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© Mailsparky, sxc.hu

Wissenschaftliches Linux mit Enterprise-Qualitäten

Zuverlässiges Arbeitsmittel

Statt Sie mit ständig wechselnden Konzepten abzulenken, verspricht Scientific Linux solide Tools und gut eingespielte Abläufe. Wir zeigen, wie Sie dem Arbeitstier für den Alltag den letzten Schliff verpassen.

Linux gilt als das dynamischste Betriebssystem – mit entsprechend kurzen Versionszyklen. Bei Distributionen wie Ubuntu, OpenSuse oder Fedora erscheinen oftmals im halbjährlichen Rhythmus neue Releases. Doch was experimentierfreudige Naturen entzückt, entnervt konservative Anwender und professionelle Administratoren: Sie wollen oder können nicht im halbjährlichen oder jährlichen Staccato den Wechsel mitmachen.

Als Alternativen kommen über längere Zeiträume gepflegte Distributionen in Frage, die jedoch oft als sogenannte Enterprise-Varianten für den Einsatz im Unternehmen gedacht sind und dementsprechend kosten. Vorreiter auf diesem Gebiet ist der US-Hersteller Red Hat. Aus Red Hat Enterprise Linux (RHEL) sind inzwischen mehrere Derivate entstanden, welche die hervorragende Qualität des Originals sowie die langen Versionszyklen übernehmen haben, jedoch kostenfrei bereitstehen.

In diese Kategorie fällt das hauptsächlich am Fermilab in den USA und am CERN in der Schweiz gemeinsam entwickelte Scientific Linux, das die Mitarbeiter in diesen renommierten Institutionen einsetzen. Scientific Linux ist kürzlich in der Version 6.0 erschienen und lehnt sich damit an die Nummerierung von Red Hat Enterprise Linux an.

Auf die Platte

Das Scientific-Projekt stellt Distributionsabbilder für CD und DVD in Installations- und Live-Varianten für 32- und 64-Bit-Rechner online [1] bereit. Die installierbaren Live-DVD-Variante finden Sie auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe. Nach dem Download des ISO-Images und dem Brennen des Mediums bietet die Distribution in einem übersichtlichen Legacy-Grub-Startmenü die üblichen Optionen. Beim Test mit der Installations-DVD zeigten sich beim Durchlauf der von Fedora her bekannten Routine keine Schwächen beim Erkennen der Hardware.

Nach dem erneuten Warmstart begrüßt das System Sie mit einem recht dunkel gehaltenen Theme, das jedoch keinerlei optische Gimmicks wie verschobene Knöpfe in der Fensterleiste oder unergonomisch dunkle Menü-Hintergründe aufweist (Abbildung 1).

Abbildung 1: Scientific Linux mit diversen geöffneten Tools.

Der Gnome-Desktop in Version 2.28.2 bereitet keine Überraschungen. Ein Blick ins Menü Anwendungen fördert solide Hausmannskost zutage: OpenOffice ist in Version 3.2.1 vertreten, Firefox in der bereits nicht mehr ganz aktuellen Version 3.6.9. Der Bildbearbeitungsbolide Gimp fehlt, als Bildbetrachter ist Gthumb mit von der Partie.

Im Menü Unterhaltungsmedien fällt die Auswahl recht spartanisch aus: Hier finden sich weder der unter Linux allgemein beliebte Mplayer noch Xine. Die Auswahl der Mediaplayer beschränkt sich stattdessen weitgehend auf den Gnome-Fundus, mit Rhythmbox für Audiodateien und Totem für Videos.

Auch sonst konzentriert sich die Auswahl der Software auf das Nötigste, was jedoch kein Nachteil ist: Scientific Linux bietet durch die Kompatibilität zu RHEL die Möglichkeit, dessen Repositories ebenso zu nutzen wie die von Drittanbietern, und zwar zusätzlich zu den Scientific-eigenen. Somit installieren Sie so gut wie jede benötigte Software bei Bedarf problemlos über das Paketmanagement nach.

Stabil und langlebig

Scientific Linux profitiert vom Konzept des Enterprise Linux, das sich durch lange Lebenszyklen und sorgfältige Pflege der Programme auszeichnet. So findet sich auf der Website des Projekts als Schlusspunkt für den Support der aktuellen Version 6.0 derzeit der 11. November 2014. Da während dieses langen Zeitraums neben permanenten Sicherheitsaktualisierungen auch Fehlerbereinigungen in den Fundus einfließen, verfügen Sie über ein zwar nicht tagesaktuelles, dafür aber äußerst stabiles und gut getestetes Produkt.

Hinzu kommt, dass spezielle Applikationen, die ausschließlich für Enterprise-Distributionen zertifiziert sind und mit Community-Varianten nur teilweise oder gar nicht funktionieren, für Scientific Linux keine Hürde darstellen – dank der Kompatibilität zum Produkt von Red Hat. Durch die vielen Repositories und den Paketmanager Yum mitsamt grafischem Frontend finden Sie bei Scientific Linux selbst für ausgefallene Aufgaben meist das passende Programm und installieren es in der Regel mit einem Klick (Abbildung 2).

Abbildung 2: Zahlreiche zusätzliche Repositories bieten Ihnen eine große Auswahl an Programmen.

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