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Niedriger Orbit

7-Zoll-Netbook mit Android 2.2 zum Kampfpreis

13.07.2011
Mit dem Meteorit NB-7 offeriert der Versandanbieter Pearl ein 7-Zoll-Android-Netbook zum Schnäppchenpreis von 99,90 Euro. Taugt der Zwerg nur als Spielzeug, oder eignet er sich auch für den Alltagseinsatz?

Ein Netbook mit Linux für knapp 100 Euro – da sieht man schon mal etwas genauer hin. Zu diesem Kampfpreis bietet der Versandanbieter Pearl das Meteorit NB-7 mit Android 2.2 an – die technischen Daten des Geräts finden Sie in der Tabelle "Pearl Meteorit NB-7: Technische Daten". Der günstige Kostenpunkt lässt schon auf einen gewissen Minimalismus schließen, und tatsächlich fehlen dem Gerät über das Grundpensum hinaus jegliche erweiterten Funktionen wie Webcam, GPS, Bluetooth oder Mobilfunk. Sogar auf einen Videoausgang verzichtet der winzige Rechner. Als wider Erwarten kristallklar, krisp in der Darstellung und gut ablesbar erweist sich der 7-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln. Das Display lässt sich auf volle 180 Grad aufklappen und sein Inhalt über eine Sondertaste in 90-Grad-Schritten rotieren – praktisch zum Lesen von E-Books.

Der NB-7 baut deutlich kleiner als etwa ein Asus EeePC der ersten Generation und ist auch spürbar leichter. Trotz der geringen Größe lässt sich auf der Tastatur auch mit nicht ganz so grazilen Fingern gut tippen. Die Tasten bieten zudem einen zwar weichen, aber deutlichen Anschlag. Den Platz der F-Tasten nehmen Tasten mit einer Sonderbelegung ein. Über diese lassen sich gezielt wichtige Apps aufrufen, wie Netzwerkeinstellungen, Dateimanager, Webbrowser, Mailclient, Mediaplayer oder Market. Bei letzterem handelt es sich um eine Pearl-Version des AndroidPit, die jedoch bei der Suche nach dort nicht vorgehaltenen Apps auf den Android-Market durchlinkt.

Seinen Betriebszustand signalisiert der NB-7 über sechs LEDs an der vorderen Gehäusekante: Links residieren jene für Power, Status und Akku, rechts finden sich Anzeigen für Numlock, Caps Lock und – laut Handbuch – "Download". Letztere brachten wir im Test allerdings unter keinen wie auch immer gearteten Betriebsbedingung zum Leuchten.

Pearl Meteorit NB-7: Technische Daten

Betriebssystem Android 2.2.1 (Kernel 2.6.32)
CPU/Chipsatz ARM11 iMAPx210, 1 GHz
Speicher 256 MByte RAM(1), 2 GByte Flash
Display 7 Zoll, 800x480 Pixel
Bedienung QWERTZ-Tastatur mit Umlauten, 14 Funktionstasten, Touchpad mit 2 Maustasten
Schnittstellen SD/SDHC (bis 32 MByte), 3 x USB 2.0 (davon 1 Uplink)
Audio integrierter Stereo-Lautsprecher, 2 x 3,5 mm Klinke (Kopfhörer, Mikrofon)
Netzwerk 100-Mbit/s-Ethernet, WLAN 802.11b/g
Akku LiIon 3300 mAh (Standzeit 3h(2))
Maße / Gewicht 215 x 145 x 28 mm, 640 g
Video-Formate AVI, MOV, MP4, MPG, WMV
Audio-Formate AAC/AAC+, MP3, WAV, WMA
Lieferumfang Handbuch (deutsch), System- und Treiber-CD, 230V-Netzteil, USB-Kabel(3)
Preis 99,90 Euro
Bezugsquelle Pearl Agency, 79426 Buggingen (Best.-Nr.: PX-8690-913)
Webseite http://www.pearl.de/a-PX8690-1520.shtml
(1) nicht erweiterbar (2) Herstellerangabe, (3) fehlte beim Testgerät

Apps und mehr

Drei Home-Bildschirme lassen sich mit verschiedenen mehr oder weniger sinnigen Widgets belegen, wie Uhr, Kalender, Google-Suche, Newsreader- und Facebook-Ticker oder Wettervorhersage (Abbildung 1). Am oberen Bildschirmrand residiert ein System-Tray, am unteren eine Starterleiste für sechs frei belegbare Apps. Über das mittlere Symbol schaltet man zwischen Home- und Apps-Bildschirmen um. Auf letzteren lassen sich die eingerichteten Apps nach Belieben verteilen.

