Ausbaufähig
Open-Source-Rennspiel Torcs
Fazit
Gegenüber professionellen Autorennspielen besitzt Torcs eine altbackene Grafik und nur wenig motivierende Rennmodi – Ausnahmen bestätigen dabei die Regel (Abbildung 9). Der spezielle Reiz liegt vielmehr in seiner offenen und modularen Natur. So sind schnell weitere Formel 1-Strecken samt entsprechender Boliden nachgerüstet. Wem dennoch ein Auto oder Kurs fehlt, bastelt kurzerhand sein eigenes Exemplar (Abbildung 10).
Um den kryptischen Textdateien zu entfliehen, stehen Ihnen externe Werkzeuge zur Verfügung: So erlaubt beispielsweise der Torcs Car Setup Editor einen Eingriff in die Fahrzeugeinstellungen beziehungsweise die Aerodynamik. Das Konzept der nachrüstbaren Computergegner (siehe Kasten "Clevere Kerlchen") mit ihren individuellen Fahrstilen und Taktiken sorgt für adrenalingeladene Rennen. Das bietet in dieser Form kein kommerzieller Konkurrent.
Obwohl also die Arbeit an Torcs nur langsam voran schreitet, basteln die Programmierer eifrig an der kommenden Version. Sie soll endlich den heiß ersehnten Online-Mehrspielermodus mitbringen. Wer so lange nicht warten möchte, weicht auf Speed Dreams aus (Siehe Kasten "Schnelle Träume").
Clevere Kerlchen
Kleine Computerprogramme, die so genannten Robots, steuern in Torcs sämtliche gegnerischen Fahrzeuge. Exemplare mit anderem Fahrverhalten und Rennstrategien rüsten Sie genau so einfach nach wie Autos oder Strecken. Entpacken Sie das Archiv mit dem mechanischen Gegner in den Unterordner drivers des Torcs-Installationsverzeichnisses. Anschließend steht er im Konfigurationsdialog zur Auswahl.
Wenn Sie sich dort übrigens selbst (in Form des Player-Eintrags) aus der Startaufstellung streichen, fahren die Roboter gegeneinander. Auf diese Weise ermittelt auch das Torcs Racing Board in einem jährlich ausgerichteten Wettbewerb die besten künstlichen Fahrer [4].
Selbstverständlich dürfen Sie auch eigene Robots programmieren und somit Ihre ganz persönlichen Computergegner erschaffen. Dafür müssen Sie lediglich etwas Spaß an künstlicher Intelligenz mitbringen sowie die Programmiersprachen C oder C++ beherrschen. Alle weiteren notwendigen Informationen liefern verschiedene Tutorials auf der Torcs-Homepage.
Schnelle Träume
Nachdem einigen Projektmitgliedern die Arbeit an Torcs nicht schnell genug voran ging, seilten sie sich Ende 2008 mit einer eigenen Variante ab [5]. Zunächst unter dem Namen Torcs-NG gestartet, soll Speed Dreams eine bessere Grafik, neue Funktionen und ab Version 2.0 auch einen Mehrspielermodus erhalten. Die Anfang des Jahres veröffentlichte Version 1.4.0 entspricht bis auf kleinere, optische Verbesserungen allerdings noch weitgehend dem aktuellen Torcs 1.3.1.
Möchten Sie Speed Dreams ausprobieren, müssen Sie das Programm recht umständlich selbst erstellen. Für Ubuntu 9.10 existiert zwar ein fertiges Paket, das sich im Test allerdings nicht installieren ließ.
Spielen Sie vor dem Kompilieren von Speed Dreams zunächst über den Paketmanager den Compiler G++ sowie die Bibliotheken Plib, OpenAL, Alut 1.1, OpenGL, Libpng und Zlib samt ihren jeweiligen Entwicklerpaketen ein. Unter Ubuntu benötigen Sie beispielsweise die Pakete g++, libplib-dev, libopenal-dev, libalut-dev, libpng12-dev und zlib1g-dev. Stellen Sie abschließend sicher, dass die Entwicklerpakete für X11 installiert sind – unter Ubuntu im Paket xorg-dev. Jetzt laden Sie das aktuelle Archiv von der Speed Dreams-Homepage, entpacken es auf die Festplatte und rufen in einem Terminal die folgenden drei Befehle auf:
$ ./configure $ make $ sudo make install
Sollte einer der Befehle fehlende OpenGL-Bestandteile anmeckern, installieren Sie noch das Mesa-Entwicklerpaket (unter Ubuntu libgl1-mesa-dev). Lief das Übersetzen erfolgreich durch, starten Sie das Rennspiel mittels speed-dreams in einem Terminal.
Infos
[1] Torcs: http://torcs.sourceforge.net
[2] txChange: http://t-xchange.co.cc
[3] For1-Torcs-Projekt: http://apr-free.info/joomla/index.php/for1-torcs
[4] Torcs Racing Board: http://www.berniw.org/trb
[5] Torcs-Ableger Speed Dreams: http://www.speed-dreams.org



