerät mit der Kennung DVB-C und fahren Sie fort. Auf der nächsten Seite wählen Sie Ihren Standort (im Test: Deutschland) – und dann bei Versorger denjenigen, der Ihrem am nächsten kommt. Wir machten mit der Liste Primacom die besten Erfahrungen. Außerdem wiederholten wir die anschließende Kanalsuche mehrfach mit verschiedenen Einträgen aus der Liste und stöberten so noch fehlende Sender auf. Auch hier vermeiden Sie am besten durch Abwahl der entsprechenden Option alle verschlüsselten Kanäle.

Ob die Einrichtung erfolgreich war, prüfen Sie im DVB-Kontrollzentrum. Dort finden sich nun die ermittelten Sender und es erscheinen erste Programmeinträge (Abbildung 7). Von hier aus können Sie direkt Aufnahmen planen und auch starten – das funktionierte im Test gut. Was jedoch trotz Dutzender Anläufe auf verschiedenen Systemen und Gnome- beziehungsweise Totem-Versionen nicht klappen wollte, war die Anzeige des aktuellen Programms in Totem.

Abbildung 7: Wenigstens etwas: Zwar läuft das Live-TV nicht, dafür lassen sich der EPG und die Aufnahmefunktion mit Gnome-Bordmitteln nutzen.

Abbildung 7: Wenigstens etwas: Zwar läuft das Live-TV nicht, dafür lassen sich der EPG und die Aufnahmefunktion mit Gnome-Bordmitteln nutzen.

Me TV

Mehr Erfolg hatten wir mit Me TV unter Ubuntu. Auch hier müssen Sie zuerst die Tuner einrichten. Beim ersten Aufruf von Ansicht | Channels startet automatisch der Sendersuchlauf-Assistent und graut die automatische Suche aus, da diese nur für DVB-T und den amerikanischen Standard ATSC zur Verfügung steht. Für Kabelfernsehen wählen Sie hier also ebenfalls aus einer Liste, die wie beim Gnome-Einrichtungsassistenten verschiedene Betreiber und Orte umfasst.

Der folgende Suchlauf listet jedoch alle Sender auf und erlaubt keine Vorauswahl der unverschlüsselten Kanäle (Abbildung 8): Die müssen Sie anschließend händisch aussortieren. War der Suchlauf erfolgreich, fügen Sie die Ergebnisse der Programmliste hinzu. Allerdings klappte die Einrichtung nur mit dem Doppeltuner HDHR3-EU. Die Neuerscheinung 4DC meldete sich gegenüber dem Assistenten als ATSC-Gerät und verweigerte eine Kanalsuche auf deutschen Frequenzbändern und Kanälen.

Ironischerweise funktionierte die Kombi 4DC und Me TV dann aber doch: Wir änderten dazu einfach nach dem erfolgreichen Einrichten mit dem HDHR3-EU in der Dvbhdhomerun-Konfigurationsdatei die IDs der Tuner auf die des 4DCs. Nach dem obligatorischen Neustart nutzte Me TV dann anstandslos den 4DC als Quelle für das Fernsehsignal. Hier muss Silicondust offenbar noch nacharbeiten.

Abbildung 8: Ergebnis: Während des Suchlaufs zeigt Me TV die gefundenen Sender samt Signalstärke an.

Abbildung 8: Ergebnis: Während des Suchlaufs zeigt Me TV die gefundenen Sender samt Signalstärke an.

Me TV bietet wie die anderen Programme einen elektronischen Programmführer, der unterhalb des Fernsehfensters erscheint. Das Ein- und Ausblenden erfolgt per Rechtsklick ins Fernsehfenster. Aufnahmen starten Sie, indem Sie den roten Kreis unten links im Programmfenster drücken, ebenso beenden Sie die Aufzeichnung wieder. Planen können Sie Aufnahmen über den EPG. Dazu klicken Sie mit der linken Maustaste auf einen Programmeintrag und erhalten dazu eine Beschreibung (Abbildung 9). Nun können Sie die Aufnahme in die Planung übernehmen.

Abbildung 9: Me TV kann auch Informationen zur laufenden Sendung anzeigen – allerdings nicht im Fernsehfenster, sondern in einem Popup.

Abbildung 9: Me TV kann auch Informationen zur laufenden Sendung anzeigen – allerdings nicht im Fernsehfenster, sondern in einem Popup.