Abbildung 1: Der Nutzen der Widgets auf den Homescreens des NB-7 hält sich in engen Grenzen. So handelt es sich bei Kalender lediglich um ein Anzeigeblatt.

Zum sinnvollen Gebrauch des NB-7 empfiehlt es sich, aus dem Market gleich einige Apps herunterzuladen (Abbildung 2). Das betrifft zum einen einen etwas komfortableren Webbrowser als den standardmäßig angebotenen. Hier macht beispielsweise Opera Mobile eine gute Figur. Zum anderen fehlt ein Texteditor, der auch mit Linux-typischen Kodierungen zurecht kommt. Hier hilft freie Software weiter, in Form des komfortablen und vielseitigen Jota-Texteditors.

Abbildung 2: Auf den Appscreens des NB-7 sammelt sich im täglichen Gebrauch schnell eine ganze Menge an.

Auch ein Terminal erweist sich als praktisch, um mal kurz eben den Status der Netzwerkschnittstellen zu prüfen oder einen Rechner anzupingen. Als komfortable App zum Datentausch bewährte sich im Test FtpCafe, und Social-Network-Enthusiasten werden sicherlich nicht ohne die Facebook-App leben wollen. Kurz vor Redaktionsschluss erschien außerdem auch eine App für das neue Google+.

Unartigkeiten

Als extrem unkomfortabel erweist sich der Wechsel zwischen laufenden Tasks, der entweder eine wahre Tastatur- und Maus-Orgie mit Umweg über den Homescreen erfordert oder alternativ den Einsatz beider Hände und ein Herumhämmern auf den Pfeiltasten (Abbildung 3). Das Einschalten des NB-7 gerät zum Geduldsspiel – der Kaltstart dauert erstaunlicherweise gut 45 Sekunden, bei eingelegter SD-Card sogar bis zu einer Minute.

Abbildung 3: Ein Taskwechsel erfordert den Einsatz beider Hände: Mit links gilt es die Home-Taste gedrückt zu halten, mit rechts über die Pfeiltasten im Taskswitcher das Gewünschte auszuwählen.

Das Ausschalten andererseits ähnelt einem Geschicklichkeitsspiel: Ein entsprechender Menüpunkt fehlt, sodass es die silberne Power-Taste unterhalb des Bildschirms rund drei Sekunden lang zu drücken gilt. Mit etwas Glück erscheint dann ein Dialog zum Shutdown. Hat man Pech und drückt zu lange, schaltet sich der NB-7 ohne Nachfrage aus und verliert dabei alle Einstellungen aus der laufenden Sitzung. Drückt man zu kurz, schaltet sich lediglich der Bildschirm aus – die einzige Stromsparstufe, die der NB-7 beherrscht, einen Sleep-Modus kennt er unerfreulicherweise nicht.

Die Bedienung des NB-7 erfordert aufgrund des Betriebssystems reichlich Umgewöhnung – eigentlich handelt es sich eher um ein zu groß geratenes Smartphone ohne Telefoniefunktion als um ein Netbook. An vielen Stellen nervt die Auslegung von Android als Smartphone-Betriebssystem: So muss man etwa zwischen Eingabefeldern mit der Maus oder den Pfeiltasten wechseln, [Tab] funktioniert nicht – der Touchscreen lässt grüßen.

Da fehlt doch was?

Dem Pearl Meteorit NB-7 liegt eine Mini-CD mit dem kompletten System und einem Brennprogramm bei, mit deren Hilfe sich nach einem eventuellen "Bricken" der Auslieferungszustand wieder herstellen lässt. Dazu braucht man einen Windows-PC und das eigentlich mitgelieferte USB-Uplink-Kabel – das beim Testgerät jedoch fehlte. Wie ein kurzer Blick in einschlägige Foren zeigt, ging das nicht nur der Redaktion so. Hier scheint ein Mangel der Erstlieferung vorgelegen zu haben, der künftig wohl nicht mehr vorkommt. Das fehlende Kabel liefert Pearl auf Anfrage ohne weitere Umstände nach.

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