Vergeigt?

Editorial 07/2013

21.06.2013

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

einst war es der gefeierte Hoffnungsträger der Linux-Gemeinde, inzwischen rutscht Ubuntu in der Gunst der Anwender immer tiefer. Auf Distrowatch schafft es Canonicals Distribution inzwischen in der 12-Monats-Übersicht gerade noch auf Platz 3, weit abgeschlagen hinter Linux Mint und Mageia. Dieser Wandel sticht inzwischen so ins Auge, dass sich beispielsweise die größte britische Linux-Anwender-Zeitschrift Linux Format diesen Monat auf dem Titel fragt: "Has Ubuntu Lost it?" Die Briten kommen zu dem Schluss, Ubuntu hätte es tatsächlich vergeigt – und ich bin durchaus geneigt, dem zuzustimmen.

Mit immer mehr Eigenwilligkeiten entfernt sich Ubuntu zunehmend aus dem Linux-Mainstream. Das betrifft nicht nur buchstäblich Oberflächliches wie den Unity-Desktop, sondern greift auch unter der Haube immer mehr Raum: Mit dem Init-System Upstart statt des Quasistandards Systemd und (künftig) Mir als Grafiksystem statt des von allen anderen Distributionen angepeilten Wayland klinkt sich Canonical mehr und mehr aus der allgemeinen Linux-Entwicklung aus. Stattdessen versucht man krampfhaft, ein eigenes "Ökosystem" auf die Beine zu stellen. Sich vom Rest der Linux-Welt abzuschotten führt aber unvermeidlich zu (eigentlich vorhersehbaren) Schwierigkeiten.

Wer Standard-Komponenten einsetzt, kann vom Bugfixing in 300 anderen Distributionen profitieren, an den hausgestrickten Canonical-Lösungen arbeiten dagegen höchstens 300 Entwickler. Und die müssen neben der Fehlerbereinigung auch noch die jeweils nächste Release-Runde bewältigen. Das führt dazu, dass sich das Beseitigen selbst schwerwiegender Fehler kaugummiartig in die Länge zieht. Gute Beispiele dazu bieten etwa die Launchpad-Bugs #1063354 "Sudden Read-Only Filesystems", #1073433 "Ext4 corruption associated with shutdown of Ubuntu 12.10" oder #1124803 "NetworkManager doesn't respond to SIGTERM in daemon mode", die sich alle letztlich auf Schwierigkeiten mit dem hausgemachten Upstart zurückführen lassen – und die alle auch noch Ubuntu 13.04 betreffen.

In einer vorhersehbaren Reaktion zog Canonical jüngst die Notbremse, um Entwickler-Mannjahre freizuschlagen: Man halbierte ganz einfach die Supportdauer für Nicht-LTS-Releases von 18 auf 9 Monate. Das bringt aber bei einem Release-Zyklus von 6 Monaten in der Praxis Anwender in die prekäre Lage, drei Mal so oft eine Distributionsaktualisierung vornehmen zu müssen, als es vorher notwendig gewesen wäre. Zudem kickt dieser Schritt auch beliebte Ubuntu-Ableger wie Mint als ernsthafte Alternativen aus dem Geschäft: Wie einige Kommentatoren richtig feststellten, braucht man das frisch erschienene Linux Mint 15 eigentlich gar nicht erst zu installieren, weil sein Lebensende durch Canonicals Supportverkürzung noch vor jenem der Vorversion Mint 14 liegt! Mit dem zunehmenden Abdriften des Ubuntu-Unterbaus aus dem Linux-Mainstream, insbesondere ab Herbst mit den ersten Gehversuchen von Mir, werden sich diese Schwierigkeiten für alle Ubuntu-Derivate absehbar noch verschlimmern.

Freilich bleibt als Work-around der Einsatz von Ubuntu LTS – aber nur fürs Erste: Ab Frühjahr nächsten Jahres entkoppelt sich Canonical mit Ubuntu 14.04 LTS voraussichtlich auch dort via Mir völlig vom Rest der Distributionswelt. Daher kann ich allen Ubuntu-Anwendern nur raten, sich jetzt schon nach Alternativen umzusehen, an deren technischen Grundlagen nicht nur eine einzelne Firma arbeitet, sondern Zehntausende von Entwicklern in der Linux-Gemeinde und auch bei renommierten Unternehmen wie Red Hat, Suse und Oracle. Zwei Community-basierte Paradebeispiele finden Sie mit Debian 7 und Mageia 3 auch auf den Heft-DVDs dieser Ausgabe. Schauen Sie mal rein – es lohnt sich. 

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Kommentare
Welch ein Unsinn.
zweifler (unangemeldet), Freitag, 05. Juli 2013 15:29:08
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"Auf Distrowatch schafft es Canonicals Distribution inzwischen in der 12-Monats-Übersicht gerade noch auf Platz 3, weit abgeschlagen hinter Linux Mint und Mageia. "

12-Monatsübersicht. Soso. Distrowatch zeigt also installierte Linuxsysteme?
Setzen, 6.





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Es gibt nicht nur debian :(
linuxtester (unangemeldet), Sonntag, 23. Juni 2013 04:42:28
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Hallo!

Debian ist zwar gut, aber man sollte auch immer andere gleichwertig nennen.

Egal ob SuSE, gentoo, fedora usw.

z.Z. sehe ich immer mehr user auf archlinux umsteigen.

Ist nicht für jeden so einfach, es sei denn, man schaut sich
mal *manjaro* an!

Das schafft selbst jeder Ubuntu-User zu installieren.

Ansonsten schade um Ubuntu, es fing wirklich gut an.
Völlig unverständlich, was dieser Mann sich dabei denkt.

Die vielen Ableger von Ubuntu können nun das originale
debian nehmen, ist eh besser und dann je nach Geschmack
auf testing oder sid einstellen :)

Schöne Linux-Grüsse, de tester *g*


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Ich benutze.........
Jens (unangemeldet), Samstag, 22. Juni 2013 12:54:09
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......seit einiger Zeit Sabayon,basiert auf Gentoo.
Es ist ein Rolling Release Model.
Sabayon ist sehr stabil und zuverlässig.Deshalb habe ich es jetzt als meine Hauptdistribution installiert.
Ich kann Sabayon als gute Alternative für Ubuntu empfehlen.

Gruß Jens


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