Sowohl Aufnahmen und deren Planung als auch die Wiedergabe des Live-TV funktionierten nach einigen Anlaufschwierigkeiten gut. Allerdings zeigte sich Me TV nicht sehr stabil: Im Test fror uns das Programm mehrfach ein oder stürzte ganz ab.

Fernsehen mit KDE

Die besten Erfahrungen machten wir schlussendlich mit Kaffeine unter Kubuntu. Nach den Vorarbeiten (wie oben beschrieben) öffnen Sie das Programm und wechseln in den anfangs noch leeren Bereich 5. Digitales Fernsehen. Dort starten Sie die Einrichtung mit einem Klick auf das Maulschlüssel-Symbol unten links im Fenster. Hier sollten mehrere Tabs Gerät x erscheinen.

Wechseln Sie durch die Tabs und legen Sie jeweils eine Kanalquelle sowie einen Namen für jedes Gerät fest. Achten Sie darauf, nur die mit DVB-C beziehungsweise DVB-T gekennzeichneten Geräte auszuwählen – mit den ATSC-Tunern werden Sie keinen Erfolg haben. Beenden Sie den Vorgang über die Schaltfläche OK. Nach einem Druck auf [C] öffnet sich die Kanalansicht.

Den mittleren der drei Streifen des Fensters nimmt die Kanalsuche ein (Abbildung 10). Dort starten Sie für jede Quelle eine neue Suche. Sie können deren Ergebnisse nach Freien Programmen, Radio und Fernsehen und darüber hinaus nach Anbieter filtern. Ihre Auswahl fügen Sie dann über die entsprechende Schaltfläche der Kanalliste hinzu.

Abbildung 10: Wiederholungstäter: Für jeden Tuner müssen Sie einen eigenen Kanalsuchlauf starten.

Abbildung 10: Wiederholungstäter: Für jeden Tuner müssen Sie einen eigenen Kanalsuchlauf starten.

Allerdings fügt der Suchlauf für jedes Gerät die gleichen Sender erneut hinzu, sodass etwa beim HDHR3-4DC anschließend viermal die ARD auftaucht, bezeichnet als ARD bis ARD-3. Mit jedem dieser Einträge sprechen Sie einen der vier Tuner des HDHomerun an.

Das Live-Programm starten Sie per Doppelklick auf einen Sender in der Kanalliste (Abbildung 11). Über das Disketten-Symbol beginnen Sie sofort eine Aufnahme. Den EPG erreichen Sie über das Listen-Symbol. Geplante Aufnahmen überblicken Sie nach einem Klick auf das Kalender-Symbol. Dabei verrichtet Kaffeine in allen Punkten seine Arbeit klaglos und zuverlässig

Abbildung 11: Mehr Infos: Per Tastenklick zeigt Kaffeine ausführliche Informationen zur Sendung an.

Abbildung 11: Mehr Infos: Per Tastenklick zeigt Kaffeine ausführliche Informationen zur Sendung an.

Kritikpunkte

Keines der getesteten Programme kann automatisch und transparent von einem Tuner zum nächsten umschalten. Bei allen müssen Sie also im Auge behalten, ob gerade eine Aufnahme läuft oder Sie zum Live-TV wechseln können. Einzig Kaffeine erlaubt überhaupt einen – wenn auch manuellen – Wechsel der Tuner.

Eine Bild-in-Bild-Funktion oder die Option, mehrere Fernsehfenster zu öffnen, brachte keines der Programme mit. Dafür nutzen sowohl Me TV als auch Kaffeine ein Merkmal von DVB-C voll aus: Bei DVB-C werden die Sender in sogenannten Multiplexen übertragen. Dabei sitzt jeweils eine ganze Reihe von Sendern – meist einer Senderfamilie – auf einem Kanal. Man kann dann die einzelnen Sender zwar nur einzeln betrachten, aber parallel aufnehmen – auch mit nur einem Tuner – und gleichzeitig noch Fernsehen.

Fazit

Von allen Programmen erscheint Kaffeine als die am besten durchdachte und umgesetzte Lösung für den netzwerkgespeisten Fernsehgenuss. Alle Systeme und Programme akzeptierten den “kleinen” HDHomerun HDHR3-EU ohne Einschränkungen. Den größeren HDHR3-4DC muss der Hersteller noch ein wenig nachbessern. Den Elgato Netstream unterstützt unter Linux von Haus aus – also ohne große Software-Bastelarbeiten – nur das Programm VLC. 

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