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Beauté magique

Das erste Release des Community-Mandriva-Forks

21.07.2011
Sei dem 1. Juni liegt das mit Spannung erwartete Mageia 1 weltweit auf den Servern. Der von der Community vorangetriebene Mandriva-Fork präsentiert sich als stabiles System mit ansprechendem, schnörkellosen Design.

Im Herbst des vergangenen Jahres versprach die Präsidentin von Mageia.org, Anne Nicolas, in einem Interview mit LinuxUser: "Es ist geplant, so bald wie möglich eine erste Version herauszugeben." [1] Zum 1. Juni löste der Community-Fork von Mandriva das Versprechen nun ein. Mageia 1 orientiert sich erwartungsgemäß sehr an der Ursprungsdistribution. Sowohl der Umfang der Softwarepakete als auch die zum Release herausgegebene Auswahl der ISO-Abbilder entsprechen dem, was man vom aktuellen Mandriva Linux kennt.

Mageia 1 basiert auf Kernel 2.6.38.7 und bietet neben KDE 4.6.3 und Gnome 2.32 auch die aktuellen Versionen von LibreOffice, Firefox und Chromium-Browser. Eine detaillierte Aufstellung der wichtigsten Eigenschaften und Paketversionen finden Sie in den Release-Hinweisen auf der Mageia-Website [2].

Editionen und Repositories

Auch Mageia 1 gibt es in den von Mandriva Linux gewohnten kostenlosen Editionen. Auf der Download-Seite [3] finden Sie zwei Installations-DVDs (je eine für 32- und 64-Bit-PCs, auch auf den Heft-DVDs) mit einem umfassenden Softwareangebot, eine Dual-Arch-CD zur Installation eines minimalen Systems sowie mehrere Live-CDs für KDE und Gnome. Letztere unterscheiden sich in den enthaltenen Sprachgruppen und eignen sich nicht für ein System-Upgrade von Mandriva Linux auf Mageia 1. Für deutschsprachige Benutzer ist die CD mit der Bezeichnung Europa 1 relevant.

Während die Installations-DVDs und die Dual-Arch-CD ausschließlich freie Software enthalten, bieten die Live-CDs für KDE (auf Heft-DVD) und Gnome auch unfreie Grafiktreiber und Plugins an. Benutzer der Installations-DVD ziehen diese Treiber und Plugins bei Bedarf über den Zweig non-free der Online-Repositories nach. Für die Tests kamen die Installations-DVD (64 Bit) sowie die KDE-Live-CD zum Einsatz.

Bei den Softwarequellen gibt es den Zweig core, der alle freie Softwarepakete enthält – also das, was bei Mandriva Linux in main und contrib liegt. Im Zweig non-free findet unfreier Software wie etwa Grafiktreiber ihren Platz. Der Umgang mit lizenzbewehrter oder in manchen Ländern nicht zur Benutzung freigegebener Software löst Mageia über den Zweig tainted: Er umfasst jene Pakete, die man bei Mandriva Linux von einer externen Quelle beziehen musste, wie etwa die Libdvdcss oder manche unfreie Codecs. Auf diese Weise können sowohl Betreiber von Spiegelservern als auch Benutzer in Ländern mit entsprechenden Nutzungseinschränkungen selbst entscheiden, ob sie diesen Zweig anbieten beziehungsweise nutzen wollen.

Die Installation

Nach dem Booten der DVD begrüßt ein ansprechend gestaltetes Menü den Benutzer. Es bietet neben der Installation und einem Rescue-Modus auch einen Speichertest sowie ein umfassendes Informationsprogramm an, mit dem alle notwendigen Daten der vorhandenen Hardware angezeigt werden können (Abbildung 1). Gegenüber Mandriva Linux hat sich am Verlauf der Installation außer einem veränderten Design nichts geändert. Der grafische Installer führt Einsteiger Schritt für Schritt durch alle Phasen der Systemeinrichtung, während dem erfahrenen Benutzer fast bei jedem Schritt ein erweiterter Modus mit umfassenden Optionen zur Verfügung steht.

Abbildung 1: Das Bootmenü der Mageia-Install-DVD.

Das schon von Mandriva Linux bekannte Partitionierungstool Diskdrake liefert in optisch ansprechendem Gewand eine sehr gute Übersicht über die aktuelle Aufteilung der Festplatte und schlägt Möglichkeiten zur Partitionierung vor (Abbildung 2). Daneben stehen dem erfahrenen Benutzer alle Option zur individuellen Partitionierung zur Verfügung. Standardmäßig nutzt Mageia 1 das Dateisystem Ext4, es stehen jedoch auch alle anderen üblichen Formate zur Auswahl. Wer die neue Mageia-Partition verschlüsseln möchte, muss diesen Wunsch nur mit einem Mausklick bei der Einrichtung der Partition markieren.

Abbildung 2: Der schon von Mandriva bekannte Diskdrake übernimmt das Partitionieren der Festplatte während der Installation.

Als Nächstes folgt die für einen Einsteiger wohl wichtigste Entscheidung, die Auswahl der Desktop-Umgebung. Hier bietet Mageia sowohl KDE und Gnome als auch die Option Benutzerdefiniert zur Auswahl. Markieren Sie hier KDE oder Gnome, hebt der Installer ein Standardsystem der entsprechenden Desktopumgebung auf die Platte. Erfahrene Benutzer steigen über die Option Benutzerdefiniert in eine nach Gruppen und auf Wunsch sogar nach einzelnen Paketen sortierte Auswahl ein. Über das Softwareangebot der DVD hinaus können Sie zusätzliche Quellen wie FTP-Server, lokale Server oder optische Medien einbinden, deren Inhalte dann bereits in der individuellen Paketauswahl zur Verfügung stehen.

CD oder DVD?

Eine Installation von der Live-CD fällt erheblich zügiger aus, da hier die Auswahl der Desktop-Umgebung und einzelner Pakete entfällt. Die Installation startet aus dem laufenden Live-System, bereits getroffene Einstellungen überträgt der Installer. Nach der Partitionierung und dem Kopieren der CD-Inhalte entfernt er zudem nicht benötigte Treiber und Sprachpakete.

Im Allgemeinen ergibt eine Installation von DVD eine (zumindest subjektiv) sauberere Installation. Der Nachteil der auf der DVD nicht vorhandenen proprietären Treiber fällt kaum ins Gewicht: Diese werden bei Bedarf nach dem Einbinden der Softwarequellen bei erneutem Aufruf der Konfigurationswerkzeuge ohnehin automatisch nachinstalliert.

Im Fall von proprietären WLAN-Treiber kann das allerdings zu Problemen führen: Diese finden sich ja nicht auf der DVD und lassen sich demgemäß nur über einen bestehenden Internetzugang einrichten. In diesem Fall müssen Sie zur Live-CD greifen oder vorübergehend einen kabelgebundenen Internetzugang nutzen.

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