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Türkischer Honig

Pardus 2011 im Kurztest

17.02.2011
Pardus gilt unter Kennern schon lange als Geheimtipp. Mit dem neuen Major-Release 2001 schickt sich das türkische Linux an, zu den ganz großen Distributionen aufzuschließen.

Mit Pardus 2011 [1] präsentiert das türkische Linux-Projekt erstmals in seiner Geschichte neben der 32-Bit-Ausgabe auch eine 64-Bit-Version der Distribution. Beide gibt es sowohl als Live-DVDs zum Testen als auch in Form von Installations-DVD-Images. Mit der Live-Version dürfen Sie zwar den schicken KDE-4-Desktop testen und die vorhandene Software durchstöbern, einen Link zum Einrichten auf der Festplatte suchen Sie allerdings vergeblich: Hierfür gilt es die Install-DVDs zu bemühen. Alle vier Varianten finden Sie auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe.

Gleich zu Beginn der Installation fordert das Bootmenü Sie auf, eine Sprache auszuwählen. Nach dem Sie die Nutzungsbedingungen akzeptiert haben, klicken Sie sich durch die hübsch gestalteten Dialoge des Installationsprogramms Yali ("Yet Another Linux Installer"). Dabei geht es von der Tastaturbelegung über die Zeitzonenauswahl zum Partitionierer (Abbildung 1), der als Standard das Ext4-Dateisystem vorgibt und jetzt auch mit RAID- und LVM-Volumes umgehen kann. Die anschließende Konfiguration des Bootmanagers Grub schließt die Vorarbeiten ab und der Installer beginnt mit dem Kopieren der Dateien.

Abbildung 1: Das Installationswerkzeug Yali hebt sich optisch angenehm von den üblichen Installationsroutinen ab.

Nach einem abschließenden Neustart legen Sie als Erstes ein Benutzerkonto an. Über den Knopf Erweitert tragen Sie weitere Accounts ein und nehmen bereits erste Einstellungen vor. Pardus gehört zu den Distributionen, die mit einem echten Administrator-Konto arbeiten. Für diesen vergeben Sie noch ein Passwort und legen dann zu guter Letzt den Hostnamen des Systems fest. Nun steht einem ersten Login nichts mehr im Weg.

Technische Daten

Name Pardus Linux
Version 2011 (20.01.2011)
Kernel 2.6.37
Desktop KDE 4.5.5
X-Server 1.9.4 RC1
Architektur i686, amd64
Besonderes eigene Verwaltungswerkzeuge und Paketmanagement

Aye aye, Kaptan!

Nach der ersten Anmeldung versperrt Ihnen erst einmal das Einrichtungswerkzeug Kaptan (dt.: Kapitän) den Blick auf den KDE-4-Desktop. Hier bestimmen Sie einige KDE-Einstellungen, wie das Klickverhalten sowie das Design und wählen einen hübschen Desktophintergrund. Bei der Wahl der Symbolsammlung bietet Kaptan das eigens für Pardus entwickelte Icon-Thema Milky an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Icon-Theme Milky wurde eigens für Pardus Linux entwickelt.

Pardus 2011 bietet erstmals die Möglichkeit, über eine Webcam ein Benutzerfoto zu schießen und ins System einzubinden. Auch das Verhalten des Paket- und Update-Managers PiSi ("Packages Installed Successfully, as Intended") passen Sie an dieser Stelle an. Zum Abschluss der Einrichtung schicken Sie optional wie bei Fedora mittels Smolt ein Systemprofil an die Entwickler.

Es bietet sich an, nun gleich noch die Systemeinstellungen aufzurufen und dort den eigenen Vorlieben freien Lauf zu lassen. Neu hinzugekommen ist hier die Konfiguration von Bluetooth-Geräten. Unter Eingabegeräte im Abschnitt Hardware binden Sie nun auch Wacom-Tablets ein und konfigurieren Touchpads.

Ebenfalls um einen Neuzugang handelt es sich beim Gnome-Network-Manager, mit dessen tatkräftiger Unterstützung Sie Netzzugang über Kabel, WLAN oder auch HSDPA/UMTS konfigurieren. Sie finden das neue Werkzeug in den Systemeinstellungen in der Rubrik Netzwerk und Verbindungen.

Zum Einbinden proprietärer Treiber etwa für Grafikkarten von Nvidia oder ATI nutzt Pardus den kleinen Helfer Panda: Er lädt er bei erkannter Hardware den aktuellen Treiber des GPU-Herstellers und aktiviert ihn. Um das Tool aufzurufen, drücken Sie [Alt]+[F2] und geben im Schnellstartfenster panda ein.

Gemischte Software

Als Desktop setzt Pardus KDE SC 4.4.5 ein, das zwar einerseits absolut aktuell, aber andererseits noch nicht komplett lokalisiert ist (Abbildung 3). Die Distribution verfolgt den Grundsatz "Eine Aufgabe, eine Anwendung", geht aber auch hier eigene Wege: So findet sich als Büropaket bereits LibreOffice statt OpenOffice.

Abbildung 3: Trotz installiertem Sprachpaket bleiben einige KDE-Teile englischsprachig.

Mit dem Musikspieler Clementine setzt Pardus ebenfalls auf einen Fork: Er baut auf dem älteren Amarok 1.4 auf und entwickelt daher weniger Ressourcenhunger als die Weiterentwicklung Amarok 2. Videos spielt dagegen der SMPlayer ab, eine Qt-Variante des beliebten MPlayer. Auf diese Weise bekommen Sie hervorragende Systemintegration und umfangreichen Support für Mediendatei aller Art. Genügt Ihnen das Standardangebot nicht, ziehen Sie einfach über den Paketmanager den Allesspieler VLC nach.

Sie erreichen die Paketverwaltung PiSi (Abbildung 4) über den Menüpunkt Software hinzufügen oder entfernen. Die Programmoberfläche wirkt logisch und gut strukturiert, bedarf jedoch eines kleinen Anstoßes mittels eines Klicks auf den Reiter Updates, um die Paketquellen zu aktualisieren und die 3800 Pakete des Pardus-Repositories zu finden. Das hört sich erst einmal nach nicht viel an, reicht aber allemal, um für jede wichtige Software ein Pardus-fähiges Päckchen zu erhalten. Sagt ihnen etwa die als Browser-Standard gesetzte Beta 9 von Firefox 4 nicht zu, finden Sie in den Repos auch Alternativen wie Opera oder Chromium.

Abbildung 4: Über die Eigenentwicklung PiSi installieren Sie unkompliziert gewohnte Software nach.

Insgesamt setzt das Pardus-Team ganz auf Aktualität. So finden Sie neben dem brandneuem KDE 4.5.5 auch Beta-Versionen und Release-Kandidaten. Der verwendete Kernel 2.6.37 und der Desktop erschienen erst wenige Tage vor dem Pardus-Release. Das hat seinen Preis: Pardus 2011 macht vor allem bei den KDE-Komponenten keine gute Figur und ruft auch gern einmal den Absturzmanager herbei.

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